Ausgabe 
29.1.1934
 
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abführen.

*

den seit

um von ab-

Die Sache ist mir mehr als rätselhaft, Walter! Ich hörte das Geräusch nebenan im Schlafzimmer, während ich hier arbeitete, sprang schnell hinüber und fand den Kerl hinter einer Portiere!

Die beiden Freunde saßen am Schreibtisch des jungen Privat­gelehrten und qualmten vor sich hin.

Allerdings ... wenn man bedenkt, daß du immerhin sehr be­scheiden leben mußt... und daß die Einrichtung hier ..." Walter Kelling wies mit einer umfassenden Handbewegung auf das an­spruchslose Studierzimmer, ...Kostbarkeiten sind hier wirklich nicht zu holen!" , , .

Der Doktor nickte.Abgesehen davon ist noch etn anderer Um­stand, der die Angelegenheit noch schleierhafter macht: meine Auf­wartefrau behauptet, daß der Kerl heute früh schon einmal da­gewesen sei und nach mir gefragt hätte!"

Vielleicht wollte er die Gelegenheit zum Einbruch ausbal­

dowern?" t

Dann häte er sich doch gewiß einen Vorwand ausgesucht, in die Wohnung eingelassen zu werden, er behauptete aber, meiner Leihbibiliothek geschickt worden zu sein, um ein Buch zuholen, das ich mir entliehen habe!"

Das ist doch aber eine ganz plausible Sache?"

schließt du nun daraus?"

Wilke zuckte die Achseln.Wenn es sich noch um ein wertvolles Werk handelte, eine seltene Erstausgabe z. B., könnte man an- uehmen, daß der Einbruch dem Buche selbst gegolten habe, aber so ... sich dir das doch an!" Er nahm vom Schreibtisch einen dicken Band und reichte ihn dem Freunde hinüber.

Das ist allerdings keine Kostbarkeit, wenigstens nicht vom materiellen Standpunkt aus, eine Feld-, Wald- und Wiesenaus­gabe von Sven HedinsTranshimalaya", wie man sie in jedem Laden zu kaufen bekommt." Er gab das Buch kopfschüttelnd wieder zurück.

Ich habe schon daran gedacht", fuhr Wilke nach einer kleinen Pause fort,daß der vorige Leser vielleicht etwas in dem Band

Planquadrat C1.

Eine merkwürdige Kriminalgeschichte von Lindy.

Behalten Sie nur die Hände hübsch oben", meinte Dr. Wilke und ließ keinen Blick von seinem Gefangenen.Wenn fthnen die Zeit lang wird, können Sie mir inzwischen erzählen, was Sie eigentlich hier bei mir gesucht haben!" Er hielt den Browning fest auf die Brust des Einbrechers gerichtet und zog sich mit einem Fuß einen Stuhl heran.

Der Mann, der mit erhobenen Armen an der Tür lehnte, lächelte spöttisch.Von mir werden Sie nichts heranskriegen, Herr ..." Von da an war kein Wort mehr aus ihm heraus zu bekommen: auch als dann das Uebersallkommando kam, verharrte er in seinem verbissenen Schweigen und ließ sich widerstandslos

Dr. Wilke lachte.Doch nicht ganz, denn erstens kenne ich Bibliothekar persönlich, und zweitens habe ich das Buch erst drei Tagen! Zur Sicherheit habe ich auch noch den Bücherfritzen angerufen, welcher mir zur Antwort gab, daß er gar nicht daran dächte, seine Kundschaft zu mahnen, denn je länger die Bücher draußen blieben, desto größer seien auch die Leihgebühren!"

Ein durchaus gesunder Standpunkt", meinte Kelling,und was

tf>m versprochen, wenn er ins Heer einträte, so würde er in kur­ier ^eit Capitano werden: und da möchte er nun allo mit den Dragonern ziehen. Ney musterte den ranken Burschen wohlgefäl­lig.Es ist gut", sagte er,du kannst untkommen.

