immer
Till hatte es ihm und anständig. Er und grauen Woll
ins Labor hinüber an seine Arbeit
„Das Leben ift viel gescheiter —!" tönte es plötzlich aus einer zischenden Gaswolke, so daß er im Hantieren innehielt. Und im ngch- ftcn Augenblick sah er, wie eine Vision, Dagoberts geschorenes Lro^- phetenhaupt grinsend aus dem weißen Nebel tauchen ..Der Narr brummte der Professor mit einem scharfen, lockern Lachen uno arbeitete an seinen Flaschen, Gläsern und Tabellen weiter.
Veranlworttich: l)r. tzans Thyriot. -Druck und Verlag: Vrubl'sche Univers itäts-Duch- und Steindruckerei, V. Lange. Gießen.
den Zigarrenrauch. Wir machen nebenan die Klappe auf.
„Bücherzimmer. Klappe auf."
! Klüter — das Mineralwasser für den Herrn Präsidenten nicht ’ vergessenI Nicht zu kalt! Er mischt wieder. Für Herrn Geheimrat und mich ein Glas Kognak zum Schluß! Eisgekühlt! Frau Geheunrat nimmt gern einen Änisett, Frau Präsident ein Gläschen Prunelle mit I einem Trapsen Curaoao .. "
„Anisett. Prünelle mit einem Tropfen. .
Für eine Weile — so dachte der Herr Professor — für eineWeile konnte man sich solche Sorgen ja wohl noch leisten? Kein Mensch wußte, was im übrigen kommen würde. Auch die Pirre-Herrnwkeit und die ganze Tulpenwegpracht hier konnten unversehens in die - ult fliegen — dank den heillosen, ans Kriminelle streifenden Mao n- schaften in der Bank: selbst mit der Sicherheit des Tegeler Betne-s- schaßes stand es verdammt wackelig und übel. Na, einerlei —: «eine Tegeler Werkzelle war schlimmstenfalls durch das rosa Haus und die Sammlungen gesichert; den Rest davon konnte sich der Staat nus- hängen. Und die Dienstklnuse da draußen patzte besser zu ihm Seine Bezüge aus knappen Staatsmitteln dazu sein vorläufig noch vorhandener Berzelius-Preis —üppig genug für einen einfachen Mann. Er hatte so einen Ausgang und Auszug immer mal vermutet Das hier war niemals seine Welt gewesen ...
Prosessor Hasselbrink steckte sich eine besonders krallige Zigarre an. die auch einem Mann seines Ranges und Formats für eine Weile ein würziges Privatleben vorzuzaubern imstande war. Dann ging er
""^Die^Damen blickten herüber und grüßten lächelnd. Frau Gugernell blieb sogar ein paar Augenblicke, von der undurchdringlichen Menge um- mauert'stehen/lächelte und lachte, hob herzlich die « '
über die Masse hin, lieb und nett und bewegt, wie es aussah, blickte noch einmal langsam zurück. I
Dagobert und Diez hatten sich flammend verbeugt und bie jungen Damen sich tief verneigt. „Das war die Dame Gugernell eine Art ^°D^ch'wer'war das?^Rasch und anmutig, ein schwarzer Haarpelz über weißem. hochmütigem Gesicht mit schwarz funkelnden Augen? °°n Glod, in Pelz und Frack — fein Mensch trug einen Frack, bloß das Orchester, aber Nikodem trug sonst bloß Kniehosen. „Unser verehrter Meister Dagobert Hasselbrink, liebe Ellinor!" präsentierte er Dag, der am äußersten Flügel hielt, einer mädchenhaften weißblonden Dame nut vollem rotem Mund und grünen Augen, um etliche Jahre alter als Glod mindestens fünf, schätzte Dagobert. „Recht herrlich, unsere entzückende Katarina, wie?" fuhr jener rasch und prinzlich fort „Wtr b"b eigens für einen Tag von Wien herubergekommen. Ellmor Baker-Strong , stellte er die beunruhigende Dame vor. „Sieht man sich heute abend beim Hotelsouper mit den andern, Meister?"
Der Tischlergeselle bedauerte abermals, und Nikodem Glod winkte herzlich und huldvoll entlassend mit der Hand zu den andern hm; plötzlich unbegreiflich ernst und kindlich scheu.
Und dann tanzten die vier beschwingt in einer Reihe bahm. um unverzüglich irgendwo eine Tasse Kaffee zu trinken. Und der Schupo an der Ecke der diese breite Kette streng hätte rügen müssen, lächelte, und die vier lächelten wieder: Ein ausgezeichneter Schupo, der sogar grüßte und sich vor den Damen verbeugte, ein Schupo mit Engelfittichen hinten! So verlief der Abend bis zum Schluß erhebend und verklarend.
