Ausgabe 
24.12.1934
 
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Das Mädchen erschien wieder mit dem kleine Drahtkafig.Danke , . (aate der Gast und suchte den Blick des Mädchens. Die Trin^chale hatte n? mit warmem Wasser gefüllt. Der Vogel hob leise den Flügel und kuschelte sich auf der Hand der Vogelfreundes. Josephas Blick ruhte aus der Manneshand. Sie sah die Linien darin gezagen t.ef und oon ge- iunder Lebenssarbe. Es war wohl eine warme, gute Hand. Sie trug weder einen Berlobungs- noch einen Ehering ... Jetzt ließ der Kreuz- Label einen feinen Lockton hören, stand auf, schüttelte se,n Gefieder $ Josepha öffnete die federnde Käfigtür und hielt sie offen und Jpurte die Berührung der Hand des Mannes, der den Vogel vorsichtig '" den Bauer schob Er ließ sich gern etwas Zeit, indes Josepha 'hr Gesicht alüben fühlte das sie scheu in den Schatten ihres Vaters Wob, der breit neben ihr stand. Nun zog sie die Hand zuruck die andere schlupfte beraus der Kreuzschnabel hupfte aus das Stangchen, und öte xur klappte zu Es war ein zärtliches süßes Abendspiel. Die Gegenwart des Manne? und das Erlebnis mit dem Weihnachtsvogel hatten das Mäd­chen von trüben Gedanken abgebracht. Sie suhlte ßü) aufgeweckt, sowie die Lebenskraft des Kreuzschnabels von dem Atem des Mannes auf getaut worden war. Je öfter sie mit dem Gast Blicke wechselte, um so Weiterer und erregter wurde ihr zu Mute. Sie hatte sich in den Schatten aeiekt nahe beim Bäumchen, während die Eltern plaudernd tu der Nähe'des Gastes saßen. Der hatte seine anfängliche Wortkargheit abge­legt, wie wenn auch er aufgetaut wäre. Hatte der Kreuzschnabel d.e Veränderung verursacht, die wiedergeborene Seele, der Weihnachts­vogel? Aber da verstummte das Gespräch.

Ein feines, traumhaftes Singen ließ sich vernehmen, als musiziere ein heimlicher Weihnachtsgeist. Alle blickten auf den Sanger, der, dem lob entronnen, das Leben begrüßte. Der Gast sandte dem Mädchen einen zärtlichen Blick.

Als der Kreuzschnabel verstummte, sagte der Gast, er müsse nun ausbrechen, und zahlte. Den Vogel walle er ihnen in Verwahrung geben. Er bitte das Fräulein, ihn In Pflege zu nehmen oder auch freizu lassen, wenn er sich wieder ganz erholt habe. Dann hangle er seinen Rucksack über und verabschiedete sich. Josepha leuchtete ihm vor die Tur, wo er seine Schibretter an den Schuhen befestigte. Der Himmel sternen­überfüllt, und der Wald funkelte bis in alle Grunde.

Wohin fahren Sie?" fragte Josepha.

,Lu meinem Bruder, dem Förster..." Und er nannte Namen und Ort. Das war es, der Förster, der große schlanke Mann, der manchmal imHölzernen Schimmel" einkehrte...Am zwecken Feiertag komme lck, lurütf" iaate er.Vielleicht sehe ich Sie wieder! Er druckte ihr die Hand. Josepha neigte sich ihm entgegen. Er umschlang sie: küßte sie und ließ sie rasch wieder los. Dann glitt er dunkel an den Fichten hm. Sie blickte ihm mit heißen Augen nach. Er verschwand.

Die silberne Nacht nahm ihn aus, die große Stille zwischen Himmel und Erde.

rich Bach.

Dann freilich wird die Literatur der neueren Zeit zu dem alten Weihnachtsthema wesentlich schmaler. Von Brahms das köstliche Brat chenlied:Die ihr schwebt um diese Palmen und Hugo W o l f s Vertonung des gleichen Textes sowie seineChristnacht kür^ Chor und Orchester, Max Regers Kantate überVom Himmel hoch und das hübsche, kleine Weihnachtsoratorium von H. von Herzogenberg sind mehr Zwischenerscheinungen, bis sich neuestens zwei große Lieher in den Vordergrund stellen: die bedeutsamen Weihnachtsoratorien von Hermann Graber und von Richard W e tz. Besonders das letztere gewinnt immer mehr Widerhall durch die Eindrucksstärke stmer B.ld r, wobei nicht vergessen werden soll, daß einmal em recht beachtliches Werk geradezu für die Verbindung mit Bilddarbietungen geschaffen worden sit: das Weihnachtsmysterium von Ph. ®olfsLUJ1' ^Hrftünh A-cappella-®cfetjung hat in einem ganz neuen Werk ^'Zvolle Urstand gefeiert: dem sechsstimmigen Weihnachtsoratorium öon Kurt Thomas, in das nach altem deutschem Weihnachtsbrauch wieder d,e schönsten Christlieder kunstreich und volkstümlich erngeflochten worden sind.

