der welcher die Polen gar nicht kennt, daran zweifeln datz sie unsere geschworenen Feinde bleiben wurden, solange sie mcht die Weich ed Mündung und außerdem jedes polnisch redende Dorf in West- und Ostpreußen, Pommern und Schlesien von uns erobert haben wurden.
Es ist uns heute nicht mehr ganz leicht — nachdem der Altreichskanzler eine bestimmte historische Größe geworden ist —,uns SBismarrf als jungen Mann vorzustellen, rote er m Schonhausen im Grase liegt, Gedichte liest, Musik hört und wartet, daß die Kirschen reis werden. . Eine größere Kluft scheint dazwischen zu liegen als öwsichen dem Al en Fritzen und dem jungen Kronprinzen Friedrich, der m ^msberg jeme •aeit auf ähnliche Weife verbrachte. Gerade deswegen rechtfertigt es sich aber, auch dieser heiter genießenden und allem Schönen zugetanen Seite von Bismarcks Wesen Aufmerksamkeit zu schenken; seme pohhübe Leistung erscheint dann um so großartiger, wenn man bemerkt wie vielseitige andere Interessen ihr geopfert wurden. Musik, Literatur, bil dende Kunst — für alles brachte er em mehr als konventionelles Ber- ftnndnis mit; feine Belesenheit in den Klassikern ging Ziem ich weit unu er wußte aus Goethe einiges mehr als den „weisen Spruch, den Gotz von Berlichingen dem Kaiserlichen Kommissar aus dem Fens^r zürnst und der sich in gewöhnlichen Ausgaben von Goethe nur durch Punkte angedeutet findet". Ihm selbst kommen gelegentlich wundervoll poetische Wendungen in die Feder, wenn er z. B. seiner Schwester zur Silberhochzeit schreibt, sie trage die vorzeitigen Ehren des Alters „wie unsre Rosen den heutigen Oktoberschnee . Reizend ist auch seine lebha te Teilnahme, als er derselben Schwester m jüngeren Jahren auftragt ur seine Frau ein Armband zu Weihnachten auszusuchen: „Die Gattung, die mir umschwebt, ist breit, glatt, panzerartig, biegsam, aus schachbrettartig zusammengefügten kleinen viereckigen Goldstücken bestehend, ohne Juwelen, reines Gold —Fürwahr kein gana einfarf)er Auftrag. 2 Lenbachs Kunst und Person soll er übrigens recht kühl gegenüber gestanden haben, obwohl die ganze Familie sich dem oster in Friedrichs- ruh erscheinenden Künstler befreundete. Ihr beiderseitiges Berhaltnis blieb wie am ersten Tag, da der Fürst Lenbachs Bitte um eine Malsitzung nüchtern beantwortete: „Ich habe zwar geschworen, nicht mehr zu sitzen, aber ich kann diesen Eid ja umgehen, indem ich Ihnen stehe .
Zum Schluß fügen wir als eine besondere Rantat noch ein lustiges Gedicht von Bismarck an, das am 11. April 1846 an die greunbtn Marie von Blankenburg gerichtet ist und im übrigen für sich selch-
spricht:
Am letzten Dienstag sagten Sie, Es fehlte mir an Poesie.
Damit Sie nun doch klar ersehn. Wie sehr Sie mich da mißverstehn. So schreib' ich Ihnen, Frau Marie, In Versen, gleich des Morgens früh. Ich würde zwar poet'fcher fein Am Abend bei des Mondes Schein, Und wenn statt Kaffee neben mir Champagner stand und bayrisch Bier; Doch als ich heute früh erwachte, Und aller meiner Sünden dachte, So fielen mir die Aepfel ein; Und schlug es gleich erst eben neun, So will ich doch am frühen Morgen, Was Sie befehlen, gleich besorgen. Was nun die Aepfel anbelangt, So find sie alle schwer erkrankt, Und was nicht schon an Faulheit starb. Und aus dem Boden sonst verdarb, Das sieht so runzlig schon und kraus, Wie Herr von Natzmer-Raden aus. Man kann sie so nicht präsentieren Und höchstens noch geschmort servieren; Ermessen Sie nach einer Probe, Daß ich sie nicht zu wenig tobe. Ich schicke ferner Louis Blanc, Ein Heft von Madame Dudevant Von Lessing mehrere Gedichte Und Cinq-Mars traurige Geschichte. Wenn ich bis jetzt vergebens suche Nach Herrn Sartorius' frommen Buche, So muß Sie solches nicht erschrecken; Ich werde wohl es noch entdecken.