L^ier wandte sich der Pfarrer Buonaparte, immer noch die Henne im Arm, zu dem General, und in seiner Stimme war ein solcher Ernst, daß Ney betroffen lauschte.Sie wollten mir da. ßiHrrf brinaen Herr General", sagte der alte Priester,und ich danke Ihnen dafür. Aber blicken Sie um sich: Hat nicht Ihr Kom­men in einem einzigen Augenblick das, was da» Gluck meiner Tage war, zerstampft, geraubt, zunichte gemacht? So hat mich der Himmel dafür gestraft, daß ich mich Mmute lang von dem Glanz der Welt versuchen ließ und die kleine Welt, in oie ily aestellt bin, mißachten wollte. Ueberbringen Sie meinem Neffen Napoleon meinen väterlichen Segen und sagen Sie ihm, daß e mich meinen Weg in Frieden soll zu Ende gehen lassen.

Ney, der bei unverrichtetem Auftrag den Zorn des Aalsers fürchtete, legte sich aufs lleberreden, aufs Bitten, schließlich auf» Drohen. Da aber traf ihn aus den Augen des Pfarrers Vuona- parte ein stählern aufblitzender Blick, dem er nicht stanöhielt: und er sah plötzlich in dem hageren Antlitz des Greftes auf seltsame Art das Antlitz gespiegelt, vor dessen Ausdruck die Volker bebten, _das von einem unbeugsamen Willen gestrafft, von der Er^nnt- nis eines unabänderlichen Schicksals leidenschaftlich und machtvoll erfüllte Antlitz des Kaisers. So wandte sich Ney nut unwillkür­lich tiefer Verneigung zur Tür, ging tn den Hof hinaus und befahl aufznsitzen. Gleich darauf raffelte der Trupp nut Geklirr und Getrappel davon.

Der Pfarrer Buonaparte sah dem gleißenden Spuk nach, bis der aufgewirbelte Staub den letzten Waffenbesitz verschluckte, und es war, als er in sein verödetes Haus zurückkehrte, ur seinem leichten Schulterheben etwas, das an das stumme Achlelzucken gemahnte, mit dem Napoleon wenige Tage darauf Bet Neys Be­richt die erwiesene Unzulänglichkeit seines Verwandten zu den unabänderlichen Torheiten der Menschen warf.

vergessen haben könnte, einen kompromittierenden Brief oder fv ^"»ar«m nicht gleich das Testament des von bösenVerwandten bedrohten Erbonkels, das dieser in dem Einband verbarg ... , lachte Kelling,nein ... mein Lieber, du phantasierst! Er nahm das Buch nochmals zur Hand.Du siehstz der Einband ist unver­letzt. Ich finde auch keine geheimen Zeichen darin, oder wlllstdu vielleicht diesen Zahlen hier einen Sinn beilegen? Er deutete aus eine Reihe von Ziffern, die auf der inneren Embandseite mit Tinte geschrieben waren, flüchtig hmgekritzelt, wie um da» Auf finden bestimmter Seiten zu erleichtern.

Er schlug die erste der angegebenen Seiten aus.Ich kann hier mit dein besten Willen nichts entdecken, keinen Bleistiftstrich, keinen Hinweis ... oder siehst du vielleicht etwas?"

Der Gelehrte betrachtete das Buch nochmals eingehend.Wenn man die Seite gegen das Licht hält", meinte er zögernd, ,chann sehe ich da allerdings eine Anzahl unregelmäßig verteilter Punkte, so als ob man mit einer Stecknadel hineingestochen hatte... Er blätterte weiter, schlug die nächste der angegebenen Seiten aus... und wenn du hier genau hinsiehst, findest du dieselben Locher! Mein Lieber ... paß mal auf, da» hat wa» zu bedeuten!

Er war ganz aufgeregt und auch Kelling konnte sich einer gewissen Spannung nicht erwehren, besonders al» es sich dann herausstellte, daß tatsächlich nur die angegebenen Seiten dtese rätselhaften Löcher enthielten, wahrend die übrigen Blatter des Werkes so unberührt waren, rote sie die Werkstatt de» Drucker» verlassen hatten.

