Vom „Schwarzen Gold".
Gummi- und Kautfchukgewinnuug im südamerikanischen Urwald.
Von Franz Ritz.
Boliviens Urwälder bergen reiche Schätze an Gummi und Kautschuk, das „schwarze Gold", das ebenso wie die Goldgruben Südafrikas und Kaliforniens und die afrikanischen und australischen Diamantenfelder Abenteurer und Kaufleute aller Länder auf seine Spuren gelockt hat, das Spekulationsfieber, Reichtum und Elend hervorrief und das schließlich ein unentbehrlicher Bestandteil der Weltwirtschaft geworden ist. Der Schweizer Franz Ritz hat Jahrzehnte in den Hauptgebieten des „schwarzen Goldes" am Amazonas verbracht. Aus seinem im Orell Fützli Verlag, Zürich, erschienenen Buch „Kautschukjäger im Urwald", in dem er seine Erfahrungen und Erlebnisse schildert, bringen wir die sachliche und klare Darstellung der Gummi- und Kautschukgewinnung.
Auf meinen Reisen hatte ich Gelegenheit, an Ort und Stelle zu sehen, wie Gummi und Kautschuk gewonnen werden. Merkwürdigerweise wissen viele Leute nicht, daß Gummi und Kautschuk zwei verschiedene Produkte sind. Das kommt wohl daher, daß in der französischen Sprache gewöhnlich beide Artikel mit dem Worte „Caoutehouc" bezeichnet werden. Einmal fragte ich einen Autofahrer, woraus eigentlich die Gummiräder der Automobile ver- verfertigt würden und erhielt die verblüffende Antwort: „Aus Kautschuk!" Des besseren Verständnisses wegen will ich nun die beiden Produkte näher beschreiben.
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Es gibt eine ganze Anzahl von Gummiarten. Zum Beispiel kennt jedermann den arabischen Gummi, der als Klebstoff verwendet wird. Nach unseren Begriffen wäre diese Sorte eher als Liarz zu bezeichnen, ähnlich der klebrigen, gelben Masse, die man öfters aus der Rinde von Kirschbäumcn, Tannen und anderen Bäumen frei hervorquellen sieht. Der brasilianische Gummi (Hevea brasiliensis) ist anderer Natur. Die Hevea oder Siringa ist ein mächtiger Baum, mit weißer, ziemlich glatter Rinde. Zwischen Rinde und Holz befindet sich ein System von feinen Adern, in welchem eine weiße Flüssigkeit, die Gummimilch, fließt. Um diese Milch zu gewinnen, werden mit einem kleinen Aextchen, dem Machadinho, oder in neuerer Zeit auch mit einem speziellen Messer, die Rinde und gleichzeitig auch die Milchadern durchschnitten, ohne jedoch das darunter befindliche Holz zu verletzen. Aus der entstandenen Wunde tröpfelt die Milch und wird in einer kleinen Blechtasse, die unter dem Einschnitt in die Rinde gesteckt wird, anfgefangen. Weil die Milch infolge des Luftzutrittes nach und nach gerinnt (koaguliert), verstopft sich nach einigen Stunden die Wunde und ist nun durch die geronnene Milch rote durch einen Gummiüberzuq, luftdicht abgeschlossen. Am nächsten Tag wird dicht unter der ersten Wunde ein zweiter Einschnitt gemacht und so fort, bis man unten angelangt ist, wo der Stamm zur Erde herans- wächst. Eine Reihe solcher untereinanderstehender Wunden wird in der Arbeitersprache „Ration" genannt. Ist eine Ration bi» zum Boden gelangt, wird die zweite begonnen, die dicht neben die erste zu liegen kommt, und zwar möglichst hoch oben am Stamm. Bei einem dicken Baum können gleichzeitig drei oder sogar vier Rationen bearbeitet werden, da der Stamm bei seiner Starke so viele tägliche Einschnitte vertragen kann. Gleichwohl wird e» zwei bis drei Jahre dauern, bis die Rationen um den ganzen Stamm herum angelegt sind. Ist dieser Fall eingetreten, so wird der Baum während zehn bis fünfzehn Jahren in Ruhe gelassen, nach welcher Zeit die vielen Wunden vollständig vernarbt sind. Der Baum ist wieder gesund und stark. Das „Picken", wie das Anzapfen genannt wird, kann neuerdings an ihm vorgenommen werden. .
