Ausgabe 
22.1.1934
 
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sagte Juppi vor-

es

ist

Er

über zu ihr ins Dorf hinunterziehn solle. Du hast wieder Hemden verschenkt

Haus lag still, und über der Tür hing das tote Hirschgeweih.

Niemand zu Haus!" sagte die Gret.

Klopf noch einmal tüchtig!" bat Juppi enttäuscht.

Die Gret pochte, und auch Juppi begehrte Einlatz, aber nützte alles nichts: die Frau Förster war nicht daheim.

Ist sie am Ende gar gestorben?" befürchtete Juppi.

Daß du mir schweigst", schalt die verstimmte Gret.Die gesund und soll lang gesund bleiben, Amen!"

Sie entfernten sich stumm. Juppi ließ den Kopf hängen.

Berg unterhalte der Teufel auf einer fetten Almwiese eine große Viehwirtschaft. Seine Kühe hätten allesamt drei Euter am Bauch und sieben Striche an jedem Euter. Ihre Hörner stiinden so weit auseinander, daß zwei Männer dazwischen auf den Stirnen Platz hätten. Am Hals hingen ihnen wohltönende Glocken, die habe er aus den Kirchen gestohlen. Manchmal höre man sie läuten. Die Jauche flösse aus dem unterirdischen Stall, die Milch aus den Eimern, wenn sie der Teufel in seinem Zorn über die christlichen Waldleute oder über den Hubertus-Hirsch mit seinem Kreuzgeweih umschmeiße.

Während die Gret in den Häusern ihrem Handel nachging, trieb sich Juppi neugierig zwischen den Felsen umher. Wo sprudelte der Milchbrunnen? Wo sickerte die Jauche? Trotz aufmerksamem Suchen glückte es ihm nicht, die Abflußrinnen zu entdecken. Nur schwefelbleiche Flechten fand er aus den groben Blöcken. Ver­trocknete Milch?

Wer mit der Gret ging, der konnte allerlei sehn und hören. Den Milchbrunnen müßte der Flunk entdecken, dachte er. Der wiirde wohl nie mehr aufhören, sein Maul hineinzuhängen und seinen Haarschopf über das Rinnsal, wie eine der Krüppelkiefern, die sich zäh in die Schründe eingeklammert hatten, ihre Wedel.

Frohen Sinnes schritt Juppi mit der Gret bergab. Noch manche Sagengeschichte gab sie zum besten. Sie hatten über den Berg ihren Weg abgekürzt und erreichten bald darauf Siebenellen. Als sie an die Tür des Forsthauses pochten, um der Frau Förster ihre Aufwartung zu machen, zogen sich ihre Gesichter in die Länge. Sie klopften noch einmal und wieder, aber niemand öffnete ihnen. Das

wurfsvoll. Aber er war doch froh, daß ihn die Gret holte.

Diesmal blieb kein Damenhemd in den Händen der Einöd­bäuerin, so war der Abschied kurz. Flunk stand mitten im Hof und schmihte wütend mit der Peitsche. Die Gret schnitt ihm ein Dorf­gesicht und brummte:Knall du nur immer, bleibst ja doch eine windige Latsche ..." Und rasch verschwand sie mit ihrem Reisege­fährten hinter dem leeren Nutzbaum. Sie tauchten in den No­vembernebel, indes Flunk ihnen seinen Peitschenknall nach­schickte, als pfitze der Wind aus dem unwirschen Böhmen herüber.

Bevor die Wälder verschneit und die Strahen ungangbar waren, machten sich die beiden, meist am schulfreien Samstag oder am Mtttwochnachmittag, noch einmal auf die Beine zu kurzen Zügen. Die Hemden-Gret des vergangenen Sommers war von der Spielzeug-Gret der Vorwethnachtswochen abgelöst worden. In ihrem Korb, gefüllt wie der, den Knecht Ruprecht im Dezember durch Abenddörfer und Kinderträume trägt, schleppte sie Puppen Trommeln, Kindertrompeten, Holzgäule, Wageu, Klappern, Me­nagerien und viele andere Wunder- und Wunschdinge für kleine Waldleute. Wenn sie mit Juppi, den alle Häusler gern mochten, in den Stuben erschien, wurden die Kinder hinausgeschickt, man tuschelte geheim mit den Erwachsenen und gab wohl acht, dah kein vorwitziges Glöckchen zu laut klang, keine Vlecheisenbahn zu dreisten Lärm bei ihrer Probefahrt über die Tischplatte verursachte.

