tBerant-oortlicb: vr. Hans Thyriot. Druck unb Der lag: Brühl'ich e Univeriitäts-Buch- und Steindruckerei. L. Lange, Gieberi.

dienten sind weder bei den Griechen noch bei den Romern nachgewiesen. Während der kalten Monate suchte man sich ourch warme Kleidung zu schützen. So trug beispielsweise der Kaiser Augustus mi Winter eine besonders dicke Toga, darunter vier Tuniken übereinander und dann noch ein wollnes Unterhemd, eine woltne Brustbinde und dicke Garnaschen. Eine trauliche Wärme wird im kaiserlichen Palast also nicht geherrscht hoben. Die tragbaren Feuerbecken und Kohlenpfannen, von denen in Pompeji eine große Anzahl anmutig gebildeter und reich verzierter Stücke gesunden wurde, waren nur ein unzulänglicher Notbehelf. Bereits in der römischen Kaiferzeit aber entstand die Grundform unserer modern­sten Heizungsanlagen, wenn sie damals auch nur in Badern Anwendung fand. Eine derartige Zentralheizung war eine Leitung von heißem Wasserdampf durch hohle Fußböden und Wände; ihr Erfinder soll em Zeitgenosse des Cicero, C. Sergius Orata, gewesen sein. Die Romer brachten diese Heizform auf ihren Eroberungszügen auch in den kalten Norden, und in Westdeutschland ist eine Reihe römischer Kastelle und Villen ausgegraben worden, die mit dieser Röhrenheizung versehen gür die Entwicklung der deutschen Kultur aber ist der Ofen von größter Bedeutung geworden; den älteren gemauerten Ziegelofen find die Kachelöfen gefolgt, von denen wir zum ersten Mal aus einem Grund­riß des Klosters St. Gallen vom Anfang des 9. Jahrhunderts Kunde erhalten haben. Aus dem Ofen bildete sich der Kern des deutschen Hauses, die Stube, wie auch aus der sprachlichen Ableitung des Wortes Stube aus dem lateinischenestufa" = Ofen zu erkennen ist. Daneben behaup- tete sich in den Ritterburgen und in Patrizierhäusern zwar der Kamm, nach dem die heizbaren Zimmer Kemenaten genannt wurden, aber der Kachelofen behielt seine beherrschende Stellung im deutschen Kulturleben durch die Jahrhunderte hindurch. Um ihn wob die Kette der Geschlechter einen Kranz von Poesie und Aberglauben, von dem Bruchstucke bis aus unsere Tage erhalten sind. Wie schon die Menschen der Steinzeit im Feuer ein göttliches Wesen erblickten, so schrieb man spater auch dem Ofen zauberhafte Kräfte zu und vertraute ihm Freud und Leid an. In Norddeutschland erinnert noch folgender beim Pfänderspiel gesprochener Reim an diese Bedeutung des Ofens:

Aben (Ofen), Aden, ick beb di an. Makst b ut mi keen beetem Mann, Beb ick bi ni roebber an."

In ber Lüneburger Heibe heizte man in ber Lichtmeßnacht bte Oesen besonbers stark, unb bie jungen Mäbchen beteten:

Aben, Aben, ick beb bi an. Bescher mi up't Johr en netten Mann De got straken unb küssen kann."

Für bie Witwen aber galt ber Spruch:

Aben, Aben, ick beb bi an, Bescher mi up't Johr en annern Mann, Mit dem ich mi düchtig striden kann."

Der Kachelosen, der mit dem dreizehnten Jahrhundert seine volle Herrschaft antrat, wurde in den Bürgerhäusern der Gegenstand liebe­vollster Sorgfalt. Während die ältesten deutschen Ofenkacheln noch schlicht und unglasiert waren, wurden sie mit dem Aufkommen der Topfglasur zu wahren Kunstwerken, die in den buntesten Farben schillerten und bie mit reichem Bilderschmuck versehen waren. Allegorische, biblische und ge­schichtliche Szenen waren darauf abgebildet und zuweilen noch durch lehr­hafte Sprüche erläutert. So war der Kachelofen ein steinernes Bilder­buch, das der Phantasie an den langen Winterabenden, wenn der Sturm­wind um das Haus heult, manchen Stoff gab. Die Bratäpfel in der Ofenröhre, das behagliche Schnurren der Katze hinter dem Ofen, die Gestalten der alten Märchen und bie Melobien ber Volkslieber gehörten zur Stimmung dieser Geborgenheit, die in den Menschen ein Gefühl dankbarer Zufriedenheit erweckte.

