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Da zogen sie an einem grünen Maisfelde vorbei; ein weißes Haus tauchte auf, die Kronen dichter Pfefferbäume hingen ihre Zweige tief darüber. Okurufu lag vor ihnen. "Hanau! rief Samuel, und hielt die Ochsen an. Lore sprang von der Karre in die Arme ihres Verlobten. Gerd führte sie inv Haus. Zwei große Schäferhunde sprangen mit freudigem Gekläff an ^r herauf, ^-as war ihr Willkomm. Der Kater Murr machte einen Buckel, erhob sich von seinem Lager am Kamin und schnurrte und schmeichelte um ihre Beine. Da ertönte laute Musik. Eine Wanöerkapelle der Eingeborenen, umdrängt von den Männern, Weibern und Kindern von Okurusu, brachten der Herrin ein Ständchen. Auf Blech- Instrumenten bliesen sie sehr falsch, aber mit großer Begeisterung und viel Gefühl: „Guter Mond du gehst so stille", dann „Deniich- land über alles", und noch einen Tusch. Lore trat heraus und begrüßte die Schar. „Moro, moro, Missis!" rief es von allen Seiten. Gerd gab jedem etwas Zucker und Tabak. Da äogen öiefe gtoßen Kinber beglückt wieder ab, und die Musikanten spielten im Marsch- tempo „Tochter Zion freue dich!"
Auf der Werft tanzten die Eingeborenen. Sie feierten die Voll- mondnacht. Lore und Gerd hörten wie sie den Takt nut den Händen klatschten und einen eintönigen Rhythmus dazu sangen. Aber jetzt erinnerte sein liebes herzliches Lachen sie wieder an den Gerd von früher: die Türe der Veranda ging nämlich auf und ent Pferdekopf erschien in ihrem Rahmen. „Das ist Harras, der geht nicht eher, bis er seinen Zucker hat." Die Nacht gab kerne Ruhe. Der Vollmond hielt auch die Tiere munter. Das Vieh hatte noch nicht genügend getränkt werden können. Als jetzt ein Wind aufkam und die Pumpe in Gang setzte, roch es das Wasser und brach aus dem Kraal. Die Kühe und Ochsen brüllten und tobten und stolperten dichtgedrängt um die leeren Tröge. Nun mußte es Gerd wieder zurücktreiben. Er läutete die Farmglocke, eine ausrangierte Pflugschar, um die Eingeborenen herbeizurufen. Diese mutzten ihren Tanz unterbrechen und helfen. Mit vielem Geschrei begann ein buntes Treiben. Lore stand draußen und sah zu. Auch der Missionar, Herr Kranefutz, der die beiden morgen trauen sollte, wurde aus dem Schlaf geweckt. Er hatte seinen Planwagen unter schattigen Bäumen ausgespannt. Nun kletterte er von dem aus Riemen geflochtenen Lager und beteiligte sich eifrig an der Arbeit. Endlich war wieder Ruhe hergestellt und der Kraal in Ordnung gebracht.
Aber Gerd und Lore waren noch gar nicht müde und beschlossen, einen Gang zum Maisfeld zu machen. Hand in Hand wanderten sie einen schmalen Pfad zum Felde. Leise rauschten die Blätter im Winde. Sie gingen durch die hohen Stauden, befühlten da und dort einen Maiskolben und freuten sich an dem Segen. Der Morgen war nicht mehr fern, der Morgen ihres Hochzeitstages. Rote Strahlenbündel leuchteten am Horizont, die Vögel jubilierten, und die Blumen erwachten.
Paul Ernst, der Meister volksorganischer Dichtung.
Von Dr. Kreitmair.
„Ein Führer ist nur deshalb Führer, weil er den Geführten dahin bringt, wohin er gebracht werden will. In diesem Sinn ist jeder Dichter ein Führer seiner Nation"
Paul E r n st.