Juppi, schimmernd und blondhaarig, wie ein Abgesandter aus dem Weibnachtsreich, saß dabei, folgte aufmerksam den Geschäften und kam sich ganz erwachsen vor. Dennoch umwogte ibn der Wald mit kinderseligem Weihnachtsduft, mit geheimen Winken und Ahnungen, alle Wege sahn aus, als führten sie zu wunderbaren Weibnachtsbäumen und Jesukrippen.

Nach Siebenellen kam man nicht. Dahin war es jetzt viel zu weit. Die Frau Förster hatte ja auch keine Kinder und benötigte keine Puppen und Trompeten.

Aber was wird Juppi der Gret zu Weihnachten schenken?

Immer nach Schulschluß und wenn seine Wohltäterin im Dorf zu tun hatte, holte er ein tännernes Brett aus dem Holzschuppeu, zeichnete mit dem Bleistift nach Tischlerart Maße darauf und sägte das Brett zu, wie er es brauchte. Er bearbeitete es mit einem scharfen Messer, glättete es und überraspelte es mit Glaspapier. Allmählich entstand, schön gemasert und pikfein, ein Eckbrett für die gute Stube. Auf beiden Seiten war es scharf gekantet, so daß es genau in sein vorbestimmtes Wanöeck hineinpaßte. Leicht ge­rundet zeigte sich die Vorderkante. Das Brett erhielt eine nicht minder sorgfältig hergcstellte Stübe. damit cs auch einen schweren Gegenstand tragen konnte, einen Blumentopf, eine Uhr oder ein Bild mit Rahmen. Er malte sich aus, wie schön darauf das Bild von Gerts Vater stünde.

Zu seiner Arbeit brauchte er lange Zeit. Endlich aber war bas Wer? roh fertig. Freilich hätte er nun gern dem Eckbrett einen letzten Glanz gegeben, eine Beizung oder noch lieber eine nuß­braune Politur wie sie die glas^chimmerndcn Möbel der Frau Förster aufwiesen. Wober aber sollte er Farbe und Lack nehmen? In seinem Dorf gab es keinen Tischler, den er um eilt paar Pinsel­striche hätte anbetteln können.

Da kam ihm wieder einmal die Spielzeug-Gret zugute. Die Post brachte häufig Pakete und Schachteln voller Spielwaren für ihre Passauer Weihuachtsbude. Nichts war Juppi lieber, als beim AuSpacken der Waren mttzuhelfen. Aus den Schachteln stiegen die bunten Märchen, die Boten der Christträume, die Puppen mit den Flitterkleidern, die Pferde mit den weißen Mäbncn und die Auto­mobile, die man auszichn konnte wie Ubren. In diesem paradie­sischen Durcheinander der Waren und Papiere fühlte sich Juvvi wohl: er hatte einen Zauberrausch und ein Vorweihnachtsglück.

Beim Aufräumen glitt ihm wie eine blitzende Schlange ein Streifen Goldpapier in die Hand, zugleich auch ein Bogen blauen Glanzpapiers, ein Stück Himmel. Seine Einbildung ging daran, an den Papicrfetzen herumzuschneiden: blaue Streifen für die Kanten von Brett und Stütze ... goldene Sterne dazu ... zum Aufkleben auf die blauen Untergründe.

Anfangs wollten ihm die kleinen fttufgezackten Sterne gar nicht recht gelingen: mit der Zeit aber glückten sie ihm makellos, als wäre er bei einem Goldschmied in die Lehre gegangen.

sFortsetzung folgt.)

Die WeihnachtsVude.

Die Zeit verflog auf der Höhe genau so schnell wie tm Tal und auf den Wald- und Hausiererwegen. Gleich den Halmen unter Sensen und Sicheln sanken die Tage. Dem Frühling folgte der Sommer und entwuchs ihm, wie aus Blatttrieben die Blüte lodert. Die Blüte genoß ihre Zeit, dann kam die Frucht. So schwand der Sommer und nahte der Herbst.

