Ausgabe 
21.9.1934
 
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wobei die Mehrzahl der Schillschen stel. Wie nach Schill den

Südseewilden wurde dem preußischen MaM 5 abgehackt und

Napoleon einenRäuberhauptmann"nannte der Kopf abgehackt uno dieser der Anatomie der holländischen Unwerft 9 , in '@efanqen= Elf Offiziere und dreihundertsechzig Soldaten fielen tn besangen

Ichaft. ,

Ein treffliches Bild für die Bühne:, hier der geopferte D°lk-h-ld^im Hintergrund der feige S°ud^rnde Komg D ^ehr ^^^^^ung, König dachte nicht anders als Schill doch t g 9 Major, daß j(s nur für ein Husarenregiment Er wume o ll njLt in Stralsund, die Entscheidung über den Erfolg des A ff » . lag. Denn dieser sondern dies ist gar nicht so absurd ' b7tanntc Landstrich, noch damals unter dem TitelDonaufurftentum erunaspolitit. Der Zar der Türkei gehörend, war das Ziel ruscher bünb^t Pein zwar seit Alexander von Rußland war mit Napol Bündnis (denn nur

dem Erfurter Kongreß von 1808 »erbleichendes Bundn.s ^ -einer kann die Welt beherrschen, nicht zwei), aoer

stiegen" undVolkskriegen", und gerade im Hinblick auf das Ringen von 1813 hat man zustärkst einen Gegensatz zwischen Kabinett und Ration zu konstruieren versucht. Aber alle Zeit haben sich gute Kabinette mit ihren Nationen in Uebereinstimmung gesunden, und in den letzten Zielen war sogar die Geheimdiplomatie eines Richelieu der Billi­gung aller Franzosen sicher. Zwischen der preußischen Regierung und icm Volk gingen die Meinungen höchstens Über den Zeitpunkt des Auf- tandes auseinander; der Aufstand selbst war bei beiden beschlossene Zache. Schill ist also nur der Mann, der zu früh gewollt hatte. Ein Jahr Mvor ging Stein wegen ähnlicher Pläne in die Verbannung. Des­halb also war Schills Opfer nicht vergeblich. Vier Jahre später wurde geerntet in seinem Namen.

Aber was ihn und die Seinen in strahlende Helle stellt: es war ein deutscher Zug, den sie unternahmen. Nicht nur der Herzog von Braunschweig und der westfälische Oberst Dörnberg, der 23er« chwörer dicht neben Jeromes Thron, die beide um die nämliche Zeit lufstanden, sondern auch der Preuße Schill wandte sich von Dessau aus um 2 Mai 1809 mit seinem Aufruf an alle Deutschen und mahnte ]utn Kampf. Wir können heute, in einem geeinten Reich lebend, kaum noch die Bedeutung eines solchen Schrittes ermessen. Diese Männer impfanden klar, daß trotz allem der Rheinbund von Napoleons Gnaden ruf tönernen Füßen stand. Es ist zwar ein deutscher Säbel gewesen, !>er später Schill das Leben nahm; dennoch war fein Glaube kein Trug- chluß.

Es war nur die Zeit noch nicht erfüllt. *

Am 9. April 1809 warf Oesterreich die Kriegserklärung auf den Tisch. Wiens Heere rückten gegen Bayern. Diejenigen, die der Korse seit über einem Jahrzehnt nur zu oft auf den Schlachtfeldern Italiens besiegt, die 1805 bei Ulm ihre größte Schmach und bei Austerlitz ihre schwerste Nie­derlage erlebt, sie nahmen noch einmal den Kampf auf. Auch Metter- aich, damals Botschafter in Paris, ist in diesen Tagen aller Hoff­nungen voll. _ ....

tfnter den furchtbaren Schlägen, die bald an der Donau erdröhnen, wird ein abseitiges Ereignis kaum beachtet: am 28 April rückte der Chef eines in Berlin stehenden Husarenregiments mit seinen Schwadronen durch das Hallesche Tor zur Hebung aus, aber diesmal gibt es keine Rückkehr, sondern auf dem Wege nach Potsdam teilt er feinen Soldaten mit, daß der große Zug begänne.

