Ausgabe 
26.10.1934
 
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Worte, Zurrhelm horchte: er verstand; in weiter Ferne wirklich. So blieb er denn ganz ruhig sitzen.Luzius", entgegnete er, und seine Stimme schwang kaum noch, JA danke Ihnen. Ich habe Sie für fremder und ferner gehalten, ifam sehe ich den Menschen. Ich danke Ihnen, Luzius. Glauben Sie nicht, dah ich Ihre Worte verkenne. Es ist nur", und er strich etwas aus, wischte es weg,wollen Sie mich zwei Minuten allein lassen", bat er plötzlich mit neuem Entschluß. Sie mögen nebenan warten, wollen Sie?"

Luzius sah ihn eindringlich an.Sie machen keine Dummheiten, Zurrhelm? Sie versprechen es mirl" Er streckte die -and hm

Zurrhelm nahm diese Hand. Lebendige warme Hand; letzte Hand;

er drückte sie.Gehen Sie, Luzius."

Der Assessor wandte sich mit unsicheren Schritten ab. Eine innere Stimme warnte ihn, den Freund jetzt allein zu lassen, aber was sollte er Vorbringen, um im Zimmer bleiben zu können gegen Zurrhelms strikten Wunsch. Er trat in das Nebengemach.. Eine Portiere schlug hinter ihm zu und verdeckte das Licht. Er wollte sich eine Spalte zurecht­rücken, die ihm Durchblick gewähre, aber plötzlich schien ihm das nicht angebracht. Wenn Zurrhelm etwas vernichten wollte, mochte er es tun. Luzius wollte nicht Hinsehen.

Er wartete. Zog Zurrhelm eine Schublade auf, vernichtete er Briese, ' zerriß er Papiere? .. Luzius wartete geduldig. Zwei Minuten, ist das eine lange Zeit? Und da kam Zurrhelms Stimme aus dem andern Zimmer und rief ihn an. ...

Luzius", sprach Zurrhelm,bleiben Sie dort nebenan, aber Horen Sie'' Ich will nicht, daß ich den letzten Menschen, der an mich geglaubt hat, belogen habe. Ich mache keine Dummheit, wie Sie es nannten; ich ziehe nur den Abrechnungsstrich, wenn ich jetzt an den kleinen Hebel ticke. Leben Sie wohl, Luzius und Dank."

Der Schuß krachte.

Luzius riß die Portiere zurück.Zurrhelml"

lieber dem Schreibtisch kräuselte die gelbliche Rauchwolke. Zurrhelms Gesicht und Gestalt waren dahinter wie im Nebel. Aber dann verteilte sich der Qualm. Er wurde aufgescheucht durch die Bewegung, die dieser Körper machte. Zurrhelm sank in sich zusammen und fiel vornüber.

Luzius spürte sein Herz im Halse schlagen. Das Blut sauste ihm rauschend durch den Kopf. Aus den Augen spürte er einen Druck, als wollten sie aus den Höhlen heraus. Hatte er sich doch geirrt!? Die Pa­tronen aus der Kammer hatte er entfernt, aber es war möglich, dah der erste Schuh schon im Laufe gesessen hatte!"

Er stürzte zu dem Leblosen.Zurrhelm!"

Nichts.

Er bückte sich, griff ihn, er keuchte unter diesem Gewicht, dann brachte er den leblosen Mann hoch, schleifte ihn über den Teppich und bettete ihn auf den Diwan.

Wohin war der Schuß gegangen? Er bemerkte kein Blut, aber Zurr­helm muhte ja nicht in den Kopf geschossen haben. Er rih ihm die Weste auf, band den Kragen ab und gab die Tätigkeit auf. Einfacher, besser dünkte es ihn, die Patrone nachzusehen; die Hülse lag auf dem Schreib­tisch, sie war wie stets herausgesprungen. Er nahm sie, sah sie an und erkannte mit erleichtertem Seufzer: Zurrhelm hatte eine Platzpatrone abgeschossen.

Er ging zu dem regungslosen Freund zurück. Also nur eine Ohn­macht. Was war zu tun? Warten ober den Entrückten zurückrufen? Er entschloß sich, öffnete die Flasche Wein, die Zurrhelm mitgebracht hatte, und träufelte dem Bewußtlosen die Flüssigkeit zwischen die Lippen.

Er hatte rasch Erfolg. Zurrhelms Atemzüge beschleunigten sich und wurden tiefer; er verschluckte sich, hustete und schlug die Augen auf.

Bon woher kam er? Seine Augen hatten einen überirdifchen Glanz, sie leuchteten förmlich im Eigenlicht. Aber dann setzte wohl das Gehirn ein mit Erinnerung und Erkennen. Er lispelte etwas, wiederholte es, und Luzius las ab.Richt tot ... Wieder Sie?

