mit ihren
ihm hin.
Sie
mit der Hand-
Heute war auch Onkos Gc-
die
verschwand
'Beranttoortlicf): Or. Hans Thyrivt. — Druck ui>bDerlag:'Brühl’scheUniverfitäts-'Buch- und Sieindruckere i, R. Lange, Gießen.
in Lebens- Mysterien-
eine zwei
sich ab.
„Wiederiehn Punkt acht!" ries sie, als sie oben stand, und im Wogen — —
Kurz vor acht öffnete sich die Haustür: Herr Klüter stand große mit weißer Binde da: ein Festwart, glückspendender vermalter
Till hatte drüben Blumen aufgebaut ihrer Hand: Onkos Schreibtischecke. Denn burtstag ■— ein Tag wie jeder andere.
„Nein, Till, großes Mädchen!" staunte
Sie hob sich auf die Fußspitzen, und Rücken.
„Darf ich stören? Ich komme gern mal
er jetzt.
er klopfte ihr den schlanken wieder", sagte Dagobert, der,
sparst die Leberwurst." Sie erhob sich anmutig.
Diez begann ohne Grund leise zu tänzeln, während er ihr in Jacke hals
Aber Till geriet in Eile und Raserei, stürzte davon, winkte, ohne umzudrehn nach hinten, schwang sich auf die Elektrische und sauste
tasche, sah auf die Uhr am Handgelenk, räusperte sich und sprach: „Darf ich mich für deine Gastfreundschaft erkenntlich erweisen?"
„Wie —? Was —?"
„Komm heute abend zum Onko! Du kommst zum Abendbrot und
tarina tm Wege." , „
„Jedenfalls werde ich", fuhr Diez, heiter gelassen, fort, „mit hellem Köpfchen und beiden Fäusten ein Mann der herrlichen, kantigen Wirk- lichkeit fein- Wegbereiter des Geistes und der Wahrheit, soweit die andern ihrer habhaft werden! Natürlich kannst du selbst tun und lassen, was du willst, Till. Wenn du eine private Ausfüllung mit Stift und Tinte brauchst, Till —?"
„Es konnte uns manches erleichtern für den Anfang.
Neuer, verständiger, ziemlich langer Kuß .. Da wurde es in der Ferne laut. Frau Klüter erschien in Person, mit festen Schritten. „Was darf ich zu trinken geben?" fragte die Klüterin. „Tee?"
„Bermutlich nicht ganz das Richtige", meinte Diez.
„Wir haben uns eben verlobt", deutete Till an.
„Also keinen Tee!" sagte Mussolina überzeugt. Till gab ihr einen Kuß, und Diez schüttelte ihr die Hand.
Blumen leuchteten, die Luft fang — eine vollkommene Welt und selige Ewigkeit für eine Stunde. Sie saßen lächelnd darin, handhabten Gabel und Messer wie heilige Instrumente. Sie hatten es noch nie im Leben so gut und blank gehabt ... Doch einmal war auch dieses Fest zu Ende. Sie erhoben sich Arm in Arm und spazierten durch die Zimmer.
Zigarette „Ich muß jetzt gehn," erklärte Till, als sie
Täßchen fertig war
„Ich erlaube dir noch fünf Minuten "
„Ja. zum Donnerwetter, darf ich heute gar nichts?"
„Heute nicht, Till."
Ihr Blick fvähte scharf von ihrem Spiegelchen zu bemerkte ein Männergesicht namens Diez. Sie schnappte
„Ein Mokkächen, liebe Till?"
Sie tranken Mokka, wie es fein bei Klingseil hieß, und rauchten
„Galen Abend, lieber Herr Klüter!" rief Herr Dr. Hasselbrink herzlich. ..Ganz gehörig frisch heute Onkel da?"
„Nei" -Herr Doktor Pokerobend bei Herrn Geheimrat Spitz."
Po--?" Der alte Fuchs, der liebe, tüchtige Klüter schien ihn
argwöhnilch zu beobachten „Fräulein Till oben?" fragte er, mit gleich- mütia gerunzelter Stirn
„Erwartet Herrn Doktor."
Dr fäasfetbrink stieg de breite Treppe mit dem pfirsichfardenen Teppich hinan Alles leer Er nahm im Bücherzimmer Platz, ergriff ein Buch kreuzte die Beine und verharrte in Profilstellung
..Die''" rief eine belle Stimme „Ich hatte im Eßzimmer zu tun. Wir müllen noch ein roenia warten, alter Diez!"
ffr a> b ihr die Hand und sah sich gespannt ihr neues zartes, buntes Kleid on Sehr aut Till'" faate er anerkennend „Ganz entzückend!"
