Kunstauktion In der Ltttzowstraße zu zeigen. Das hier sei nicht Wt jDl&ol Kauft wieder Bilder, der Magnifico?" fragte Dagobert in ?Jch glaube E?dab Herr Professor Hasselbrink Bilder kaufen will. Er wird mich später abholen. Ich halte gernWort, weil, Sie ein netter Junge sind, Dagobert, und Onkel toutä Neffe. Pschtl
„Dank, Katarina — gnädige Frau! Ich fiebere!
Sonst strich Meister Dagobert so ein Porträt in längstens drei Sitzungen herunter,' das gehörte zu den wichtigsten Erundssstzeü und zur Technik der besagten Richtung. Bei den Damcnblldmssen dauerte es manchmal länger, besonders, wenn dte Damen nicht im biblischen Alter waren, was jeder dem Malergewerbe Naher- stehende verstehen und bestätigen wird.
Es dauerte auch bet Frau Gugernell langer, besonders lange. Sie kam nicht bloss, wenn sie überhaupt kam; sie war ein Mensch, der zu sitzen verstand, kein Stuhlwipper. Das alles war ihr natur- lich nicht neu; es gab eine berühmte Statuette von ihr, bedeutende Dialer hatten sie gezeichnet oder gemalt, alle die „Tänzerin . Dagobert wünschte sie in Zivil zu geben, rastend, ausruhend sozu- sagen — mal was anderes. Auch die Gugernell war ent Mensch, das Rarste an ihr; und er selbst war kein Meister der Bewegung, sondern einer der schlichten Form und Farbe.
Es dauerte diesmal auch deshalb länger, weil Dagobert Katarina beinahe hübsch malte, was eigentlich ein Verrat an der neo- primitiven Schule war. Sie sah aus dem Bild mtt ihren hochgeschwungenen Brauen der letzten, grausamen Kmsertn-Wttwe von Peking nicht ganz unähnlich, aber die welche, lebhaft blühende Mundpartie wurde erstaunlich katartnenhaft; wurde sogar, erst recht gegen die ehernen Schulgesetze, öfter und geradezu mit Dell' katesse gepinselt und glühte in ungebrochenem, gewalttätigem Rot.
Nichts verfliegt rascher als die Zett harter Arbeit. Es war nun schon die vierte oder fünfte Sitzung. Nein, hier genügten mit einemmal alle Rezepte nicht mehr, nicht im mindesten, wie^Dagobert tollkühn und beinahe verzweifelt erkannte. Hier hiess es, so wahr er lebte, selber den Mund spitzen und »upacken... Du lieber Gott, er würde sich keinesfalls ernsthaft und tn Wirklichkeit >vei- aern! Indessen: Dagobert war in diesem Punkt — war überhaupt nicht dämlich. Er erkannte klar, dass ihn die Dame Gugernell mehr als Louis' Neffen und als komischen und an einigen Stellen sympathischen Zeitgenossen schätzte. Er wusste auch, dass die rresig tüchtige Natur für jedes hübsche Weib eine Konkurrenz, eine Masse Konkurrenzen geschaffen hatte und unablässig schuf.'.Dagobert dachte nicht daran, diesen Sachverhalt und seine Gesetzmässigkeit durch eigenmächtigen Irrsinn über Gebühr zu stören.
Dagobert dachte tm Gegenteil schon jetzt, in Pausen der Erschöpfung und in weiser Einsicht, daran, zur fröhlichen Abwechselung vielleicht das Mädchen Barby Pick als nächstes oder übernächstes Opfer zu malen: Barby Pick, Barbara, wohnhaft in der Grossen Frankfurter Allee. Eine in manchem Betracht gegensätzliche Erscheinung zu Katarina Gugernell; also unbestreitbar das Richtige zur Entspannung. Tills Freundin Barby Pick, die sich vor etlicher Zeit wieder angefunden hatte: ein langes, braun- haariges, ernstes Mädchen, das plötzlich und unerwartet mit hellsten braunen Augen und weissen Zähnen zu lachen verstand, jedesmal bestürzend sozusagen. Man erschrak in einem holden Staunen und lachte unabänderlich mit. Dago war ein weiser Mann ...