Jeden Tag geht der Seringuero (Gummiarbelter) seinen gepickten Bäumen nach, nm die vollgelaufenen Täßchen zu leeren. Die gesammelte Milch wird in Blechkesseln von zehn bi» fünfzehn Liter Inhalt nach seiner Hütte gebracht, wo ste nun zum eigentlichen Feingummi verarbeitet wird. Dies geschieht auf folgende Weise'
Die Milch wird in der Mitte eines Solzpfahles, der ouf sroet int Boden einaegrabenen Astgabeln drehbar ist, auf eine Lange von dreißig bis vierzig Zentimeter aufgestrichen. Unter der drehbaren Stange werden in entern tönernen Gefäß das oben eine kleine kaminähnliche Oeffnung besitzt, Hartholz oder Palmnuffe verbrannt. Ein dichter, ätzender Rauch entsteigt dem Kamm. Ueber diesem Rauch wird die mit Milch befeuchtete Stelle des Pfahle» gedreht. Sobald die Milch mit dem Rauch in Berührung kommt, gerinnt sie zu Gummi. Die gummierte Stelle wird nun so lange niit Milch begossen und geräuchert, bis sich zuletzt erne Kugel von Feingummi um die Stange herum gebildet bat. Ist die Kugel nach einigen Tagen bis zu einem Gewicht von vierzig bis fünfzig Kilogramm angewachsen, wird die Stange Serausgezogen. Der fertige Gummi liegt in Form einer großen Kugel vor uns. Zuerst ist dieser Gummiball weich und käsefarbig. Er riecht auch wie alte. Emmentaler Käse Mit der Zeit verwittert die Oberfläche, wird braun bis schwarz und auch etwas härter, .rn gewißen Zcttab- stäuden werden die fertigen Gummiballe mit Mauleseln, Ocisten- fnrreti oder anderen Transportmitteln nach der Baracke genhafst, und von hier nach dem Mutterhause geschickt. Dort erhalt leder Ball noch die Firmamarke eingebrannt und kann nun ohne weitere Verpackung nach Uebersee verschifft werden.
Aus diesem Feingummi oder „Para fine , wie er auf oem Markt genannt wird, kann man noch keine Autoreifen machen. Er wäre zu weich und hat dann noch die Eigenschaf' .
Klimatcn fast stcinhart zu werden und somit die Elastizität zu
verlieren. In den verarbeitenden Fabriken wird er daher „tmfr kanistert", das heißt, er wird auf eine hohe Temperatur erhitzt, wobei er flüssig wird. Dann werden hauptsächlich Schwefel, Stärke- mehl und andere Zutaten beigegeben, worauf man die Masse erkalten läßt ...
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Der Kautschuk hat ähnliche Eigenschaften wie der Gummi. Er lammt jedoch von einem andern Baume, der eher größer ist als der Gummibaum. Dieser liefert ebenfalls eine Milch, die unter der Rinde fließt. Sie wird aber in anderer Weise gewonnen als die Gummimilch. .Während der Gummibaum nur im Sumpfgebiet vorkommt, wächst der Kautschukbaum nur auf den Anhöhen. Fehlen diese, so fehlt auch der Kautschukbaum. Die Gewinnung des Kaut- chuks ist einfacher als die des Gummi. Das Anzapfen geschieht nicht von oben nach unten, sondern umgekehrt. Der Baum hat vom Boden aus blattartige Auswüchse des Stammes, die den Baum stützen. In diese Stützen werden drei bis vier Zentimeter breite Kanüle geschnitten, von oben nach schräg unten, in der Weise, daß zwei Kanäle gegeneinander fließen. Durch diese Kanäle fließt aus dem freigelegten Milchgewebe die weiße Flüssigkeit auf den vorher einigermaßen gereinigten Erdboden und erstarrt dort zu chwarzen Fladen. Im Bedürfnis, die am Fuße des Stammes ge- chlagcnen Wunden zu heilen, schickt der Baum die Milch sowohl von oben rote von unten nach den schmerzenden Stellen, und so gerät sie in die offenen Rinnen und auf den Boden. Nach einiger Zeit versiegt der Zufluß. Keine Milch tritt mehr aus. Der Mensch ist aber unersättlich in seiner Gier. Er weiß, daß der Stamm noch ein weiteres Quantum Milch beherbergt. Deshalb wird der Baum einfach umgeschlagen. Liegt der Niese am Boden, so werden dem ganzen Stamm entlang, in Abständen von ungefähr drei Meter, wiederum die V-formigen