Ausgabe 
26.2.1934
 
Einzelbild herunterladen

Entdeckungsfahrten der alten Germanen.

Von Professor Dr. Hans Plischke.

Wir entnehmen folgenden Abschnitt dem BuchEnt- dcckungsgeschichte vom Altertum bis zur Neuzeit" von Professor Dr. Hans Plischke, das im Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig erschien. (Preis 1,80 Mark.) Die zu­sammenfassende Behandlung dieses Stoffgebietes sowie die interessante Darstellung, die besonders die politischen, wirtschaftlichen Und geistesgeschichtlichen Gründe für die Entdeckungen erkennen läßt, scheint sehr beachtenswert.

Am Nordrand der vom Altertum ererbten Erdkenntnis lag die Heimat der Hochseeschiffahrt der Wickinqe. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts erreichten normannische Seefahrer Island, das von ihnen in der Folgezeit besiedelt wurde. Sie trafen, allem Anschein nach, auf dieser weltabgelegenen Insel irische Einsiedler an, die seit etwa dem Ende des 8. Jahrhunderts sich dort einer gottgefälligen Einsamkeit ergeben hatten. Die Normannen besaßen eine für das frühe Mittelalter hochentwickelte Scefahrtskunst, die, frei von der Küste, kühn übers offene Weltmeer führte. Von Is­land aus scheinen schon in der Zeit um 870 bis 980 Wickinge bis zur Küste des späteren Grönland verschlagen worden zu sein. Den Anlaß zur Besiedlung dieses Gestades durch die Normannen bot die Fahrt Eriks des Roten, der 985 wegen blutiger Händel, in die er seit langem verwickelt war, auf drei Jahre von Island ver­bannt wurde. Er segelte mit seinen Drachenschiffen nach der be­reits bekannten Küste, die vereist war, und der er südwärts folgte. Er befand sich damit vor der Südostküste Grönlands. Nachdem er um die Südspihe gekommen war, fand er die Westküste eisfrei und zur Niederlassung geeignet. Dem Land gab er den Namen Grön­land, grünes Land, um von Island Siedler anzulocken, die auch seiner Aufforderung folgten. Erik der Note hatte zwei Söhne, Thorstein und Leif. Nach normannischer Weise ging Leif auf See und weilte 999 bis 1000 am Hofe des Königs von Norwegen. Auf der Heimfahrt nach Grönland wurde er im Frühjahr 1000 durch widrige Winde an eine waldreiche und fruchtbare Küste ver­schlagen. Wegen der Weinreben, die dort wild wuchsen, gab er dem Land den Namen Vinland. Bei der Ankunft Leifs machte die Erzählung von dem waldreichen Lande in Grönland tiefen Ein­druck, weshalb man es wieder zu erreichen versuchte. Dies gelang 1003 dem Normannen Thorfinn, der von Grönland aus nach zweitägiger Fahrt eine Küste anlief, an der große, flache Steine lagen. Er nannte das Gestade Land der Steine, Helluland. Dann gelangte er zu einer Küste, die war reich an Wald und Wild. Die Normannen gaben ihr den Namen Waldland, Markland. Auf der Suche nach dem Vinland Leifs fuhren die Normannen an der Küste südwärts und fanden es schließlich wieder. Hier kamen sie mit Eingeborenen, in den normannischen Quellen skrälingjar ge­nannt, zusammen. Aus Zwist unter einander und im Streit mit den Eingeborenen schlug der Versuch, eine Kolonie zu gründen, fehl. 1006 trafen die Vinlandfahrer in Grönland wieder ein. Nach isländischen Quellen fuhr man wahrscheinlich noch bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts nach Markland, um von dort die für die Grönländer wertvollen Baumstämme zu holen. Die steinige Küste von Labrador ist das Hellnland der Normannen, das einst wald- und wildreiche Neufundland das Markland. Die Beschreibung von Vinland paßt in großen Zügen auf die Gegend von Neuschott- land. Damit haben die Normannen in der Zeit nm 1000 als erste Europäer neuweltlichen Boden betreten. Aber diese Entdeckung Amerikas wurde im Mittelalter nicht beachtet. Bis auf eine kurze Notiz, die Adam von Bremen im Jahre 1072 darüber gibt, geriet diese Tat in Vergessenheit. Hierbei mag von ganz besonderem Einfluß gewesen sein, daß der Blick des christlichen Abendlarrdes gerade wegen des Islam und der damit für die christliche Welt verknüpften Gefahr, aber auch gebunden durch die Neberlieferuug, nach dem Osten gerichtet war.

