Ausgabe 
26.10.1934
 
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harakterbild dieser Sitte,; der Geschichte geschwankt iihor hip frhPlifalirhPIt

Werastwortlich: Dr. HanS Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl',che AntverittätS-Duch. und Steindruckerei. 2L Lang«, «Sieben-

Zierpflanze angesehen und erlangte dann als Heilmittel größere Bedeu­tung, vor allem gegen Zahnschmerzen, Kolik und Gicht. Um 1560 sieh der ranzösische Gesandte am portugiesischen Hof, Jean N i c o t, Seigneur )e Billemain, pulverisierte Blätter des Tabaks der Katharina von Medici überbringen, die ihren Sohn damit behandeln ließ. Nach Nicot erhielt die Pflanze auch den Namen Nicotiana. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts aber gab es auch schon einige Seeleute, die in den Hafenplatzen Spaniens und Englands die von den Eingeborenen übernommene Sitte des Rau­chens einführten. In England war R a l e i g h einer der ersten Raucher. Allmählich wurde der Tabak bei den Männern aller europäischen Volker das Dielbeliebte und hochgelobte Kräutlein". Zahlreiche d'chterstche Lob- preisungen gelten diesembraunen Kinde der wilden Lander Man ver­herrlichte das Tabakrauchen alsgöttliche Trösterin der Leiden , und - ' <" rr<« e> i - g s 1 e t) nannte den Tabak gar

Freund des Junggesellen, des

Schon bald setzte gegen das zur Mode gewordene Rauchen heftigster Widerstand ein. Die Geistlichen und die Aerzte verdammten diesenfeuer- gefährlichen Unfug", und die Obrigkeiten erließen zahlreiche Verbote. In der Schweiz wurde ein besonderes Hochgericht gegen dieRauchseuche eingerichtet.Welch schamloses Schauspiel bietet es", ries damals der geistliche Schriftsteller Tesauro in seinerMoralischen Philosophie auswenn sich die Menschen ein gewundenes Horn in den Mund stecken, das vollgestopft ist mit jenem rußigen und rauchendem Schmutz, dessen Höllendampf sie durch den Schlund aussaugen, um ihn dann durch die Nasenlöcher auszustoßen, wie die Rosse des Diomedes und bte Stiere des Jason, die aus den Nüstern Funken und Flammen schnoben. Emer der erbittertsten Feinde des Rauchens in England war König Jakob I.: 1603 ließ er eine lateinische SchriftDer Rauchgegner oder ein könig­liches Scherzstück über den Mißbrauch des Tabaks" erscheinen, in dec diesesscheußliche Tun" für den Niedergang der Sitten und des Wohl­standes verantwortlich gemacht wurde. Eine ganze Literatur wurde gegen den Tabak entfesselt, und die Gegner verstiegen sich zu Behauptungen wie:Es sei besser, mit einem Handseil erdrosselt, als mit indiamschein Tabak vergiftet zu werden." Man nannte den Tabakein Pulver dec Hölle", das Rauchen Wahnsinn und Teuselswerk, und als der große Vorkämpfer des Rauchens, R a l e i g h , vor seiner Hinrichtung noch eme Pfeife Tabak rauchte, empfand man das geradezu als Gotteslasterunq- Ein besonders wilder Hasser der Rauchsitte war Sultan Murad VI. nahm einen furchtbaren Brand in Konstantinopel am 7. August 163« zum Anlaß, um das Rauchen auf das Schärfste zu verfolgen, denn es wurde behauptet, die Feuersbrunst sei durch die Unvorsichtigkeit dec Schmaucher" entstanden. Auf das Rauchen wurde Todesstrafe gesetzt, und das Schwert begann gegen die Verehrer dieser narkotischen Pflanze wie gegen die gemeinsten Verbrecher zu wüten. Nicht minder hemg wandte sich Zar Michael in Rußland gegen den Tabakgenuß. Dec Deutsche Adam Clearius, der Rußland 1643 auf seiner Reise nnfl Persien besuchte, schreibt darüber:Die Verbrecher wurden hart, nämlich mit Nasen-Aufschlitzen und Stauvenschlägen. bestraft, wie wir denn solche Bestrafung an Mann- und Weibespersonen gesehen. Die gemeinen Bestrafungen, so man wider die Raucher ergeben läßt, sind Nase^im schlitzen und mit der Knutpeitsche aus den bloßen Rücken schlagen " Noch 1691 verordnete die Stadt Lüneburg Gefängnis und Auspeitschung gegen dasliib">-(icfie Werk bes Tabaktrinkens", unb im Gebiet bes flenoqs Don Jülich-Berg durften um 1700 nur bicjenigen Personen Pfeise rauchen, bie einen befonberen Freizettel hatten.

ein... Man hat sich auch hierumgestellt". Die Labenschilder zuerst. Boucherie"Garage moderne,Bar Pansien , //«--hemiserie , "Bazar parisien", an dem wirklich wenig Parsterisches ist. Neben dem Cafe de la Paix" eineVerdun-Bar . Pstrsichbamne in frsichbearbei t'eten Gärten. Der Wind bläst aus der Esplanade und hat sie ganz leer aefegt. DasBoche-Viertel" mit seinen neuen Villen ist wieder bewohnt, Im Theater gibt esGott mit uns" heut abend. Man ist in einer großen Festung - Soldaten'cches,au bonheur du Poilu, Tavernen und Kinos blühen an allen Ecken.