Luzius strich ihm über die Stirn. Nie war er diesem Manne fo nahe gewesen wie in dieser Minute. Er spürte ein Brennen in den Augen.Es scheint", sagte er heiser,ich bin in Ihrem Leben von Wichtigkeit geworden, Zurrhelm."

Aber ich schoß doch!?"

Gewiß. Ich wußte, daß Sie ein Kerl sind, Reginald Zurrhelm. Aber für die große Geste genügten Knall und Rauch. Die Platzpatrone habe ich geliefert. Bor dem unmännlichen Davonschleichen wollte ich Sie bewahren. Sie werden mir das später danken."

Später, sagen Sie, Luzius ... Gibt es für mich ein Später?"

Ganz gewiß, Reginald Zurrhelm. Dieses alles wird eines Tages ein schlechter, schwerer Traum heißen, und das Leben wird sehr, sehr wichtig für Sie sein."

Reginald Zurrhelm lag ganz ruhig. Er schaute mit weit geöffneten Augen die Decke an; so versickerten die paar Tränen wieder nach innen. Und Luzius fuhr fort:Ich werde mit dem Konsul sprechen und ihn vor­bereiten. Dann gehen Sie zu ihm. Es ist besser, Sie bekennen sich. Es wird Sie innerlich frei machen. Den größten Teil des Geldes werden Sie noch besitzen. Wir gehen hin und kaufen van dem alten Berlebach die vier Perlen zurück. Für das Weitere lassen Sie dann mich sorgen."

Zurrhelm lag auf feinem Lage ganz still; er nahm nur einmal feinen Blick von der Decke zurück und sah Luzius an; als der dann ge­endet hatte, starrte Zurrhelm wieder nach oben.Verzeihen Sie, lieber Luzius, ich bin ein bißchen wirr im Kopf. Wovon sprechen Sie?"

Assessor Luzius fiel aus den Wolken.Wie beliebt?" brachte er heraus.

Was verstehen Sie nicht?"

Zurrhelm richtete sich zum Sitzen auf.Ich verstehe das alles nicht, was Sie mir zuletzt gesagt haben. Ist es wichtig? Sonst sagen Sie es mir bitte später. Wißen Sie, mir ist doch, als habe ich den Schuß mir in den Kopf gefeuert. Es ist alles durcheinander und ein Dröhnen hier hinter der Stirn ... Dabei schäme ich mich so. Vor Ihnen ganz besonders. Sie sind so gut zu mir. Hätte ich mich Ihnen anvertraut, rechtzeitig, alles wäre anders gekommen. Vielleicht säße Barbara noch hier oder wenigstens wäre ich nicht fo unvorbereitet gewesen. Aber ich schämte mich. Ich ging

Ihnen und Brendel aus dem Wege. Ich hatte mir vorgenommen, mit Ihnen beiden erst zu sprechen, wenn der Holländer abgereift fei."_

Luzius quälte den Satz zwischen den Zähnen heraus:Warum schämten Sie sich?" , ,

Weil Strombett meine Barbara offensichtlich verehrte, weil ich fürchtete, Sie und Brendel würden annehmen, ich duldete das alles, weil Strombeck mir das große Bild abgetauft hatte. Es war ja auch so! Ich spürte, daß er bas Bild kaufte, um Barbara zu gefallen; aber ich konnte doch nicht wissen, daß es eine Abfindung an mich war..." Er stand auf. Er war unerwartet wieder recht lebendig. ,Lch hätte ihm fein Geld vor die Füße geworfen!"

Das ist ja alles Unsinn, Zurrhelm", sagte Luzius.Barbara wollte von Ihnen fort. Jan Strombeck war Mittel, nicht Zweck. Aber reden Sie nur offen. Diese Scheine dort an der Erde stammen von Strombeck?"

Natürlich. Für das Bild. Er zahlte bar."

Luzius nickte. ,Hch glaube Ihnen. Aber nun sagen Sie mir, was machten Sie heute abend bei dem Vater Berlebach?"

Zurrhelm errötete stark; er vermochte es nicht zu verbergen.Muh ich das sagen? Woher wissen Sie übrigens, daß ich bei dem Alten war? Sind Sie mir nachgegangen?"

Ich ging Ihnen nach, jawohl. Ich sah Sie in dem Zimmer stehen und mit dem Alten verhandeln." Er sah Zurrhelm scharf an. Wie feige bist du, dachte er, ich habe dir den Weg, den du gehen sollst, gezeigt, aber du versuchst auszubrechen; glaubst du, mich jetzt noch täuschen zu können, nach allem, was ich mit eigenen Augen sah?

Reginald Zurrhelm blieb unbefangen; ein glanzender Schauspieler. Dann muß ich es wohl sagen", lächelte er matt.Ich hatte dem Alten meinen Trauring versetzt; als ich nun zu Geld kam, war mein erster Weg zum Trödler; denn Barbara sollte das nicht erfahren."

