Ausgabe 
23.2.1934
 
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men. Selbst auf Körpergröße gab er nichts,' nur auf die Fähig­keit, den Dienst auszuhalten, kam es ihm an,' mochten dann die Schwachen zugrunde gehen. Er erkannte nur den militärischen Rang, in welchem er weitere Abstufungen einführte. Er liebte es, neue Regeln zu geben,' selbst der Schlag der Trommel wurde ver­ändert. Bei dem Gemisch der Nationen, Bekenntnisse, Stände war das unverbrüchliche militärische Gesetz ein doppelt unbedingtes Bedürfnis der Schlagfähigkeit. Die kleinsten Fehler wie Eigen­mächtigkeiten in der Kleidung wurden bestraft, wie man sagte, um größere zu verhüten. Wenn man im Felde stand, ward etwas mehr nachgesehen, doch nichts, was die Unterordnung hätte ge­fährden können.Ich will nicht hoffen", sagte er auf einlaufende Klagen,daß einer unserer Offiziere sich so weit vergessen hat, unsere Ordonnanzen zu despektieren." Dem Markgrafen Wilhelm von Baden-Baden ward in den herbsten Worten verwiesen, daß er sichdessen anmaße, was ihm nie anbefvhlen worden sei". Eine Beförderung ist wohl deshalb versagt worden, weil die neue Stel­lung den Ansuchenden seiner Gemütsart nach zu. Handlungen leiten würde, um derentwillen man ihm den Kopf vor die Füße legen müßte. Die Ausschreitungen, an denen es freilich nicht fehlte, sollte kein Oberer ungeahndet lassen,' Nachsicht hierbei fand Wallenstein sträflich und drohte es mit Exekution an Leib und Leben zu ahnden. Plündernde sind auf der Stelle gehenkt worden. Bon Schonung wußte er nichts, weder im Dienst noch vollends dem Feinde gegenüber. Den Antrag, den ihm einst König Gustav Adolf machte, nach dem Vorgang der niederländischen Kriege eine Uebereinkunft zu schließen, daß bei einem Zusammentreffen mit sehr verschiedenen Streitkräften die schwächere Partei sich ohne zu schlagen ergeben dürfe, verwarf er mit den trotzigen Worten: Sie mögen kombattieren oder krepieren". Das oberste aller Ver­dienste war bei ihm tapferes Verhalten: nur dadurch erwarb man sich persönliche Rücksicht. Wie Pikkolomini die entschiedene Gunst des Generals hauptsächlich der Tapferkeit verdankte, die er an der Spitze seiner Reiterei in der Schlacht von Lützen bewiesen hatte, so erwarben sich der Kroatengeneral Jsolani bei einem An­griff auf die Schweben bei Ansbach, der Graf Dohna bei der Eroberung von Chemnitz seine Freundschaft. Er hielt immer eine Anzahl goldener Ketten in Bereitschaft, um auf der Stelle beloh­nen zu können: er erhob selbst in den Adelsstand: seine Krjcgs- kasse war angewiesen, die Kosten für die Ausfertigung der Diplome zu tragen. In sehr außerordentlichen Fällen ersuchte er aber auch den Kaiser, einem Befehlshaber seine Zufriedenheit auszudrücken. Um für erledigte Stellen einen Ersatz in Bereitschaft zu haben, sah er es gern, wenn sich Volontäre in seinem Lager aufhieltcn: doch wollte er nicht, daß sie der öffentlichen Sache lediglich auf ihre eigenen Kosten dienten: in dem Maße, daß sie sich brauchbar zeig­ten, wies er ihnen gute Quartiere an. Auch jedem untergeord­neten Verdienst widmete er seine Anerkennung: man hörte ihn sagen: 6ejc hat hier das Veste getan, dieser dort: dem dankt man diesen Erfolg, dem einen anderen. Er belohnte gern: doch hatte es fast noch mehr Wert, wenn er einem die Hand auf den Kopf oder die Schulter legte und ihn dann lobte. Wer bei einer rühmlichen Handlung fiel, den ehrte er im Tode: er begleitete ihn bei seiner Beerdigung. Feigheit wurde nicht allein verachtet, sondern bestraft, selbst mit Grausamkeit: auch das Mißlingen, wenn einigermaßen verschuldet, galt als Verbrechen. Wenn er dann zu einer Beför­derung schritt, etwa einem gemeinen Soldaten die Stelle eines Hauptmannes verlieh, so nahm er es nicht übel, wofern dieser versäumte, ihm persönlich seinen Dank darzubringen, denn er be­weise dadurch die Einsicht, daß er seine Bevorzugung nicht der Gunst verdanke, sondern allein dem Verdienst.

