Ausgabe 
28.9.1934
 
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Mithilfe der Sultane kaum möglich war, ein gerechtes Urteil zu fällen.

Bei Beleidigungsklagen drehte es sich hauptsächlich um die Ehre feer Mutter, die sich ein Neger so leicht nicht verunglimpfen ließ. ,Mama yako namna mbuzi",deine Mutter ist wie eine Ziege", war ein gebräuchliches Schimpfwort, das sich die Streithähne gegenseitig sehr »ft vorwarfen, und das stets zur Klage führte. Hierbei fielen gewöhnlich treibe Teile hinein, da sich beide nichts herausgegeben hatten und nun ihre Missetat mit einer Geldstrafe büßten.

Die freiwillige Gerichtsbarkeit bestand in der Hauptsache aus Be­glaubigungen von Verträgen, Schuldscheinen und Sklaoenfreikäufen. Die Verträge waren verschiedener Art. Es gab Kaufverträge und Heirats- ,ertrüge. Gerade letztere wurden besonders getätigt. Ein Sultan in vor­geschrittenem Lebensalter heiratet die dreijährige Tochter eines Stammes- angehörigen, für die er 300 bis 500 Rinder,'200 Hacken, Kupferringe, Stoffe und Bargeld bezahlt. Er entrichtet die Hälfte dieses Heiratsgutes sofort, die andere Hälfte erst am Hochzeitstag, der bei Eintreten der Reife ltattfinden soll. Man sah sich in dieser Hinsicht vor, denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen, hatten »ie Neger schon begriffen. Und wenn diese Abmachung vom Serkal (Re­gierung) beglaubigt war, dann war man gesichert.

Bei den Schuldverschreibungen spielten die Inder und Araber eine Hauptrolle. Die Inder als Bankiers und die Araber als Pumpgenies, bie mit dem Geld nicht allzu sorglich umgingen. Die Inder pumpten aber auch den Negern, verkauften ihnen minderwertige Waren für teueres Geld und suchten nun die armen Schächer durch Verträge aller Art zu Übervorteilen. Es war hier äußerste Vorsicht geboten, damit nicht Verträge zum Schaden der Eingeborenen zustande kamen, die von der Regierung sanktioniert wurden.

Und nun zum Schluß die Sklavenfreikäufe. Ja, das gab es noch. Der Sklavenhandel war zwar restlos beseitigt. Es bestand jedoch noch eine Haussklaverei, die auf Grund eines Reichstagsbeschlusses bis zum Jahre 1920 vollständig erledigt werden sollte. Die Hörigkeit sollte nicht ruf einmal aufhören, weil dies wirtschaftlich für die Eingeborenen nicht tragbar war. Es gab' unter den Sklaven viele arbeitsunfähige und alte Leute, die vom Besitzer zu unterhalten waren. Wenn man bedenkt, daß mancher einige Hundert Sklaven hatte, dann war es unmöglich, ihm bie Arbeitsfähigen zu nehmen und ihm die Arbeitsunfähigen zu belassen. Lies hätte unweigerlich zum Ruin vieler geführt. Man schasste aber doch viele Erleichterungen. So wurden die Kinder von Sklaven schon bei Ihrer Geburt Freie, was früher nicht der Fall war. Auch konnte ein Freikauf und eine Freilassung erfolgen. Bei schlechter Behandlung durch bie Sklavenherren wurde von Amts wegen Freilassung angeordnet. Der Freikauf ging in der Regel sehr rasch vor sich. Es wurde der Wert des Sklaven oder der Sklavin abgeschätzt. Meistens wurden Preise zwischen LO und 30 Rupien (13 bis 40 Mark) festgesetzt, die von dem Betreffenden innerhalb einer bestimmten Frist beizubringen waren. War die fragliche Summe abgezahlt, dann erhielt der Sklave einen Freibrief, der in bunter Ausmachung wie ein Diplom aussah. Solche Briefe bekamen auch die amtlich und freiwillig Freigelassenen. Bei letzteren mußte man stets darauf bedacht sein, daß der Sklavenherr nicht arbeitsunfähige und alte Leute freilieh, um sich vor der Unterhaltungspflicht zu drücken.

Der Gerichtstag geht zu Ende. C's werden noch einige Zeugenvor­ladungen auf schwarzweißrotem Papier ausgestellt, die mit Polizisten an die zuständigen Sultanate zwecks Zustellung abgesandt werden. Und bann teert sich langsam die Halle.

