zwei Matrosen unter hohem Fieber erkrankt: an den Pumpen und im Maschinenraum ist man am Zusammenbrechen.
Wird wohl die letzte Nacht gewesen fein; hier ist es in vierundzwanzig Stunden schon zwei volle Stunden hell; zehn Flaschen Rum ausgegeben, denn heute ist ja Sylvester. — Diese Mannschaft kann es nur einmal geben; aber keiner wird an sie denken; —
31. Dezember mittags. — Wieder dunkel geworden; das ist wohl der Höhepunkt des Sturmes; schlimmer kann es mit uns nicht kommen; die meisten von uns phantasieren; und immer noch zwei Tage bis Honingsvaag, wenn es so weitergeht. Kessel und Maschine voll besetzt; die Leute unten stehen an den noch möglichen Schächten um nach oben zu kommen wenn ... Manchmal sind wir sekundenlang bis zur Brücke unter Wasser.
31. Dezember nachm. sechs Uhr. — Voraus Dampfer in Sicht; das kann Rettung sein; der zweite Maschinist liegt neben dem Koch; vom Dampf verbrüht; gleich werden wir Notsignale geben! Raketen! Hoffentlich sind sie trocken!! Wetter aufklarend, so daß wir gesehen werden können; laufen in sinkendem Zustand. Wenn nicht jetzt Hilfe, — dann nie! — Jetzt sechs Uhr 15 Minuten Notsignale; wir alle haben das Gefühl, gerettet zu werden. —
Lange Pause. Keine Eintragung.
31. Dezember, abends neun Uhr — Zähne z'usammenbeitzen! Warum mutzte das so sein!? Wir feuerten sichtbar rote Notraketen und brannten Magnesiumfackeln ab. Antwort von drüben bestand in Erwiderung unseres Feuers! Sie dachten, wir erlaubten uns bengalisches Sylvesterfeuer! Herrgott!! Nun kommt wieder eine Nacht; die letzte?" t
Großer, unbeschriebener Raum; mitten durch ihn ein Strich; irgendwer schrieb hinein: ENDE! Und doch begann das Journal wieder; sehr kurz, zittrig, kaum erkennbar:
2. Januar, morgens sieben Uhr. — Honingvaag angelaufen; Lotse weigert sich, an Bord zu kommen; gut, dann krebsen rott eben allein durch die Fjorde!
Lotse^boch au Bord; mit ihm ein neues Rettungsboot aufgehievt; rote wir das noch konnten, weitz ich nicht; Neugierige ruder- 4en zu uns heraus; wir sahen es nicht, wir alle schlafen und wachen doch. Nun kommt Tromsö bald; ich mutz auf der Brücke bleiben.
sRatf) 19 Stunden — Tromsö erreicht; Schiff auf Land gesetzt, man nannte uns „Unterseeboot"; an die Reederei telegraphiert; Kranke wurden ins Spital gebracht, und man brachte fast alle hin; neun Mann wurden in einer halben Stunde ohnmächtig, als sie Land gerochen; da war es eben zu Ende; ich verlasse da» Schass, das in Dock geht. Das wäre getan. — Also — doch — lebendig —"
Da endeten die Aufzeichnungen des Steuermanns, der als Kapitän den Fischdampser N-C 228 befehligte. Ganz benommen lag ich auf meiner Bank. Das Wasser dröhnte, die Ma^hrne stampfte, hinter den Schotten schnarchte die Fretwache; noch! ! Denn nun mutzte ich aufspringen und sie wecken, rütteln und schimpfen, und wie ich sie aus den Kojen hatte, ging ich mit dem alten Journal in der Brusttasche an Deck. Das große Eismeergrauen.lag um Kap Kanins drei Blitze. Die Manwchaft lief müde über Deck, irgendwo weiter hinten stand der Steuermann. Er sah nnch kommen. Mir schien, er wurde rot als er mich anlachte, so verlegen wie ich mir wohl nie wieder einen Menschen vorstellen kann. Und dann drehte er sich schnell um und brüllte über Deck: „Htev op! —
Die Winsch fauchte und kollerte, Troffen jagten durch die Rollen auf die Trommel, und das Tiefseenetz mußte bald unter den grauen Dünungen herangleiten.
Geistliches Lied.
Von Paul Fleming.
In allen meinen Taten Laß ich den Höchsten raten, Der alles kann und hat; Er muß zu allen Dingen, Soll's anders wohl gelingen, Selbst geben Rat und Tat.
Es kann mir nichts geschehen, Als was er hat versehen. Und was mir selig ist.
Ich nehm es, rote cr's gibet, Was ihm von mir gelicbet, Das hab ich auch erkiest.
Ihm hab ich mich ergeben. Zu sterben und zu leben, Sobald er mir gebeut: Es fei heut oder morgen, Dafür laß ich ihn sorgen, Er weiß die rechte Zeit.
So sei nun, Seele, deine. Und traue dem alleine, Der dich geschaffen hat! Es gebe, wie es gehe, Dein Vater aus der Höhe Weiß allen Sachen Rat.
Oer Gternenboum.
Roman öo.i Friedrich Schnack.
^Fortsetzung.» tNachdruck verboten.)
„Ihr Leute", sagte sie, „da steht Juppi, vaterlos, mutterlos: ihm zuliebe, in Gottes Namen, laßt mich nicht unverrichteter Sache fvrtgehn!"
Da schauten die Weiber mitfühlend auf den fein gekleideten, verlegen lächelnden Juppi.
„Einen Meter Band hält ich wohl nötig", hieß es ...
„Wie roär's noch mit einem Fensterleder?"
Und so kam zum roeißen Band ein gelbes Wischleder, zu Batist gesellte sich Barchent, vier Meter Kattun sanden sich zu Spitzen, der Handel blühte, Bargeld wurde gezählt, und wo es sich als vorteilhaft erwies: ein Kredit eingeräumt.
Die Gret hatte tausend Worte für die Leute und noch ein paar mehr für ihr Geschäft.
„Vorbei ist die faule Zett!" meinte sie. Es war ihr Leitsatz. Sie trug den Waldbewohnern, die kaum eine Zeitung sahn, Neuigkeiten in die muffigen Häuser. Was war in der Welk draußen alles los und was hatte sich da den Winter über ereignet. Du meine Güte! Wenn sie bas alles wüßten. Geschickt ließ sie einen Zipfel ihrer Nachrichten fahren und gab ihnen einen Zipfel Seinen und Blusenstoff mit: die Leute zogen an beiden Enden, und ehe sie sich versöhn, gehörten die Neuigkeiten ihnen und dazu die Reste.
„Die Reisenden müssen immer einen guten Wttz für die Manner und eine Unterhaltung für die neugierigen Weiber auf Lager haben", belehrte sie ihren Mitwanderer, „sonst können sie sich die Beine in den Leib stehn bei den Waldmenschen. Immer das Herz auf dem rechten Fleck und den Mund mitten im Gesicht, Juppi!' Sie lachte. , r
Auch Juppi war gut gelaunt. In seinem Herzen glanzte lauterer Sonntag: mit seinem neuen Anzug war er auf dem Weg zur Spenderin.
„Erzähl von Weihnachten", forderte ihn die Hemden-Gret auf. Oh jeh! Ein Schatten zog über seine Sonntagsstimmung. „Schläfst du noch im Stall?" .
Nein, er schläft im Heuboden, im Heu ... berichtete er zögernd. „Ach, du mein Gott", schalt sie. „Auf dem Heuboden, sagst du — und solch einem Bauernweib schenk ich ein Hemd mit Hohl- saum. Die sollte lieber einen Kartoffelsack anziehen. Hast gefroren, Hofschafferl?"
Er hat eine warme Decke gehabt. Wenn sie nur von anderem reden wollte. Der Winter ist vorbei, schon lang vorbei. Die Unterhaltung sagt ihm nicht recht zu: er denkt an den Milchraub, wofür er so arg bestraft wurde. . .,
Sie knurrte in einem fort. Im nächsten Winter wird sie ihn aber nicht droben lassen bei den groben Bergbauern. Bel ihr mutz er nicht auf dem kalten Heuboden schlafen, er, ein so junges, äaI®r fragte^ sie dies und das. Schlau lenkte er sie ab von ihrem Zorn. Plötzlich, als sie nun auf die freie Landstraße hinaustraten, wo die sandigen Felder anbrandeten und die Straße begleiteten, blieb Juppi mit einem Ruck stehn. Seine Augen starrten auf ein kleines Kriechtier, das sich rasch vorüberbewegte. Etn dunkles, häßlich aussehendes Insekt. , . , .. ™ ,
„Geh zu, entsetz dich nicht vor einer Werre!" rief die Gret. „Kennst du die Maulwurfsgrille nicht?"
Nein, so ein Tier hatte er noch nicht gesehn. Die kamen auf dem Oedhang nicht vor. Er schüttelte fidj.
Die Grille war weg. Doch, als er aufblickte, wie sonderbar sah die Gegend nun auf einmal aus; rote in einem fremden Lande fühlte er sich, wo unbekannte Tiere herumkrochen. Stark beunruhigt hatte ihn das Erlebnis. Eine ganze Weile trug er es Beim Weitergehn mit sich, ehe er die Frage tat, warum es so scheußliche
So''hab ich auch mal meinen Vater gefragt, als ich so jung war wie du", antwortete die Gret. „Ich weiß es nicht, hat er gesagt, nur Gott kann das wissen. Und er hat noch gesagt: er denke sich, Gott habe dem scheußlichen Ungeziefer erlaubt, da zu sem weil er auch den schlechten und bösen Menschen das Leben gestattet hat. Solang es teuflisches Menschengeziefer gibt, hat er gesagt, muß auch häßliches Tiergeschmeiß herumkrauchen. Die beiden halten sich eben die Waage. So hat er gesagt. Ich habe oft darüber nachgedacht. Wer kann ahnen, Juppi, tn was für Gestalten die schlimmen Gedanken auftreten, wenn sie erst einmal ausgebrütet f,n©o und ähnlich spann die Hemden-Gret ihren Gesprächsfaden, und sie kamen bis an einen steilen Berg, ehe da» Garn abriß^ Kier aina der Gret die Redeluft aus: man mußte steigen, und es war gutz daß sie einen Prüael fand, auf den sie sich stützen konnte. Sie schleppte eine tüchtige Warenlast, der Weg mußte sich lohnen. Die Tritte klirrten auf dem Schotter und Geröll. Doch Juppi wippte leichtfüßig mit seinen dünnen Ziegenbeinen.
Die einsamsten Waldhäuser und Forstdiensthütten waren der Gret bekannt. Sie wußte, wo eine junge Frau in der Wilüni» wohnte. Allerorts kam ihr Wäschekorb zurecht: die eine hatte zerrissene Bettlaken und brauchte einen Leinenstreifen zum Aus- bessern des Schadens, die andere erwartete em Kind und wollte
B* »S«. »« Mer "SK&’Ä««»»», Mi»-w M'stjauche. aus dem andern rabmige Milch. In der Hohle tief tm