Als die Früchte geerntet waren, gab es nichts mehr zu tun in den Feldern. Man konnte mit den Erträgnissen zufrieden sein, und man war es. Wie die Stauden am Wald war Juppi um ein Stück in die Höhe geschossen, doch immer noch nicht so viel, daß er den Gabelstiel tm Stall bequemer handhaben konnte oder dem Knecht Flunk bis an die Schulter reichte. Zwar hatte er sich, wie der Volksglaube riet, schon wiederholt in den Regen gestellt, wenn er bei Sonnenschein fiel, aber davon war er auch nicht merklich geioachsen. Und groß werden wollte er möglichst schnell die Großen brauchen sich nicht alles gefallen zu lassen.

Im November fand sich die Gret aus dem Hof ein, mit einem Schreiben des Vormunds, und darin stand, daß Juppi den Winter

trug doch den schönen, neuen Anzug für die Försterin und hätte wieder einmal von Herzen gern an ihrem Tisch auf den gold­benagelten Stühlen gesessen und Kaffee getrunken. Jetzt eben spürte er großen Hunger. Er zog ein Brot aus der Tasche und atz seine Enttäuschung hinunter.

Am Abend hielten sie in einem abgelegenen Wirtshaus, wo die Gret ihren Korb auf die Seite stellte und Nachtquartier für sich und Juppi forderte.

Sie bezogen eine Bodenstube, darin es nach dürren Zwetschen roch, nach getrockneten Pilzen und Wacholderbeeren. Vor dem Fenster flüsterte der Wald.

Nachdem sie ihren kargen Abendimbiß, Kartoffeln, Sauerkraut und ein Brot mit Käse, verzehrt hatten, setzten sie sich noch eine gute Viertelstunde vor die Tür, weil der Abend so ruhig und prächtig war. Neber die Straße schnürte ein Fuchs, gleich einem rostroten Feuer wischte er aus dem Wald. Nah schrie ein Kauz. Alle Düste kamen daher und umschmeichelten sie.

Am Himmel rollten die Sterne. Die Wipfel badeten in den silbernen Nachtflüssen. Die Gret schaute empor, und Juppi schaute empor.

Wenn man wüßte, rote es da oben von oben aussieht!" sagte die Freundin. Sie deutete in die Höhe, tvo das große, nebelweiße Band sich durch die Dunkelheit schwang.

Juppis Blicke irrten in dem Ungeheuern Sternengarten.

Die Milchstraße ..." sagte sie sinnend.

Ein Milchbrunnen, gelt?" meinte Juppi und dachte an die Mtlchrinne am Lusenberg.

Das sind lauter Sternentropfen. Sie fließen seit Adam und Eva über die Welt und tränken das Licht, rote die Bache die Wiesen und alle Blumen. Wenn die Milchstraße einmal versiegt, roird's ewig dunkel, die Sonne erlischt, so steht es in der Bibel ..."

Kindlich ehrfurchtsvoller Schauer rührte an Juppis ^er*. Wenn es nur fließt, solang ich lebe, hoffte er.

Mein Vater hat alle Sterne mit Namen gekannt", sagte sie, an ihre entlegene Jugend denkend.Sterne und Bäume waren ihm das liebste ..."

Vor Juppis ittnerm Auge erschien ein Mann, der hielt eine tausendjährige Eiche umschlungen, und über ihm kreisten die Sterne in Strahlenrinaen. Da befiel ihn ein Nachklang aus Kirchenpredigten, eine bildhafte Ahnung: der Mensch sei ein Stamm, sein Wipfelbaupt rage in den Himmel, da umspielten ihn die Sterne und brächten ihren Weilmachtsglanz in alles, was er oenft und sinnt. Es war fast so schön wie die gemalten Sterne ttt der Kirche.

Grets Finger wanderte weiter über den Himmel.

Der große Wagen ..." sagte sie.

Sie wies ihm die Räder und die Deichsel.

_ gDer fährt nun seine Millionen Jahre dahin ... Durch die Ewigkeit ..Juppi bestaunte das Sternenbild. Schon oft hatte er Cv gesenn. cs war ihm vertraut. Zum erstenmal aber hörte er heute, daß es ein Sternenwagen war.

Die Gret nannte noch ein paar andere Sterne und Sternen- gruppen. Jtivpi bebielt die Namen nicht. Seine Augen hingen an dem hlmmlckchen Wagen, der über die Wipfel in seiner grenzen- l'in'chwebte. Unsichtbare Pferde zogen die'Kutsche, unsichtbare Fahrer saßen dann.

Beranttoertud) Dr. a hyriot. Stud und Derlag: Brühl'sche Universitäts-Duch» und Steindruckerei, 2i. Lange, Gießen.

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