Die Löcher schienen eine Anzahl von Ziffern und Buchstaben zu kennzeichnen, roel.che nachdem sie die Freunde sorgfältig der Reihe nach hingeschrieben hatten, folgende 7 Gruppen ergaben:

3HIDRTRL HCEEHNDP CERUEUA ORDSU1U L2RGFCQ

SEONRTN THNUEAA.

Schweigend starrten die Männer auf diese mysteriösen Zeichen.

Ich kann da mit bestem Willen keinen Sinn hcrauslesen, meinte Kelling schließlich,das sieht einer Kultursprache verdammt 4n®üfelmufjte lachen.So einfach ist die Sache wohl doch nicht, mein Lieber. Es ist klar, daß die Zeichen nach einem bestimmten Schlüssel geordnet sind. Wenn wir den haben, werden wir auch wissen, weshalb der Einbruch versucht wurde."

Großer Gott..." stöhnte Kelling,weißt du auch, daß die Mög­lichkeiten, nach denen das Zeug da zusammengestellt sein kann, in die Millionen gehen? Da mache ich nicht mit!"

Brauchst du auch nicht, Walter, denn wenn wir nicht ein biß­chen Glück haben, werden wir es sowieso nie herausfinden. Ver­suchen wir es erst mal mit den einfachsten Methoden. Wie ist es, läßt sich der Satz rückwärts lesen?" Er begann zu schreiben, schüt­telte aber nach kurzer Zeit den Kopf.Nein, das gibt auch keinen

Sinn l"

Kelling beugte sich vor.Wie ist es, wenn man die Wortgrup­pen untereinander stellt?" Schweigend machte sich Wilke an die

Arbeit.

Die Sache sieht dann so aus, 3 H I D H C E E C E R U O R D S L 2 R G SEGN T H N U

schau her: R T R L H N D P E U A U 1 U F C Q RTN E A A

Nachdenklich starrten die Freunde auf das Papier.

Wenn man das von oben nach unten liest, werden wir auch nicht schlauer", meinte Kelling nach einer Weile,aber schaue dir bitte die dritte senkrechte Reihe an, von unten nach oben ... steht da nicht das Wort .NORD'?"

Wir habens", schrie Wilke auf,sieh her...!" Er begann die einzelnen Reihen von unten nach oben zu notieren, indem er mit der rechten anfinq und nach links fortfuhr. Unter seinem zittern­den Bleistift entstand ein Sah ans dem Papier, der endlich einen ^"PLANQUADRAT CI UNTERFUEHRUNG SUED NORD REIHE 2 RECHTS LOCH 3 ..las Kelling langsam vor,was hältst du davon?" .

Daß das unzweifelhaft eine Ortsangabe ist. .Planguadrat C 1 bezieht sich auf eine Landkarte, das steht fest, fragt sich nur, auf welche..." , t

Wir sollten es zuerst mit der gangbarsten versuchen, das ist der Pssamsplan von Berlin. Hast du einen da?"

Wilke nickte.Dort unter meinen Wandkarten, gib ihn mal her."

Es stellte sich heraus, daß in dem Quadrat C 1 zwei Unter­führungen eingezeichnet waren, von denen die eine genau von Nord nach Süd verlief. Aufatmend fassen sich die Freunde an.

Fch glaube, daß wir der Lösung nasse sind", meinte der Ge­lehrte schließlich,Bei Tagesanbruch fahren wir ssinaus und scssen uns mal um, was dort los ist, weswegen sich ein Einbruch lohnt!"

*

Wenige Stunden später saßen die Freunde recht niedergeschla­gen in einem Chausseegraben, dicht an der fraglichen Unter­führung.

Neingefallen, mein Lieber", unterbrach Kelling das Schweigen. Laß uns mal wieder nach Hause fahren und ausschlafen!"

. Wilke schüttelte den Kopf und starrte immer wieder aus das