Ausgabe 
20.7.1934
 
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Die Leute gaben uns soviel Milch als wir haben wollten. Daß 'üervon genügend Gebrauch gemacht wurde, ist selbstverständlich. Als Ich von ihnen fortzog, gab ich dem Dorfältesten als Entgelt für seine Gastfreiheit einige Silberrupien, die er mit Dank annahm. Der Rück- 'irarsch ging langsam vor, weil viele Träger krank waren und getragen c erben mußten. Unterwegs schlug ein Askari eine große Speischlange bt, die im Schatten eines Afsenbrotbaumes der Ruhe sröhnte.

Nach fast vier Wochen kamen wir glücklich in Derema an, wo wir iereits als vermißt galten. Ich selbst blieb noch drei Tage hier, um tonn nach Tabora abzureisen, wo ich zum Stab des Generals Wahle bmmandiert war.

i.'hmungen erzählten, daß ihre Stammesbrüder ins englische Gebiet i-zogen seien, um sich dort mit den Massai der englischen Kolonie zu ureinigen. Ein Verfolgen des Feindes hielt ich nach diesen Feststellun- pn, die mir von den zurückkehrenden Patrouillen bestätigt wurden, für ^ecklos. Ich beschloß daher den Rückmarsch anzutreten, zumal auch insere Verpflegung an Zerealien zur Neige ging. Wiederum hatten wir ärchtbar unter Wassermangel zu leiden, der einmal so schlimm war, irß meine Leute die Rinden der Buschsträucher abrissen und kauten, iurch prachtvolle Viehweiden marschierten wir. Wildherden wurden iift überall angetroffen. Man kam sich vor, als ob man durch einen roßen Wild-Park ginge.

Am letzten Marschtage kamen wir zu den Wakwafi, die uns herzlich Ausnahmen. Ich legte hier zwei Ruhetage ein und hatte dadurch Ge- 1 genfjeit, manche Sitten und Gebräuche dieser Menschen kennenzulernen. !ie Männer besorgten nur das Weiden des Viehs; während die Weiber ! e Kühe molken und den Kraal reinigten. Der Kraal war kreisrund lind mit dornigen Astverhauen umgeben. Die Hütten im Kraal waren Mit Hilfe von Kuhexkrementen erbaut. Als Speise diente in der Haupt- che Milch, die aus großen Kürbisflaschen getrunken wurde. Die Milch- Jiaschen wurden mit dem Kuhurin gereinigt und dann über Rauch

hrmonifd) mischte. Steinbach und ich schliefen in dieser Nacht richt, yir hielten Wache bis der Morgen graute und holten dann das Ver- I umte nach.

Der nächste Tag war ein Trauertag. Viele klagten über Durchfall und enige schrien laut über Schmerzen im Leib. Sie hatten in der Nacht i>hen Reis gegessen, der nun aufquoll und fürchterliche Qualen ver- i sachte. Im Laufe des Vormittags starben drei Leute. Gegen Abend tieberuni zwei. Wir haben sie am Bergabhang beerdigt. Die Stimmung hinter den Trägern war hierdurch sehr gedrückt. Sie wurde erst wieder : I; |>jfer, als ich von einem kleinen Jagdausflug zurückkehrte und zwei | slmantilopen mitbrachte.

Bom Longerdes aus sandte ich Patrouillen nach allen Richtungen ab. 1 Herbei wurden zwei feindliche Späher ergriffen, die nach langen Ver-

Tier-Tragödie.

Von C. M. E ck m a i r.

Copyright by I. I. A., Wien.

Der Zoologieprofeffor Peter Würmer durchmaß mit dröhnenden Schritten das Klaffenzimmer, in dem die Schüler mit schlotternden Knien md hängenden Köpfen faßen. Eine dunkle Unmutswolke lagerte auf der Mirn des gefürchteten Ordinarius und die Klaffe wußte, daß ein Donner­wetter unmittelbar bevorftand. Sie kannten alle nur zu gut diese drohen- len Zeichen. . . . n. ... s.

Kein Laut fiel. Nicht einmal der blonde Hemz, der Liebling des 8-rofeffors, getraute sich, wie es sonst seine Art war, laut zu schneuzen.

Irgend etwas Besonderes lag in der Lust und die Schuler srchlten iistinktiv, daß einer von ihnen wieder einmal etwas angeftellt hatte. L ber diesmal war es wohl etwas ganz Besonderes.

Endlich °hörte der erregte Rundgang auf, Professor Peter Würmer idte sich kerzengerade vor die erste Bank und sagte mit umschleierier klimme:

Franz König, stehen Sie aufl" .

