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schienen Braut, Hochzeitskutsche, Fest-Tafel ... nur schwer besann ch '
! Oktavian auf seinen Beruf als Philosoph. Nun hieß es eben mattem
! und das Unvermeidliche mit Würde tragen ... einmal mußte ]a dotz
I auch diese Bahn mal wieder zu laufen ansangen! „Die Leute tonnem W
mich doch hier oben nicht einfach verhungern oder vertrocknen lassen. »n
chrie er mit dem gellenden Gelächter eines Wahnsinnigen in den Abend ■ 'M
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Um 19 Uhr begann es zu regnen, langsam und dauerhaft, wie ein Landreaen zu sein pflegt. Ein Glück, daß dieser Regen kam und Oktavian etwas abkühlte. Er lachte blöde vor sich hin. Die Nacht vertrieb er sitz damit, das Wasser auszuschöpsen, bald gab er auch das auf. „So etwa- habe ich mir ja schon lange einmal gewünscht!" kreischte er ingrimmig
Der Morgen kam, hell und wärmend und strahlend. „Na. nun roiros aber bald Zeit!" raste er von neuem los und wippte wie ein Affe im seinem luftigen Käfig hin und her. Da ... er gefror fast zu Eis! Beinah« wäre er wirklich über die Brüstung gefallen! Gestern war doch «am- tag gewesen und heute —? , , v
Was soll man weiter berichten? Oktavian saß auch noch den ganzen Sonntag in seiner Wanne. Wo sollte er auch anders hin? Der Hunger quälte ihn. Am Abend bekam er Wahnvorstellungen und die ganz« zweite Nacht bis zum Montag früh fang, schrie, lachte und weinte « durcheinander Er fand fein seelisches Gleichgewicht erst wieder, als « im Halbschlaf durch das Rütteln und Quietschen der Drahte gemein wurde. ,
Montag 6.30 Uhr war es, als die „Bahn" ihren Betrieb wieder aut nahm! Nach genau 36ftündigem „Aufenthalt" Einige Minuten spater luden an der kleinen Haltestelle einige Arbeiter ein stark angefeimjtetes. höchst mangelhaft bekleidetes menschliches Wesen aus, worin sie ihren Nachbarn aus dem Gebirge nur mit Mühe wieder erkannten Dadurm blieb auch dem zufällig anwesenden Gendarmen das Einschreiten eriparr Drei Stunden später war Oktavian zu Hauie. Er sand eine gebrochen* Braut und eine weinende Mutter. Natürlich hatte der Constanze- Dampfer das rechtzeitig an Bord geschaffte Hochzeitsreisegepäck entfuhrt! da man in der allgemeinen Aufregung vergessen hatte, es zurückzurutem Die Fahrkarten waren verfallen. Nicht nur die Hochzeitsgesellschaft, lon_ dem auch die halbe Stadt befand sich in der größten Aufregung üben diese sonderbare Hochreit.
„Komm", sprach Oktavian zu seiner immer noch schluchzenden Eiemu „komm und tröste dich! Wir holen heute alles nach und fahren dann M mir hinaus. In die Berge!" , „
Elena nickte weinend Bejahung: „Aber nicht mit der Drahtseilbahn ... das war der einzige zusammenhängende Satz, den sie hervorbrmgew konnte...
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Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühl'iche UniverfitätS-Vuch- und Steindruckerei. A. Lana«. ®,e6elL
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lassen zu sollen), als ich bei einem abermaligen vorsichtigen SpäherbUck über die Grashalme hinweg auch nicht einen meiner ^sts Verfolger mehr erblicken konnte. Noch vor einer Minute h°"en uns vielleicht noch hundert Meter getrennt. Jetzt war die ganze ©efeUfcfjaft spurlos verschwunden. Mein Herz tat einen Freudensprung Dann beschlicht mich wieder neuer Zweifel. Wenn ich keine Samen sah, so war damit noch lange nicht gesagt, daß auch keine da waren. Wie, wenn auch sie nun in Grasdeckung geduckt immer näher auf mich zukamen? Gut denkbar, daß das Gras sie mir alle verbarg, daß sie schon im nächsten Augenblick nahe genug waren, über mich herzufallen. Hastig ging ich wieder zu Boden und machte nun, ohne besondere Vorsicht walken zu lassen, daß ich auf allen Vieren so schnell wie möglich davonkam.