Auf der alten Place St. Louis bei Monsieur Hazard, dem alten Koch, speist man ländlich gut. Mittags schon 2 Uhr macht der Chef de cuisine Pause und um 10 Uhr abends ist die Küche der Restaurants geschlossen, es ist nichts Warmes mehr zu haben.

Die Stabt mit ben zwei Gesichtern ... Sie hatte sie schon immer unb hat 'sie auch heute noch, ihr altes französisches unb bas neue deutsche. Heut ist sie wieberkleine Garnison" geworben. Statt 22 brutschen Regi­mentern liegen nur noch ein paar hier. Als Unbezwingliche^niemals erobert, nur ausgehungert unb übergeben, ging Metz in d'e Hande ber Sieger über ... aber unüberrounben, stark unb lang wie emst. Riesige Festungswälle, grünüberwachsene Forts, der lange Rucken des St. Quen­tin reckt sich schützend über der Mosel... Selbst die Denkmäler haben zwei Gesichter. Die Denkmalsockel sind noch von uns gebaut. Schwer, massiv, für bie großen Pferbe beutscher Fürsten, bie man bann herunter- warf um neue Götter daraus zu stellen. Jetzt steht ein Dichter darauf ober ein Soldat, viel zu klein für den schweren Untersockel. Der franzo- sifche Körner, Deroulöde, beschützt immer noch in seinem Gehrock die beiden Schwestern Elsaß und Lothringen, die zu seinen Fußen kn,en... In derdeutschen Post" werden französische Briefmarken verkauft und in demneuen deutschen Bahnhof zahlt man man in Francs. In a - französischen Kasernen liegt wieder französisches Militär und in blau- weißroten Schilderhäusern stehen sturmbehelmte Pollus m blauen Man- kein Das alte französische Viertel am Staden ist unverändert, ine Mosel rauscht unter den Brücken.

Aus der Esplanade ist Messe. Buden sind ausgeschlagen, Karussells drehen sich, in den Schießbuden knattern Schüsse, der Duft der Wassel- bätfereien bringt herüber, vor bem Cafes sitzen solbaten an Marmor­tischen bei einem Bier ober einer Tasse Kaffee. Auf entern leeren Platz sieht uns ein neues Denkmal sehr kriegerisch an, ein gestürzter Abler nut gebrochenen Flügeln ... bas finb mir.Zur Erinnerung an ben 18. No- vember 1918." Aber bieses neue Denkmal ist nicht eingeweiht Poincars soll seinerzeit gefunben haben, es seinicht mehr ber ÄeU entsprechend .

Die Stadt hat sich kaum verändert, die Straßen sind noch immer sehr eng, die Geschäfte haben sich nicht vergrößert. In den Laden für Wand chmuck stehen rote und gelbe Bukette aus Chenille, die das Mar- kalbukeit verdrängt haben, der Grabschmuck besteht aus Kreuzen aus Porzellan mit dicken Porzellanteerosen und Porzellanstiefmutterchen, groß wie ein Gesicht, die man auf Gräber legt. Am beliebtesten sind immer noch die schwarzen und lila Perlkränze. Sie stehen auf den Kirchhofen dtif eisernen Staffeleien, das Bild des Taten lächelt uns aus an' ober sie liegen in Glasfchachteln für ewige Zeiten auf ben Grabern... Ein weißer Dampfer lockt an ber Moselbrücke zu Ausflügen m bie schone Umgebung. Es ist ein sonniger Nachmittag, unb wir steigen em. Alle Plätze finb leer. Wir warten lange, wir schwingen bie Schiffsglocke, aber auch bas hilft nichts, es zeigt sich meber Steuermann noch Matrose. Zwei Stauben haben mir auf bem weißen Schiff gesessen, ohne baß es sich fortbemegte, schließlich sind wir gegangen. Im Hinausgehen las ich auf seinem Schild ,«Rendezvous de tont Metz apr&s la promenade ... Hier trifft sich ganz Metz nach dem Bummel.

Das hochge!obte Kräutlein."

Zur Kulturgeschichte des Tabaks.

Von Dr. Wolfgang Frahm.

Wir wollen uns von der Kulturgeschichte an die Hand nehmen und durch bie Jahrhunberte geleiten lassen, um zu erfahren, wie lange ber Mensch bas Rauchen schon kannte unb wie schnell sich biese Sitte trotz aller Gegenmaßnahmen verbreitete, so baß wir ihre Anhänger heute bei allen Völkern unb in allen Schichten treffen. Woher ber erste Anstoß kam, ist kaum mit Sicherheit zu beantworten. Währenb bie einen glauben, daß sich ber Mensch ber ältesten Narkotika bebient hat, um außer­gewöhnlichen Strapazen zu wiberstehen ober um über Hunger unb Durst Hinwegzukommen, finb bie anberen ber Meinung, bah bas Einatmen des Rauches glimmenber narkotischer Pflanzen zu ben ältesten Genuß­mitteln ber Menschheit gehört unb baß biese Form ber Steigerung bes Lebensgefühls feit jeher ebenso Bebürsnis war wie ber Genuß von Rauschgetränken. Beibe Grünbe werben zusammengewirkt haben, um dem Rauchen bie allgemeine Beliebtheit zu verschaffen, bie es in aller Welt besitzt.