Niemand hätte sich weigern dürfen, seine Ehre im Zweikampf zu verteidigen. Wer das tat, wurde aus dem Heere gestoßen. Man­cher hat seine Gunst gewonnen, indem er sich einer Strafe wider­setzte, die seine Ehre beleidigte, und sich lieber der Gefahr des Todes aussetzte als der Schmach. Höchst widerwärtig waren ihm Empfehlungen vom Hofe, er hat sie mit Scherz oder auch mit Hohn abgelehnt. Wer sich in allzu schmuckem Aufzug zum Dienst meldete, den hat er wohl an die behäbige Hofhaltung eines Kar­dinals lDietrichsteins gewiesen, für welche das passe: im Feldlager würde der Rauch des Geschützes das feine Gesicht verunstalten. Die Anwesenheit der Prinzen von Toskana im Lager ließ er sich gefallen: doch sorgte er dasür, daß sie keinen Einfluß ausübten, j Ihren Wunsch, sich persönlich hervorzutun, erklärte er für eine ' Eitelkeit, die sich mit der Subordination nicht vertrage. Man dar« behaupten, daß er dem militärischen Prinzip an und für sich, selbst ohne Rücksicht auf den Zweck des Krieges, im Sinne der andert­halb Jahrhunderte, die dann folgten, Bahn gemacht hat, so wie er ihm durch die Einrichtung der Kontributionen eine regelmäßige Grundlage schaffte. Er war ein geborener Kriegsfürst.

Solange er gesund war, liebte Wallenstein, mit den Obersten zu speisen, denn nichts verbinde die Gemüter mehr als ein heite­res Gelag. Aber bei aller guten Kameradschaft hielt er doch den Anspruch der unbedingten Unterordnung fest. Wenn er im Feld­lager einherging, wollte er nicht gegrüßt sein: wenn er sich dann in sein Onartier zurttckzog, so hielt er darüber, daß niemand in 1 der Nähe desselben mit Pferden und Hunden erscheinen, mit klir- * rcnden Sporen daherschreiten durfte. Außerhalb des Feldlagers i liebte er eine Pracht zu entwickeln, mit der kein Fiirst wetteifern konnte. Was hatte er sich in Prag für einen prächtigen Palast ' erbaut, mit Säulenhallen, geräumigen, hellen, kunstgeschmückten Sälen, dunklen, kühlen Grotten! In seinem Marstall fraßen drei­hundert ausgesuchte Pferde aus marmornen Krippen: wenn er ausfuhr, geschah es mit einer langen Reihe zum Teil sechsspän­niger Karossen. Vogelhäuser fast im orientalischen Stil, sorgfältig erhalten« Fischteiche fand man in seinen Gärten. Vom Schlosse

In Sagau erzählt man, er haste es zu öem achten Wunder der Welt machen wollen. Er hat zugegeben, daß man ihn .als Triumphator malte, seinen Wagen von vier prächtigen Sonnen­rossen gezogen.

Er war kein Freund von Zeremonien: wie oft unterbrach er lange von Aeußerungen der Untertänigkeit angeschwellte Anreden deutscher Gesandten: er spottete der tiefen Reverenzen, wie sie damals am römischen Hofe gang und gäbe wurden: aber er liebte von Anfang an den Pomp einer prächtigen Umgebung. Seine Pagen, die er gern aus den vornehmsten Geschlechtern nahm, erschienen in blauem Samt, wie mit Rot und Gold auf das prächtigste angetan: so war seine Dienerschaft glänzend aus­gestattet: seine Leibwache bestand aus ausgesuchten Leuten von hoher und schöner Gestalt: er wollte besonders, seit er Herzog von Mecklenburg geworden war, durch die Aeußcrlichkeit eines fürst­lichen Hofhaltes imponieren. Er lebte mäßig: aber seine Tafel sollte auf das trefflichste bedient sein. Es gehörte zu seinem Ehr­geiz, wenn er sagen konnte, daß einer und der andere seiner Kämmerer in kaiserlichen Diensten gestanden. Niemand bezahlte reichlicher.

Er hatte sich in Italien die Sitte und Art der gebildeten Welt angecignet. Unter anderem weiß man, wie sehr er die Damen des Hofes zu Berlin, als er einst daselbst erschien, einzunehmen wußte: von den Anmaßungen, die einige seiner Obersten vor sich hertrugen, war bei ihm nicht die Rede.

