Ausgabe 
23.2.1934
 
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spiegelungen, die dieser selbst tags zuvor Butler gemacht batte, nie Offiziere noch einmal unter Eidschwur zu unverbrüchlicher Treue.

Allein schon am Abend vorher hatten Butler und Gordon zu­sammen mit dem Oberstpachtmeister Leslie in dem Gefühl pein­licher Ungewißheit davon geredet, baß sie alsbald einen Ausweg zwischen dem Herzog und dem Kaiser finden müßten und daß er vielleicht nur in der Tötung Wallensteins und seiner Anhänger gesucht werden könne. Butler, Gordon und Leslie haben sich erst imch und nach einander anvertraut. Sie beherrschte, wie die alten Zenerale, noch immer eine scheue, fast ängstliche Furcht vor dem gewaltigen Friedländer.

Da erhielten sie zwei entscheidende Nachrichten: sächsische und schwedische Truppen unter dem Feldmarschall Arnim rückten in Eilmärschen auf Eger, und zum anderen bekamen auch sie Kennt­nis von dem Absetzungsdekret, welches der Kaiser bereits am 24. Januar gegen Wallenstein erlassen hatte. Gleichzeitig erfuhren sie von dem zweiten Dekret vom 15. Februar, durch welches der Kaiser allen Obersten befohlen hatte, Wallenstein in keiner Hin­sicht mehr zu gehorchen.

Aber auch Wallenstein drängte zur Entscheidung, Eilboten ritten zu Arnim, um seinen Anmarsch zu beschleunigen.

Gordon und Butler faßten nunmehr den Entschluß, den Herzog und seineAdhaerenten" zu ermorden. Am Mittag lud Leslie die ärei Getreuen Wallensteins: Trzka, Jlow und Kinsky zum Fast- nachts-Schmause auf das Schloß, ebenso den Rittmeister Niemann, der dem Herzog als Geheimsekretär gedient hatte. Der im Grunde feige Anschlag gelang. Arglos gingen die vier Getreuen Wallen­steins in die ihnen gelegte Falle. _

Nach umfassenden Vorsichtsmaßregeln ließ Butler gegen Schluß des Gelages seinen Oberstwachtmeister Geraldin mit einem Kom­mando Dragoner in das Gemach eindringen. Geraldin rief:Wer At gut kaiserlich?" Butler, Gordon und Leslie antworteten:Vivat Ferdinandus". Die wehrlosen Gäste, überrascht und bestürzt, wur­den von der Uebcrmacht fast auf der Stelle niedergemacht.

Die Mörder waren Herren der Stadt,' in ihrem Vlutrausche eilten die angetrunkenen irischen Dragoner unter Führung ihrer Offiziere nach dem Pachhebelschen Hause, in das Quartier des Herzogs. Geraldin und der Kapitän Deveroux stießen die Türe zum Schlafgemach des Herzogs ein und Deveroux durchstach den Herzog mit einer Partisane.

Die Untat ist noch vor Mitternacht des 25. Februar geschehen. Den bei der Tat beteiligten 12 Dragonern ließ Gallas sofort je einhundert Reichstaler auszahlen. Der Oberstwachtmetster Geral­din,der sie geführt", erhielt zweitausend Reichstaler und die beiden Kapitäne Deveroux und Macdonald,die demselben assi­stiert", je eintausend Reichstaler.

Die Tatsache, daß Deveroux den Mord an dem wehrlosen Her­zog mit einer Partisane vollbracht hatte, fand noch besonderen klingenden Lohn,' der feige Mörder bekam später vierzigtausend Gulden und mehrere Friedländische Güter. Ein feinerEdel­mann", den die Habsburger da mit Grund und Bodenbegabten !

Das Vermögen dieser Ermordeten mußte diese Ausgaben decken, Wallenstein hinterließ selbst über neun Millionen Gulden, Trzkas Nachlaß hat sich auf fast neunhunderttausend Gulden be­laufen. Die beiden Obersten Butler und Gordon wurden durch je 120 000 Gulden belohnt. Gallas bekam die Herrschaften Fried­land und Reichenberg, Aldringen die Kinskysche Besitzung Teplitz, Piccolomini die Trzkasche Herrschaft Nachod.