„Finden hti9 Bitte, nimm Platz Diez! Wollen wir so weiter--"
„fRem <Ti(l" Doch er ftand gleich daraus wieder auf; denn im Sitzen war ein Wann ein durchaus unbeholfne« Wesen, ein lächerliches und ungeschicktes Geschöpf. Er ging schweigend, mit steifen oder gar nicht
zuteilen."
„Meine Pfeife zieht."
„Ich habe mich verlobt."
„Kenn' ich das nette kleine Mädchen? Nie daran gedacht, Diez. Die alte kleine Till etwa gar? Bin maßlos überrascht. Ich fürchte, du siehst blühend zerkratzt aus?"
„Nicht so arg, Liebling."
„Meinen aufrichtigen Segen, alter Kerl! Aber es wird nicht leicht mit euch zwei rosenroten Leuten fein. Ihr stellt euch das ohne Erdenrest vor ... Einen Kuß für Till, das bedauernswerte kleine Wesen!"
Diez gab ihr das Hörrohr. „Was sagst du, Dag?" fragte sie mit lächelnder Anmut und Würde.
„Ich habe alles schon ausgesprochen, Till. Bon Herzen dein Dagobert!"
Der Professor saß am Schreibtisch Erste Flocken draußen, ein riesiger weißer Vorhand. Er neigte sich wieder über seine Sonntagsarbeit. Da lag ein dicker Hausen Akten für ihn — keine erfreuliche Arbeit, den Teufel auch' Man war im Aufsichtsrat der Pirre-Bank einer verdammt merkwürdigen und faulen Geschichte auf die Spur gekommen. Glatt, wie Schmierseife die Verwaltung. Er hatte immer noch, als einziger Verwandter des Hauses, Sitz und Stimme im Aufsichtsrat und fühlte
sich dabei noch heute wie ein gesunder Fisch in einer Sandkiste und ein flottes Aguarellchen
mit einer blanken Holzkassette (heute finnige Geburtstagsgabel unterm Arm, in der Tür stand, Blümchen im Knopfloch, festlich und leutselig. „Als Zeichen meiner Verehrung und Treue!" sprach Dagobert und blickte verliebt aus seine Gabe „Palisander "
„Hat er selbst gemacht!" bestätigte Till und hob sachlich, voll neidloser 2lnertennung. den Deckel, auf dem innen ein allerliebster Jntarsien- schrank aus mattem Rosaholz prangte, kleines Kunstwerk für sich: Schiff' chen auf spitzen Weilchen mit einem Wimpel in Herzsorm
Onko betrachtete es sich schweigend, las die Inschrift und sah seinen langen Neffen an. „Hätte es dir nicht zugetraut. Nimm erst mal ’ne Zigarre!"
„Fräulein Pick läßt sich dir empfehlen, Onkel Louis, und durch mich ihre Verehrung und Glückwünsche aussprechen Sie ist unten im Garten."
„Bring sie ’rauf!"
Dagobert flog hinab, um Barby zum Pantoiselkuß zu holen
Cs ging munter zu bei Tisch, wie in alten Zeiten Dagobert erzählte von Melitta Zerpe, seiner neuen Wirtin in der luftigen, merfroürbraen Togostraße Berlin N wo er bei Göcke & Henn, ®rohmöb«lhefrii’b, Müllerstraße, vom Ertzen ab zur weiteren Ausbildung und als Viertelsgeselle wirken sollte. „Verachtet mir die Maschine nicht!" ivrach Dagobert. Und am Abend würde er die Hochschule der Berliner Werkstätten beziehen, bis ihm Schwielen aus der Seele wüchsen
(Schluß folgt.)
vorhandenen Knien, um den Tisch herum, eine Ewigkeit lang, und stand in den nächsten zwei Sekunden oor ihr. „Ich glaube, Till
Hallo! Was ist los, Diez?" Auch sie stand auf oder war schon auf- geständen. Und dann standen sie einander frei gegenüber.
Tlll? war ganz still und weich, unwahrscheinlich still, während sie sich beide eng und fest, wie Verfchmachtende, Arm in Arm hielten und ziemlich toll küßten — was alles nicht längst schon getan zu haben, ihnen im Augenblick vollkommen unbegreiflich war.
,Jch nehme jetzt die ganze Welt auf meine Hand, Till , erklärte er nach einer Weile. „Fühle mich schon längere Zeit nicht mehr verpflichtet, alles viel besser zu wissen —: eine Erkenntnis, die ungeheuer wohltut, Till. Ich steye auch keineswegs dem Weltgeist als auf Eis gelegtes Ingenium nahe ..." , . . _
„Nein", jagte Till lächelnd. „Da war einmal die Allbeleberm Sa-
Leben so gut und blank gehabt .
zu Ende. Sie erhoben sich Arm in .. „ _
Das Haus und die nähere Welt waren ihnen mit einemmal zu eng. Sie hatten das dringende Verlangen, es auch der übrigen Welt mit« zuteilen. Sie riefen also Dagobert an, der vermutlich bei einer guten Pfeife noch ein Stuhlbein zeichnete.