Der Kachelofen stand in hohen Ehren. Zu Anfang des 16. Jahr­hunderts schrieb der Elsässer Humorist Johannes Pauli in seinem Schwankbuch-Schimpf* und Ernst":Als ein lustig Ding ist zu sehen eine hübsche Frau und ein hübscher Ofen in einer Stube". Auch Goethe zählte den Ofen zu den größten Gütern des Lebens, wenn er in einem Brief an Herder bemerkt:Wenn Ihr mich lieb behaltet, wenige Gute mir geneigt bleiben, mein Mädchen treu ist, mein Kind lebt, mein großer Ofen gut heizt, so habe ich zunächst nichts weiter zu wünschen. M ö r i t e aber schrieb imAlten Turmhahn":

Ein alter Ofen stand In der Ecke linker Hand, Recht als ein Turm tat er sich strecken Mit seinem Gipfel bis zur Decken, Mit Säulwerk, Blumwerk, kraus und spitz O anmutsvoller Ruhesitz:

Betrachtet mir das Werk genau:

Mich däucht's ein ganzer Münsterbau; Mit Schildereien wohlgeziert. Mit Reimen christlich ausstaffiert ..."

Auch Gottfried Keller hat in seinemBietegen" eine liebevolle Schil­derung eines solchen reich mit Bildern geschmückten Kachelofens gegeben.

Der Ofen ist in seiner Entwicklung durch viele Wandlungen hindurch- gegangen, in ihm offenbarte sich der künstlerische Wille der Gotik ebenso i wie ber Geist ber Renaissance, bes Barock unb bes Rokoko. Später lebte er nur noch in ber Bauernkunst weiter, unb noch heute findet man auf dem Lande solche Kachelösen mit vielfältiger Verzierung und weisen Sprüchen, stumme Zeugen ber wechselvollen Schicksale, die an dem Haus und seinen Bewohnern seit Jahrhunderten vorübergezogen sind.

* Im alten Sprachgebrauch - Scherz.

bleibt bie Literatur in stänbiger innigster Beziehung zum Leben in allen seinen Formen. Sie wirb zum Sptegelbtlb ber weltanschaulichen unb sozialen Kräfte, sie steht burchaus aus bem »oben des Realen freilich bies Reale unb Zeitgebunbene zum Smnbilb zu adeln. Daß so­mit bem Staatsschreiber Gottfrieb Keller allerlei Schicksale unb Mensch­lein unterliefen, bie ihm aus ber amtlichen Behandlung m fein Dichter­tum hineinwuchsen, darf als gewiß angesehen werden, Fragl^ hat ihn auch der Berus zu dem herrlich klaräugigen Realisten gemacht, der er wurde.

Trotz dieser notwendigen Bindung an das Leben des Alltags, die der Dichtkunst vorgeschrieben fein sollte, haben sich die Dichter auf eigene Füße gestellt, haben ihr Amt zum bürgerlichen Beruf gemacht. Dies war eine Revolution, die sich lange schon angekundigt hatte, die aber erst mit bem Naturalismus, ber Gerhart Hauptmann unb Suber- mann emportrug, zum Durchbruch gelangte. Damals begann man so­zial zu benten, und damit wuchs in den Dichtern, die sich als Arbelts- menfchen an schwerem und verantwortlichem Werk fühlten, das Selbst- bewußtsein mächtig empor. Der Schreibtisch wurde zur Werkstistte, der Dichter hatte keine andere als diese nötig. Die Bindung an das Volk, die ihm ehedem eine Arbeitsgemeinschaft hatte geben können, suchte er nun In der Politik. Das hat der Kunst nicht immer genützt, aber andererseits empfing sie doch einen mächtigen neuen Blutstrom.

Das kämpferische politische Gepräge des öfsentlichen Lebens hielt wäh­rend eines halben Jahrhunderts an. In dieser Zeit vollzogen die Dichter, bie sehr zum Schaden ihres Schaffens allzu oft der Politik ganz zu ver­fallen drohten, die Emanzipation von den geläufigen bürgerlichen Be­rufen fast vollkommen. Dabei halfen ihnen natürlich auch äußere Um­stände: die Volkszahl nahm rasch zu und damit stiegen die Auflagen der Bücher; auch traten immer mehr Zeitungen und Zeitschriften aus den Plan, die Mitarbeiter brauchten. Jedenfalls brachte bem Dichter feine nunmehrige Freiheit auch ibeelle Vorteile: er stanb über bem (Betriebe des Alltags, er konnte bas menschliche Leben aus überlegener Schau sehen Nur durfte er dabei nie der Gefahr verfallen, bie Fühlung mit diesem Volke, aus bem unb für bas er schuf und bas ihm stets fern wichtigstes unb schönstes Problem bleiben mußte, zu verlieren. In den letzten Jahren schienen bie Dichter biefer Gefahr zu erliegen. Sie be­gannen Wege zu gehen, auf benen ihnen bas Volk nicht mehr zu folgen vermochte