Die Verräter und Mörder des Mannes, der sie jahrelang mit Wohltaten überhäuft hatte, wurden also aus feinem Nachlaß von leiten des Habsburger Kaisers reichlich belohnt. Der ermordete Wallenstein aber blieb für alle Zeiten em Zeugnis für denDank vom Hause Habsburg". Wenig bekannt ist e§, daß der Mörder Deveroux auch in unserer engeren Heimat ein bose^ Andenken hinterlassen hat. Fünf Jahre nach der Ermordung Wallensteins im Jahre 1639 erschien der frühere Kapitan Deveroux, der inzwischen zum Oberstenavanciert" war, mit seinem Regiment in der Wetterau. Er bezog in Friedberg Quartier, und legte der Stadt eineBrandschatzung" von 40 000 Gulden auf. E- wurden aber nur 2000 Reichstaler aufgebracht, -i^er Marder Wallenstein zeigte nunmehr, daß er auch ein Räuber schlimmster Sorte war. er ließ alles Vieh, dessen er habhaft werden konnte, zusammen- treiben, und schleppte es mit sich fort. . , o

lcin^^iM^?e^eb"i,^wi,Ic"^vön dem sthwedischen Obersten ^^Schftmm°ha^e^z/Lcbzeiten Wallensteins einer^^iner höheren Wx ä »ä

Hessen liegenden Wallenstemschen Truppen stand, befand sich tm Jahre 1626 in dem Solmsschen Schlosse Su Asicnbcnn in der Wettcrau: er sollte 6000 Mann neue -rruppen für Wallenstein '"Am Mimmsten hauste der C6erft 9^m ®i^^e[m ©^^er^^ar6 von Donfurt, Freiherr von GoerzenH. Dieser Abenteurer machte aus dem Brandschatzen em wahrem Geschäft, wo er peroe en nmr, ließ er das Land verwüstet zuruck. Furchtbare Mißhandlungen der Einwohner ivaren an der Tagesordnung, Mann bat man nackt über das brennende Feuer in den Rauchfang ge^ hängt, um ihnen unter den Qnalcn der ^engci ab-uvreffeil 'versteck des letzten Geldes und der Lebensmittel abzupressen.

Die Beschwerde über Goerzenichs Gewalttaten, die er n' ^c fier Weise gegen Protestanten und Katholiken verübte^dran-ie bis zum Kaiser Ferdinand II. nach Wron.^ui Oktober ib.vtcyri der Käfter an seinen Minister, den Fürsten Eggenberg. mev^ keine Ungeheuerlichkeiten und Schandtaten, die

der Wetterau nicht begangen hat, er hat mehr als barbarische Abscheulichkeiten verübt". Der zu Asscnheim in der Wetterau liegende Kaiserliche General Herzog Maximilian zu Lauenburg rückte mit seinen Truppen gegen diesen Räuber-Obersten mit seinen Horden und zwang ihn zum Abzug.

Später machte Goerzenich noch einmal einen Einfall ins Nassauer Land und hauste in Wiesbaden zehn Wochen lang aufs Fürchterlichste.

Endlich erreichte den Obersten von Goerzenich sein Schicksal, nachdem er noch im Erzbistum Mainz ein Dorf niedergebrannt und das Bistum Würzburg und die Abtei Fulda durch unge­heure Kontributionen fast ausgeplündert hatte. Am 9. Oktober 1627 trat ein Kriegsgericht zusammen, das sein Urteil dahin sprach, daßGoerzenich mit dem Schwerte vom Leben zum Tode gebracht, sein Körper aber auf das Rad gelegt und sein Kopf auf einen Pfahl gesteckt werden solle". Vergeblich appellierte Goerze­nich an Wallenstein: am 14. Oktober 1627 wurde das Urteil im freien Felde bei Rendsburg vollstreckt. Wallenstein hat darüber an Colalto geschrieben:Auf daß man sich über mich im Reiche nicht zu beschweren habe, habe ich dem von Goerzenich heute den Kopf weghauen lassen".

Wallensteins Ermordung, seiner Mörderruhmvoller" Auf­stieg zu hohen Würden, Oberst Goerzenich: es sind alles Bilder aus jener Zeit, über die ein Mann, der solche Schrecken miterlebt hat, schrieb:Unsere Nachkommenschaft wird sich nicht überzeugen können, daß in Gestalt von Menschen Geschöpfe auf dem Erdboden vorhanden gewesen, die alles Menschengefühl ausgezogen und Taten verübt haben, dergleichen in den ältesten und rohesten Zei­ten nicht verübt wurden, und wahrscheinlich, solange die Welt steht, nicht wieder erlebt werden."

(Lin Mann namens Schmitz.

