Jahrgang (93^
Freitag, den z.gcbruar
Nummer 9
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Nichts ist auf Erden verloren, Was wir dem Leben getan, Darum sind wir geboren, Daß wir auf unserer Bahn Dienen dem hoffenden Leben Zu des Gestirnes Ruhm, Das uns zu Lehen gegeben,
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Also ward auch gegeben Allem das Wcrdegebot, Also muß auch das Leben Warten aus seinen Tod, Samen, Knospen und Blüten, Jedes kommt und vergeht, Uns ist geboten zu hüten, Was in der Hoffnung steht.
Daß nicht zu früh nach innen Lösend das Tauwasser traust. Daß nicht aus ruhendem Schweigen Aufbricht, was nicht gedeiht.
Und die Säfte nicht steigen In der gefährdeten Zett.
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andern Ufer davonreiten. Sie schüttelten d riefen hinter ihm her: „Das ist der gerettet hat." Das Wort hörte der Herr war selber nicht klar geworden, wie es daß er das Wasser durchquerte: es spülte e Hufe, und der Fluß war reißend und cts nie von einer Fprt an dieser Stelle 16er den Ort und ritt am andern Tage
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Herrn diendn. Der Ritter betrachtete prüfend den jungen Mann, dann erwiderte er: „Ich will dich nehmen, denn du siehst mir ehrlich und fleißig aus."
Nun war der Knecht schon Wochen bei dem Ritter und war ■ein so guter Mann, wie der Ritter noch nie einen gehabt hatte. Die Pferde gediehen bei ihm, die Waffen waren immer sauber And in Ordnung, der Knecht war stets zur Hand, wenn er gebraucht wurde, und führte willig und freundlich alles mit Schnelligkeit und Geschick aus, das man ihm auftrug. Die beiden Knaben ides Ritters hingen an ihm, wie an ihrem älteren Bruder: er lehrte sie fechten, mit der Armbrust schießen, hob sie aufs Pferd. Er war auch fromm: nie fehlte er bei der Frühmesse, beim sonntäglichen Gottesdienst und den kirchlichen Feiern:. da stand er ämmer bescheiden hinten am Tttrpfeiler, die Mütze in der Hand, mnd blickte gläubig und sehnsüchtig nach dem Priester hm. Der Rj.tter sagte ihm, er solle mit nach vorn kommen, in der Kirche Lebe es keinen Unterschied von Herr und Knecht: aber er schüttelte Sen Kopf und sagte: „Das schickt sich nicht für mich."
Einmal ritt der Ritter mit ihm und sah sich um, da merkte er, -daß Feinde hinter ihm her waren, acht an der Zahl. Vor ihm ober war der Fluß. Es schien ihm, daß er verloren sei. Der Knecht sprach: „Habt keine Sorge, Herr, ich weiß eine Furt , ritt ein kurzes Stück flußaufwärts und führte ihn dann quer durch Das Wasser. Als die Feinde ankamen, standen sie vor dem tiefen
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SirhenerZamilienbliitter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Zwar weiß ich nicht, wie oas geicyeyen wu, oenn ich wiu euch nichts Böses, aber ich verstehe ja manches nicht bet euch, und so wird es wohl sein, daß ihr euch hüten müßt vor mir Ich bin gern bei euch gewesen, denn ich war glücklich hier: ich habe nie gewußt, daß ein solches Leben sein kann, und wenn ich hätte bleiben dürfen, dann hätte ich immer noch mehr Schönes gesehen." Der Ritter sprach: „Du sagst es selbst, daß ich dich nicht bei mir behalten darf. Aber ich will dir wenigstens danken für deine Guttaten und deine Dienste, wie ich kann. Wähle, was du willst. Du sollst die Hälfte meines Besitzes haben, wenn du willst, denn meinen ganzen Besitz kann ich dir nicht geben, weil ich meine Familie ernähren muß und Pflichten gegen meinen Herrn habe im Kriegsdienst und sonstiger Hilfeleistung."
Der Knecht schüttelte weinend den Kopf, dann sagte er: „Soviel brauche ich nicht, und ich will dir nicht das Deinige nehmen. Aber wenn du mir sechs Schillinge geben willst als Lohn für meine Dienstzeit, dann will ich dir dankbar sein."
Der Ritter ging an seinen Kasten, schloß ihn auf, holte das Geld heraus und zählte es dem Knecht auf. Der nahm es, zählte es aus einer Hand in die andere, und nachdem er die Summe richtig befunden, gab er es dem Herrn zurück und sagte: „Weil ich dir mehr getan, als ich schuldig war, so bitt .1 ich dich noch um eine Liebe. Nimm das Geld und lasse dafür eine kleine Glocke gießen, und hänge sie oben im Turm deiner Kapelle auf, und laß diese
Vallow
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1 Tag ohne Besinnung so gelegen hatte, kerben werde. Der Knecht aber sagte zu Z/|\V ne Sorge, sie ist zu heilen. Man muß ihr .«eben, dann wird sie wieder gesund werden." Die beiden Knaben weinten und rieben sich mit der einen Hand die Augen, mit der andern hielten sie sich am Kollersaum ihres Vaters fest, und der rang verzweifelt die Hände und sprach: „Wir soll ich ihr die verschaffen!" „Ich werde sie Euch bringen", sprach der Knecht und ging fort: und nach kaum einer Stunde war er wieder im Rittersaal mit einem Krug, in dem er die Milch hatte. Der Herr ging mit ihm auf die Kammer der Kraulen, richtete die Verwirrte hoch und hielt ihr die Hande, das sie dem Knecht nicht das Gesäß aus der Hand schlug. Der goß Milch in eine Schale und setzte sie der Kranken an den Mund: die trank gierig, und schon im Trinken beruhigte sie sich, und als sie ausgetrunken, legte sie sich und sagte mit ihrer natürlichen Stimme: „Nun will ich schlafen", dann schlief sie ein und schwitzte während des Schlafes. Und als sie aufgewacht war, da fühlte sie sich gesund: sie blieb noch eine kurze Weile im Bett, aus Vorsicht, aber daun erhob sie sich, und es war, als ob nichts gewesen wäre.
Nun aber wurde dem Ritter der Knecht noch unheimlicher. Er fragte ihn: „Wie hast du es gemacht, um die Löwenmilch zu bekommen?" Der Knecht antwortete: „Ich habe mich schnell nach Arabien versetzt, dort ging ich in eine Höhle, wo eine Löwin ihre Jungen säugte. Die nahm ich ab, dann gab mir die Löwin Milch." „So bist du wirklich ein Teufel", rief der Ritter und starrte den Knecht entsetzt an, die beiden Knaben aber verbargen sich ängstlich hinter ihrem Vater. Dem Knecht kamen die Tränen. Er sprach: „Ich habe immer in der Quelle gewohnt, immer habe ich das Wasser aus der Quelle getrieben und habe die Blätter des Waldes widergespiegelt, das ist so lange, wie der Berg steht. Dann hörte ich die Glocken, als ihr Menschen die Kirche gebaut hattet, und ich