So arbeiteten sie auch heute, am Samstag, hart. Dagobert erzählte von Barby Pick, und Katarina Gugernell lauschte verständnisvoll. Plötzlich reckte sich die gnädige Frau, warf die Arme gen Himmel und gähnte, wie man bloss unter treuen Kameraden zu gähnen pflegt, zeigte einen so wunderbar roten Mund mit Zubehör, dass Dagobert, innig schauend, Pinsel und Palette ssn- (Crt iTCf?«
„Ein bißchen müde, scheint mir?" fragte er.
Man kann so sagen, Dagobert. Entschuldigen Sie! Aber Sie würoen cs sonst nicht gemerkt haben." Sie erhob sich, stellte das Grammophon an und machte sich plötzlich etliche Bewegung, indem sie sich, mit zauberisch abschwebendem Rock, kerzengerade und sacht um sich selbst drehte. m 3
Das hatte sie bislang noch niemals getan. Gutes Kind! „Ach, ja!" sagte der Meister ergriffen und legte eilig Pinsel und Palette weg. „Darauf warte ich schon seit einem Menschenalter!"
Katarina schwebte federleicht lose und langsam. „Oh, wie tut das herrlich gut! Sie glauben nicht, Dagobert, wie gut das tut! beteuerte sie, in sich selbst und ihre Bewegung versunken, als habe sie seit Jahren nicht getanzt. Sie schwebte in kleinen, mühelos zarten Kreisen in weiter Runde.
Und Dagobert stand fromm, wie ein rastender Derwisch am Sonntagnachmittag. Mein Gott: Malerei und neuprimitive Einfalt und Fixigkeit — ganz nett und gut! Das alles war schwitzendes Handwerk, Arbeit mit Schmiedehämmern. Kein seliges Spiel, das allein galt und entzückte...
Dag hantierte ehrfürchtig am Grammophon, und Katarina improvisierte, von einem neuen, ländlerischen Rhythmus erfasst, eine andere Schwebung: tanzte plötzlich still, kaum merklich, auf dem Fleck, lächelte und hob die Nase, die ganz unwahrscheinlich und herrlich ein heitrer Stups wurde, tanzte langsam ihren berühmten „Kreisel"; hielt die Arme und Hände, wie Ausbuchtungen, eingestützt, zum Verlieben und Ablecken komisch — wippend | und wackelnd und immer wieder jäh, fast ruckartig, in weiche, beglückende Anmut verschwebend.
i (Fortsetzung folgt.!
Verantwortlich: Dr. tzanö Thyriot. — Druck und Drrlag: Drühl'sch« UniverjitätS-Duch- und Strindruckerei, H. Lange, Giessen.
nlcfi! Du Jammersäuglingl Erbärmlicher Wicht! Gefühlstrottel! — Päng — patsch! Auch das erfrischte und läuterte Herz und Hirn.
Frau Schmadebach meldete, dass der Kaffee fertig sei, die Portiersrau von unten, die für billiges Geld hier oben mütterlich ^*Dicz "beschloß s^ne^Morgenbetrachtung und schlang sanft den Knoten zu Ende. Aber es war immer wieder eine ergreifende oder aufreizende Vorstellung, dass da drüben, hinter der Tur, bald jemand heiter und duftend mit säintlichen fchattkenGliedern eintreten, lässlich verweilen, sich bequem in die Stuhlkissen kufchetn ivürde... Eine die Nerven unheimlich streichelnde und entzündende Vorstellung. , , ~ ,
Er nahm würdevoll in der Atelierecke Platz. Da trat, in grün und gelb gestreiftem Schlafrock, Dagobert tn Erscheinung, eine blonde, geschorene Schmalausgabe von Onkel Louiv, blank, wie Morgentau, mit rosigem, tüchtigem Schädel. Dagobert 6o$te nte= mals. Er hatte mal gelesen, dass MussiKini nach dem Ausstehen bloss einmal die Arme gen Himmel reck?. Das genügte auch ihm.