„Hallo! Bist du das, Diez?" tönte seine derbe, irdische Stimme vom andern Ende der Welt.
„Zur Hälfte, guter Dag. Bist du ausgeruht? Habe dir etwas mit«
Diez legte polternd den Löffel hin „Teufel noch maU So was gilt ' überhaupt als Kirchenfreoel! Du wirft Genugtuung Ordern!
Till taute. Er ist kein Efel. Meine sehr eindeutige Ansicht kennt er nun. — Delikat, das halbe Fafänchen! Diez, du Nabob, kannst du dir heut abend noch ein Achtelchen grobe Leberwurft leisten?
„Na, hör mal, Till!" . ,,, ... ,,,
Willst du mir vielleicht bet Mutzebecher eine fchlechtbezahlte Stelle
°b-n Nach
Weile fragte Till: „Was hast du denn wieder, Diez?" ..
Diez hatte drei Sekunden lang auf den schmalen Spiegel schräg drüben an der Wand gestarrt, der Spiegel hing ziemlich bod) unö überschaute ein Stück des ßofalemgangs „Moment mal! sagte Diez ruhig, nach kurzem Zögern. „Ein Bekannter von mir... Er legte das Mundtuch hin, bog langfam um den dicken Pfeiler, um den Till, trotz gerecktem Hals nicht fetzen konnte; das Spiegelbild schien ihr entgangen zu sein.
Dies näherte sich einem kleinen Herrn, der aus einem ungeheuer meiten rauhen Sackmantel obendrauf bestand und ihn mit runden Augen herrisch anblickte „Herr — Direktor Brosse? Ich sitze hier mit meiner Wahleousine Fräulein Grotemeyer. Wir essen ein wenig zu Mittag und mochten dabei — Sie werden es begreifen? — nicht an einen peinlichen Vorfall erinnert werden. Haben Sie die Gute, mich zu verstehen, Herr Brosse? Bis gegen halb zwei Uhr etwa, wenn Sie es einrichten könnten —? Sonst, Herr Direktor Brosse, würde ich zu meinem aufrichtigen Bedauern genötigt fein, Sie hinauszubegleiten "
Herr —I Was wollen Sie überhaupt von mir? Reden Sie malaiisch ober deutsch? Sind Sie toll geworden? Frechheit —! Das ist Nötigung! Ich werde den Geschäftsführer--Unerhört!" Der kleine Sack reckte
sich auf, sprudelte mit feuchten Sippen
„Nein", sprach Diez höflich und steckte, der andern Leute wegen, die Hände, als plaudere er hier bloß ein bißchen, in die Jackentaschen. „Unsre Mittagszeit ist uns knapp zugemessen, jede Sekunde, die ich hier stehe, ist ein Opfer, nicht wahr? Uebrigens weih Fräulein Grotemeyer bis ungefähr zu dieser Sekunde nichts von Ihrer Anwesenheit. ." Diez erblickte ebert in dem schmalen Spiegel drüben einen langen weißen Hals und daraus ein Gesicht, das aufgesperrte Augen hatte. „Kann ich mich daraus | verlassen, Herr Direktor Brosse?" fragte er, verbindlich lächelnd, da ein Kellner in nächster Nähe einladend mit der Serviette wedelte, und begab sich mit eleganter Lässigkeit an seinen Platz zurück.
Zwei katzengraue Augen mit drohender Pupille: „Sag mal —: Was heißt das?"
Diez war ein fröhlicher Mann: Er legte hart die Hand auf ihre warme Hand. Eine kräftige, hübsche Hand! dachte Till „Jetzt werde ich ’rausfltegen!" zischte sie und entzog ihm heftig die Hand. „Du bist immer noch so rasend empfindlich, Diez! Was hast du ihm gesagt?"
„Keine Angst, Till!" Diez kniff ein Auge zu und schielte, bloß zur Kontrolle, nach dem Spieglein an der Wand.
„Da geht er wieder weg!" rief Till plötzlich, die seinem Blick gefolgt war. Der kleine Sack schob sich ruckartig, als wenn ihm noch etwas eingefallen sei, wieder der Eingangstür zu.
„Ich hätte ihn wirklich bloß unauffällig--Er hat dich angefaßt,
Till. Ich wäre daran erstickt", sagte er leise.
„Ich möchte nichts mehr essen."