Von Rückert hab' ich nur 4 Bände, Die ich anbei mit übersende.
Ein liberaler ßeutenant,
Herr Friedrich von Sollet genannt. Schrieb auch Gedichte, einen Band, Die Ihnen wohl noch nicht bekannt. Den Freiligrath hab' ich verliehn. Wie auch den Anastasius Grün, Und Lenau, den ich nicht gefunden, Wird grabe, glaub ich, eingebunden. Sobald ich wieder sie erblicke. Sein Sie gewiß, daß ich sie schicke. Mir geht es übrigens so ziemlich; Doch ist es wirklich eigentümlich. Daß ich noch keinen Augenblick Landwirtschaft trieb, seit ich zurück In meine Häuslichkeit gekommen, Obgleich ich mir’s doch vorgenommen.
In Raden und in Naugard war ich; Nach Wangeritz, Vogtshagen fahr' ich Heut' noch, die Junker zu besuchen, Zum Essen, Spielen, Trinken, Fluchen. Nachher käm ich nach Kardemin, Wenn nicht der Leutnant aus Pansin Nebst eing'en andern Offizieren Am Montag wollte hier dinieren.
Ich sehe also leider Sie Nicht eher als bei Philippih. Verleben Sie bas Fest recht froh, Hochgnäb'ge Frau von Ciceroh; So wünschet Casca ber Verschwörer, Ihr untertänigster Verehrer.
Volkskirchenarbeii in Schweden.
Vom Geist und der Arbeit ffianfreb Björfquifts in Sigtuna.
Von Paul Hütt.
Im beginnenden ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gab « in ber chwedischen Kirche eine große Erweckungsberoegung von welcher vor allem bie junge Generation ber ftubierenben Jugend ergriffen würbe Mit biefer religiösen Bewegung zusammen fallt ein Erwachen des schroebischen Nationalgefühls. Eine größere unb vertiefte Derantwo ung bem eigenen Volke gegenüber, ein großer Elfer eine dem schwedischen Charakter angemessene Frömmigkeit zu fmben, wachte sich überall bemerkbar. Der Gebanke ber Volkskirche unb die besonderen Aufgaben welche bie Gemeinben in biefer zu erfüllen Haden, bewegte vieler Herzen unb Gebauten. Was muß getan werben, um bie großer werbende Spaltung unb Zerrissenheit in ben einzelnen Klassen unb Stauben bes Volkes zu beseitigen unb bie breite Kluft zwischen Volk unb Kirche zu überbrücken^ Diese Dinge bewegten vor allem den jungen Mag. phu. M a n - sreb Björkguist. In großen Versammlungen setzten er unb feine ftreunbe sich mit ben anbersbentenben unb anbersgesuhrten Volksgenossen oft bis in bie Nächte hinein auseinander. Zu zweien zogen Scharen von Studenten unb jungen Akademikern m bie Stabte unb Orte des ganzen Laubes. Aus großer Liebe zu Volk unb Kirche unb tiefem Glauben an bie Verheißungen Gottes auch für das schweb» che Volk würbe bie „Kreuzzugsbeweguug" geboren. „Sveriges Folk ett Gubs Folk. Schwebens Volk ein Volk Gottes, war bie ßofung jener Tage.
