sichtige Lust. Es sah so aus, als ob sie ein Riese aus Rache in bk Seqenb geschleudert hätte. Eine wohltuende Ruhe und Stille beherrschte die^ ganze Natur. Kein Lüftchen regte sich. In der Nacht hatten wir Vollmond, der alles mit silbernem Schein überflutete. Das Kreuz des Südens flimmerte über uns. Man kam sich vor wie m einem Märchenland.
Ohne Zwischenfall verlief die Nacht. Bor unserem Aufbruch am anderen Morgen wurde ein Träger von einem Skorpion gestochen. Er brüllte vor Schmerzen, blieb aber trotzdem marfchsahig und schleppte sich mit. „ .
Die nun folgenden Tage stellten große Anforderungen an alle, da wir uns nach den Wasserstellen richten mußten, die sehr weit voneinander entfernt lagen. Unterwegs stießen 70 mit Speeren, Schildere Schwertern und Vorderladern bewaffnete Wakwafi zu uns, die mich baten, sich an dem Unternehmen beteiligen zu dürfen. Diesen Wunsch erfüllte ich den Leuten gern, zumal sie als Verpflegung eine kleine Viehherde mitgebracht hatten, von der sie täglich einige Stuck schlachteten. Ein recht buntes Kriegsbild bewegte sich von nun an durch die Massai- stcppe Als Spitze sandte ich unter einem Askar, eine Wakwasiabteüung voraus Links und rechts bildeten Wakwafi die Seitendeckung Der Haupttrupp folgte der Spitze in geringem Abftaiid und hmter diesem marschierten unter Unteroffizier d. L. Steinbach, den ich als guten Kenner der Massai mitgenommen hatte, die Träger mit einer kleinen Nachhut. Lautlos schlängelte sich meine Abteilung durch die Steppe, neugierig beäugt von Tausenden von Stücken Wild, die sich hier infolge der Krieqswirren zusammengefunden hatten. Zebras, Gnus, Schwärztetsenantilopcn, Büffel, Ducker (eine Antilopenart) und Wildschweine wurden überall in größeren Herden und Rudeln angetroffen, die uns manchen Braten lieferten.
Am vierten Marfchtag trat eine derartige Wasferknapphelt em, daß mir gezwungen waren, täglich 12 bis 14 Stunden zu marschieren, um bann an einem pfuhlähnlichen Wafferloch zu lagern. Infolge der ungeheuren Marschleistungen scheuerten sich bie Trager an ben Lasten bte Schultern wunb. Von brennenbem Durst gequält fielen viele unterwegs um unb muhten später ins Lager getragen werben. W.e besessen stürzten sich die, welche die Anstrengungen gut überstanden hatten, auf Das Wasser und tränten bie trübe Brühe tierisch hinunter. Das beste Wasser fanben wir immer bei ben Kraalen ber Massai, die sämtlich nut ihren großen Viehherden nach Norden abgezogen waren.
Ständig kühle mit Tauniederschlägen verbundene Nachte trugen dazu bei, daß sich die ermüdeten Leute bis zum nächsten Tag wieder so erholten, daß der Weitermarsch keine Verzögerung erlitt. Als bie Wasserknappheit immer größer mürbe, mar ich gezwungen, die guten Wakmasi in ihre Heimat zurückzusenben, ba sie mir nicht viel nutzten. Trotz ihrer heroischen Gestalten unb ben äußerst geschmackvollen Ausrüstungen, mären sie alles anbere, wie Helben. Sie hatten vor ben Massai eine berartige Angst, bah sie schon am ganzen Leib zitterten, wenn nur ber Name Massai ausgesprochen würbe.
Die Massai befanben sich etwa brei Tagesmärsche vor uns, wie der Sultan Abdallah nach den Viehspuren und Exkrementen seststellte. Wir hatten bis jetzt noch nicht einen einzigen von ihnen gesehen, obwoh wir hin und wieder auf frifche Fußspuren stießen, tue von feindlichen Spähern stammten. , _
Die größte Anstrengung hatten mir am letzten Tag vor unserem Endziel zu bestehen. Nach vierstündigem Marsch befanden mir uns in einem dichten Busch, in dem mir auf der Suche nach einem Durchgang hin-- und herirrten. Und als mir diesen nicht sanden, mußten mir uns schließlich mit ben Buschmessern ben Weg bahnen. Eine ungeheure Arbeit, bie trotz allseitiger Ermübung geleistet werden mußte. Die Sonne brannte wie Feuer auf uns hernieder. Die Zunge wurde trocken und rauh wie ein Reibeisen. Und trotz Durst und Hunger mußte der Busch niedergeschlagen werden. Es war zum Verzweiseln. Heia, los, keuchten die Leute und schlugen blindlings drein. UeberaU blieben Träger und Diener vor Erschöpfung liegen, wimmerten mit heiserer Stimme nach Wasser und mußten nach unserer Ankunft am Songerbesberg, den wir nach ISftünbigem Marsch gegen 20 Uhr erreichten, ins Lager geschleppt mcrben. Dies bauerte bis 24 Uhr. Von ben Massai war nichts zu sehen. 6i- hatten sich verzogen. Wasser war auch nicht sofort zu finden, obwohl der Sultan Abdallah behauptete, daß ein tiefer Wasferschacht am Abhänge des Berges vorhanden fei. Auf diese Behauptung hin, begab ich mich mit Unteroffizier Steinbach und noch einigen brauchbaren Askan ofort auf die Wafferfuche. In jeder Schlucht wurde nachgefucht. Vergeblich. Kein Wasser und 130 durstige Menschen. Die Erschöpfung wurde immer größer. Aber ruhig ergaben sich meine Leute in ihr Schicksal. Der Europäer wird schon sorgen, sagten sie. Und außerdem ist es Befehl Gottes, ob mir sterben sollen ober nicht.
