Ausgabe 
27.7.1934
 
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du, daß es Zweck

ich muß dir schon

doch treu sie ist eben meine

ich, an deiner Stelle, würde sie

nur noch verstärkt." Kopf und gab Gas.

nicht zurück. Wir dem Tankwächter

zwischen die Landschaft.

Georgs Fahrstil hatte sich bemerkenswert verändert. Nichts mehr von einem tollgewordenen Benzinhasen war an ihm, sondern ruhig und gemächlich fuhr er dahin, hupte vorschriftsmäßig an jeder Ecke und ging sanft und mit kluger Vorsicht in die Kurven.

Es ist nämlich hier eine ganze Menge Polizei auf der Straße", wandte er sich wie beiläufig an uns,und ich möchte nicht gern da irgendwelche Unannehmlichkeiten haben."

Hast du vollkommen recht", bestätigte Stephan ernsthaft, und dann warf er mir einen raschen, vergnügten Blick zu.

Der silbernen Nymphe wurde mit keiner Silbe mehr Erwähnung getan. Aber als wir dann schließlich im Quartier ankamen, ausgeruht und erfrischt und wirklich erholt, da ging Stephan auf die Post und schickte sie an den Tankwächter in G.

Und von dem nahm sie Georg dann auf der Heimfahrt wieder in

um ein Haar beinahe herausgeschleudert worden" Georg nickte.Möglich aber sage mal, glaubst hat, wenn wir zurücksahren?"

Ausgeschlossen!" erklärte Stephan.Man fährt könnten höchstens auf dem Heimweg dann mal bei

Jawohl", nickte Stephan,und

.Wahre Siebe' nennen."

Warum?"

Weil Abwesenheit ihre Wirkung

Georg schüttelte verständnislos den

Wir werden im Straßengraben ttifcen", prophezeite Stephan düster.

Ich zuckte hilflos die Achseln und sah auf Georg. Der lächelte mit­leidig.Ihr beiden seid nervös, was?" fragte er und ging von der auf­gelegten Geschwindigkeit herunter. Allmählich begannen die Gegenstände um uns herum wieder Konturen anzunehmen, wir konnten unter­scheiden, was eine Wiese und was ein Garten war, und das Atmen wurde uns leichter. Die Nadel sank auf 60, auf 55 und dann tauchten die ersten Dächer einer Stadt vor uns auf. In gemäßigtem Tempo und ganz manierlich fuhr Georg durch die Straßen, wies aus die bunten Auslagen der Geschäfte und aus die malerischen Erker und Giebel der alten Häuser und rundete höchst vorschriftsmäßig jede Ecke. Beinahe waren wir schon versucht, diese Fahrt wirklich als Erholung zu be­trachten und uns dieses Ausfluges zu freuen, als plötzlich knapp einen Kilometer hinter der Stadt und gänzlich unvermutet Georg wieder in die alte Raserei verfiel und stürmisch Gas gab. In riesige Staubwolken gehüllt entzog sich die Landschaft abermals unseren Blicken, wie Gespenster huschten Telegraphenstangen vorbei, und die silberne Nymphe oollführte einen tollen Tanz.

Da ein Ruck, ein Krach ich wurde in die Höhe geschleudert und glaubte, geradewegs gen Himmel zu fahren. Aber als ich dann wenig später wieder auf meinen Sitz fank, merkte ich, daß weder mir, noch dem Wagen etwas geschehen war und daß lediglich das Geländer einer kleinen Brücke gestreift worden war. Stephan hielt krampfhaft einen kleinen braunen Lederkoffer umklammert, und Georg riß mit raschem Griff das Lenkrad herum. Er schien keineswegs erschüttert von diesem Zwischenfall und ruhig und so, als ob nichts geschehen wäre, fuhr er weiter. Er kümmerte sich weder um Stephans stürmischen Protest, noch um meine schüchtern vorgebrachte Bitte, doch endlich einmal anhalten zu wollen.

Erst müssen wir diese Steigung hier nehmen", erklärte er gelassen und ging in den ersten Gang. Ich spähte nach vorn richtig, die silberne Nymphe tanzte nach wie vor auf dem Kühler und schien unserer Aengste zu spotten.

Wie wäre es", wir waren jetzt auf der Höhe angekommen und hatten einen herrlichen Blick ins Tal,wenn wir hier oben ein bißchen Rast machten und unsere durstigen Kehlen anfeudjteten?"

Das könnten wir machen", nickte Georg, und bann hielten wir vor dem nächsten Gasthaus. Und während er hineinging, um dem Wirt Bescheid zu sagen, trieben Stephan und ich uns noch ein bißchen in der Nähe des Wagens herum und machten uns ganz unauffällig am Kühler zu schaffen.