Aber wehe dem, der ihn in Zorn versetzte! Wie in seiner Jugend, so in seinem Alter, war er dann seiner selbst nicht mäch­tig: er war wie mit Wut erfüllt und schlug um sich man ließ ihn toben, bis es vorüber mar. Man bezeichnete seinen Zustand mit dem oberdeutschen Ausdruck Schiefer: er kannte ihn wohl und suchte die Anlässe, die ihn hervorriefen, zu vermeiden.

Er liebte die Aufregung des Gesprächs, in welchem sich leiden­schaftliche Aufwallungen eines leichterregten Selbstgefühls Luft machten: die fernsten Aussichten erschienen als gefaßte Entwürfe, die momentanen Ausfälle als wohlbedachte Feindfeligkeiten. Von denen, die ihn kannten, wurden sie als das, was sie waren, mit dem Worte Voutaöen bezeichnet: in die Ferne getragen, machten sie vielen Eindruck.

Jedermann, der in seine Nähe kam, litt von seiner Launen­haftigkeit, seinem zurückstoßenden Wesen, seinem gewaltsamen, rücksichtslosen Gebaren. Sein Ruf schwankte zwischen zwei Extre­men: daß er das wildeste Untier sei, welches Böhmen hervor­gebracht habe, oder der größte Kriegskapitän, dessengleichen die Welt noch nicht gesehen.

Sein Antlitz erscheint, wie cs die bestbeglaubigtcn Bilder dar­stellen, zugleich männlich und klug: man könnte nicht sagen groß und imposant. Er war mager, von blasser, ins Gelbe fallender Gesichtsfarbe, von kleinen, hellen, schlauen Augen. Auf seiner hohen Stirn bemerkte man die Signatur der Gedanken, nicht der Sorgen: starke Linien, keine Runzeln: früh ward er alt: schon in den vierziger Lebensjahren erbleichte sein Haar. Fast immer litt er am Podagra. In den letzten Jahren konnte er nur mit Mühe an seinem spanischen Rohre einherschreiten: bei jedem Schritt sah er um sich.

Aber in ihm lebte ein feuriger Impuls zu unaufhörlicher Be­wegung, Unternehmung, Erwerbung: durch seinen Gesundheits­zustand nicht allein nicht erstickt, sondern eher angereizt, der ehr­geizige Trieb, sich nach allen Seiten geltend z» machen, seine Macht und die Bedeutung seines Hauses zu gründen und die alten Feinde zu seinen Füßen zu sehen.

Seine Bizarrerien, die vielmehr dazu dienten, bei der Menge Eindruck zu machen, und die astrologischen Berechnungen der Ge­schicke für sich selbst und seine Freunde er liebte es, auch deren Nativität kennen zu lernen hinderten ihn nicht, Umstände und Dinge, wie sie vorlagen, zu erkennen: das Phantastische war in ihm mit praktischer Geschicklichkeit gepaart. Er war verschwende­risch und unbesonnen, aber doch auch ökonomisch und umsichtig. In seiner Politik verfolgte er hochfliegende egoistische Plane: aber zugleich hegte er Absichten, die zu einem bestimmten, erreichbaren Ziele zusammenwirkten. Er war dadurch emporgekommen, daß er immer den eigenen Inspirationen folgte, die er immer zur Gel­tung zu bringen vermochte. Er erklärte es für unmöglich, seinen Geist so weit zu bezwingen, daß er einem fremden Gebot gehorche.

Damals konnte es ihm scheinen, als ob er die Zukunft der Welt in seinem Kopfe trage.

Blutige Fastnacht in Eger.

Von Dr. Ludwig Roth.

Am 28. Februar sind 800 Jahre vergangen, seit der kaiserliche Generalissimus, Herzog von Friedland, Albrecht Wenzel Eufebius von Wallmrstein, ermordet wurde.

Wallenstein rvar am Abend des 24. Februar in Eger eingetrof- fcn, umgeben von seinen Getreuen: Trzka, Jlow nnd Kinsky, sei­ner Leib-Kompanie und einigen Truppen, llnterioegs ivar noch das Regiment des katholischen Iren Butler zu ihnen gestoßen. In Eger selbst befehligte der kalvinistische Schotte Gordon. Er öffnete Wallenstein die Tore der Stadt. Um Wallenstein sein gutes Quar­tier in dem stattlichen Pachhebelschen Hause zu überlassen, zog er selbst auf die Burg.

Noch in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar gelangte an Wallenstein die erste Ausfertigung des Kaiserlichen Absetzungs- Patents, ivclchcs vier Wochen vorher, also am 24. Januar 1634 ergangen war. Es bestand nunmehr für ihn und die Seinigen die höchste Gefahr. Deshalb verpflichtete Jlow am Morgen des 25 Fe­bruar im Auftrage des Herzogs unter denselben falschen Vvr-

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