lehenerZamilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Nummer 92
ahrgang 1934
Montag, den 26. November
(Fortsetzung.)
Schmidt warf ihm einen fragenden Blick zu. „Warum auf einmal pressiert, Hagemann? Auf ein paar Stunden kommt es doch nicht an." „Doch, Herr Doktor. Ich habe es Ihnen damals nicht gesagt, um Sie !cht noch mehr zu beunruhigen. Unser Motor hat bei der Geschichte »mals auch einen Knacks abbekommen. Er hat einen Sprung im
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HANS DOMINIK • EIN STIE RN FIEL VOM HIMMEL
COPYRIGHT 1934 BY KO EH LER a AM ELAN G C. M. B. H., LEIPZIG
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„Geschehen ist geschehen, Herr Doktor. Unsere Station liegt in Klump. Wie können wir sie wieder in Ordnung bringen?"
Hein Eggerth lächelte in sich hinein. Nach einem verstohlenen Blick auf seine Uhr meinte er: „Kommt Zeit, kommt Rat! Wir werden schon Mittel und Wege finden, um die Geschichte in Ordnung zu bringen."
Und dann verstand er es geschickt, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken.
Die Zeit ging darüber hin, da brauste es in den Lüsten. Neben ,St 8' legte sich ,St 9‘ auf das Schneefeld und kaum ruhte es auf dem Boden, da senkte sich ,6t 10' aus der Höhe herab und legte sich daneben.
„Was, was ist das?" fragte Dr. Wille erstaunt.
„Ich sagte es Ihnen ja", lachte Eggerth, „kommt Zeit, kommt Rat. Jetzt werden wir den Kram hier schnell ins Lot kriegen."
Noch während er es sagte, öffnete sich die große Ladeluke von ,6t 9'. Ein Schwarm von Werkleuten quoll heraus. Unter dem Kommando eines Ingenieurs wurden Hebezeuge ausgestellt und Bauteile aller Art aus dem Schiff ins Freie gebracht.---
In den nächsten Stunden war es, als wären die Heinzelmännchen über die Station gekommen. Maste wuchsen im Lause weniger Stunden in die Höhe. Bald leuchteten von ihren Spitzen wieder starke Lampen, vorläufig noch von der Maschine von ,St8' gespeist, und übergossen die Station mit Tageshelle.
Dann war ,©t 9' restlos ausgeräumt, leer wie eine taube Nuß, während Bauteile aller Art daneben lagerten. Aber das Wichtigste, eine neue Kraftmaschine fehlte. Man hatte nicht damit gerechnet, daß die alte zu Bruche gehen könnte, weil davon nichts in den Funksprüchen zu lesen stand. Da hieß es für ,6t 9' noch einmal nach Deutschland zurückzujagen und schnellstens eine Reservemaschine heranzuschaffen.
Auch im günstigsten Fall bedeutete das einen Zeitverlust von 48 6tun- den, und für die nächsten Tage waren die fünf von der 6tation auf die Gastfreundschaft von ,6t 8' angewiesen, denn kurz nach dem 6tart von ,6t 9' stieg auch ,6t 10' auf. Nur die drei Piloten von ,6t 8' waren in diesem 6chifs und außerdem Professor Eggerth selbst, lieber das Ziel ihres Fluges hatten sie sich gründlich ausgeschwiegen.
Mit Nordkurs verließ das 6chiff die 6tation. Erst als deren Gebäude am Horizont versunken waren, drehte es in weitem Bogen nach 6üden zurück und nahm Kurs auf die Einschlagstelle des Boliden. —
Eintönig dehnte sich das verschneite, vereiste Land unter dem dahinstürmenden 6tratosphärenschifs .. eine halbe 6iunde ... und noch eine Viertelstunde. Dann verschwand das Weiß, rostrot und braun trat das nackte Gestein zutage. Es sah aus, als ob hier ein Riesenbesen gefegt und in weitem Umkreis jeden 6chneefleck beseitigt hätte. Tiefer ging ,6t 10'. In verlangsamtem Flug strich es in 2000 Meter Höhe über das Land hin. Da wurde der Boden wieder weiß, aber nicht 6chnee war es, der ihm die Farbe gab. Dichte Nebelbänke lagerten über dem Boden.
Professor Eggerth blickte nachdenklich in die Tiefe, während sein 6ohn zu ihm trat.
„Ich fürchte, Hein, wir kommen noch zu früh. Wer weiß, wie lange das noch dauert, bis es hier wieder klare 6icht gibt."
Berkoff kam mit einer neuen Ortsbestimmung in den Raum.
Wir sind noch 200 Kilometer von der richtigen 6telle entfernt."
Der Professor schüttelte den Kopf. „6o starke Nebelbildung bis auf 200 Kilometer Entfernung. Ungeheure Wärmemengen müssen beim Aufprall des Meteors fteigeworden (ein."
Hansen setzte den Kurs des 6chiffes noch tiefer. Dicht über der Nebel- bant glitt es dahin, verschwand bisweilen auf 6ekunden in der milchigen Masse. Berkoff warf einen Blick auf den Höhenzeiger. „Die Nebelbank wird flacher, Herr Professor. Wir fliegen nur noch in 700 Meter Höhe. Nach Kurs und Log sind wir noch 100 Kilometer vom 6turzpunki ab."