Schill war neben ©neifenau und Nettelbeck die Säule des Widerstandes von Solberg gewesen. Nach dem Kriege von 1806 ernannte ihn der König zum Major und zum Ches eines Husarenregiments, das als erstes nach dem Abrücken der Franzosen in Berlin einziehen durfte. Der Denker ©neifenau trat wieder ins Dunkel, schuf im Schoß der ,Heeresreorganisationskommifsion" jenes gewaltige Werk, das noch auf den Feldern von Verdun und in Flandern die Erde erbeben machte. Ader der Frontoffizier und Husar war der Liebling des Volkes; man rauchteSchill-Kanaster" und kriegsmäßig-schlecht gebackeneSchill- Torte" in den Berliner Cafes. Preußen war in einem Frieden mit Frankreich, wie ein um feine beste Hälfte verstümmelter Staat, dessen Grenze nunmehr die Elbe, mit dem herrischen Sieger m Frieden leben kann Aber es war doch eben vertragsmäßig und völkerrechtlich em Frieden. Mehr noch: Preußen war sogar verpflichtet demhohen Ver­bündeten" in diesem Kriege gegen Oesterreich em Hllfskorps zu stellen. Daß Napoleon dieses Korps nicht mehr anzufordern wagte ag an der Haßstimmung, die in diesem Frühjahr 1809 durch tue preußischen Lande tobte. Und von dieser Stimmung wurde Schill getragen.

Heber Wittenberg rückt er nach Halle entwaffnet dw dort stehende Befatzung des Königsreichs Westfalen und wirft am 5. Mai bei Dode darf im Kreise Wanzleben Truppen zurück d,e Jerome 'hm entgegen­schickt. Aber dann naht die Nacht: Oesterreich wird an der Donau zurück^ geworfen, die Stirnnkung in Deutschland sinkt, und vor allem der Kon g wendet sich gegen Schillsunglaubliche Tat . Der erhoffte Zuzug aus den Rhe.'nbundlanden bleibt aus, die Verstärkungen sind spärlich. Iw Gefecht bei Doingarten am 24. Mai bahnen sich die Sch llfchen den Weg nach Stralsund, um aus ihm ein zweites Saragossa zu machen. Di s spanische Festung war wenige Monate zuvor ein Fanal des fjeloen- wutes gewesen; die stürmenden Franzosen fanden die Besatzung unter bene^1ammanbebres9r5Staüfenb Holländer und Dänen unter dem fran­zösischen General Gratien rückten heran. Die BezeichnungenHolländer undDänen" sind (leider) nicht wörtlich 3? nehmen- Eures der dan sch & Landwehrbataillone, wohl zumeist aus Schlesw g--f)f b Baler wurde von dem Major Friedrich v° n Mo «t ko geführt, ^m^Uater unseres großen Generalfeldmarschalls und erra g Bahnen des

Stralsund solchen Ruhm, daß der dänische König .hm die Fahnen

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hielt es noch. Denn Rußland wünschte Rumänien und Finnland, die es vorerst nur an der Seite Napoleons erwerben konnte. Deshalb rückte, wenn auch mit möglichster Schonung, ein russisches Korps in das öster­reichische Galizien ein. So verhallten die Ruse des Königs von Preußen an den Zaren ungehört; Friedrich Wilhelm III. bat um die bestimmte Zusage, daß Rußland ihn unterstütze und auch nicht angreifen werde, wenn er sich mit Österreich verbinde. Der letzte Brief stammt vom 12. Mai 1809. Diese Zusage mußte Preußen haben. Der in Tilsit ver­stümmelte preußische Staat war allein zu schwach, um den Kampf ohne Rückendeckung aufzunehmen. Der Zar aber trieb nur russische Politik und sagte ab. Die preußische Armee, heimlich in Kriegsbereitschaft, murrte, Blücher, der feine Truppen in einem Lager in Pommern zusammengezogen, wütete, es half nichts. Nach dem Hoffnungstage von Afpern, wo Erzherzog Karl am 21./22. Mai zum ersten Male Na­poleon zurückwars, folgte am 5. Juli die Niederlage von Wagram. Es war alles vorüber. Hätte Preußen das Schwert gezogen, wäre es jetzt durch den Korsen von der Landkarte gestrichen worden.

Der König hat zwei große Augenblicke versäumt: 1805 und 1812; aber 1809 hat er recht gehandelt und den Staat gerettet. Das erst macht Schills Tod zur großen Tragik. Denn für den Patrioten schien dieser Augenblick der günstigste, während jener, diesmal gottlob mittel­mäßige auf dem Thron die Fallschlingen der Situation erkannte.

So marfdjieren die Elf im Morgengrauen des 16. September aus dem Festungstor von Wefel. Das französische Kriegsgericht hat auf Tod" erkannt und völkerrechtlich ist nichts dagegen zu sagen. Aber was kümmerte diese Els das papierne Bölkerrecht, was wußten sie von den Donaufürstentümern? Ihr Herz brannte für das Vaterland, und ihr Blut schrie Ausstand. Sie haben recht, werden nach ihrem Sterben noch doppelt recht bekommen, wenn vier Jahre später ihre Kameraden auf Leipzig zumarschieren zur großen Entscheidung.