Die Wickinge stießen auch nach Nordosten vor> Um 870 segelte der Normanne Other von der Westküste Norwegens aus nora= wärts: er wollte erkunden, wie weit gen Norden das Land sich erstreckte. An einer fast menschenleeren Küste segelte er entlang und stellte fest, daß das Gestade nach Osten umbog. Damit wurde er der Entdecker des Nordkaps. Seine Fahrt setzte er, dem Lande folgend, südostwärts bis zur Mündung eines großen Flusses fort. Früher nahm man an, Other habe das Dwinagebiet erreicht. Auf jeden Fall gelangte er um die Halbinsel Kola in das Weiße Meer und segelte, da er nach den Mitteilungen, die der angelsachysme König Alfred der Große über die Reise gibt,.immer 'n Sicht der Küste blieb, bis zur Bai von Kandalakscha, jedoch wohl nicht übers offene Meer zur Dwinamüudung. Etwa zur selben Zeit stellte der Däne Wnlfstan den Binnenmeercharakter der Ostsee fest' er fuhr von der Küste Schleswigs ostwärts über Mecklenburg bis zum Frischen Haff. Auch diese Fahrten fanden im Mittelalter keine Beachtnng. Noch am Ende des 11. Jahrhunderts wurde bei Adam von Bremen die Ostsee als ein nach Osten offenes Meer

betrachtet.

Das gleiche Schicksal hatten in der abendländischen Wissenschaft die Züge der normannischen Waräger, die unter Ruril um öfc ttn Bereich der russischen Ostseegebiete großen Einfluß erlangten. 865 stieß eine Warägerflotte von 300 Ruderbooten, den Dniepr folgend, zum Schwarzen Meer vor. Und in den anschließenden Jahr­zehnten sind Warägcrscharen diesen Spuren fudwarts wiederholt gefolgt. Trotzdem blieben die Kenntnisse des christlichen Abend­

landes über die osteuropäischen Gebiete außerordentlich unklar und unsicher. Diese Bereiche lagen abseits des westlichen Verkehrs und Interesses.

Ein Mann namens Schmitz.

Novelle von Wilhelm Schäfer.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Das wiederum wollte der Doktor Schmitz nicht gelten lassen: Ich gebe zu, daß wir jetzt eure Stumpen rauchen und ihr unsere dicken Zigarren! scherzte er und hielt dem Oberst seine Habana hin, als er verdutzt die seine besah. Und da er nun einmal im Zug war, versuchte er selber die Antwort: Weil wir den Krieg erlebt haben und ihr nicht,' weil ihr noch Vorkriegsmenschen seid, wir aber Nachkriegsmenschen sind! Und er setzte dem alten Herrn an Beispielen auseinander, welche Veränderungen in der Menta­lität das Wort gefiel ihm und er gebrauchte es fast zu viel des deutschen Menschen im Reich durch das Kriegserlebnis vor­gegangen seien. Wir haben erfahren, wie wenig Verlaß auf den Wohlstand ist, darin wir euch noch so selbstgewiß sehen.

Er hatte im Eifer seiner Worte nicht gemerkt, daß der mit den weißen Gamaschen unterdessen wieder eingetreten war und hinter ihm stehend zuhörte. Darum, als der sich einmischte, fuhr er fast erschrocken nach ihm herum.

Ich könnte Ihnen Ihre Frage anders beantworten, sagte der Doktor Berwaldner von obend herab, wenn ich gewiß wäre, d'atz Sie mir die notwendige Offenheit nicht verübeln würden.

Wie sollte ich? gab der Doktor Schmitz zurück und stand auf, damit die Rollen nicht ungleich wären. Eine Mensur! dachte er, wie sie einander gegenüber standen, der andere mit seiner langen Gestalt, er Mit seiner kurzen, festen,' und er stellte die, Beine breit, den Angriff zu parieren.