Luzius biß sich auf die Lippen.Und bei der Gelegenheit gab der Vater Berlebach Ihnen auch gleich das Perlenhalsband der Frau Konsul Finkendey, aus dem vier Perlen entfernt waren, wieder zurück."

Was sagen Siel?" .

Luzius, in Merger geraten, ließ sich nicht unterbrechen.Und Sie gingen in den Garten des Konsuls, sanden, wie Sie es von allen Abenden wußten, das Schlafzimmerfenster des Ehepaars geöffnet und warfen die Perlen in das Zimmer. Warum erzählen Sie die Geschichte nur halb, Zurrhelm?" .

Der Beschuldigte antwortete nicht. Er lief mit langen Schritten durch das Gemach, blieb vor Luzius stehen, sah ihm in die Augen und begann die Wanderung von neuem. Luzius fragte:Wollen Sie nichts sagen? Oder habe ich alles erschöpfend geraten?" Er beugte sich vor.Ich kann Ihnen jetzt gestehen, daß ich gar nichts erriet, sondern alles mit ansah. Ich ging Ihnen nach, auf dem Hinweg, zu dem Alten und auch auf dem Zurückweg, der Sie an der Villa des Konsuls vorbeiführte."

Zurrhelm blieb stehen.Luzius", sagte er,wenn die letzten zehn Minuten nicht gewesen wären, die mir gezeigt haben, wer Sie wirklich sind...", er brach ab, sagte dann:Das ist ein bißchen viel, lieber Freund."

Was ist ein bißchen viel!" Luzius war erregt Sie standen sich gegen­über, sehr nahe.

Sie verdächtigen mich da des Diebstahls, scheint mir?"

Verdächtigen", machte Luzius und zog das Wort lang,es handelt sich längst um keinen Verdacht mehr."

Zurrhelm hob beide Arme.Schluß! Schluß!" rief er.So geht das nicht. Sagen Sie mir in ruhigen Worten, was Sie gegen mich vorzu­bringen haben, Luzius. Es muß sich rasch Herausstellen, wer hier irrt Wir sind beide nervös. Spannungen vertragen wir nicht mehr."

Luzius sagte:Ich folgte Ihnen, als Sie aus dem Hause tarnen und zu dem Hehler Berlebach gingen. Sie geben zu, daß Sie den Mann aufsuchten. Schön. Ich beobachtete von einem Zimmer des gegenüber­liegenden Hauses, wie Sie mit dem Alten verhandelten. Er gab Ihnen die bewußte Perlenkette und Geld. Sie gingen wieder. Stimmt das?"

Kein Wort stimmt. Als ich bei dem Alten anlangte, war die Tür verschlossen. Ich pochte, da rief er von drinnen:Kommen Sie in zehn Minuten wieder; ich habe jetzt keine Zeit." Da ging ich zehn Minuten spazieren. Als ich zum zweitenmal vor das Haus kam, stand Berlebach an der Tür. Ich trat gar nicht in sein Zimmer. Er brachte mir den Ring heraus. Ich gab ihm das Geld und verließ ihn."

Dem Assessor war, als schlage ihm jemand mit einer Keule über den Kopf. Er sah dies offene Gesicht Zurrhelms vor sich; er war Menschen- tenner genug, zu begreifen, daß jener in dieser Stunde nicht die Be­herrschung zu so glatter Lüge haben würde. Er spürte zutiefst die Wahr­heit dieser Worte.Zurrhelm", würgte er,ich verstehe nichts mehr. Nur das meine ich zu wissen, weiß ich: ich tat Ihnen Unrecht. Vergeben Sie mir, ich bitte Sie!" Er streckte die Hand hin.

Zurrhelm schlug, ohne zu zögern, ein.Quitt", sagte er,ein böser Irrtum, es tat weh, aber wir wollen es vergessen. Habe ich einen Dop­pelgänger? Bisher hörte ich nie davon. Aber wahrscheinlich haben Sie einfach in der Dunkelheit, statt mir nachzugehen, wie Sie vermeinten, sich einem Fremden an die Fersen geheftet."

Und dieser Fremde bringt oder hott das hn Hause des Konsuls entwendete Perlenkollier! Das ist das Mysteriöse, Zurrhelm!"

Reginald Zurrhelm blieb stehen; er gab diese Landpartie Fenster Tür endgültig auf.Wir müssen den Vater Berlebach fragen. Morgen, Luzius, wollen wir den Alten gemeinsam auffudjen. Er wird Ihnen sagen, welcher Art mein Geschäft mit ihm war, und wahrscheinlich kann er uns auch über den geheimnisvollen Mann, der das Perlenhalsband befaß, Auskunft geben."

Er wird sich hüten!"

Das schon. Er mag uns erzählen, er habe an ein harmloses Gcfchast- chen geglaubt."

Wollen wir nicht jetzt noch in der Nacht hingehen? Wenn der Alte überrascht ist, redet er möglicherweise eher. Morgen hat er Ausf.uchie bereit."

(Fortsetzung folgt)