Auch bies ist vorbei, unb eine neue Zeit hat bie Dichter wieder innig an das Volk angeschlossen. Denn eine starke Schicksaisgemeinschaft ver­kettet nun alle Schichten, die Werktätigen wie die Geistigen, die Aus­nehmenden wie die Schöpferischen. Sie haben erkannt, daß sie einander ergänzen zu einer einer einzigen großen Leistung, die über den Einzelnen hinausgehoben ist. Der Dichter vor allem muß, wenn er seinen Namen verdienen will, wissen, baß bies Volk in allen seinen Typen unb Schick­salen so reich, so wichtig, so stark ist, baß es wahrhaft lohnt, es immer roieber in feinem Ringen und Streben zum Problem bes Kunstwerks zu machen. Die politische Schule, burch bie er, wenn man sie in ihren ebleren Auswirkungen verstehen will, währenb bes letzten Jahrhunderts ging, mag ihm somit nicht geschadet haben, denn sie hat ihm den Weg zum Volke gewiesen. Dieses Volk zu erkennen und zu erforschen, ist bie schöne Ausgabe, bie bie neue Zeit ihm zumeist. An biefer Aufgabe wird sich der freie Dichter in ber neugeschafsenen großen Gemeinschaft be­währen.

Oie Seele des Hauses."

Zur Kulturgeschichte des Ofens.

Von Dr. Wilhelm Gemperle.

Alljährlich, wenn die Herbststürme das letzte Laub von den Bäumen schütteln und den vor der Tür stehenden Winter ankündigen, begeben wir uns in die wärmende Obhut des Ofens, mag er nun als kleines gußeisernes Ungetüm fein Rohr wie einen Polypenarm in den Raum strecken, als ehrwürdiger Kachelofen mit feiner sanften ©lut die letzten Reste einer schon fast verklungenen Winterromantik in unserer Zeit be­wahren ober als Zentralheizung seinen ganz dem Gesetz der Zweck­mäßigkeit unterworfenen Dienst tun. So sehr haben wir uns an ihn gewöhnt, daß wir seine Annehmlichkeit schon als etwas Selbstverständ­liches empfinden und selten nur einen Gedanken an die Frage verlieren, wie unsere Vorfahren sich gegen die Unbilden des Winters geschützt haben mögen. Die Feuerstelle, der Herd und später der Ofen waren seit den ältesten Zeiten die Seele des ganzen Hauses, und aus der Anlage ber Heizung, sowie aus ber Bebeutung, die ihr von den Menschen bei­gemessen wurde, lassen sich wichtige Ausschlüsse über Hausformen, Sied­lungsweise und Zusammenleben in Familie und Sippe geben. Der für bie Erwärmung von Wohnräumen bestimmte Ofen ist ein Geschöpf ber rauheren Länder, und feine Verbreitung war im allgemeinen natur­gemäß auf die Völker nördlich der Alpen beschränkt.

Die erste Gestalt der Heizung haben wir uns als Herdfeuer und als Wärmetopf zu denken, in den glühende Scheite obej Holzkohlen hinein­gelegt wurden. Das Herdfeuer, das auch heute noch die einzige Heizungs- forni der Naturvölker ist, war der Mittelpunkt der Hausgemeinschaft, Stätte der Geselligkeit und als Inbegriff des Heimgefühls unb ber Gast­lichkeit von religiöser Weihe umgeben. Im Altertum würben bie Glut- töpse von Bronze- ober Tonbecken abgelöst, bie auf Drei- ober Vierfüßen ruhten ober auch auf kleinen Wagen angebracht waren, um im Wohn­raum umhergefahren werben zu können. Aus ben Herben entwickelte sich In ber römischen Zeit burch Ausfütterung der Herdgruben mit Steinen ber Ofen. Zwar hatte es auch schon bei ben alten Äegyptern Oefen ge­geben, aber sie wurden nur. zur Fabrikation benutzt, unb so ist es wäh­renb bes ganzen Altertums geblieben. Zimmeröfen, bie zur Heizung