Als wir weiter fuhren, war die Straße eine lange Schlange von Wagen, die alle dem gleichen Ziele zustrebten, und an einem nach dem anderen von ihnen drückte sich Georg vorbei, überholte und blickte sich mit triumphierender Siegermiene nach den armen Zurückbleibenden um. Die Fahrer beschimpften uns weidlich wegen rücksichtslosen Fahrens, aber Georg tat, als hörte er es nicht. Mühelos hielt er bald darauf die Spitze.

Ich glaube" Stephan erhob plötzlich feine Stimme und wies er­schreckt nach vornsie ist weg."

Wer ist weg?"

Die silberne Nymphe."

Georg warf einen raschen Blick auf den Kühler. Tatsächlich, sie war verschwunden.

Ja, aber..." er war sichtlich bestürzt und einen Augenblick lang tat er uns sogar leid,ich meine wie ist denn bas möglich...?"

Sie wirb wohl heruntergefallen sein", murmelte Stephan,vorhin an ber kleinen Brücke neben ber Tankstelle ba wären wir selbst ja

nachfragen."

Wie bu meinst", gab Georg kleinlaut zu,ober

sagen, es wäre mir schrecklich wenn wir sie wirklich verloren haben sollten..." Schweigend und in tiefes Nachsinnen verloren fuhr er weiter. Die Nadel sank auf 50, auf 45, und von den Wagen überholte uns einer nach dem anderen Sie drückten sich an uns vorbei, überholten und blickten sich mit triumphierender Siegermiene nach uns armen Zurück­bleibenden um. Georg beschimpfte sie zwar wegen rücksichtslosen Fahrens, aber sie taten, als merkten sie es nicht. Stephan und ich genossen in-

Empfang.

Seht ihr", sagte er und befestigte sie glückselig strahlend wieder auf ihrem alten Platz, sie bleibt mir ja doch treu sie ist eben meine Maskotte."

[leiten in dem gastlichen Hause. Studenten aller Fakultäten finden sich zu !Arbeitsgemeinschaften zusammen. Volksschullehrer und Lehrerinnen haben

; Fortbildungskurse. Die Leiter und Mitarbeiter der christlichen Gymna- sastenverdände und der Studentenvereinigungen aus ganz Skandinavien nib Finnland tauschen ihre Erfahrungen aus, bereiten Konferenzen vor mb beraten neue Arbeitsmöglichkeiten.

Diese ganze Arbeit in Sigtuno wirb getragen unb geleitet von D. D. Danfreb Björkquist. Bei ben Vorträgen, bie er aus Tagungen hält, veih er stets Bebeutenbes unb ©runblegenbes zu sagen. Man merkt ba en ganzeen Reichtum seines Wissens auf bem Gebiete ber Philosophie, täbagogit unb Theologie. Die bebeutenbsten Männer aller Kulturländer oben ihn mit ihren älteren unb neueren Arbeiten gebilbet. Seine urn- issenbe Bilbung unb bas vollstänbige Vertrautsein mit bem Gegenstanb lachen es ihm möglich, seinen Unterricht in ber Philosophie im Gym- asium, über Geschichte bes Christentums, Kulturgeschichte, Psychologie, Mosophie unb Charakterpädagogik für jeden Schüler und Zuhörer zu nem Genuß zu machen. Seine Predigten im Hause selbst, in vielen .irchen des Landes, seine Reden in allen möglichen Sälen und am Radio nb burchglüht von der tiefen Sendung feines Lebens, den Menschen ines Volkes, bie Notwenbigkeit ber Verbindung ihres Ledens mit dem benbigen Gott zu verkünbigen unb ber Sammlung des einzelnen zur liolksgemeinschaft, die in einem Geist und in einer Liebe handelt. Diesem i.ebanten lebt Manfred Björkguist auch in all ben Vorstänben akabe- iiischer, kirchlicher, staatlicher unb gemeinnütziger Vereinigungen, in benen fein Wort etwas gilt.