9 Endlich werde des deutschen Weihnachtsliedes der Neuzeit gedacht. Da stehen die lieben, zart-traulichen Stücke von Peter Cornelius in einsamer Schönheit da; höchstens ein Heft von dem Kasseler Karl H a l l w a ch s und ein Stück von Wilhelm Berger kommen daneben noch in Betracht. Aber diese hübschen Merkchen sind Nachzügler, etwa gemessen an den köstlichen Chorsätzen aus dem 16. Jahrhundert in dem Weihnachtsliederbuch des Zwickauer Kantors Cornelius Freund, die G Göhler herausgegeben hat. Inbegriff dieser altdeutschen Weih nachtskunst ist und bleibt der wundervolle Satz des Michael Prato- I rius:Es ist ein Ros' entsprungen"; der verhalt sich zu den Wech. nachtsliedern des 19. Jahrhunderts etwa wie Cranach ö" Ludwig!Richter.

Insgesamt ein beglückender und beneidenswerter Reichtum. Aber man nehme diesen Besitz auch aus dem Schrank und musiziere unsere Weihnachtswerke mit innigstem Eifer, damit sie ihren heimlichen Zauber voll entfalten.

Weihnachten in der Berghütte.

Von Knut Hamsun.

Es war sehr viel Schnee zu Weihnachten gekommen, das kleine Haus droben in den Bergen steckte nicht mit viel mehr heraus, als mit dem Dach und den beiden obersten Balken. Es war übrigen auch nur eine Hütte, ein Häuslerplatz für eine Kuh, ein Schwein und ein Lamm.

Hier wohnte die Familie Sommer und Winter für sich allein.

Der Mann hieß Tor und die Frau Kirsti; und sie hatten fünf Kinder, die Timian bis Kaldäa hießen. Die Kaldäa war im Dienst unten im Dorf, und Timian hatte es durchgefetzt, nach Amerika zu gehem Die drei Kinder, die noch zu Haufe waren, waren zwei Jungen und ein Mädchen: Rinaldus, Didrik und Tomelena. Aber Tomelena nannte man für gewöhnlich nur Lena.

Es war, wie gesagt, zu Weihnachten unmäßig viel Schnee gefallen, und der alte Tor hatte den ganzen Tag Schnee geschaufelt, so daß er ganz müde und abgearbeitet war. Nun hatte er alles gelesen, was für den Weihnachtsabend im Gesangbuch stand, und sich danach nut der Pfeife im Munde aufs Bett gelegt. Die Frau kochte und wirtschaftete am Herde, indem sie die ganze Zeit in der Stube hin und her ging und immer noch etwas zu ordnen fand.

Hat das Vieh schon was zum Abend bekommen? fragte Tor.

Ja, freilich, erwiderte die Frau. .

Tor rauchte wieder ein Weilchen und sagte dann, indem er In ^'"Was^kochst°und brätst du da den ganzen Abend, Frau? Ich begreife gar nicht, wo du das alles hernimmst.

Oh, ich bin reicher, als ihr glaubt, erwiderte Kirsti, und sie lachte I selbst über den Scherz.

Deutsche Weihnachtsmusik.

Von Professor D. Dr. Hans Joachim Moser, GDS.

So innig und schön wie in Deutschland wird das Fest der Geburt <gefu wohl nirgends auf der Welt gefeiert wir ehe» sogar, rote Kr ursprünglich im deutschen Elsaß heimischer Weihnachtsbaum, in fortschreitendem Maße von den anderen Volkern

So darf man wohl fragen, ob unser musikfrohes Volk nicht auch m Tönen dem Tag der Wintersonnenwende besonderen Chrlstschmuck bei­gelegt hat, der als ausgesprochen deutsch der Welt etwas zu geben hatte.

