Ausgabe 
24.9.1934
 
Einzelbild herunterladen

Stein

Was Gott, der Herr, erschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber wird er früh und spat Mit seiner Gnade walten!"

Zustimmend klingt das Hämmern des Waffenschmieds aus der Scheune. Eine Sternschnuppe kreist lautlos sollend durchs Himmelszelt. Uner* schütterlich grell leuchtet der Komet.

Unter einer knorrigen, blitzzernarbten Eiche sitzt eine Bauernsamilie beim Mahl. Es rollt und grollt rundum: Reiterregimenter, Kanonen, Wagenparks und Reiterregimenter ziehen nach dem Osten.Seid ihr fertig?" fragt der Vater: er erhebt sich, sein weißes Kopfhaar weht im Wind' Dicht bei der Wintersaat steigen jetzt die Staubwolken auf. Kommt'" Ein portugiesisches Kürassiergejchwader trabt über den Hafer; in breiten Schwaden loht Staub aus der Ackerkrume.Willst du das leiden, Vater?"

Wenn der Herr Schill aus dem Hispanien zurückkommt, wird es anders."

Schill ist tot!"

kett war öffentlich nicht mehr zu decken."

SfbmUrtt*-" £?'£"»"MI

ausarbeitete?" .......

Ich habe solches gehört.

:S!S®niSUba6 alles, was Scharnhorst tut, Hand und

Warum wenn Sie so denken, haben Sie alles vernichtet was ich nur" inneren Befreiung unseres Volkes anfing? Wo ist die Ratwnal- renrälentation^ Warum ist den Freigelassenen kein Land zugewlesen? Ske haben'°nich.7 °°7 dem durchgesLhrt,' was ich Ihnen .n meinen ""'L 'L"L S.n'W.'.b.r°i- x sind' Die Ritterschaft und die Beamtenschaft sind geschlossen gegen fede neue Verfügung, sie fallen jeder Neuerung in die Arme.

Warum sperrten Sie d.e Schufte nicht zu Wasser und zu Brot? Es wäre sehr leicht gewesen, Herr von Hardenberg, Ordnung 5" schaffen! Wenn eine Regierung etwas will, dann setzt sie es durch! Jede Regie­rung, die Gutes will, ist stark! Ihr habt die Stunde verpaßt!

Es ist meine Pflicht, Herr vom Stein, die Dinge real anzusehen. Es'steht anders zuviel auf dem Spiel."

ghr hättet das Volk frei machen können", spricht Stein,durch eure Schuld wird es auf unseren Gräbern noch einmal blutig um sein Rech kämpfen müssen!" Stein zieht den Rock straff; er dreht sich, er macht fertig, aus der Hütte zu gehen.Ich werde meine Pflicht tun , spricht Stein,ich werde jetzt gegen euch kämpfen! Paßt gut aus euer Hilfs- tOrPßieber Stein!" bittet Hardenberg bestürzt.Ich bin hier mit Wissen des Königs! Wir mußten das Bündnis eingehen! Wir waren dazu ge­zwungen? Machen Sie uns keine Opposition! Hatten ra r das Bündnis nicht geschlossen, so wären die französischen Truppen als Feinde durch P^ußen gezogen! Sie hätten uns vernichtet! Jetzt, da die Franzosen offiziell als Bundesgenossen durch Preußen ziehen, glaubt das Aus­land, es sei unser freier Wille! Wir erhielten dadurch wieder Kredit Wir können, Stein, aus die Meinung des Auslandes nicht verzichten! Wir können nicht allein stehen! Wir find durch unsere geographische Lage vom Auslande abhängig! Es war ja der Fehler >m letzten Krieg, daß wir so ganz ohne jeden Bundesgenossen gegen Napoleon standen.

.Deswegen reise ich zum Zaren! Ihr werdet nicht mehr lange allein sein!" Stein dreht den Kopf, er sieht zur Türe, warnend hebt er die Hand. Vorgeneigt lauschen sie in die Nacht hinaus. Der ®mb fauajt in den TannenNichts", sagt Hardenberg heiser nach einer Welle.Lieber Herr vom Stein glauben Sie mir: Seiner Maiestat steht das Wohl des Volkes zu höchst!" Stein wendet sich zur Türe; er greift in die Brust- tasche seines Rockes, er zieht eine Pistole, er spannt deren Hahn; Harden­berg weicht in den Hintergrund der Hütte zurück. Die Pistole zum Schuh erhoben, öffnet Stein die Brettertüre Vorsichtig späht Stem in die

Sternennacht.