In ber letzten Bank fuhr ein bicker Wufchelkopf m die Hohe und stellte sch neben die Bank. Die Augen des Jungen waren furchtsam und fiebrig.

Warum haben Sie gestern in Ihrem Garten nach den Sperlmgen -sschofsen? Leugnen Sie nicht, ich habe es mit meinen eigenen Augen -Zehen. Sie hatten ein Flaubertgewehr und schossen damit nach den Ü-ögetn. Aber Sie waren grausam, Primaner Franz König, denn- i eiten nur nach den Weibchen. Warum? Sie wollen es nicht lagen? ifcer weih es, denn ich sah es an Ihren gräßlich lachenden 21 g , »ar etwas grausam Schadenfrohes, das ich tn Ihren Augen f h, ' n tödlich getroffener Vogel niederfiel ins Gras Sie empfanden eine iöllifche Freude, weil Sie hörten, wie die Männchen, die erschreckge- hohen waren, ängstlich kreischten und schrien. Sie waren sehr g ! - franj König!"

^Schwdgen? S^e, junger Mann, und hören Sie zu, was ich Ihnen imd den anderen jetzt sagen werde." . ..

Gespannt folgten die Blicke der Klasse dem Profefsor ber mit fast andächtigen Schritten zum Schaukasten ging und mit einer ungeme l-irtlidjen Geste ein ausgestopftes SHispaar heraushob em Männchen imb ein Weibchen. Geheimnisvolles Schweigen lag über langen tippen, als der Professor, der an (einen Platz zuruckgekehrt wA, begann.

Vor zwei Jahren war ich auf Sommerfrische m eurem klemen Dors ii Oberösterreich. Die Frau meines Wirtes machte mich da eines Tag aufmertfam, daß die große, graue Hauskatze mit dauernden Saj funkelnden Augen beständig um die Scheune ichl'ch- . . h

. .Sie spürt einen Iltis!' sagte die Frau leichthm, ,ber mir jeben Tag k ier aus ben Hühnerneftern stiehlt... ___ (dnnüpr«

Inzwischen war es Abend geworden. Ich kam eben v fröblick

png nach Hause, als mir meine Wirtin entgegentrat und fast froh ch iugle: ,Sie hat ihn schon!'

Men?' fragte ich überrascht.

,Na, die Katze hat den Iltis schon erwürgt', erwiderte die Frau.

Im Hose sah die Katze und hütete ein schönes, grohes Jltismännchen. Sie lieh mit keinem Blick davon ab und verteidigte pfauchend ihre Beute, als wir uns näherten. Da liehen wir ihr das Tier, das sie ja, wie wir jähen, nicht fressen, sondern nur besitzen wollte, einstweilen und gingen weg...

Gegen Mitternacht erschrak ich plötzlich vom Schlafe, auf. Lang­gezogenes Wehklagen scholl herzzerreißend vom Hofe herauf in meine Kammer. Es klang manchmal wie Kinderweinen und schrie dann auf wie das Klagen eines Menschen, der große Schmerzen leibet. Ich habe einmal eine junge Frau am Grabe ihres Mannes so schreien gehört. Es war ein untröstliches Wimmern unb markerschlltternbes Jammern. Jnbessen waren alle im Hause wach geworben. Wir trafen uns in ber Stube unb rieten hin unb her. Die Frauen begannen zu schluchzen und uns Männer fröstelte. Da bewaffnete ich mich mit meinem Revolver, der Wirt mit einem Prügel und einer grellen Blendlaterne und so fchritten wir in den Hof hinaus.

Plötzlich prallten wir zurück.

Im Lichtkegel der Laterne saß vor dem Kadaver des Iltis ein großes Jltisweibchen und schrie in zuckendem Schmerz. Es saß aufrecht bei der Leiche des Männchens und floh bei unserem Näherkommen nicht. Es starrte nur immer auf den blutigen, kleinen Körper unb stieß gräßliche Schreie aus. Der Wirt wollte mit dem Prügel hinfchlagen, boch ich hielt ihn zurück. Denn in diesem Augenblick geschah etwas Sonderbares, Er­greifendes.

Das Weibchen, das bisher still gesessen hatte, biß sich plötzlich mit kräftigem Ruck in den Unterleib und riß sich eine große Wunde auf, daß die Gedärme nur so herausquollen. Dann fiel es stöhnend vornüber. Wir standen erstarrt. Ich nahm meinen Revolver und schoß einmal in ben Kopf des sterbenden Tieres. Dann lag.es still und friedlich neben feinem toten Männchen. Stumm sahen wir uns an. Hinter uns waren die Frauen leise herangeschlichen und hatten feuchte Augen ...