Wenn das Rauchen von Tabak in Rollenform auch zuerst 1492 durch Kolumbus in Mittelamerika beobachtet wurde, wo es aus religiösen Bräuchen zur Zeit der Mayakultur entstanden sein dürfte, so kannte das Altertum doch schon eine große Anzahl narkotischer Pflanzen, besonders aus der Familie der Nachtschattengewächse, deren berauschende Wirkung die Menschen feit Urzeiten ausgenutzt haben. Wir finden in den antiken Schriftstellern mehrfach Belege dafür, daß fogar die vorgeschichtliche Be­völkerung Europas schon das Pfeifenrauchen eifrig betrieben hat. H e - robot berichtet das von den Skythen und der griechische Geograph Strabo von einem anderen kleinasiatischen Volk, den Mysien, die geradezuRauchesser" hießen. Pfeifenfunde aus ber römischen Kaiserzeit auf schweizerischem Boben gestatten ben Schluß, baß auch bie Selten bamals schon geraucht haben.

Nach ber Entbeckung Amerikas aber fanb bas Tabakrauchen erst in die neuere Geschichte Europas Eingang. Zuerst wurde ber Tabak als

ber fromme Romanbichter Charles Kingsley nannte ben Tabak gar bes Einsamen besten Gefährten, ben Freunb bes Junggestllen bes Hungrigen Nahrung, des Traurigen Herzerguickung, eines wachen Man- nes Schlaf und eines frierenden Mannes Feuer , womit er wohl alle nur möglichen Tugenden aufgezählt hatte. Zuerst ist ber Tabak ge- chnupst worben; in Frankreich würbe biese Sitte unter fiubroig XIII. eingeführt, währenb zu gleicher Zeit in Sevilla eine Schnupftabakfabrik entstanb, bie bas Labsal jebes Schnupfers, den v.elgeprisenenSpamol m alle Welt versandte. Bald aber kam der Gebrauch der Tabakspfeif- immer mehr auf, und der Engländer Grenville verbreitete d.e em- ache Tonpfeife, die er in Virginien kennengelernt hatte. Amsterdam unb Rotterdam entwickelten sich schnell zum Sitz eines bllchenben Tabak- Handels. Auch die Frauen fanden am Rauchen damals Gefallen; so wirb von der Engländerin berichtet:Sie machet auch ein ipfeiffgen labac mit" 1715 er chien in Meißen sogar ein Buch unter bem TitelBeweis, daß ein honettes Frauenzimmer bey bem Caffs-Schmausgen erscheinen unb eine Pfeiffs Taback bazu schmauchen könne. Von Mabame Leu- coranbe." Währenb sich bas Pfeifenrauchen verhältnismäßig fchnell viele Freunbe erworben hatte unb burch eine behagliche Poesie verklart wurde, galt das Zigarrenrauchen noch in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts als ungebildet, ja unanständig, göltet hat allen Ernstes behauptet, daß die Zigarrenraucher einen rohen und vulgaren Ton in die Salons geschleppt hätten. Auch die Zigaretten, die zuerst fast nur im Orient geraucht wurden, haben erst in ber zweiten Halste bes 19. Jahr- hunberts bei uns Verbreitung gefunden.

Dieser Siegeszug des Tabakrauchens ist allerdings nicht ohne Schmie- rigkeiten vor sich gegangen. Wie stark das Charakterbild biefer Sitte, van der Parteien Haß und Gunst verzerrt", in l _ .' , .

hat, veranschaulicht eine Aeußerung Goethes über diescheußlichen Glimmstengel", wie er sich ausdrückteI Kein wahrhaft gebildeter Mann, kein Mensch mit höheren Interessen und edleren Regungen mürbe je Tabak rauchen, er habe auch bie feste Ueberjeugung, ber stille und fleißige Gelehrte im Wolfenbüttler Schloß, Lessing, sei diesem narkotischen Kraute gründlich abhold gewesen. Der Wolfenbüttler Bibliothekar Ebert war bei diesem Gespräch anwesend und wollte sich über den Streitpunkt Gewißheit verschaffen. Freilich weilte Lessing nicht mehr unter ben ßebenben; er suchte aber eine alte Frau auf, bie jahrelang bie Äus- Wartung bes Dichters übernommen hatte. Auf die Frage, ob Lessing geraucht habe, antwortete sie in ber Erinnerung seufzenb:Ach ja, qUlti­men unb schreiben mußte ber Herr Lessing von sruh bis in bie Nacht hinein, sonst war er aber auch gar nicht zu gebrauchen."