Professor Eggerth nickte. Er schien etwas sagen zu wollen, schwieg aber. In langsamem Flug glitt das 6chiff weiter über den Nebel dahin. Schon mußten sie die Hubschraube in Betrieb nehmen, um nicht durchzusacken. Immer tiefer sank das «Schiff dabei ... 300 ... jetzt nur noch 200 Meter hoch war es über dem Land.
„Wie weit noch, Herr Berkoff?" fragte Professor Eggerth.
„Noch 40 Kilometer."
Nur noch schwacher Dunst lag unter dem 6chiff, hin und wieder wurde der felsige Boden deutlich sichtbar.
„Ich meine", jagte Professor Eggerth, „daß wir jetzt landen."
glinderblock."
Dr. 6chmidt vermochte seinen Schreck nicht zu verbergen.
„Der Motorzylinder gesprungen, Hagemann? Pfui Teufel, das ist emstl Was haben 6ie dagegen getan?"
„Zuerst war der 6prung nur im äußeren Kühlmantel. Da habe ich irrt Kitt und Bandagen so gut gedichtet, wie es ging. Aber der Block ist ti den letzten Tagen noch weiter nach innen zu gerissen. Es kommt jetzt ii 1 jedem Kolbenhub etwas Kühlwasser in die Zylinder. 6eit 12 6tunden lüft der Motor unregelmäßig. 6ie können es hier hören, wie er manchmal aussetzt."
Dr. 6chmidt lauschte in die frostige Luft. Jetzt hörte er bas Tacken ts Motors ... jetzt blieb es aus ... jetzt kam es stoßweise wieder. Aber unregelmäßig waren die Explosionstakte. 6chlägen eines kranken Her- tns glichen sie, bas zum 6terben kommt. Nur noch kurze Minuten, «nn ftanb ber Motor still.
Hagemann eilte zum 6chuppen. Als er bie Tür aufriß, quoll ihm läster Dampf entgegen. Der Druck ber letzten Motortakte hatte bie kruchstelle weit aufgerissen, unb bas heiße Kühlwasser burch ben Raum uirspritzt. Der Motor, von besten Arbeit bas Leben ber «Station abhing, Mr niedergebrochen.
Dr. 6chmibt zog ben Pelz dichter um seine 6chultern. Ihn fröstelte li dem Gedanken, daß in diesem Moment auch die elektrische Heizung ishörte, daß die grimmige Kälte nun langsam, aber unwiderstehlich in Ire kargen Zufluchtsräume einbringen würbe. Wie lange würben sie ilr widerstehen können? —
Hagemann deutete zum Zenit. „Da, Herr Doktor! Ein Flugfchiff!
Ein winziges Pünktchen war es, das feine scharfen Augen dort eben rspäht hatten. Es dauerte geraume Zeit, bis auch Schmidt es sah, da Mr es schon größer geworden. «Schnell kam es tiefer, wuchs habet inner mehr, bis der mächtige Rumpf von ,6t 8 dicht über ihnen diroebte, dicht neben ihnen landete. Eine Tür wurde geöffnet, em Lauf» leg ausgeworfen, bann hielt Hein Eggerth ben langen Doktor in ben ihnen unb wirbelte ihn in ber Freube des Wiedersehens auf bem «Schnees-Id herum, bis beiben ber Atem knapp würbe Hansen kam dazu:
„Sine nette Bruchbude habt ihr hier!' sagte er und besah sich mit Kennerblicken den eingestürzten Mittelbau. „W,e habt ihr denn das '"Hagemann zuckte die Achseln: „Ist wirklich nicht unsere Schuld, Herr hrnsen. Der Teufel mag es wissen, wie der Orkan so plötzlich die ganze Station auf den Kopf stellte."
Hansen zog es vor, auf diese Frage ferne Antwort zu geben Ueber «les, was mit dem großen Meteor zusamm-nhmg, sollte ja - waren sich die drei Piloten von ,St8 einig — allen anderen gegenüber Schweigen bewahrt werden. .
I Als dritter kletterte Berkoff aus dem Schiff und warf emen kurzen Nick auf die Station und meinte achselzuckend zu Eggerth. „Das kriegen « Wir drei allein auch nicht wieder ins ßot" f smntor ist
„Und der Motor, Herr Berkoff", sagte Hagemann, „unser Motore n!
| ms vor einer halben Stunde auch zum Teufel gega g
! i” unfern Löchern da drüben." ihn
I „Um fo molliger ist es bei uns im Bauch non St 8. unterbrach iyn
Men. „Da wollen wir uns die Sache mal erst m Ruhe überlegen.
Unb bann saßen sie alle acht gemütlich Zusammen m M ttelraum Stratosphärenschisfes. Der lange Schmidt und' ^r-Wllle, bisten rmjn bin vergangenen Wochen wieder in Ordnmig18 ■
grenzen und der wackere Hagemann, der sich f f (gefnräcb in erster bife nützlich machte. Begreiflicherweise drehte sich d-, m erste
Lnie um die Katastrophe und die möglicher«UrsachenDr. WilleSterne ute geistvolle Hypothese darüber auf, Dr. ^M^ einen enblofen Sisput I11' Kürze waren die beiden gelehrten Hauser > . memerfUng
i ««rwickelt. Die Zeit verstrich darüber, bis Hagemann sich eine o 9 Raubte.
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