Ausgabe 
20.8.1934
 
Einzelbild herunterladen

Nummer 64

Montag, den 2V. August

rgang 1954

ijje Zi«

I

lag

igle Vs

gilt1*

und und und

Und Ein

Die Wir wir Wie

tarnt g n beintt

'PPS «, leie bti Shtbitf mg. Uni ' Bibb>

ein H 'S - fit Xodjter. ctennenb

mi*!'! angel«" aus W iütr * m mn*

chebich", panbautt t b#!' fang, ««

Ländliche Einladung.

Von Hans Leip.

große Stadt, du hast sie satt, sagst du? denken uns die Stadt sehr amüsant;

kennen sie nur flüchtig, geb ich zu.

dem auch sein mag: Komm zu uns auss Landl

Mdi»»: le langt 11 in bt:H überall ,

flut

-J

not 1

Als du noch klein warst, warst du manchmal hier spieltest mit den Enten und dem Schaf sahst ein Reh im nahen Forstrevier, Mamsell Else sang dich oft in Schlaf.

ijnel in litt. 3d) inbel»,

tergudra, t Sick, mute, tt idjen, lii tnn @01

Deulfr Touchtt M* tit halt,

mal lii im liek baut an, fragt!

isftetlini illen...

einmal fielst du in den kleinen Teich. Glück, daß es die beiden Knechte sahn! Und Stall und Stuben, unser kleines Reich, es ist wie sonst. Ich hol dich von der Bahn.

t: Leb» unb l'1' jmnW

(5 IjäiH" en, w* 16 « "

'Ubf^j

Rhch Riffen, °gte!t

65 mil

iehenerZamisienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Sobald Friedrich Sandberg fertig angezogen war, wurde ihm be­fohlen, zu Mamsell Broström zu gehen ..

Und als er die Bodenkammer, wo Mamsell Brostrom wohnte, er- stiegen hatte, stand sie eben vor dem Ofen und buk Hippen. Sie war gerade nicht besonders sorgfältig angezogen. Im Mieder und Unterrock stand sie vor dem Ofen, und der kleine Schuljunge meinte, er habe noch niemals solche Arme und Beine, solche Hande und Füße und einen Körper von solchem Umfange gesehen

Mein Name ist Friedrich Sandberg", begann er,und ich soll untertäntgst fragen, ob ich wohl Mamsell Broström zum Jahrmarkts­ball einladen dürfte?"

Mamsell Broström gehörte nicht gerade zu der guten Gesellschaft und hatte wahrscheinlich nicht die Absicht gehabt, aus den Jahrmarkts­ball zu gehen. Ms sie nun aber von einem so flotten Kavalier ein- geladen wurde, dachte sie keinen Augenblick daran, nein ZU sagen, son- bern sie verneigte sich vor Friedrich Sandberg und sagte, sie sei über- aus dankbar und sühle sich sehr geehrt, sie werde sich mit dem größten Vergnügen einfinden. , , .

Friedrich Sandberg war über den freundlichen Empfang sehr er­freut denn es hätte ebensogut auch anders gehen können; sobald es anging, verabschiedete er sich und tief eilends zu den Gymnasiasten und berichtete ihnen, wie alles abgelaufen war.

Acht Tage nachher wurde Friedrich Sandberg abermals zu den Gymnasiasten befohlen. Wieder wurden ihm ein Herrenhemd mit ge­stärkter Hemdenbrust, Kragen und Busenstreis, Halsbinde, seidene Weste, graue Beinkleider mit Sprungriemen, ein blauer Frack mit glanzenden Knöpfen und Lackschuhe angetan. Die Haare wurden ihm geträufelt und toupiert, Handschuhe und Spazierstock in seine Hand gegeben und ihm obendrein ein hoher Zylinderhut mit geschweiftem Rand aufgesetzt. Nachdem er ganz fertig angezogen war, wurde er noch einmal zu Mamsell Broström geschickt.

Als er diesmal in die Bodenkammer trat, stand Mamsell Broström vor dem Spiegel und probierte ein rotes Tüllkleid an. Das Kleid ließ Hals und Arme frei. Und Manifest Broström drehte und wendete sich ungeduldig vor dem Spiegel hin und her und schien entsetzlich schlechter 2aU5riebrict)IT6anbberg betrachtete bie bieten Arme, die da aus dem roten Tüll herausquollen, sowie die unter dem turzen Gewände sicht­baren dicken Beine. Er betrachtete diese mächtige Person, die zweimal so groß und zweimal so breit und zweimal so dick war als er Sem Blick richtete sich auf bie groben Wangen, bie tupferrot geworben waren, weil Mamsell Broström beftänbig vor bem Ofen stanb unb Hippen buk. Er betrachtete auch bas üppige, bas Gesicht struppig umgebenbe schwarze Siaar er begegnete bem scharfen Blick ber rotunterlaufenen Augen, er härte bie grottenbe Stimme, und da detam er Angst. Am liebsten wäre er banongelaufen; aber er war von den Gymnasiasten ausge­schickt und wußte, was diese sagen würden, wenn er der Obrigteit un- 0Ct,©oaiDerbeugte er sich denn vor Mamsell Broström und sagte:

Ich möchte untertänigft fragen, ob ich am Jahrmarttsball Mamsell Broström um den ersten Walzer bitten darf?" .