Plötzlich Laute aus einer andern Richtung. Voll froher Hoffnung halte ich von neuem Ausschau. Ja, da von links, da tarnen sie die Sameraben^ 9Serftär(ung eingetroffen war, gingen wir alle auf die Stelle zu, wo ich die Löwen zuletzt gesehen hatte. Aber nirgends eine Spur von ihnen! Beim Nahen von Menschen waren sie gewiß stehen geblieben hatten sich dann ins Gras gekauert und muffen innerhalb von ein paar hundert Metern im Umkreis irgendwo versteckt gelegen haben, als wir weitergingen. Wir suchten im Weiterlaufen noch vergeblich, kamen dann in eine Schlucht, deren Steilwand auf der andern Seite wir erstiegen, und blickten, oben angekommen, noch einmal in die Steppe zurück. Da sahen wir sie! — Alle fünf schlenderten in Muße dahin. Zebras und Kuhantilopen stoben im Schreck auseinander, um ihnen den Weg freizugeben , . , ,
Dieses Erlebnis kennzeichnet genugsam die Tatsache, daß der Lowe ein unberechenbarer Bursche ist. In keiner Lage kann man nut Bestimmtheit voraussehen, was er tun wird. Er hält sich an keine Regeln. Niemals weih man, ob man sich ihm unbesorgt nahen kann. Wird er dich nur von weitem, vielleicht etwas mißtrauisch, im ganzen aber woh- t wollend, betrachten? Wird er auf dich zukommen, um dich naher in i Augenschein zu nehmen? Oder wird er dich anfallen? Man kann einen Menschenfresser nicht eher von einem Nichtmenschenfresser unterscheiden, bis er einen zu Boden geworfen hat und mit fletschendem Gebiß über einem steht. Man weiß aber auch nicht, ob ein Löwe, der noch nie Menschenfleisch gekostet hat, nicht doch auf einmal Gelüste danach bekommt.
„Hochzeitsreise."
Von Hans Trödst.
Diese schöne Geschichte ist Herrn Oktavian Dumitresku passiert .. . der war seines Zeichens Privatgelehrter, Naturforscher und ein komischer Kauz- eines Tages war er auf den vermessenen Gedanken gekommen, sich zu verheiraten. Er war 42 Jahre alt, wohlbegütert und von einer Weltfremdheit, die selbst die freiheitlichst gesinnte Polizei für unvereinbar mit der Sicherheit und Wohlfahrt des Staates erklärt haben würde. Die Braut, eine junge Dame im besten Alter, befaß zwar wenig Geld, aber guten Charakter und häusliches Gemüt ... die Jntereffengebiete waren im wesentlichen die gleichen, also: Siebe, Verlobung, Hochzeit, die an einem schönen Samstagnachmittag, Punkt 15 Uhr, feierlich begangen werden sollte.
Daß Oktavian diesen Termin vergessen wurde, stand bei allen Eingeweihten — mit Ausnahme der Braut — bombenfest, braucht also gar nicht erwähnt zu werden — zumal Oktavian ausgerechnet am Freitag vor dem großen Ereignis noch einmal „dringend" mit der Bahn nach feinem Sommerhäuschen tm Gebirge gefahren war, um dort noch einige „äußerst wichtige Dinge" zu ordnen. Zwar hatten Mutter und Braut ihm noch vor der Abreise scherzend eingeschärft, auf jeden Fall wieder rechtzeitig zu erscheinen, aber trotz aller feierlichen Versprechungen hatte sich Oktavian draußen in seinem Dorado so festgelesen und festgeschrieben, daß er erst am Samstagvormittag, bald nach 11 Uhr, behaglich in seinem Bett erwachte. Dies war der Augenblick, wo es ihm plötzlich siedendheiß einfiel: „Meine Güte! Die standesamtliche Trauung! Die hatte er ja bereits verschlafen! Und beinahe auch noch die kirchliche! Um drei Uhr sollte er doch, wenn er sich recht erinnerte, in Sack und Frack in der Kirche stehen! Oktavian sprang verzweifelt aus dem Bett, um zu retten, was noch zu retten war. Ein Blick auf die Uhr: „Erbarmen! Auch den Zug erreichte er ja kaum noch! In rasender Ette kleidete er sich dennoch an, vergaß den Schlips und stürzte wort- und grußlos an feiner nicht weiter verwunderten Eurykleia zum Hause hinaus, bergabwärts, Richtung Bahnhof im tiefen Tale.