Ich nahm die beiden toten Tierchen und ließ sie präparieren; hier sind sie..."

Der Professor schwieg. Ein befreites Aufatmen ging durch die Klasse, nur hinten in der letzten Bank hatte der Primaner Franz König seinen Kops auf beide Arme gelegt und heulte...

Kaiarina kann sich nicht entscheiden.

Roman von Viktor von Kohlenegg.

Copyright 1932 by August Scherl G. m. b. H., Verlin.

IFortfetzung.l

Der hielt die Pfeife schräg im Mund unb besah sich bas. .Hör mal!" sprach er bann.

Da staunste?"

Das ist gut, Dag."

Und ob es gut ist! Ein paar Striche siehst du, Diezemann? Gesund, diese ruhige Ueberlegenheit! Das macht heiter und weise, ein» sallsreich und läßt einen alles Menschliche furchtbar komisch finden... Wunderbare Möbel und Interieurs das! Entzückend auch in ber hin- gefpielten Farbtönung, wie? Sieh mal das ba aus Schloß Drottningholm am Mälarfee! Kleiner Tagesausflug... Wichtiger als alle menschlichen Eeblähtheiten!"

Diez überhörte bas. Er hatte selbst hinter Seestoro in einer golb- roarmen Sonnenuntergangsstunde fast ein Gelübde getan einen ab- tlingenben Katarina-Zauber im Anblick ber friedlichen, abendmilden Bees- toroer Sonnenscheibe erlebt, der ihn aus der Höhe kühl-sachlicher Welt­überlegenheit, wie es schien, sacht unb unwiderruflich Herabgeholt hatte.

Ein Urinstinkt, Diez!" fuhr ber gesprächige Dagobert fort.Siehst bu: Das will ausgetragen fein! Dabei ist bie beste Manier ein herz­haftes Zufassen und Jns-Wasser-Springen. Tischler, meinst du? Ein neuer, praktifcher Schinkel..."

Na, warte noch ein bißchen! Aha, hier steht 'Barby,, in eine Truhe geschnitzt, und daneben am Rand, ziemlich ähnlich, trotz der aufgestülpten' Katarina-Nase, Barbys Profil..."

Steht da? Kleiner Scherz... Bin meist in guter Laune, Diez. Lustig, was?" Er streckte gemütlich die langen Beine von sich.Wie geht es Till?"

, Ich sehe sie selten in ber .Vegumag'. Sie steckt roieber viel bei Eugen Brosse, trägt festfrohe feibne Strümpfe, keine eingebeulten Hüte unb Flatterschlipse mehr, zieht sich bezaubernban, spricht lächelnb ... Alles für Brosse!"

So, so, so!" sagte Dago in Barby Picks Tonfall.Werbe sie mir bald mal ansehn und ihr aufs Zähnchen fühlen. Schließlich muß man ein bißchen aufpaffen. Onko ist beschäftigt."

Du trafst ihn draußen, wie?"

Geht in Ordnung. Er ist zur letzten Sammlung und Bußubung in Gastein, wie ich von Lina Klüter hörte. Katarina ist hier. Leidest du noch sehr, mein Süßer? Siehst du ich kann mit klarer Erkenntnis behaup­ten- Ich bin an Katarinas starkem Lebensglanz gescheitert, habe mich an ihm übernommen unb verblutet bildlich gesprochen, Diez. Das Leben hat immer neue und besondere Methoden, einem ein Elektrizitätswerk anzuknipsen. Gesegnet sei--Sagtest du was?"

Da zirpte das Telephon.

Dagobert, der ihm zunächst saß, griff eifrig nach dem Hörer.Aha du bist es, kleine Till? Ja, ich bin ein bißchen zurück. Sprachen eben liebevoll von dir; besonders Diez ist ein boshafter Lümmel. Wo weilest bu Aha, bei Picks!" Dagobert würbe sogleich von einer angenehmen Wärme ergriffen; benn es gab ba unten in Berlin O über dem väter­lichen Schuppen und über der Beizkammer im Hof zwei kleine niedrige, abends sehr hell erleuchtete Buden, riesig gemütlich.Wie geht es Barby? Ist gerade da? Ja? Das ist famos!... Sind Sie es, Barby? Das ist reizend! Wie geht es Ihnen, Barby?"