Mamsell Broström war gerade an diesem Morgen recht bedenklich gewesen: sie hatte bereut, ihr Jawort gegeben zu haben und sich ge­fragt ob sie hüigehen solle ober nicht. Möglicherweise hatte sie sich auch ben ganzen Ball aus bem Sinne geschlagen, wenn letzt nicht Friedrich Sanbberg erschienen wäre unb sie um ben ersten Walzer gebeten Hane.

Nun aber, wo sie eines Kavaliers sicher sein konnte, würbe sie rasch wieber guter Saune, unb sie antwortete Friebrich Sanbberg sie fühle sich geehrt unb geschmeichelt unb werbe mit bem größten Vergnügen m't2lnmbem?e[ben Tage war ber Jahrmarktsball, unb Mamsell Broström begab sich mitten unter bie Bewohner von Karlstabt unb bie Jahr- marktsreisenben. Sie ging bnrch ben Damensalon unb trat in ben Ballsaal. Da ließ sie sich auf einer ber kleinen gepolsterten Banke nieder, die die Wände entlang liefen.

Mamsell Broström trug ein Kleid aus rotem Tust; bas war für sie bas schönste, was es gab, unb sie war höchst befriedigt von sich selbst. Die Leute starrten sie zwar an, das sah sie wohl, aber sie kümmerte sich nicht darum: da sie nun einmal eingelaben war, hatte sie ebensogut das Recht, hier auf bem Jahrmarktsball zu tanzen wie alle bie anberm Sie sah baß bie andern Damen Bekannte hatten, mit denen sie sich unterhielten: aber auch das machte ihr nichts aus denn sobald die Musik zum Tanze anstimmte, würde man schon sehen, daß sie einen Kavalier hatte, und Zwar einen ebenso feinen, wie irgendeine von den °"^lls bi^Regimentskapelle zum ersten Tanz auffpielte sah sie, wie bie Buchhalter vom Hüttenwerk bie Töchter ber Huttenbesitzer, bie Offi­ziere bie Offiziersdamen und die Labengehilfen bie Kaufmannsmabchen

Wir haben keinen Benz noch Brennabor, wir haben nur ein einziges PS, unb bas ist unser Pony Theobor. Und Mamsell Else deckt den Tisch indes.

So hoppeln wir gemächlich über Feld und biegen in bie Pappelauffahrt ein. Nein, Marktviehpreis unb Hypothekengeld, das soll dabei nicht der Gesprächsstoff sein.

Familie, Landschaft unb die gute Luft da wird sich Stadt und Land alsbald verstehn. Ein bißchen Bauernschnack und Tennenduft; wir sind nicht ganz verrostet, wirst du sehn.

Doch manches, was uns selbstverständlich ward, wird uns durch deine Ankunst wieder neu.

Du staunst den Mond an, nennst die Blumen zart, der Teich wird silbern, süßer riecht das Heu.

Die Giebelkammer, wo du Ruhe hast, ist zwar für Stabtbegriffe schmal gebaut Doch sieh ben BlickI Komm, unser @aftl Unb beine Mutter wohnte bork als Braut.

Mamsell Broström.

^ Ms^Friebrich Sanbberg vor ben Gymnasiasten erschien, würbe ihm mi Hernb mit steifgestärktem Kragen "»b Busenkrause angezogen 10^ «re großgeblümte feibene Weste, graue Beinkleiber mit Sprungnem , in blauer Rock mit glänzenben Knöpfen ""d feine Lack chuhe^ Dann e rben ihm bie Haare geträufelt unb toupiert !^bfä^6. IM in feine Hand gedrückt unb zu guter Letz ein hoher Zysinberhut E gefchwungenem Ranb auf seinen Kops gesetzt. Ware Friedrich S irg nur nicht gar fo klein gewesen, daß die ^ofen Salten schlugen du Rockschöße fast auf dem Boden schleiften und ihm der Hut bis fer bie Ohren herunterging, bann hatte er einen f f - Qn= orgeftellt, wie nur je einer auf ben Straßen ber otabt b I) 3 tert war.

Von Selma Lagerlös.

war nicht in unserer Zeit, als bas Nachfolgenbe geschah. Es _ Nit zurück, bis in bie dreißiger Jahre bes "clJn3el)"ten *Wt'tsg Ai Gymnasiasten in Karlstabt hatten sich im ^fang des Herbstfemesters ^gewöhnlich ruhig verhalten. Sie hatten weber 6«lagereien mtt ben Njenjungen vorgehabt noch irgenbemen andern Unfug getrieben. D taiue Stabt verwunberte sich baruber unb war froh unb dankbar, jltid) man immerhin eine gewisse Leere empfand.

Als aber ber Herbstjahrmarkt herannahte, wo Leute aus ganz tcrmlanb in ber Kdeisstabi erwartet würben ^h"°"d'e Gymnasiasten, d«; es jetzt an ber Zeit fei, ihr Ansehen aufrechtzuerhalten. Jetzt Han leite es sich ja nicht allein um Karlstabt, (onbern um die ganze Pro- mz. Nach gründlicher Ueberlegung, und nachdem ^rfchiedenft ßrschläge gemacht und verworfen worden waren wurde em Sch Inge namens Friedrich Sanbberg zu ben Gymnasiasten befohlen.

Natürlich folgte er bem Rufe, benn zu jener Zeit Hatte wan e leinem Schuljungen raten können, sich gegen bie ^/"nafiaften auf- Mhnen. Diese waren bie Obrigkeit unb es wäre dem »ich gut ge fangen, ber versucht hätte, einem Befehl von ber Seite nicht »ach