Herr Boettcher", spricht eine Stimme,Sie müssen sich zu Pferd fetzen! Die Gendarmen fahnden auf dem Reitweg auf Sie!" Stern wendet sichGehen Sie zu Ihrer Kutsche, Hardenberg", gebietet Stein Sie können in fünf Minuten über der Grenze fein. Ich kann hier nicht bleiben! Der da draußen", beruhigt Stein,ist ein Kämpfer von Aspern, der verrät Sie nicht." Herrisch, in wilder Leidenschaft faßt Stein Harden­bergs erschreckendes Handgelenk, er schüttelt es zornig hin und her. Handeln Sie! Bon dem Tag an, da ich im russischen Hauptquartier bin hat der Entscheidungskampf für Deutschland mit aller, mit der letzten, mit der äußersten mir zur Verfügung stehenden Kraft be­gonnen! Deutschland wird frei! Ich scheue vor nichts mehr zuruck! Stein reißt den Kienspan aus der Wand, er wirft ihn zu Boden und tritt die Funken aus.Der Kampf gegen Englands Despotismus kann nur von gläubigen Völkern geführt werden", spricht Stein.Napoleon konnte ihn nicht führen, er verfiel in die Fehler Englands, er muß weg! Kommen Sie!" Stein tritt in die Nacht hinaus, betroffen folgt Harden­berg. In der Ruhe des hohen Nachthimmels, im silbernen Sterne» gefuntel über ihnen leuchtet rätselhaft der Komet.

Ein Nachtwächter singt am Ende des Dorfes.

Der Greis schüttelt das Haupt. Er läßt das nur so ausstreuen, ftprr! So ein Monn ftirbt nicht. Er kommt tpicber. aus"den"Büschen°Mucht?,'^den°wettergebleicht2 Kttt/von°'ber Schulter

I hÄÄÄK.äS»«

schließt langsam der Greis,Pferde für Eure Zwecke. Mit mächtigen Schritten ziehen des Bauern Jüngster und der Agent los, dem Walde zu.

Nehmt die Forken!" Sie laufen: die Kartoffeln auseinanderwerfend und zertrampelnd trabt dänische Kavallerie über den Acker. Der alte Bauer sticht ein; er zieht die stählernen Zinken zurück, wieder, kräftiger stickt er zu, aufschreiend stürzt ein Reiter; mit °use.nandergetrummert-m Schädel ^Blut und Hirnmasse aus dem ehrwürdigen weihen Haupt er­gießend,' bricht der Bauer unter den Säbelhieben zusammen, drängende Bferdeleiber, tobende Reiter wirbeln durcheinander. Geschrei:Avanti! fflefinöel Bursch', führ' uns Über das Moor! Wenn du fliehst, wirst du ri^iuni" »In nr Naend setzen die Pferdeleiber wieder m einheitliche Legung, L?B°L7n zSn Sohn reißen sie mit sich^ Wind fährt über die Stoppeln. Das Mädchen und der Aelteste heben die Lenhe des Vaters auf den Wagen; Klaus Eicke fahl die Zügel; wendet. Krahen- fchrei durchkrächzt die Landschaft. Starkfäustig, wortlos leitet Klaus Eicke den Wagen den Damm hinauf. Schreien und Hilferufen hallen aus dem Dorf' hinter einem Dornbusch winken in Todesangst Zwei Frauen.

Komm her, Hille! Sie machen dich sonst zuschanden. Geduckt schießt das Mädchen den Frauen zu, sie bergen sich unter dem Dornengestrupp. Klaus Eicke knallt mit der Peitsche. Quer über die Böschung empor, aus der sranzösische Infanterie abkocht, kutschiert Klaus Eicke die Leiche seines Vaters zum Pfarrhaus hinan. Haarscharf halt er die Richtung.