XXXI.
„Höre, Dagobert", sagte Onkel Louis zu dem Tischler Hasselbrink, „ich möchte dich um einen fachmännischen Rat bitten."
„Kommodensuß abgebrochen?"
Nein. Es handelt sich um gewisse Bilder oben in der .Großen Kammer': zweifelhafte Käufe, wie sie beim Sammeln Vorkommen, nicht ohne Qualität."
„Frisch lackieren?"
„Auch das nicht. Ich möchte nicht, daß sie da oben verstauben ober beschädigt werden."
„Schlage Verschraubung in Holzkisten vor , empfahl der Tischler. „Auch für Transportzwecke geeignet. Mach' ich zu zivilem Preis.
„Du kannst deinen Freund und früheren Kollegen Dubschinsky zuziehen ober Winse ober Dinse — so heißen boch bie Herren?"
„Gemacht! Werbe sofort Maß nehmen."
„Noch eins: Da ist auch bas Bilb, bas bu einmal von Frau Gugernell gemalt hast..."
Aha, aha! Dagobert. „Ebenfalls einfchrauben ober vom Rahmen nehmen unb aufrollen?"
„Aufrollen!" bestimmte Louis.
Am nächsten Sonntag gab es in ber Großen Kammer am Tulpenweg ein mächtiges Schleifen unb Hämmern.
Kollege Dubschinsky (Dinfe hatte eine Familienfeier) war punkt halb zehn erschimen unb hatte Herrn Klüter mit Würbe unb Vertraulichkeit begrüßt. „Kolleje Hasselbrink noch nid) ba? Bin zu halb zehn bestellt. Na, so was! Wo steckt ber Junge?"
Klüter erstarrte mit zitternbem Kinn, unb Mussolina rumorte im Hintergrunb unb bot Herrn Dubschinsky eine Tasse Kaffee bar.
„Schon ba, Dub?" fragte Dagobert, ein Paketchen in Zeitungspapier unterm Arm, bas eine blaue Schürze zu enthalten schien.
„Na. Kolleje? Auch ber Sonntag sängt mal an!"
„Tschulbigen Sie. Dubschinsky! Ich hatte noch einiges Dringenbe zu erledigen Na los, freunbliche Tomate!"
Um bie Mittagsstunbe erschienen bie beiben Herren roieber unten bei dem Prosessor. Dagobert war noch in ber blauen Schürze; er wollte Lina KMer rasch noch etwas leimen.
Kollege Dubschinsky trank, mit abgespreiztem Finger unb tabellos scharfer Kippe, einen großen Kognak, ziinbete sich eine große Zigarre an unb gab fein beifälliges Urteil über bie gute Tischlerarbeit im House ab. „Es läßt sich janz nett hier leben, Herr Prosessor!" lobte er anerkennend und empfahl sich schließlich mit einer artigen Verbeugung. Netter Mann, jrotzer, berühmter Chemiker ,ber die halbe Industrie um- jekippt hat, mutz dicke Eierchen adwersen, der Laden — immer, wer was kann, dasor soll er meinswejen seine Muckepinne haben! Tuchfühlung nehmen unb sich nicht verblüffen lassen — daraus kam es immer an! Er gab Stüter die Hand. „Mahlzeit, Kolleje! Hab' mir sefreut. Schmucke, vollschlanke TVme, Ihre Frau Gemahlin, forsch und spritzig!"
Klüter leblatz unsanft hinter ihm die Haustür.
„Ich habe alles mit Blaustift signiert — für alle Fälle, Onkel Louis.
Willst du es dir ansehn?"
„Anderni't mein Junge. Ich erwarte deine Rechnung. Wie geht es bei Göcke K (Senn? Ich hoffe, du kommst rasch vorwärts? Wäre mir lieb. Es tänn-n höllisch harte Zeiten kommen . "
„Ein geschickter Mann, wenn er Dusel hat, leimt sich durch."
-.„des- Das Künstlerzimmer war zum Schluß Ms auf die Treppe hinaus voll von berechtigter und zudringlicher Menschheit, und als,sie endlich nach hastigem und wildem Kampf ihre Mantel nut Zubehör herausbekommen hatten und noch einmal »urucklaufen wollten da .ehr « dienern Blumen und Kränze geschleppt, und niemand im ganzen Hau wußte, daß auch ein großer weißer Fliederstrauß vom Tulpenweg d
O doch, Onkel Louis! Es hat sich auch mit mir und Diez eme Masse Mühe gegeben, mit plötzlicher Glut auf seinem Rost unb kaltem Wassergruß, bis wir richtig knusprig waren für unsere Aufgaben unb für bie Haifische Till unb Barby. Das Leben, recht besehen, ift sehr gescheit. Meine Ansicht." ..... . • s
. Du wolltest noch etwas leimen? Pünktlich um eins wirb gegessen."