Gegen 1 Uhr nachts mürbe der Wasserschacht endlich gefunden. Wie eine Zentnerlast fiel es von mir.
Maji, maji, maji, Wasser, Wasser, Wasser, schrien heisere verdorrte Kehlen. War es Wahrheit ober nur ein Traum? War bas Wasser wirklich gefunden? Doch es war Wahrheit. Maji, maji, Wasser, Wasser, rief alles. Wie elektrisierend wirkte biefer Ruf. Mit Mühe wurde die Ordnung aufrecht erhalten. Jeder fühlte jetzt doppelt und dreifach den Durst. Jeder wollte zuerst trinfen. Einer riß dem anderen den gefüllten Eimer vom Munde. Wie wahnsinnig benahmen sich viele. Diesem Zustande wurde durch energische Maßnahmen bald abgeholfen. Mancher Puff wurde ausgeteilt, bis endlich alles geordnet vor sich ging. Das Wasser stand- in dem Schacht so tief, daß 5 Leute in ihn hinabsteigen mußten, um es heraufzureichen. In der Trockenheit fall es nach Abdallahs Angaben so tief stehen, daß 20 Massai nötig sind, um an den Wasserspiegel zu gelangen. Goldsuchende Portugiesin sollen ihn angelegt haben. Sobald der Durst gelöscht war, ließ ich mit Dornen unseren Lagerplatz umgeben und bann legte sich jeber neben seine Last zum Schlafen nieder. Nach Verpflegung frug niemand
Infolge der allzugroßen Erschöpfung stellte ich nur eine kleine Wache aus und dann hörte man weiter nichts mehr, als ein fürchterliches Schnarchen, in das sich in nicht allzuweiter Entfernung Löwengebrull
Auf Patrouille gegen aufständische Massa, in Deutsch Ost-Afrika.
Von Georg Heß (Gießen).
Während des Weltkriegs sollte ich zwei Monate lang den Etappenkommandanten der Etappenstrahe Derema—Kondoa—Jrangi vertreten. Es sollte für mich ein Erholungsurlaub fein. Der erste feit zwetzahriger Kriegsteilnahme. In einem aus Lehm und Stroh erbauten Häuschen hatte8 ich mich gerade in Derema häuslich niedergelassen, als die vor mir liegende Urlaubszeit jählings unterbrochen wurde.
Trr, trrrr, trr. Heftig klingelte das Telephon.
Befehl: „Nach eingetroffenen Nachrichten eingeborener Händler rotten sich bie Massai am tiongerbesberg zusammen, um unsere Magazine zu überfallen und auszuplündern. Sie haben sich sofort m Marsch zu setzen und die Massai auseinander zu treiben."
qu Befehl! Der Posten wurde alarmiert. Von den anwesenden Trägern wählte ich hundert kräftige Wanjamwefileute aus und desttmmte 30 Askari, die mich begleiten sollten. Äxte, Spaten, Buschmesser, Wassereimer, Verpflegung und Munition wurden zu Lasten verpackt. In kaum zwei Stunden stand die Abteilung marschfertig ba unb gegen 14 Uhr 11 “ Mzigo 8juu!^Die Lasten auf! Tutututu riefen bie aus Hörnern der Säbeiantilope hergestellten Blasinstrumente der Trager bie tm Takte mit dicken kurzen Keulen auf die Lasten schlugen und dabei kohlten, als ob es zu einem Freudenfeste gehen sollte. Kwa her«, lebt wohl, riefen uns bie Zurückbleibenben nach unb klatschten in bie Hande
Durch hügeliges und dichtes Buschgelände führte zunächst unser Weg. Die Sonne brannte unerbittlich auf uns hernieder. Der Schweiß lief uns in Strömen von der Stirne. Alle keuchten vor Anstrengung mernand sprach ein Wort. Das Johlen war den Leuten vergangen. Allmählich tarnen wir aus dem Busche heraus in eine lichte Steppe, die einem großen Parke glich. Mühsam ging ber Marsch vor sich. Erst gegen Abenb schlugen wir in ber Nähe eines Dörfchens unser Lager auf. Einige Dorfschönen brachten uns Holz und Wasser. Es wurde abgekocht. Die Stimmung der Träger hob sich. Sie summten ihre eintönigen ßuber viele lachten und scherzten Die Müdigkeit war vergeßen. Um 21 Uhr begab sich alles auf ein Pfeifensignal hin zur Ruhe, nachdem vorerst noch eine Lagerwache eingeteilt worden war.