Als Paul Ernst vor einem Jahr die Augen für immer schloß und als die Nachricht von seinem Tode durch Presse und Rund- funk ging, da wußten nur ganz wenige im deutschen Volk, daß damit einer seiner größten Dichter und Denker für immer von ihm geschieden war. Paul Ernst? Ja, man hatte da und dort von ihm eine kleine Geschichte in der Zeitung gelesen, man erinnerte sich seines Namens aus politischen oder soziologischen Aufsätzen. Aber nur wenige kannten die unermeßlichen Schätze dichterischer Gestaltung und denkerischer Leistung, die er seinem Volk als Vermächtnis hinterlassen hat, und die in über 20 großen Bänden heute vor uns liegt. Wenn wir das Lebenswerk von Paul Ernst ein Vermächtnis an das deutsche Volk nennen, so hat das wohl bei keinem deutschen Dichter der letzten Jahrhunderte einen so tiefen Sinn wie bei ihm. Denn Paul Ernst war volksorganischer Dichter, er sagt von sich: „In einem Dichter kommt eine Nation zu ihrem Selbstbewußtsein; der Dichter sagt das mit deutlichen Begriffen und in festen Worten, was in der Nation unbewußt lebt. Das ist nur so möglich, daß im Dichter das Wesen der Nation zu seiner stärksten Ausprägung kommt." Diese Deutung des Dichters durch Paul Ernst selbst ist nichts anderes als eine Bewußt- machung seines tiefsten Lebensgefühls, das ihn (tote wir ans seinen Jngcndcrinncrungen, die der eigentliche Schlüssel zu seinen Dichtungen sind, erfahrens von frühester Kindheit auf bis zu seinem Tode begleitete. Schon damals, als leidenschaftlicher Pflanzensammler erkannte er mit Staunen, daß keine Pflanze ans sich selbst zu verstehen sei, sondern nur ans dem Zusammenhang mit ihrer gesamten Umwelt, mit der sie eine lebendige Einheit bildet. Wie er damals die einzelne Pflanze betrachtete, fo sah er später
allem aber als Glied seines -vorres. «v ötumc u« Dichtung entstehen. Schon sein erster großer Roman, den er ums dreißigste Lebensjahr schrieb, „Der schmale Weg »um Glück zergt ganz deutlich diese Grundeinstellung. Wer von den> üblichen. literarischen Begriffen herkommend diesen Roman liest, wird ihn als einen Entwicklungsroman bezeichnen und wird sich dann verwundert fragen, weshalb denn der -Lebensweg des Helden mit solch einem üppigen Geranke von Nebenfiguren und Episoden umgeben nnd teilweise sogar verdeckt sei, das mit der Haiipthandlung teilweise in sehr losem Zusammenhang steht. Solche Beurteilung verkennt das Wesen volksorganischer Dichtung. Paul Ernst steht seinen Helden eben nicht als Einzelperson, sondern er sieht ihn im Zusammenhang mit Berufsständen und sozialen ^wichken aller Art, im Zusammenhang mit der Gesamtheit seines Volkes, ©eine Frage lautet: Deutsches Volk, wie lebst du und wie kannst du dieses Leben weiter ertragen? Eine solche Frage kommt nicht ans einem theoretischen Interesse, sondern sie kommt aus einer tiefen Erschütterung, aus tiefer Seelenangst und Verzweiflung. Diese Erschütterung erlebte Paul Ernst zuerst, als er in den 80er Jahren aus einer Kleinstadt im Harz ahnungslos die Weltstadt oirltn Betrat und hier im Laufe von Wochen und Monaten immer mehr inne wurde, welch gräßliche Verheerungen die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft in den Seelen der Memchen anrichtete. Später erst entdeckte er, daß das, was er hier zum erstenmal schaudernd erfuhr, nicht sein Einzelerlebnis war, sondern da- Erlebnis der deutschen Nation in den Jahren 1Z70 bis 1014. E» wurde bestimmend für sein ganzes weiteres Schaffen.