Der Dienst ber Kreuzzugsbeweguug galt vor allem ber schwedischen Jugend Unter dieser besonders ber Slrbeiterjugenb. In ihren D,s- kusiiousabeubeu unb Befprechuugsverfammluugen suchte "»an sie au, lernte ihre Gebankeugänge kennen unb biente mit ben Gaden unb Straften von benen bie junge Schar ber Akaberniker ergriffen war unb die sie umgeroanbelt hatte. Aus biefer Arbeit entstaub bie heute noch tätige Iuuqkirchliche Bewegun g". Mit ihr neue Arbeitsformen bes Dienstes an Volk unb Jugenb. In ben Jahren 1915 bis 1917 entstaub in Sigtuna, ber fchwebifchen Hauptstabt im Mittelalter, zwischen Stockholm unb Uppsala am McUarsee gelegen, die erste Häusergruppe der Bewegung. Niemand hat je zu wagen geglaubt, daß dies nur em Anfang eines sich bis heute stets vergrößernden Werkes sein wurde.
Was geschieht in Sigtuuastistelseu? Zunächst werden seit 1917 in jedem Winter 110 bis 120 junge Menschen beiderlei Geschlechts, im Sommer 70 bis 80 junge Mädchen in der Volkshochschule gesammelt. Aus jeder ßaudschaft Schwedens, aus allen Bevölkerungsschichten unb ben verschiedensten ßebeus- unb Weltanschauungen heraus, werben Die vorhaubeuen Kenntnisse vertieft unb verbessert. Wichtiger als bas 'st aber, baß man sich kennen lernt. Ja, mehr als bas, baß jeber Ehrfurcht vor bem ©eroorbenfein unb Werben feines Kameraden bekommt, und einen ehrlichen Willen voneinander zu lernen und zu helfen. Ueber 2000 junge Menschen tragen heute die Anregungen, welche sie in Sigtuna erhielten, befruchtend in ihre Kreise hinein.
Ein anderer Dienst an der Jugend geschieht in dem großen Jnter- natsgymnasium, in welchem 125 junge Menschen ihre Ausbildung empfangen. Im Rahmen des christlichen Bildungsideals und der lebendigen Verbundenheit mit den Menschen aus dem ganzen Volke, die in S,g- tuna immer zu finden sind, ist eine Möglichkeit geschaffen viele zu erziehen, welche später einmal führende Stellungen im ßanbe finden
Im Gästeheim wohnen für kürzere ober längere Zeit Menschen, bie Ruhe nötig Haden, eine Zeitlang innerer (Sammlung beburfen, sich für Examina vorbereiten unb wissenschaftliche Arbeiten schreiben wollen.
Die tiefsten Spuren im geistigen unb geistlichen ßeben Schwebens haben sicherlich bie im ganzen Volke bekannten mancherlei Tagungen unb Dressen hinterlassen. Es kommen seit 15 Jahren im Frühling sur brei Tage Arbeiter unb Stubenten zusammen, um einmal ganz unter sich zu sein unb bie im ßaufe bes Jahres empfangenen Fühlungen nicht mehr zu verlieren. In ber 10-Tage-Konferenz im Sommer geben bie fu^rcnben Stopfe bes Nordlanbes ben Gekommenen einen Ueberblitf über ben gegenwärtigen Staub ber Welt unb ßebensanfchauungskämpfe unb bie theologische Forschungsarbeit in aller Welt. Arbeiter, Akabemiker, Fabrik- unb Hanbelsherren begegnen sich in Sigtuna. Die führenden Manner der Arbeiterbewegung treffen zu sachlichem Gedankenaustau ch, zu gegenseitigem Sichkennenlernen mit den bedeutendsten Philosophen, Nationalökonomen und Theologen zusammen. Volksbildungsleiter und Sport» sührer beraten miteinander. Mediziner, Psarrer unb Pabagogen sprechen über bie seelischen Ursachen der Krankheiten unb über bie richtigen Beziehungen ber Psychotherapie zur Seelsorge. Führer ber Staats- und Freikirchen arbeiten gmeinfam an ben Fragen, bie sie bewegen. Bi- ßeiter ber verschiedensten politischen Jugendorganisationen kommen ja belieb in die Stiftung, um in freundschaftlicher Weise über die zeitgemäßen Fragen zu sprechen. Die Frauenvereine halten ihre Frei- und Rust-