Brr!" Offen klappern die Türen des Pfarrhofs, verstreute Wasche liegt auf der Schwelle; aus dem Gärtchen tritt aschpsahl der junge Pfarrer. Ties liegen seine Augen in den Höhlen, leidend, gelb >st sein Gesicht, fern Rock ist beschmutzt, zerfetzt und zerknittert schwingt das Baffchen im Wind. Klaus Eicke zeigt auf den Wagen. Klaus Eicke hebt die Leiche des Vaters, er trägt sie in die Kirche. Still liegt auf der Totenbank du junge Pastorsfrau. Den Blick durchs Fenster genagelt, steh wie im Krampf der Pastor:Ich sehe ein weites Feld voll von menschlichen Ge­beinen ..." betet er.Du hast versprochen, sie wieder lebendig ju machen! Gib ihnen Obernunb Kraft, o Herr! Ihrer wird sein em ^^°^Gott und'das^Eisen^Herr Pastor, schaffen'-! Es gehet nicht anders!'

Ein Mann wird mit verbundenen Augen in das Zimmer eines Schlößchens geführt. Man nimmt dem Mann die Binde ab, er steht in einem Kreis von Offizieren und Gutsbesitzern. . ..

Wir haben Sie hierher gebeten", spricht der Graf Arnimweil wir Sie als Mann des Volkes brauchen, Herr Jahnl Wir sind ent­schlossen, an der Spitze unserer Bauern nach Berlin zu ziehen. Willigt der König nicht ein, sich von den Franzosen abzuwenden, so werden wir uns seiner Person versichern und einen andern Fürsten emsetzen! Wollen Sie uns dabei helfen? Es geht ums Vaterland!"

Eher sollen mir Haare auf meiner flachen Hand wachsen ehe iq Ihnen zu solchen Plänen helfe!" schreit Jahn. Er zieht eine Pistole; er stellt sich mit dem Rücken an die Wand.Zuruck! gebietet er den An drängenden.Das Volk ist zu Anderem da!"

, Ihre Weigerung bringt Sie in eine sehr schwere Sage, Herr Jahn!

Jahn schießt die Pistole durchs Fenster ab. Herbeisprengende Pferbe' Hufe hallen im Hof, ein Dutzend bewaffneter Turner dringt m den Raum, sie pflanzen sich vor Jahn auf.

lieber das Ziel sind wir uns einig!" spricht JahnHeber den Weg will ich gerne beraten. Sind Sie dazu bereit? Bald kehrt Scharn­horst aus Rußland zurück!"

Was? ... Er war dort?" ...

Ohne Wissen des Königs?"

Mit Wissen Herrn von Hardenbergs! Wollen Sie beraten?

Ille Offiziere und Grundbesitzer setzen sich mit den Turnern und Jahn an den Tisch.

vom von

einem Matrosen Ehre geben, Herr

mit die

Bedächtig steigt der Lotsenkommandeur Hafen empor.Sie werden mir doch jetzt Dörnberg, bei mir auszuruhen?"

, Rein, nein, ich muß sogleich weiter! Aber, wenn ich mich bei Ihnen umkleiden kann, ich bin dafür sehr dankbar. Mein Paß lautet aus eine«

Gärtnergehilfen!"

So? Nun schön; bitte hier!'

Ri mm den Nouveau dictionnaire de poche! Lies immer das erste: Wort auf den Seiten! 883. Du mußt umkehren! 3881? ... Sag' gleich das Deutsche!"

Der Böttcher?"

182. 281?" . , .

Handel treiben. Mit jemandem unterhandeln?.. . .... s.

Stein unterhandelt!" Der Mann hält zitternd das Papier über Die? Kerzenflamme, ein weiterer Teil der Chiffrenschnst wird sichtbar. 375?"

Das Hilsskorps?" , ...

Gertrud!? Wo ist mein Mantelsack!? Ich muß weg! Verbrenn oi-? Papiere! Schweig!"

(Fortsetzung folgt.)

Veraniwortlich: Dr. Hans Thhriot. - Druck und Verlag: Brühl',che Universitäts-Buck» und Steindruckerei. R. Lanae, Gief>e