Novelle von Wilhelm Schäfer.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Als der Doktor Schmitz derart zwar nicht aus der Rolle ge­fallen war, aber die Rolle selber hatte ihre Bedeutung verloren, kam ihm unbeabsichtigt der Oberst mit einer Mahnung zu Hilfe, die er an das Mädchen mit der Rüsche richtete: Emilie, mahnte er mit aufgehobenem Zeigefinger, heute das Meldeamt nicht ver­gessen. Vor fünf Uhr müssen Sie dort gewesen sein!

Ich habe sowieso Ausgang heute, Herr Oberst! sagte Emilie,' und der Doktor Schmitz hätte keinen Anlaß gehabt, auf diese bei­läufige Antwort zu achten, wenn sie ihm nicht weil das Mäd­chen mit der Platte gerade hinter seinem Rücken stand gleich­sam ins Ohr gesagt worden wäre, so daß er den wohllauten Alt­klang ihrer Stimme aus der nächsten Nähe vernahm: und dieser Wohllaut war rheinisch. Nicht, daß sie mundartlich gesprochen hätte, es schien seinen Ohren im Gegensatz zu der Tischsprache so­gar vollendetes Hochdeutsch, nur hatte es jenen singenden Ton, der dem Rheinländer selber unverkennbar ist.

Ach, sagen Sie das bitte noch einmal! ließ sich der Doktor Schmitz gehen, doch wieder aus der Nolle zu fallen: und es war Trotz dabei, daß er es tat. Denn der Zustand, in dem er sich von dem mokanten Lächler belauert fühlte, der ihm immer wieder Bemerkungen in sein Gespräch hineinwarf, die witzig sein sollten, meist aber nur grob waren, dieser Kriegszustand hatte ihn nervös gemacht. Die Hauptsache freilich war, daß ihm der Celloklang ihrer rheinischen Stimme wie Balsam in die mißhandelten Ohren flo^.

Er hatte bisher die angenehme Art dieses Hausmädchens Emi­lie nur unbewußt wahrgenommen, nun er sich durch seinen Ver­stoß endgültig durchgefallen fühlte, kam er von selber dazu, sie zu beobachten, die seiner täppischen Bitte natürlich nicht entspro­chen hatte. Er sah nun erst, was für eine zierliche Gestalt in dem schwarzen Kleid steckte, rote roohlgebildet ihr schmales Gesicht mit dem ernsten Blick ihrer dunkeln Augen und der beherrschten Schel­merei ihrer Mundwinkel war. Wie kommt so etwas unter die Rüsche? die ihr übrigens verteufelt gut steht! überlegte er, da sie nach ihren gebildeten Zügen, nach ihren Händen und nach ihrer sicheren Art, sich zu bewegen, unbedingt von befferer Herkunft ist!

Aber besser oder nicht! protestierte er sogleich: die Herkunft selber ist es, daß wir da unten am Rhein ein anderer Menschen­schlag sind als die hier oben! Es ist natürlich ein blöder Hochmut! widersprach er sich selber: aber dieser Hochmut war ihm wie ein Naturereignis gekommen. Jedenfalls fühlte er sich mit dieser Per­son unter der Rüsche, die er mit ihrem entzückenden schwarzen Flaum an der Oberlippe auf achtunözwanzig Jahre schätzte, soli­darisch nicht nur, weil sie eine Landsmännin war, sondern weil sie seinem Gesühl für Weiblichkeit anders entsprach als die Sports­damen, mit denen er durch eine ihm unbegreifliche Verliebtheit seines Sohnes in ein Familienverhältnis kommen sollte.

Wenn es mir schon so fremd ist, in diesem Operationssaal zu essen, überlegte er weiter, wie hart muß es meiner Landsmännin fein, hier zu bedienen! Denn daß sie unter andern Umständen ausgewachsen, daß da ein Schicksal im Spiel war, dies wurde ihm immer gewisser. In seiner Neigung zu llebertreibungen kam sie ihm wie eine Sklavin vor: und er mußte, grimmig lächelnd, ein Gelüst bei sich feststellen, den Sklavenbefreier seiner hübschen Landsmännin zu spielen. Jedenfalls gab er sich einer liebevollen Beobachtung ihrer Gestalt, ihrer Bewegungen, ihres Gesichtes hin, die sein Interesse an dieser Sklavenbefreiung steigerte.

So war es eine merkwürdige Art, in der sich der Doktor Schmitz aus Köln in seiner Zürcher Brautschau gescheitert sah. Er nahm, wie er rügen mußte, an der zeremoniellen Handlung dieses zu Ende gehenden Mittagessens nur noch äußerlich teil und er­wartete mit Ungeduld den Aufbruch. Warum bringt mir mein