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vor noch
auf- Art.
am Schreibtisch. m .....
„Was haben Sie, Schmidt?" fragte Wille und schaute kaum auf; er ließ sich bet der Arbeit nicht gerne stören. Schmidt schob die amerikanische Zeitschrift vor ihn hin.
„Hier, Herr Wille, lesen Sie. Garrison und Bolton werden vermißt."
Kopftchüttelnd überflog Dr. Wille die Notiz.
„Unsinn, Schmidt! Weih der Teufel, was die amerikanischen Reporter sich da mal wieder aus den Fingern gesogen haben. Fragen Sie doch einfach in Bitterfeld an, wenn Sie's genau wissen wollen."
„Sie haben recht, Herr Wille, das werde ich tun."
Garrison betrachtete verständnisvoll den Inhalt der Kiste.
„Ich glaube, Bolton, in unserer augenblicklichen Lage wird das hier viel nützlicher sein als die Erzproben.
Prüfend wiegte er das Beil in der Hand.
Sehen Sie mal das hier, 93olton. Somit könnte map vielleicht einen Baumstamm aushöhlen, ein Boot bauen, könnte damit zu einer bewohnten Insel in der Nachbarschaft kommen." —
Die nächsten Stunden verbrachten beide damit, ihre Vorräte sorg- sältiq zu durchmustern, und sie entdeckten dabei noch manches, was ihnen von Nutzen sein konnte. Berkofs schien den Werkzeugschrank von .St 8 zu ihren Gunsten sehr gründlich geplündert zu haben
Immer tiefer war inzwischen die Sonne gesunken. Jetzt berührte ihre Scheibe die Kimmlinie zwischen Meer und Himmel. Wie em feuriger Ball versank sie in der Flut. Nur noch wenige Minuten einer kurzen Dämmerung, dann brach die Tropennacht herein. Der erste Tag der beiden unfreiwilligen Jnfelbewohner ging zu Ende.
Aus Willes Tisch standen zwei Uhren. Die eine zeigte die mitteleuropäische, die andere die Greenwich-Zeit an. Mit einer Handbewegung, darauf sagte er:
Ungünstige Zeit, lieber Schmidt. Zwei Uhr nachts in Bitterfeld. Sie werden aus die Antwort etwas warten müssen, aber fragen Sie nur an.
Wille behielt mit seiner Behauptung recht. Es dauerte reichlich sechs. Stunden, bevor Schmidt die Antwort auf seine Frage in Händen hielt. Sie lautete kurz und bündig:
„Bolton und Garrison ihrem Wunsche gemäß am 25. äuguft an ber italienischen Küste zwischen Neapel und Sorrent an Land gesetzt. Hein
Daß'diefer Funkspruch so spät einlief, war keineswegs wie Dr. Wille meinte durch die ungünstige Zeit verursacht. Ms der Funker der Eggerth- Werke Schmidts Anfrage des nachts kurz nach zwei Uhr erhielt, erschien sie ihm so wichtig, daß er sie zu Hein Eggerth schickte. Der schimpfte erst auf den Boten, der ihn aus dem Schlafe riß. Aber als er sie gelesen hatte wurde er vollständig munter und verspürte em reichlich unbehagliches Gefühl. Das erste war, daß er den Boten gleich weiterschickte und Berkoff holen lieh.
Zu zweit studierten sie den Funkspruch, überlegten hin und her und konnten sich doch nicht darüber einig werden, was darauf zu antwor» tCU Wad™ einer Stunde Hinundherredens faßte Hein Eggerth einen Ent- ch^,Es hilft nichts, Georg! Wir müssen mit dem Ding zu meinem alten Herrn gehen, der wird schon die richtige Antwort daraus wissen...
Berkoff machte eine unsichere Bewegung.
Keine angenehme Geschichte, Hein, der Herr Professor machte neulich so ein merkwürdiges Gesicht, als wir ihm von der Ausbootung der beiden Pankees berichteten. Willst du nicht lieber allem zu ihm gehen?
„Meinetwegen, Georg! Ich habe damals die Idee gehabt und will sie auch weiter vertreten."--- . ,
Professor Eggerth las die Depesche, die ihm Hem ins Schlafzimmer brachte, und die Falten aus seiner Stirn vertieften sich dabei.
„Was hältst du davon, Vater?" fragte Hein.
Die Notiz in der amerikanischen Zeitschrift ist unwichtig", meinte Präses or Eggerth nach kurzem Ueberlegen. Daß hier irgendein Reporter aus dem Verschwinden Garrisons eine Sensation zu machen veracht, hat nicht viel zu bedeuten. Das Bedenklichste ist nur, daß unser Schmidt das Blatt in die Finger bekommen hat."