Paul Ernst glaubte zuerst, solche Zustande seien mit Hilfe der Politik zu ändern. Er geriet unter den Einfluß von Karl Marx, schloß sich der sozialdemokratischen Partei an und wurde bald Herausgeber einer sozialdemokratischen Tageszeitung. Aber sehr schnell erkannte er diesen Weg als einen Irrtum. Er zog sich gänzlich von der Tagespolitik zurück, trieb, von leidenschaftlichem Erkenntnisdrang besessen, Studien aller Art und wurde sich dabei- immer mehr seiner Berufung als Dichter Gewußt. Politischer Dichter? Nein und ja. — Nein, wenn man unter Bolitik Partci- kämpfe und Augenblicksfragen des Staates oder der Geselllchaft versteht. Ja, wenn Politik bedeutet die Lebensgesetze eines Volkes, eines Standes, einer menschlichen Gemeinschaft zu erkennen und bewußt zu machen, und es dadurch von einem Irrweg, der notwendig ins Verderben führen muß, zurückzurufen. Der Irrweg des deutschen Volkes war der Weg der Vereinzelung, der Auflösung der Stände und Standesformen, des Klassenkampfes und Klassenhasies, des rücksichtslosen Gelddenkens, der zunehmenden inneren Verarmung und Seelenlosigkeit. Paul Ernst hat wie kein anderer die furchtbare Gefahr erkannt. Und so stellt er denn m seinen Hunderten von Geschichten immer wieder den Menschen in seinem naturgegebenen Zusammenhang mit seiner Umwelt dar. Da ist etwa der Bauer, der seinen uralten Eichenwald verkaufen muß und ans Gram darüber am nächsten Tag erhängt in der Scheune aufgefunden wird. Da ist der alte biedere Schreinerniei- ster, der mit seinem Handwerk leibt und lebt und dem nun plötzlich durch Industrialisierung und die damit verbundene Schwindel- und Pfuscharbeit seine Lebensgrundlagc entzogen wird. Jede dieser verschiedenen Kurzgeschichten enthält ihren tiefen Sinn und immer erscheint uns das Leben der dargestellten Menschen mit letzten Fragen, sei es des Rechtes, der Religion, des Gewissens, der Pflicht,'des Standes, der Vererbung usw. symbolisch und bedeutsam. Bei jeder hat außer dem Dichter Paul Ernst auch der Denker mitgewirkt. Sie sind jedoch fern jeder Tendenzrichtung, bluterfttllt und lebenswahr. Was ein deutscher Denker ist im Gegensatz zum wurzellosen Intellektuellen, dafür gibt es in der Gegenwart kaum ein besseres Beispiel als Paul Ernst, »ein Denken kommt ans denselben unbewußten Tiefen, aus dem bliit- hasten Zusammenhang mit seinen Vorfahren und seiner ^samten Nation, wie sein Dichten. Das schönste Beispiel dieser Art sind seine „Erdachten Gespräche", bei denen es sich schwerlich sagen läßt, ob sie der Philosophie oder der Dichtkunst zuzuzählen sind. Und was man mehr bewundern soll: die Tiefe der Gedanken oder die Meisterschaft in der dichterischen Gestaltung. Die innere Verwandtschaft des Dichters mit dem deutschen Geist und dem deutschen Schicksal findet jedoch ihren stärksten Ausdruck in seinem Moniiinentalwerk, dem Kaiserbuch. Hier hat er ein deutsches Epos sbewußt ohne jede Anlehniing an antike Vorbilder! geschaffen, das uns die große Kaiserzeit des Mittelalters, die Sachien- kaiser, Frankenkaiser und Schwabenkaiser als die Repräsentanten der deutschen Geschichte von damals in lebendiger plastischer Weise vor unserem inneren Blick erstehen läßt. Noch ahnt das deutsche Volk nicht die Größe dieses Geschehens, dem in der deutschen Literatur außer dem Nibelungenlied kaum etwas zur Seite zu stellen ist. Schließlich hat Paul Ernst auch noch einen Rand Gedichte hinterlassen. Gedichte von unbeschreiblicher Schönheit und Reinheit des Gefühls. „Beten und Arbeiten" heißt diese Sammlung und es spiegelt sich darin in Einzelbildern das schlichte Leben des'Volkes vom Morgen bis zum Abend. Eine unaussprechliche Güte liegt über diesen stillen Betrachtungen, mitunter hat man das Gefühl, so könnte nur der liebe Gott mit den Menschen sprechen. Wie ein allgütiger Vater zu seinen Kindern spricht, so spricht hier Paul Ernst zu seinem Volke. Seine Sprache ist schlicht und rein und von beinahe kindlicher Einfalt. Tiefste Weisheit und schlichte Einfalt haben vereint dieses Werk geschah» und darum ist es aus der deutschen Seele geboren.