Die Soldaten schmachten aus den französischen Galeeren, und diese Elf gehen zum Tod. Der Jüngste von ihnen ist siebzehn Jahre alt. Der Hauptmann unter ihnen hatte gebeten, ihn mit dem Knaben zusammen- zubinden, damit er nicht zittere auf dem letzten Gang. Denn sie sind, je zwei und zwei, aneinanbergefeffelt wie Verbrecher.

Die Nacht zuvor haben sie Briefe geschrieben an ihre Familien und bann mit eisernem Willen Schach gespielt. Unb gesungen.

Der französische Kommanbant wartet immer noch auf einen Befehl aus Paris, ber bie Erschießung aushebt, bie Begnabigung bringt. Auch bie französischen Solbaten sinb nicht sehr vergnügt, aber bie Zeit ver­streicht unb' schließlich stehen sie am alten Exerzierplatz in langer Linie. Die Franzosen legen an. Der Leutnant Flemming wirft bte Husaren­mütze in bie Luft:Es lebe ber König! Preußen hoch!" Dann pfeift bas Blut, unb Zehn liegen am Boben. Einer steht noch, W e b e l l heißt er, Blut im Gesicht. Er schreit:Zielt ihr nicht besser, ©renabiere? Hier sitzt bas beutsche Herz! Feuer!" Unb bann liegt auch er

Durch ben Nebel klingen angstvoll bie Glocken der Willibrobi-Kirche.

Das Volk wacht auf.

Roman von Walter von Molo

IFortietzung.l

Ungläubig hebt ber Schuhmachermeister Dieckebusch ben Kops. Kein Zweifel. Es ist preußische Militärmusik, bie ba ins Stäbtchen zieht! Sorgenvoll schiebt sich Dieckebusch bie Brille auf bie Stirn, er krault sich das Haar. Fürsorglich nimmt er die Glaskugel vom Fensterbrett. Wie verrückt rennen droben vor dem Kellerfenster die Leute.

, Mann!" In der ausgerissenen Türe ringt bie junge Schuhmacher- tneifterin um Luft.Es ist wahr! Die Preußen sinb ba! Du!' Schluch- senb stürzt sie ihrem Mann um ben Hals, außer sich wühlt sie den runden blonden Kopf an seine Brust.Wir werden wieder preußisch Du!"Weib? ... Weib? Nimm Vernunft an!"Sie haben drei französische Regimenter niedergemacht! Sie haben Kanonen unb Fahnen! Ein Kammerherr von Dessau ist auch schon dabei! Deutschland erhebt sich Unb so stramm sinb bie Kerls!" Sie zerrt seine Hanb auf ihre hochatmende Brust.Hör' doch! Sie spielen den Hohenfriedberger Marsch!

Sei vernünftig! Marie! Komm, efchauffier' dich nicht; es steht nicht dafür. Den Napoleon schlägt keiner."

Sie haben ihn aber doch schon geschlagen!?

Marie! Sei vernünftig! Vergiß nicht: wir leben von ben Franzosen!

Willst bu ins Spinnhaus kommen?" ... ,

Sie reiht sich los. Sie stehen getrennt; feinbselig mißt bie junge Frau ihren alten Mann.Schlappschwanz!" schreit sie. Elenber Schlapp­schwanz!" Sie reißt sich bie Schürze ab.Ich geh mit! Hoch! schreit sie. Hoch! Hoch!" Sie stürzt bie Kellertreppe empor. Mit flatternben Rocken rennt sie am Kellerfenster vorbei, sie verschwindet.

Lauter, martialischer gellen bie Pfeifen, Rumplumplum pumpern bie Trommeln. Aufgeregte Fingerknöchel schlagen ans Fenster; em herab- gebeuqtes heißes Gesicht lugt tn bie Werkstatt.Dieckebusch! Der Major von Schill ist ba! Der Helb von Solberg! Er läßt Proklamationen an- fdilaaen' Wir werben wieber preußisch! Komm!" Pantinen klappern. Ueberall ist Schreien unb Laufen unb Rufen. Dieckebusch stolpert empor, er wirb untergefaßt unb vorwärts gezogen, gestoßen und gedrängt, er muß im Jubelgeschrei mitlaufen. Vor dem Posthaus steht Sopf an Kopf. Auf den Schultern zweier Männer sitzt der Schnnedegehllfe Schlagtot. Er schreit die Worte der Proklamation in die Menge:Bewaffnet euch! Sensen und Piken sollen einstweilen die Gewehre vertreten!...

"sgalb w^d^ ihr eroberte Waffen gegen ben Erbseinb kehren! ...

'.Jawohl! Hoch! Hoch Schill!"

Pereat Napoleon!"

^Der6heilige Zorn eines einigen Deutschlanbs zertrümmere bas Kunst- aebi'ibe ber fremben Eroberungsgier! Kein beutsches Mädchen achte ben, i ber sich feige unserer Aufforderung entzieht!"Hoch!' schreit eine