Schwatzend, lachend und scherzend strömen die Eingeborenen der Stadt zu. Hier und da bricht auch zwischen einzelnen Parteien unter­wegs ein Streit aus, der in Tätlichkeiten ausartet und sie mit der Polizei in Konflikt bringt.

Die Beisitzer verabschieden sich auch bald.Kwa heri bana mkubwa, leb wohl Herr." Mit Hilfe ihrer Eseltreiber besteigen sie ihre Reittiere Sin Schnalzen mit der Zunge treibt diese zum Trabe an und fort geht es. Hinterher laufen die Eseltreiber und versuchen mit den Tieren gleichen Schritt zu halten.

Der Gerichtstag ist beendet.

Die Reichsdienstslagge wird eingezogen.

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Himmel und Erde im Einklang."

Das Herbstgefühl in der deutschen Dichtung.

Bon Dr. Paul Junghans.

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, Und auf den Fluren laß die Winde los ..."

Be-

Mit diesen Worten spricht Rainer Maria Rilke das «nmAuhe reitfein aus, nach dem göttlichen Geschenk eines glühenden großen Som­mers nun Schatten und Wind als die Boten des Herbstes zu empfangem 3n einem tiefen Sinn ist der Herbst immer ein Knadebringer für alle Eene gewesen, die im Worte schöpferisch sind, denn er ls die, der Emp- nndungswelt des Dichters verwandteste Jahreszeit, d>e ihmHochs Empfänglichkeit in seinen Sinnen schenkt ihn n?. nerschwenderisch mit Klängen und Bildern bereichert und ihm zug eich ^geheimnisvole Weite des Zwielichtes zum Ausströmen feiner «'-der gewahrt In den Mrbigen Tagen des Herbstes, die warmen Sonnenglanz erleuchtet und die ein tausendfältiges Schattenspiel belebt, wa tet i°n Stille deren der Dichter zu seinem Schaffen bedarf, und vor fernen Smnen vollzieht sich Zugleich sichtbar im Naturgeschehen I-ne symbolhafte W^dlung de sterbens zu neuem Auferstehen, das zutiefst in all seinen Schöpfungen

Gestalt zu gewinnen sucht. Es ist, als löse der Zauber des Herbstes die Zunge, befreie die Worte und nehme dem Dichter die Erdenschwere, um ihn dorthin zu geleiten, wo er als Einziger unter den Sterblichen immer willkommen ist, vor Gottes Thron.

Jede Widerkehr des Herbstes bietet diese Gnadengaben dar, aber auch der Dichter mußte im Wandel der Zeiten erst sehen, hören und aus­sprechen lernen, was sein Herz bewegt, und so hat das Herbstgefühl in der deutschen Dichtung ebenso seine Geschichte wie es eine Geschichte des Malens und Musizierens gibt. In den Anfängen deutscher Dichtung wurde dem Herbst, im gewollten Gegensatz zum Frühling, dem die ersten Minnelieder galten, ein lauter, voller und farbiger Klang gewährt. Er wurde als Jahreszeit der Reife und Ernte gefeiert, und im finnenfrohen Mittelalter war fein Charakter als Früchtefpender so stark ausgeprägt, daß man über diesenBlumen des Herbstes" den schmerzlichen Zauber der sich färbenden, welkenden und niederfallenden Blätter kaum spürte. Auch dem stürmischen Vorreiter des Winters, dem Herbstwind verherr­lichte man nur in der Kunde vomWilden Heer", das durch die Lüfte braust. Der Herbst wurde diewahre Grundfeste" der Freuden genannt, und Erntefest und Weinlese, Jagd und Fischzug waren seine Gaben. Nur im Volkslied klang die Wehmutsweise des Sommerabschieds, und im geistlichen Gesang wurde das Sterben der natürlichen Welt dem Ver­gehen und Auferstehen des Menschen verglichen. Dieses Motiv vom Sterben und Wiedergeborenwerden wiederholte sich in der Folgezeit immer häufiger; die Klassik empfand jedoch nur stolzen Entfagungs- schmerz und fah im Wandel der Jahreszeiten das erhabene Sinnbild des großen geheimnisvollen Wachstums in der gesamten Lebenswelt. Deut­lich ist dies aus Goethes Worten in denWahlverwandtschaften" zu lesen:Das Jahr klingt ab; der Wind geht über die Stoppeln und findet nichts mehr zu bewegen; nur die roten Beeren jener schlanken Bäume scheinen uns noch an etwas Munteres erinnern zu wollen; sowie uns der Taktschlag des Dreschers den Gedanken erweckt, daß in der ab­gesichelten Aehre so viel Nährendes und Lebendiges verborgen liegt." Die eigentliche Entdeckung des Herbstes blieb so der Romantik Vorbe­halten. Ihre großen Maler mischen nach dem tausendfältigen Lichterfpiel des Herbstes die Farben ihrer Palette, und Novalis und Bren­tano verkünden in ihren Dichtungen fein tiefstes Mysterium. Zum Spiegel der Seele wird ihnen der Herbst, wie auch Jean Paul ihn in fernemHefperus" darstellt, und Nikolaus Lenau vergleicht fein eige­nes ruheloses Leben dem taumelnden Niederfallen der Blätter von den Bäumen und dem unsteten Flug der Wolken. Ihn treibt desHerbstes einsam kühler Hauch", zu rastloser Wanderschaft, ohne ihm auf seinem Weg in die Nacht des Wahnsinns entrinnen zu können; denndem Wandrer, rauh und kalt, kommt der Herbstwind nachgeflogen." Friede- und freudevoller erklingen Eichendorffs Herbstlieder, und durch StiftersNachsommer" fluten Stille und Helle und eine Heiterkeit, in der Nietzsche immer und immer wieder Erquickung sucht.