Die Nacht verlief ruhig. Hin und wieder horte man bas Lachen einiger Hyänen, bie sich in ber Nähe herumtrieben. Aber fonst traten irgenbroeldje Ereignisse nicht ein.
Der nächste Morgen rief uns schon um 4 Uhr aus bem Schlaf. In aller Eile wurde ein kärgliches Frühstück eingenommen und dann wurde der Marsch fortgesetzt. Ein prachtvoller Sternenhimmel stand über uns. ] Nachtvögel lockten im Busch unb Grillen zirpten ohrenbetäubend Gegen 6 Uhr sprang die Sonne über den Horizont und färbte den ganzen Himmel im Osten blutigrot. Ein Bild von überwältigender Schönheit.
Mit ihr kam die Hitze wieder und erschwerte den Vormarsch. Lichter Busch Steppe und angebautes Land wechselten miteinander ab, bis wir gegen Mittag zum Sultan Abdallah tarnen, der nur noch ein Auge hatte und dem die in seinem Sultanat umherziehenden Massai unterstanden.
Die Massai sind ein Nomadenvolk. Sie tarnen nach Werter vor undeutlichen Zeiten in drei mächtigen Heerhaufen, die sich in großen Zeit- räumen folgten, vom weiten Norden, von 2lbe|finien fyer m bie 9Jtci]|ai- fteppe, wo sie für ihre Viehherden vorzügliche Futtergräser vorsanden. Als erster Trupp wanderten die Wandorobo ein. Diese wurden aber durch Viehseuchen und Kriege so sehr geschwächt, daß es dem zweiten Trupp, den Wakwafi, ein leichtes war, sie zu verdrängen. Em Teil der Wandorobo wurde von feinen Bedrängern als Stammesgcnoffen aufgenommen, ein anderer fand Zuflucht bei ben umwohnenben Ackerbauern. Der Rest zog sich in bie Wälber unb Büsche der Steppe zuruck, wo er heute noch durch Jagd ein dürftiges Leben fuhrt. Die Wakwafi teilten bald das Schicksal ber Wanborobo. Rinberpest unb Kriege brachten Armut über sie. Unb zu allem Unglück wanberte gerabe in biefer Zeit der brüte Trupp, bie Majfai, ein. Lange Zeit lebten sie mit diesen in gutem Einvernehmen zusammen. Als sie dann aber eines Tages ben Gehorsam verweigerten unb sich einen eigenen Sultan wählten, begannen zwischen ben beiden Brudervölkern die Kriege, in denen bte Wakwafi unterlagen. Einzelne von ihnen blieben bei ben Massai, em größerer Teil bagegen würbe ansässig ober ging in anberen Stammen auf. Zu biefen letzteren gehörten auch bie Vorfahren Abballahs.
Abdallah empfing uns sehr sreunblich unb war sofort bereit, mit uns zu ziehen. Er brachte uns einige Kürbisflaschen mit Milch, bte ganz fürchterlich schmeckte. Mir persönlich schenkte er noch einen jungen Hahn, ber nicht viel Fleisch an sich hatte. Außerbem stellte er uns noch zwei roegtunbige Wandorobo zur Verfügung, bie unser Marschziel genau kannten. Es waren kleine schmächtige, aber sehnige Leute, die mit einem Bogen nebst Kocher unb vergifteten Pfeilen, sowie mit einem unansehnlichen Speere ausgerüstet waren. Unter Führung ber beiden Wandorobo wurde nach kurzer Rast aufgebrochen. Da wir keine Wegekarten befaßen, waren wir somit vollkommen auf sie angewiesen. Ich lieh sie daher in meiner nächsten Nähe marschieren, um sie mit Hilfe des Sultans stets ausfragen zu können.
Wir kamen vorerst durch eine unbewohnte wafferreiche Steppe hindurch, bie stellenweise mit mannshohem Elefantengras bewachsen war, bis wir gegen Abenb die eigentlich Steppe erreichten. An einer spärlichen Wasserstelle wurde hier das Lager ausgeschlagen. Wachen unb Posten wurden ausgestellt, kleinere Erkundungspatrouillen wurden in bie nähere Umgebung entjanbt unb bann würbe inmitten eines fast undurchsichtigen Bufchbeftandes abgekocht.
Soweit bas Auge reichte, sah man in eine endlose Steppe hinein, bie hin und wieder von größeren und kleineren Buschflächen durchbrochen war. Ein geradezu märchenhafter Sonnenuntergang entschädigte mich für die überstandenen Anstrengungen. Träumerisch aussehende Afsenbrotbäume lugten hie unb ba aus bem Busche hervor, kahle, dunkelbraune Bergfelsen erhoben vereinzelt ihr Haupt in bie klare, durch-