I Dagobert wippte eine Verbeugung.
> Louis wanbte sich ab. Schritt wuchtig über bas tnacfcnbe Parke«. Dann stanb er roieber am Fenster unb starrte ms Licht Sehr komisch, j ber trostreiche Dagobert! Ein unverwüstlicher Klugschnabel, trotz Barby ' unb Leimtopf! Er machte mit lautem Gepolter bas Fenster auf, um i etwas Kräftiges zu tun unb um bie falte Winterluft heremzulassen.
Eine breite Pneumatikfpur war ba unten in bie bunne Eis- und I Schneebecke eingeschnitten, ein sauber gezacktes Muster Em Einfall von Frau Julia Hillerbeck? Nicht anzunehmen. Eher em Wunsch unb letztes Grüßen von Katarina — von Frau Gugernell ..
| Ihr könnt heute ben Wagen haben, wenn ihr wollt! jagte er ■ nachher bei Tisch unb legte seine Hänbe auf bie hübschen, warmen Mäbchenhänbe rechts unb links neben ihm, für welche bie beiden Jungen Dag und Diez vom weifen Leben knusperig gebraten worden waren. „Wer weih, wie lange ich ihn euch noch geben kann!
Nach Tisch setzte er sich mit seiner Zeitung in fernen Lesestuhl. Er hatte mit den jungen Leuten nach Wendisch-Wupatz fahren sollen Dagobert hatte es umgänglich vorgeschlagen; er kannte eine Masse solcher merkwürdigen Ortschasten, die er für ungeheuer sehenswert hielt. Louis dachte nicht daran, den lästigen Aufpasser für die vier ver- liebten Störche zu spielen. Er lehnte sich gemächlich zurück und las
Louis war langsam und zerstreut an das besonnte Fenster getreten, bos aus ben Vorgarten unb auf bie Straße blickte Aus ben Tifchler Tir.nähert frhien bas breit hereinflutenbe Sonnenlicht anzuziehn. Er trat
weiter.
Klüter", sagte er nach einer Stunbe zu bem behutsam herem- lugenben Psrünbner, „ben Spieltisch wollen wir heute abenb im Bücherzimmer links in bie Nische stellen. Herr Geheimrat Spitz ist letzt empsinblich gegen Zug unb Frau Präsibent Schellenberg gegen rarrenraud). Wir machen nebenan bie Klappe aus."
Dagobert schien bas breit heremslutenbe Sonnenlicht betoeiben neben ben Onkel, sah hinaus unb schwieg ebenfalls.
Louis schien biefe Nachbarschaft nicht unangenehm zu empfmben: Schatten sich ihren Tanz angesehen, die jungen Leute? Aus alter Freundschaft, Sympathie, Verehrung und Anhänglichkeit? erzählt. Er hatte sich gefreut: Es war «hr Recht — sah auf den langen Neffen m der blauen Latzschürze weste unb bewegte bie Warze auf der Backe, -^"st noch was, Dag. Ich möchte bich von beinen anbern Geschäften nicht abhalten
Nicht Diel, roenn ich bars. Du warst immer sehr gut zu »ns Onkel Louis Allmählich sieht man bas noch besser ein. Wir haben bich alle riesig gern; nicht bloß Till, auch Barbih Ihr zweites 2Bort nad) 2>ago- bert" ist- Onkel Louis"; worauf bu btr, roenn bu gestattest, was em. bilden kannst ... Wir wissen nicht, was los ist; aber es hat uns allen mächtig leib getan. Ich möchte bas einmal gesagt haben burfen .. - »ieh da!" Er verneigte sich ernst nach ber Straße hmab.
Auch Louis verneigte sich; ernst, etwas steif.
Da unten wehte in einer großen offnen Droschke eme weiße Hand, nickte ein bezauberndes Gesicht und grüßte daneben die sympathische
Huldigung, wie es scheint?" sagte Dagobert Danach sah er zu Louis, der nicht viel größer war, bloß breiter und stattlicher, auf.
Louis erwiderte schräg und starr den Bück nach unten.
„Wenn ich noch etwas sagen darf, Onkel Louis? Das Leben ist '.Micht so' gefdjeit wie mein Neffe Dagobert!" knarrte es scharf neben