Am 22. Juni würbe Dr. Björkguist 50 Jahre alt. Seine 25jährige Arbeit an Jugenb, Volk und Kirche ist nicht vergeblich gewesen. Die Früchte sind heute weithin sichtbar. Den wachsenden sozialen Span- ungen, der beginnenden Auflösung jeglicher Werte unb allen brohenben Hersallserscheinungen hat er positive aufbauenbe Kräfte entgegengestellt, ite bes Glaubens an bie Wirklichkeit Gottes unb einer heißen Liebe zu Wen Brübern. Die geistige Atmosphäre Schwebens ist eine gefunbe. Der Miaterialistischen, parteiegoistischen Entwicklung ber Staaten Europas ist :i',rgebeugt worben. Schweben ist weithin auf bem Wege zu einer Volks- Lmeinschaft. Björkguists Wirksamkeit hat überall bas soziale Gewissen ier Besitzenben geschärft, ber werktätige Mensch hak eingesehen, baß ber Blaffentampf zum größten Teilgemacht" ist unb baß es oft weniger ii|lte wirtschaftlichen als bie geistigen Gegensätze sinb, welche bie Einigkeit les Volkes gefährben. Die Brücken zur Verstänbigung hak er in nie irtnübenber Arbeit gebaut. Man muß einige Zeit in ber ftärfenben, (ei fügen Luft von Sigtuna gelebt haben, um bie ganze Bebeutung bes 'Mannes von Sigtuna" verstehen zu können, bejfen Hingabe feines lebens ben Weg aus dem engenIch" zum helfendenDu" in das auf- iauenbeWir" gewiesen hat.

Oie silberne Kühlerfignr.

Von Vera Craener.

Wir alle fanden sie einfach scheußlich, aber Georg war begeistert von hr. Sie war ganz aus Silber, anatomisch heftig verbaut und sah aus nie ein schlechter Schwimmer, der sich nicht ins Wasser traut. Auf dem i übler von Georgs schönem neuen Wagen nahm sie sich ganz besonders mglucklich aus, aber nicht um alles in der Welt hätte er sich wieder von br getrennt. Irgend jemand hatte sie ihm einmal geschenkt, und Georg shrieb ihr geheime Kräfte zu.

Sie ist meine Maskotte", erklärte er,und bringt mir Glück."

Dabei blieb er, und selbst seinem besten Freunde gelang es nicht, bn von dieser silbernen Dame zu trennen. Sie war scheinbar unlöslich mb auf Lebensbauer mit ihm verbunben.

Eines Tages lub er Stephan unb mich ein, mit ihm ins Gebirge zu sihren.Selb gescheit, Kinber", sagte er,unb kommt mit! Ihr sollt ual sehen, was für eine Erholung eine solche Fahrt ist."

Stephan murmelte zwar zuerst etwas vonkeine Zeit haben" unb .unmöglich frei machen können", aber schließlich hatten wir ihn benn i.'ich mit vereinten Kräften so weit, baß er zusagte.Aber nur unter Irr Bebingung, baß bu vernünftig fährst unb nicht wie ein Irrsinniger Der bie Üanbstraßen fegst", meinte er, unb Georg nickte.

Stephan würbe im Rücksitz verstaut unb angewiesen, worauf er «ährend der Fahrt zu achten habe es waren da verschiedene Koffer inb Taschen im Wagen, die vor dem Umfallen behütet werden mußten, b eil sie Zerbrechliches enthielten, unb ich bekam ben Platz neben Georg.

Fertig?" fragte er, unb schon ging es los. Zunächst im gemäßigten üempo. Dann blieb bie Stabt zurück, bie Lanbstraße begann, unb Georg irehte auf. Wir rasten bavon. Stephan schimpfte.Das ist ja ein bloo- feiniges Tempo", schrie er unb hielt mit beiben Hänben feinen Sjut feft. 6eorg nickte ihm im Spiegel freundlich zu.Herrlich, nicht?" Und dann dufte er mit Geschick und Eleganz an einer riesigen Dampfwalze vorbei, fs war heiß, der Asphalt flimmerte, und die Sonne beschien strahlend tnb erbarmungslos die verunglückte silberne Kühlerpuppe.

Wie würdest du sie nennen?" fragte Georg und wies nach vorn.

Ich würde sie die silberne Selbstmörderin nennen."

Warum?" t, ... .

Weil sie gescheiterweise Anstalten macht, sich aus dieser wildgeworde- wn Limousine hinauszustürzen!"

Aber ich rede doch von der Limousine. . ." *

Und ich rede von deiner silbernen Herzensdame.'

Ach das ist doch Velona, die Göttin der Geschwindigkeit.

So ...? Und sollen wir jetzt vielleicht ihr unglückliches Opfer werben .

Georg zuckte geringschätzig mit ben SchultermIch hab dir doch »>ohl schon gesagt, daß sie mir Glück bringt, nicht?"

»Einen schmerzlosen Tod, wie?" ....

Stephan hält nicht viel von Georgs temperamentvollen Fahrkumten, inb er läßt keine Gelegenheit vorbeigehen, ihm das zu jagen.

Georg schüttelt nur den Kopf.Seit ich sie an Bord habe, hat immer tod) ber anbere zahlen müssen, wenn irgenb was passiert ist , erttarte e: ernst, unb bann erhöhte er bie Geschwinbigkeit auf 90.