Schon das Mittelalter hat eine Fülle köstlicher Wechnachtslieder bei uns hervorqebracht, von denen etwa das holdselig im gebrochenen Dreiklang sich wiegendeJoseph, lieber Joseph mein aus dem vier­zehnten Jahrhundert in der Kunstmusik bei Bra h m s , L i s z t, R eg er und anderen Meistern fruchtbaren Niederschlag gefunden hat. Besah dies alte Wiegenlied auch eine lateinische Seitensorm, so ist überhaupt das Svrachgemisch der fahrenden Scholaren für diese Gattung kennzeich­nend gewesen berühmtestes Beispiel, das heut noch im Sprach- | ^brauch lebt, dasIn dulci jubilo, nun finget und seid froh , und eines der hübschesten dasQuem pastores", bas die Latemschuler kurz den | Quempas" nannten; heute kommt der alte Brauch hie und da wieder auf den Kindern sogenannte Ouempashefte mit Weihnachtsliedern zu schenken, die sie dann selber bunt zu Ende malen können. Zwei der schönsten und deutschesten Weihnachtslieder verdanken wir Martin Luther, der das alte HandwerksburschenliedWie man um Kranzei S,Ich tum aus fernen Landen her", zu feiner Botschaft von ilebem umdichtete:Dom Himmel hoch, da komm ich her und die­semKinderlied auf Weihnacht" auch die alte Volksweise ließ, bis das Lied sich in den Kirchen selbst festsetzte. Da schuf der Reformator ihm die neue, heutige Weise, und die Kränzelroeise gesellte sich feinem zwecken Christkindlied:Vorn Himmel kam der Engel Schar . Manch schönes Advent- und Weihnachtslicd ist dann noch von Paul Gerhardt bis zu Fürchtegott Gellert meist auf ältere Weisen noch hinzugekommen, aber Luthers und die fpätmittelalterlichen Lieder sind doch die Kern­gesänge geblieben. Neuere Weisen wie:Kommet ihr Hirten ,D Du fröhliche" und vor allemStille Nacht" haben ihnen durch d,e gerin­geren Zeitstilabstände und die weiche Liebenswürdigkeit an Beliebtheit den Rang streitig machen können, erreichen jene aber doch nicht an Kernigkeit und künstlerischem Wert.

Im Gebiet der deutschen Kunstmusik hat sich weihnachtlicher Klang vor allem der Weihnachtserzählung gepaart, zumal feit ihr Luthers Bibelübersetzung das edle sprachliche Gewand gegeben hatte. Schon das 16 Jahrhundert kennt prachtvolle Evangelienmotetten über Die betref­fenden Kapitel aus Matthäus und Lukas, aber auch sie schon etwa bei dem Regensburger Meister Leonhard Paminger in einer ausgesprochen deutschen Sondergestattung: in der izorm des Wechnachts- quoblibets, indem in die heilige Erzählung humorvoll die traulichen Christkindlieder eingemischt werden. Immer spürt man, daß Weih­

nachten als Kinderfreudentag gefeiert wurde und es nimmt mch wunder, eine Verordnung des gestrengem Soldatenkomgs Friedrich Wil­helm I. von Preußen von anno 1793 Wider die ^isteladends-Mfan zereien" zu treffen, worin gar ernsthaft gegen die Lichter m der Christ wette und das Auftreten des Knecht Rupprecht in der Kirche angegangen

^Seit der Barockzeit ist die vornehmste Gattung von Weihnachtsmusik das Oratorium. Der musikalische Großmeister des Dreihigiahngen Krie­ges Heinrich Schütz, hat da ein köstliches Werk hinterlassen, das man jetzt wieder öfter hört; dort sind die Gesänge der Hirten, des Herodes, des Engels mit eigens paßenden Jnstrumentengruppen reicher aus- geführt, ®aber selbst dieser so ernst gestimmte Meister zeigt leisen Humor indem er in dieseJntermedien" stellenweise das leise Schaukeln der Christkindwiege mit hineingeheimnist.

Bei Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium vollends steht die Christ­festpoesie in höchstem Glanz. Besonders die zweite der sechs Kantaten des Werkes, die ursprünglich über die ganze der altheillgen Zwolf- nächte verteilt werden sollten, heimelt uns durch ihr Hirtenorchester von zwei Flöten und vier Oboen wundersam an, und das Kindettviegen spielt Luch hier wieder seine Rolle. Im Mittelpunkt steht eine. Wenfmfonte die nun zwar wie diejenige in Händels .Messias ein italienisches Vorbild hat (das Bläserstuck der römischen Campagnahirten vor dem Jesusbild), aber trotzdem zu etwas fast Neuem und ganz Deutschem durch die Art der Ausgestaltung geworden ist. ll^rden heute roieber gern neben diesen Weihnachtssinfonien unserer Großen die italienischen Jnstrumentalbelege von Corel», Torelli, Manfredim Schlosst musiziert, so gibt es doch noch einen wertvollen deutschen Beitrag von dem> Att- münchener Master P e z, dazu prächtige Solokantaten aus d,e Wech nacht von dem Schlesier Martin Mayer und dem Stuttgarter Fr. PH. Boedecker, die wieder alle in Neudrucken oorliegen. Sehr hübsch ist ferner eine knappe Weihnachtsidylle in Oratorienbesetzung von Sebastian Bachs Bückeburger Sohn, dem mit Herder befreundeten Fried-