Rinnen geschlagen, aus denen der letzte Rest der Milch auf den Boden tröpfelt. Weiße Pfützen entstehen bei den Austrittsstellen, die bald zu schwarzen, klebrigen Fladen gerinnen. Ist der Milchfluß versiegt, sammelt der Kautschukmann die erstarrten weichen Fladen und wäscht sie gehörig aus, wobei der klebrige Saft im Wasser aufgelöst wird. Das Produkt Kautschuk ist fertig. Die einzelnen Stücke werden in einer primitiven Form aus eingegrabenen Holzpflöckchen zu viereckigen Ballen gepreßt. Einige Fladen zerschneidet der Arbeiter zu langen Bändern, womit er die Ballen kreuz und quer fest umwickelt. Damit ist die Verpackung fertig. Gleich wie bei der Gummigewinnung werden sodann die schwarzen Blöcke nach der Baracke und von da nach dem Mutterhause geschickt, das sie nach den überseeischen Handelsplätzen verfrachtet. Da der Kautschuk schon bei geringer Hitze schmilzt, werden die Ballen gewöhnlich in Sacktuch eingenäht und so zum Versand gebracht. Der Kautschuk ist nur halb so elastisch wie der Feingummi. Deshalb ist auch der Preis bedeutend niedriger. Wie der Gummi, so muß auch der Kautschuk vulkanisiert werden, um ihn härter und widerstandsfähiger zu machen. Seine hauptsächlichste Eigenschaft ist die außerordentliche Unempfindlichkeit gegen Wasser. Aus diesem Grunde werden hauptsächlich die „Gummischuhe" oder Galoschen aus Kautschuk gemacht. Wasserdichte Mäntel und überhaupt Gewebe, die dem Wasser standhalten müssen, werden zum großen Teil mit einer feinen Kautschukschicht versehen.
Man könnte glauben, daß der Kautschuk bald auf. den Aussterbeetat gebracht werden müsse, weil die Bäume gefällt werden. Die Natur hat aber dafür gesorgt, daß dieser Fall nicht eintritt, indem der Baum eine riesige Menge von Früchten, also Samen, trägt. Schlägt die Krone des fallenden Stammes auf den Erdboden, so spriüen Tausende der Samen in weitem Umkreis auf die Erde. An der Stelle, wo der gefällte Riese liegt, werden bald ganze Büsche von jungen Kautschukbäumen wachsen.
für den Wetterstand ist."
„Du solltest lieber fragen, warum ich nicht schlafen kann, statt von Sichtbarem falsche Schlüsse auf Unsichtbares zu ziehen."
„Diese Frage ist für mich leicht beantwortet.
„Und deine Antwort lautet?" . .
„Du arbeitest zu wenig tagsüber, Gust. Dein starker, gesunder Körper braucht die Arbeit zu seiner Erholung ebenso nötig wie das Essen und Trinken." , ,, , . .
Umgekehrt: zu viel habe ich in meinem Leben gearbeitet, viel zuviel, und habe mir dadurch eine schwere Nervosität zugezogen, die erst jetzt, wo ich zur Ruhe gekommen bin, in ihrer ganzen
Oie Schusterkugel.
Roman von Hans Franck.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.) ------,
Doch einmal mußte der Tag kommen, an dem jemand „Großmutter" zu ihr sagte. Nein, nicht ein jemand, sondern viele je- mauds. Damit sie wieder zu sorgen und zu schaffen hatte. Denn so — sich den Anschein geben, als ob man schaffe und wisse: Alles nur Augenverblendung! In der halben, der viertel Zeit könnte man fertig werden — so war es kein Leben. Wie kam Gust nur damit zurecht? Wie vermochte er dieses neue Dasein als Glück, als gemehrtes Glück zu empfinden? Glücklich — war Gust es m Tat und Wahrheit? Seine Augen, seine abgesackten Mundwinkel redeten eine andere Sprache als seine Lippen und seine Zunge.
Eines Nachts, da Gust sich wieder einmal viele Stunden lang schlaflos auf seinem Lager herumgewälzt hatte, fragte Rikelchen plötzlich laut, was sie insgeheim immer und immer ihren Mann gefragt hatte: „Und das nennst du nun Glück?"
„Was meinst du mit deiner Frage?" erwiderte der Angerufeue gereizt. „Daß ich nicht schlafen kann?"
„Auch deine Schlaflosigkeit meinte ich, die mir ein Zeichen für deinen Glücksstand bedeutet, so wie das Barometer em Zeichen