Weil ihr die Unruhestifter seid, darum hassen wir euch! sagte der Doktor Berwaldner und der Doktor Schmitz parierte:

Ich dachte, das wären die Moskowiten!

Die Moskowiten sind weit für uns Schweizer. Wir habens mit euch zu tun!

Und was ist es, womit wir Unruhe stiften?

Weil ihr die Verträge nicht haltet.

Welche Verträge?

Die ihr in Versailles unterschriebt. Solange ihr dagegen auf­begehrt, kann keine Ruhe in Europa sein: und solange keine Ruhe wird, ist kein Geschäft.

Kein Geschäft! wiederholte der Doktor Schmitz und lachte, um keine Antwort auf solche Einfalt zu geben. Aber als er sich nach dem Oberst umsah, was der nun sage, war der alte Herr etn- geschlafen.

Mein Herr Schwiegervater schlief schon, als ich zurückkam, erklärte Doktor Berwaldner: Es ist seine Gewohnheit nach Tisch, deshalb gingen wir fort. Sie haben unseren Wink nicht beachtet.

Ich beachte ihn jetzt! sagte der Doktor Schmitz und ging vor dem andern her in die Halle. Ihre Offenheit war mir sehr lehr­reich! fügte er draußen hinzu: aber dann wird es wohl lange nichts werden mit dem Geschäft!

Dann wird es wohl ebenso lange dauern, daß wir euch hassen! gab der mit den weißen Gamaschen zurück

Eine klare Feststellung! quittierte der Doktor Schmitz: Denken alle Ihre Landsleute so?

Wenn sie ehrlich sind, manche! Hier im Hause freilich nicht.

So darf ich wohl bitten, mich den Andersdenkenden zu empfeh­len! fiel der Doktor Schmitz auf seine Füße zurück, verbeugte sich und verließ die Halle durch die lautlose Tür, die ihm sein Gegner aus der Hand nahm, ihn höflich hinauszubegleiten.

II.

Jetzt ist es drei Uhr! sagte der Doktor Schmitz, als er sich draußen mit einem zornigen Blick über die einmal von ihm so geliebte Stadt mit dem See und den Bergen nach rechts wandte, den nächsten Steilweg hinab, um an der ersten Stelle ein Auto zu finden: Unterwegs sein kann sie noch nicht, also muß ich sie vor dem Meldeamt treffen, wenn ich Geduld habe, nötigenfalls bis fünf Uhr zu warten. Zeit bis zum Abendzug habe ich sowieso!

Er fühlte sich in einer unbändigen Laune, seitdem er dem mo­kanten Lächler gestanden hatte, nur wußte er nicht, ob seine Laune nach der Plus- oder Minusseite strebte, wenn er an den Hund dachte, mit dem sein Abenteuer ansing. Es war natürlich ein schweizerischer Hund, der mich von meinem Besuch abhalten wollte, weil er mir die Landsmännin mißgönnte! versuchte er zu spötteln: aber er war schon viel zu nachdenklich geworden, als daß er über den Zufall scherzen konnte. Offenbar ist es mit dem Fatalismus nichts! unternahm er eine Feststellung: oder doch nur so, daß er mit der Täuschung unsrer Willensfreiheit rechnet, die wir nicht aufgeben wollen. Unser Wille ist die Maus, mit der seine Katze spielt!

Der Doktor Schmitz fand selber, daß dies geklügelt wäre: aber er hätte noch halsbrecherische Dinge denken können und er hatte eine wütende Lust, es zu tun,, weil er die fremde Macht in seinen Füßen fühlte, die ihn samt seinem freien Willen und den überspitzten Gedanken darüber zwangsweise an eine Auto­haltestelle und ans Meldeamt brachte. Diesmal wird mir kein Hund dazwischenlaufeu! vertraute er.

Er sand das Auto, und der Chauffeur fand bas Meldeamt: und dann hatte er Zeit genug, der sich mittags so eilte, gemäch­lich auf und ab zu gehen und über die kuriose Wendung in seiner Vrautschau zu spotten. Denn daß er allen Ernstes diese Emilie Petersen aus Aachen, die mit ihrem Hamburger Namen in Köln geboren war, daß er sich diese Professorentochter auf ihre Eignung