Diez füllte einen Löffel Haserflocken tn seinen Mund. Die Augen gingen ihm über. Dann erzählte er belustigt von seiner Begegnung im Theater gestern abend. Ja — sie habe in der Tat wieder höchst begabt und erfreulich ausgesehen; sozusagen bestrickend in ihrer schlichten Menschlichkeit. „Man fallt ihr ins Herz", übertrieb er spöttisch und goß kühle Milch auf seinen ^"^Gut^gesagN^Sehr gut!" lobte Dag. Er sah seinen Vetter ^^Der Hcüie1 Diez betrachtete zwar die weibliche Nebenwelt sehr kühl und verständig, ohne jede Romantik und Senttmentalitat, als hübsche und amüsante biologische Tatsache und wünschte, erst spat mal eine schöne, gepflegte, kluge Frau zu nehmen mit der er heiter gefaßt, einige gesunde Kinder erzielen wurde. Immerhin schien er im Augenblick stärker mit dieser unbeträchtlichen Neben- "''^„^eiut^infin sie, wie ich, stundenlang dicht vor sich bat, ihren Evaduft atmet — ich sage dir, Diez, mein Junge: Nicht ganz leicht! Man muß hart und ein durch Arbeit und Erfahrung gestählter Mann sein, wie ich, um es zu ertragen/
„Fast täglich zusammen, die beiden... Immer was los... Eine gehörige Ausmöbelung für das Papachcn. Er wird dabet auf die berühmte Nase schliddern." ... ,
„Zu scharfes Tempo, meinst du? Mächtig forsch von ihm, Diez! Bewnndre es. Das ist bet ältcrn, verständigen Leuten immer so. Nun — ich gedenke, mich inzwischen auf der Leinwand zu verströmen. Aber selbst ich habe Momente, wo ich mich skeptisch erschüttert frage: Was ist ein Pinsel voll Farbe vor so lebendiger 9Z(ltUT?z/
Diez trank, weit nach hinten gebeugt, seine Taffe leer und verschluckte sich dabet, was seine Heiterkeit einen Augenblick trübte. Dann lachte er herzlich und gleichmütig, ein bisschen zu laut. Plötzlich sah er nach der Uhr. „Donnerwetter! Also, mein guter Dag: Louis und die Dame Gugernell beschäftigten mich mehr und durchaus bloß als hübscher und triebkräftiger Stoff.^Der entfesselte Tnlpenweg' oder so. Ein wundervoll komischer L-toff. Leider verboten!" Er erhob sich straff und streng. So ging es ihm meist: Einmal versagte sich der Stoff, das andere Mal die Zündung. „Wiedersehn! Mein verehrungsvolles Kompliment der gnädigen Frau!" rief er fröhlich und lief, laut mit den Türen schlagend, davon.
Aber ihm war dabei wie dem früheren kleinen Diez zumute, der in die greuliche Schule mußte, während die Grossen, Onkel Dagobert und Tante Katarina in diesem Fall, daheim blieben und ihren herrlichen Spaß hatten. Es stieg ein süßer, brennender Schmerz aus seinem Magen hoch, während der Fahrstuhl mit ihm hinabsanste. Dabei fluchte er zart und laut; denn er hatte obendrein seine beste Pfeise liegenlasscn.--
Dagobert spazierte in weissem Leinwandkittel durch sein Helles Studio und beseitigte, wie immer, einige allzu drastische Südsee- fCti<Sei'ne Bilder an den Wänden sahen unbestreitbar ungewöhnlich aus. Dagobert verhehlte sich keineswegs, dass es in Wahrheit eine Menge entzückender und auch geistig muntrer Frauen und Mädchen und auch ein paar sehenswerte und intelligente Männer auf der Welt gäbe. Aber er hatte sich von Anfang an dem Meister Franyois Durcot, dem Führer der neuen Primitiven, angeschlossen, dessen klares Rezept: höchste Einfalt aus kaltem Wege, unserm Meister Dagobert zugesagt hatte.
Die Herrschaften auf den Dagobertschen Porträts zeigten allesamt eine eigentümlich starre Familienähnlichkeit mit schlicht betonten, aber ziemlich einfältigen Gesichtszügen; die Gattungsähnlichkeit üherwog grundsätzlich die persönliche: eine unbefangen zur Karikatur gesteigerte Auffassung der Menschenwelt, wie sie die fortgeschrittene enropüifche Porträtknnst seit reichlich einem Jahrzehnt und länger mit Erfolg anstrebte. Dies hier war die letzte, schlichte Patentlösung; die Kleider fallen prall, als seien sie aus kräftig gefärbtem Blech oder faltenlosem, grellem Gummistoff geschnitten aber sehr sanber und tüchtig hingestrichen. Doch Dagobert sprach nicht viel von seinen Grundsätzen.
Da klingelte es. Dagobert legte die Zigarette weg, wedelte mit dem Taschentuch in der Lust, hob den Kopf und versuchte ein hezauberndes Lächeln. „Also doch!"
„Es war n<cht ganz leicht beute, Meister Dagobert", sagte eine wohllautende Stimme. „Ihr Onkel wünschte, mir die aufregende