„Ganz meine Meinung, Vater. Wir müssen ihm so antworten, daß er nicht auf die Idee kommt, überflüjfige Funkfprüche loszulasfen.
Professor Eqaerth unterdrückte ein Lächeln. „Leicht gesagt, aber schwer getan, mein Junge." Er überlegte eine Weile. „Ja, ich denke, fo wirds gehen." Griff zum Bleistift und entwarf eine Depesche über die Ausbootung der beiden Amerikaner an der italienischen Küste.
Mit zweiselnder Miene überflog Hein Eggerth den Text. „Glaubst du, das wird genügen?"
Der Alte nickte. „So ist's schon richtig, Hein. Laß es aber erst morgen früh fünfen, um fo unverfänglicher wird es wirken."---
Dr Schmidt las die Antwort auf feine Anfrage verwundert zum zweiten und dritten Male. Wie war es bei dieser klaren Sachlage mog- lich, daß die amerikanische Zeitung eine derartig unsinnige Nachricht verbreiten konnte? Lange ging er mit sich zu Rate, was er dagegen unternehmen könne ... nach Pasadena funken? ... der amerikanischen Zeitschrift eine Richtigstellung schicken, in der die erfolgreiche Hilfeleistung des deutschen Stratosphärenschiffes nicht zu kurz kommen sollte?
Nun zeigte es sich, daß Professor Eggerth doch ein guter Psychologe war Der lange Schmidt verwarf die erste Möglichkeit und entschied sich für die zweite. Sofort ging er daran, eine geharnischte Richtigstellung an die ,,American Geological Research" zu entwerfen. Die konnte das nächste Stratosphärenschifs, das zur Station kam, dann mitnehmen und weiterbesördern.
Für Schmidt war die Angelegenheit damit erledigt, und seine wissenschaftlichen Interessen nahmen ihn wieder in Anspruch. Nach dem Abendessen folgte er Wille in dessen Arbeitszimmer.
„Haden Sie einen Augenblick Zeit für mich, Herr Dr. Wille?"
Wille kannte die .Augenblicke' van Schmidt. Meistens wurden halb«
ober ganze Stunden daraus.
„Bitte sehr, Herr Schmidt. Wenn es wichtig ist ... erwiderte et mit einem leichten Seufzer.
Schmidt breitete eine große Karte der Antarktis auf dem Mittel- tifch au«. Wille warf, einen Blick darauf. „Mal wieder em echter. Schmidt", dachte er bei sich, als er die zahllosen mit Bleistift auf der Karte eingezeichneten Magnetlinien fah. All die vielen Messungen ihrer letzten Expedition waren hier eingetragen und zu einem Netz geschlossener Linien vervollständigt worden.
Wille beugte sich tiefer über die Karte und verfolgte die verschiedenen Eintragungen, blickte Schmidt dann erstaunt an.
„Ja, was Haden Sie sich denn hier geleistet, Schmidt?, Die Linien gehen ja weit über das von uns untersuchte Gebiet hinaus."
„So ist es, Herr Wille. Ich habe mir die Arbeit gemacht, die Lmien weiter nach Süden in das Gebiet hinein, in dem wir selbst nicht waren, ,U Wive^chütteite abweisend den Kopf. „Ach fo. Sie Haden extrapoliert. Ein undankbares Geschäft, mein lieber Schmidt. Es kommt selten was Vernünftiges dabei heraus."
Schmidt kniff die Lippen zusammen, bevor er antwortete.
„In vielen Fällen mögen Sie recht haben. In diesem Falle ergibt sich aber doch ein äußerst bemerkenswertes Resultat. Wie Sie hier sehen, laufen die sämtlichen von mir verlängerten Linien auf 83 Grad 14 Minuten Süd, 158 Grad 12 Minuten Ost zusammen."
fFortfetzung folgt.)
Lippen. Ms sie den Bach erreichten, tranken sie beide in vollen Zügen, obwohl Bolton sonst gerade kein Freund von einfachem Wasser war.