Unter seine vier liebsten Bücher hatte Nietzsche StiftersNachsommer" erhoben und dem dort sich webenden Herbst von frühester Jugend an als seiner günstigsten und begnadetsten Schaffenszeit Dank gewußt. So schrieb schon der Schüler Nietzsche aus Psorta an feine Mutter:Ich liebe den Herbst sehr, ob ich ihn gleich mehr durch meine Erinnerung und durch meine Gedichte kenne, aber die Luft ist so kristallklar, und man sieht so scharf von der Erde nach dem Himmel, die Welt liegt wie nackt vor den Augen." In dieser Helle, die die Gedanken schärst, vermag er zu arbeiten wie in keiner anderen Jahreszeit.Weiß es Zeus und der herbstlich reine Himmel! So kräftig trägts mich gerade in dieser Zeit ins Positive, fo manche üppige Stunde mit reicher Einsicht und wirk­licher Veranschaulichung geht an mir vorüber", schreibt er im September 1899 an feinen Freund Rhode und fügt hinzu:Es ist ein reiner, blauer, kühler Herbstmorgen; man spürt die verkümmerte Flügelhaftig- keit feiner Seele." Dengedankenreichen" und dennordischen Herbst" nannte Nietzsche diese Jahreszeit auch zuweilen, und er fühlt, daß Himmel und Erde im Einklang ruhig nebeneinander hinströmen, wun­derbar aus Sonnenwärme, Herbstfrische und blauer Unendlichkeit ge­mischt." ImZarathustra" hören wir dann die Worte:Herbst ist es umher und reiner Himmel und Nachmittag. Seht, welch' Fülle ist um uns! Und aus dem Ueberfluß heraus ist es schön, hinauszublicken auf ferne Meere." Und von tiefer Bedeutung für fein tragisches Schicksal ist der Dithyrambus:Tag meines Lebens! Gen Herbst geht's... Heiter­keit, güldene, komm!, des Todes heimlichster, süßester Vorgenuß." In den Turiner Tagen wird ihm, ehe er in die Finsternis der Geistesver­wirrung hinabsinkt, noch einmal ein leuchtschöner Herbst beschieden. Reinstes Oktoberlicht überall! Ich bin jetzt der dankbarste Mensch von der Welt herbstlich gesinnt in jenem guten Sinne des Wortes: es ist meine große Erntezeit. Alles wird mir leicht, alles gerät mir, obwohl schwerlich schon jemand so große Dinge unter den Händen gehabt hat."

Mit dem Gefühl dieser gedankenschweren und zu Taten drängenden Glut und Helligkeit des Herbstes ist seine Entdeckung vollendet. Aber immer neue Tage und Bilder fließen aus feinem Farben- und Licht­zauber und werden zu Gestalt und Gehalt von Versen und Liedern. George und Rilke sind in ihrem Wesen nach Dichter dieses festlichen Herbstes in Natur und Seele, und sie empfangen auch aus dieser für ihr Schaffen unentbehrlichen Welt wundersame Klänge. Aus den Gärten des Herbstes kommend, wandert Rilke durch die Alleen und Straßen, bis in die frühnachtblauen Stuben, in denen er die zärtlich leuchtenden Kerzen seiner Siebe und Andacht entzündet

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.

Wird wachen, lesen, lange Briese schreiben Und wird in den Alleen hin und her

Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben."