Jahrgang MH
Nummer 99
Zreitag, den 21. Dezember
Was
den Bäumen hin und her seine rote Mütze einstecken, einem Paketchen unter dem
Verkäufer Feuer geben und sagt er laut, „der Tisch ist
bcrn. Eine Weile bleibt Josef zu.
„Hören Sie", sagt er
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Tasche, sie reichen für nichts Rechtes, aber sich Zigaretten zu kaufen. Er läßt sich oom legt sein Paket auf den Laden. „Bitte", doch wohl sauber?"
zerstreut, „Sie müssen mir noch etwas besor- man wird Ihnen ein Paket dafür ausfolgen.
viertel sind arm, sie schreiben keine zärtlichen Briefchen und schenken ünander nichts. Äm schlimmsten aber ist, daß Josef gar nicht für seinen Beruf taugt, weil er so häßlich ist. Die Mägde kreischen auf, wenn sie die Türe öffnen und die Fratze seines Gesichtes rote einen Spuk aus dem Dunkel kommen sehen.
Josef steht immer auf diesem Platz, seine fadenscheinige Gestalt gehört schon zum Ganzen des abseitigen Winkels der großen Stabt, und
einem von diesen Menschen in den Weg zu treten, einfach hinzugehen und zu sagen: „Geben Sie mir das Paket, Herr, dieses Schaukelpferdchen, ich will es für Sie tragenl Es kostet nichts, — es ist heiliger Abend..."
Das Rauchen tut ihm nicht gut, er ist wie berauscht und schwach in den Knien. Joses sucht nach einer Bank und findet nur eine, auf der schon jemand sitzt, ein dunkles unkenntliches Wesen. Von der Brücke her fällt ein wenig Licht auf diesen Platz. Josef entdeckt, daß es ein Kind ist. Ja, ein Mädchen hockt da, allein, aufrecht und regungslos im Krampf des Frierens.
Josef beugt sich vor, „Erlauben Sie", sagt er beklommen und legt sein Paket neben sich auf die Bank.
Das Mädchen antwortet nichts. Es hat die Hände vor der Brust unter dem Tuch vergraben und seine Augen sind wie schwarze Wundmale in seinem Gesicht.
Josef schaut sich ratlos um, er fängt an, sich umständlich die Hände zu reiben und mit den Fingern zu knacken, plötzlich überfällt auch ihn wieder die feuchte Kälte, die trostlose Dunkelheit.
„Es ist kalt", sagt er mit heiserer Stimme, „eine gottverdammte Kälte, jawohl. Man versteht das nicht, es muß zu wenig Schnee gefallen fein, daran liegt es vielleicht..."
„Wo foll tch ihn nur suchen?" sagt das Mädchen plötzlich laut. „3a, wo denn nur? Es ist schon so spät, nirgends finde ich ihn, nirgends."
Josef versteht nicht sogleich. „Höre", sagt er, „was redest du da — wen willst du denn suchen?"
„Und ich war doch schon überall. In der Halle war ich und drüben im Keller, aber nein —"
Kleine Weihnachtsgeschichte für Kinder.
Unter dem Christbaum aufzusagen.
Von Hans Thyriot.
Von allen Türmen geht groß Geläut: Ehristkinbchen hat Geburtstag heut... Vor vielen hundert Jahren Drei Könige kamen gefahren. Aus Morgenland gewaltige Herrn, Nach Bethlehem, da stand der Stern lieber einer Herberge ganz gering, Davon ein heller Schein ausging. Die Könige aus fremden Landen Das Christkind in einer Krippe sanden. Sie haben ihm Spielzeug mitgebracht. Das war aus lauter Gold gemacht. Da schnuppern Ochs und Esel fromm, Die Hirten sagen Gottwillkomml Und viele rosige Engelein Wersen herab einen Heiligenschein Auf Maria und Josef und das Kind Von einer silbernen Wolke geschwind Und singen und flöten und blasen Schalmein: Des laßt uns alle fröhlich fein.
Ach so ein Spaß! Josef geht zwischen und raucht, schließlich kann er auch noch bann sieht es aus, als warte er ba, mit Arm. Wenn jemanb vorüberkommt, räuspert er sich nervös, denn?" heißt das, „wo zum Teufel bleibt sie so lange?"
gen. Da ist eine Karte, ....... . . , „
Ein paar Pelzstiefel, sehen Sie, in diesem Geschäft. Ja, schön, und dieses Paket habe er also abzuliefern, Annenstraße, hier und hier. Aber kommen Sie nicht vor acht Uhr", fügte der Fremde hinzu, „— ver-
Das Haus steht allein inmitten einer Baumanlage. Es bleibt noch mehr als eine Stunde Zeit, aber Jofef wartet gern da unter den Bäumen. Die dichten Kronen dämpfen den Wind, hier ist es dunkel und ein wenig wärmer. Jofef findet noch etliche kleine Münzen in der ............. '1 ' plötzlich hat er den Einfall,
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Oie pelzstiefelchen.
Eine Weihnachtsgefchichte von Karl Heinrich Waggerl.
Der Mann, dem diese seltsame Geschichte widerfuhr, hieß Joses Unrein. Es war am Heiligen Abend, kurz nach Einbruch der Dunkelheit.
Jofef ist Dienstmann, er hat den ganzen Tag über auf feinem Platz in der engen Gaffe gestanden, in der bitteren Kälte und m dem grausam stehenden Wind.
Ein junger Mensch kommt in die Gasse, ein Mann in guten Sieter unschlüssig stehen und bann geht er auf
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
standen? Ihre Nummer?"
„Siebenunddreißig, Herr!"
„Ja, gut." Der Mann überlegt noch einen Augenblick, bann schlägt er ben Mantel zusammen unb geht.
Josef betrachtet bie Karte im Licht ber Laterne, es ist noch Zeit, aber er will sich trotzbem gleich auf ben Weg machen. Die breite Straße schäumt über von Menschen, von Licht unb erregtem Lärm. Joses brängt sich an ben Schaufenstern entlang, im Vorbeistretfen drückt er (ein Gesicht in duftende Pelze, — ha, so »in Zufall, so ein Glückstreffer! Er wird ein wenig Geld verdienen, selbstverstänblich, mindestens ein Silberstück an diesem Abend. Oder man wird ihn vielleicht in die Küche bitten, auch bas wäre möglich. Josef stolpert hastig in einen ber Lüben unb weist bie Karte vor.
„Pelzschuhe? Ach ja, warten Sie! Hier, einen Augenblick!"
Während bas Mäbchen bie Schachtel zurechtmacht, nimmt Josef eines ber beioen Stiefelchen in bie Hanb Es ist aus weichem bunkelblauem Leber genäht, aus feinem Innern quillt weißer Pelz wie eine rounber- bare fremdlänbifche Blüte. Du lieber Gott, ist es auszubenken, baß ein sterblicher Mensch in solchen Schuhen geht? Josef nimmt bas Paket in seine Arme unb wickelt auch noch einen Flügel seiner Jacke barüber, ihm ist, als trüge er lebendige Wesen an feiner Brust. „Annenstraße", flüstert er, „es ist gar nicht sehr weit." Im Lorübergehen schaut Joses nach dem Schuhwerk ber Damen, — nichts, bas sinb gewöhnliche Stiesel, nicht einmal immer neu, Schuhe mit Wasserslecken auf bem Leber.
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Josef hat freilich ein gutes Herz, aber bas tann niemanb sehen. Er bemüht sich, sanft unb leise zu sprechen, er zieht auch ben Kopf em und geht auf ben Zehenspitzen, um ben bösen Sinbrurf fe,mes wenig zu milbern. Aber bas macht ihn nur noch furchtbarer, btefes demütige Flüstern unb biefer schleichenbe Gang, es sieht aus, als pkme (r immer irqenb etwas Schlimmes, ein Verbrechen von ausgesuchter Hinterlist. Nein, niemanb mag mit biesem Dienstmann zu ^n haben, die Frauen schlagen ihre Augen vor ihm meber, wenn sie ooruber- gehen, unb alle Hunbe kläffen ihn an.
Abends wäscht er Gläser in einer Bierstube. Er bekommt dafür -ine Schüssel mit warmem Essen und zuweilen staubt ihm der Kellner, unter dem breiten Schanktisch zu schlafen, auf dem Flafchenftroh zwischen Kisten unb Fässern.
Nun es ist Weihnacht, an biesem Abenb gibt es nichts in ber Schenke' zu tun. Niemand setzt sich an so "'nem Abend daß er
«s ist vielleicht überhaupt kein Mensch in der Welt so niebrg, daß er licht irgendwo ein wenig Wärme sande, ein festliches Licht, unb barum weih Joses nicht, wohin er jetzt vor der Kalte und dem Winde stuch ten soll.
Einzelne Leute aeben noch vorüber, die Frauen riechen nach ®a<f- werk'u'nd Me MänÄr tragen unförmige Dinge unter den Manuln Me haben Eile, sie lächeln und bewegen flus ernd die Lippen. Jo|ej «her steht an seinem Platz, er friert und grabt mageren Ringer »och ein wenig tiefer in die Taschen. Er wird freilich . b öem ?atet unter bem Arm nach Hause laufen, benn er h .. ... n& er Pfefferkuchen schenken könnte. Ader vielleicht wäre es mognch, irgend