An ihrem ersten Lagerplatz angelangt, mußten sie feststellen, daß Berkoff und Eggerth doch an alles gedacht hatten. Richt nur Messner für die verschiedenen Konservenbüchsen sanden sich zwischen den hier aufgestapelten Dingen. Bei genauerem Zusehen entdeckten sie Feuerzeuge und Streichhölzer in reichlicher Menge und weiter Geschirr und Eßbestecke, die es ihnen ermöglichten, ihre Mahlzeit auf gesittete Manier 3“ Nach^den?l<xssen entdeckte Bolton in einem der Mäntel eine volle Zigarrentasche und steckte sich eine Zigarre an. .
o „Ja, Garrison", stieß er zwischen zwei Rauchwolken hervor „da sitzen wir mit dem Talent und können's nicht verwerten. Das verfluchte ®r3@rtstand°"aus, schlenderte zu der Kiste hin, gab ihr einen Tritt. Stutzte dann. Wie merkwürdig hatte das dadrin geklirrt. Ganz anders wie die schweren Erzbrocken. Er beugte sich nieder, wollte d,e Kiste an- tannten, da blieb ihm der Deckel in den Händen. Er war nur leicht gelegt. In der Kiste war kein Erz mehr, dafür Werkzeuge aller Verschiedene Sägen, ein scharfes Handbeil und anderes mehr.
Garrison, Garrison! Kommen Sie her", Bolton heulte beinahe Wut. „Kommen Sie her! Unser Erz haben uns die Hunde auch
Immer schwächer wurde die Dämmerung in der Antarktis. Die lange, fast sechs Monate währende Polarnacht, die zweite Nacht für die Willesche Expedition brach an. ,
Langsam verstrichen die dunklen Stunden. Dr. Wille beschäftigte sich wieder mit seinen elektrischen Messungen. Dr. Schmidt kramte mißmutig in den Zeitungen und Zeitschriften herum, die ,St8 dem, letzten Besuch dagelassen hatte. Illustrierte Journale — Magazine mit Preisboxern und Filmschönheiten — der lange Schmidt hatte gar kein Interesse für derartige Lektüre und schob sie achtlos beiseite. Aber dort, ein Heft der „American Geophysical Research" — das konnte was fein. Er zog es aus dem Stoß heraus und machte es sich damit neben dem Ofen des Wohnraumes bequem. Gewissenhaft ackerte er alles durch und kam schließlich zu den vermischten Nachrichten.
Er stutzte, als er feinen Namen las. Die Notiz behandelte die Ueber- nahme der Willeschen Station durch die Reichsregierung. Mit leichter Ironie wurden die Titel, welche den Herren Wille und Schmidt bei dieser Gelegenheit verliehen waren, aufgezählt. Zum Schluß lobte das amerikanische Blatt aber das Vorgehen der Reichsregierung und sprach den dringenden Wunsch aus, daß man in Washington bald etwas Aehn- liches für die Antarktis organisieren sollte.
Nach feiner Gewohnheit kniff Schmidt dabei die dünnen Lippen zusammen und machte ein Gesicht, als ob er etwas Bitteres geschluckt l)Qbkönnten uns grabe noch fehlen", murmelte er vor sich hin. „Die Pankees hier als Konkurrenten, gräßlicher Gedanke."
Dann las er weiter und stieß schon in der nächsten Notiz wieder auf bekannte Namen — Garrison — Mr. James Garrison — Mitglied ber Sternwarte von Pasabena — Bolton — er brachte bas Blatt naher an bie Augen unb las bie Mitteilung noch einmal:
„Seit bem 22. August wirb James Garrison aus Pasadena, em bekanntes Mitglied der dortigen Sternwarte, vermißt. Es konnte fest- gestellt werden, daß er sich mit bem Millionär Joe Bolton aus Frisco zu einer Reife in bie Antarktis zusammengetan hat. Garrifon unb Bolton sind auf bem Luftwege nach Australien gekommen. Sie haben tn Abelaibe am 20. August ein amerikanisches Flugzeug W16 gekauft unb sind mit ihm ohne Piloten am 22. August in bie Antarktis gestartet. Seitbem haben sie kein Lebenszeichen mehr gegeben." —
Die Notiz brachte noch einen Hinweis, wie notroenbig für berartige Expeditionen bie staatliche Unterstützung fei, unb schloß mit einem Hymnus auf bas Vorgehen ber beutfchen Regierung.
Schmibt ließ bas Blatt sinken unb strich sich über bie Stirn. Was sollte bas bebeuten? ,6t 8' war boch aufgestiegen, um bie Schiffbrüchigen zu holen. Eine Kleinigkeit mußte bas für ein Stratofphärerkschisf wie ,6t 8' fein. Er sprang auf. Mit bem Blatt in ber Hanb machte er sich auf bie Suche nach Dr. Wille. Er fanb ihn in feinem Arbeitszimmer