Nochmaliger Blick auf die Uhr: Unmöglich die 10 Kilometer rechtzeitig zu bewältigen! Doch halt! Ein genialer Gedanke! Ein Einfall, wie ihn nur die höchste Not, die Verzweiflung gebiert: wenige Schritte vom Wege entfernt lag das Maschinenhaus einer kleinen Drahtseilbahn, welche die in der Nähe geförderten Erze einer Eifengrube hoch durch die Suft talabwärts zur Eisenbahn beförderten. Kamen die heil unten an, warum nicht auch einmal ein Mensch? Oktavian eilte in das Förderhaus, erklärte dem dort gemächlich amtierenden Maschinisten — wenigstens hielt er ihn in feiner Aufregung dafür — in fliegender Hast die Sage, drückte ihm ein paar Sei in die Hand und ließ sich dafür von Ilie Georgesku in einen gerade leer zu Tal gehenden Eisenkorb hineinhelfen. Genauer: hineinwerfen. Der Hut ging habet zwar verloren, aber ehe Oktavian noch richtig zu denken vermochte und sich über die Tragweite seiner Handlung klar werden konnte, hatte er bereits in der kleinen eisernen Badewanne seine Suftreife angetreten. Glücklicherweise war er der Sachlage durchaus gewachsen. Er zog zunächst seine Uhr heraus und stellte einige Geschwindigkeitsberechnungen an . . wenn kein Zwischenfall eintrat, erreichte er gerade noch den Zug zur Stadt. Vorausgesetzt natürlich, daß das Aus- steigen genau so schnell wie das Einsteigen ging ... etwas bänglich wurde es ihm bei diesem Gedanken aber doch zu Mute! Schon einmal war Oktavian in Gedanken aus einer fahrenden Straßenbahn herausgefallen
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... eine Drahtseilbahn hakte sicherlich auch allerlei Mucken! Surrend sauste das Kästchen zu Tal ... die Hälfte des Weges hatte Oktavian bereits zurückgelegt, es war 5 Minuten vor 12, um 13 Uhr ging Oer Zug, feine anfänglichen Bedenken waren geschwunden Beinahe w,e im Flugzeug" stellte er befriedigt fest und besah sich behagUch d.e Gegend.
Sehr hübsch!" Zum mindesten recht originell, diese Hochzeitsfahrt .... beinahe hatte Oktavian seine gute Saune wiedergefunden.
Da — plötzlich! Gerade zwischen zwei besonders hohen Masten, übet einem tiefen, schmalen Taleinschnitt begann sich die Geschwindigkeit merklich zu verlangsamen. Die Drähte zitterten und spannten sich, noch emma ein leichtes Schaukeln und Schwingen ... die kleine Badewanne hielt genau mitten über einer Schlucht. Und mit ihr hielten alle anderen Wägelchen, die bisher auf der Gegenseite an Oktavian vorbe,gesaut waren ,Hm! Sehr merkwürdig!" stellte Oktavmn beunruhigt sest. „Vielleicht eine kleine Betriebsstörung? Oder Anhängung eines neuen Kastens?" ... Oktavian war mit der technischen Einrichtung einer solchen Bahn nur sehr unvollkommen vertraut. Er sah flach aus dem Boden bet Wanne, bequem zurückgelehnt, über sich den großen Drahtbugei, und nut wenn er über den Rand in die grausige Tiefe blickte, wurde ihm etwas ängstlich zu Mute. Er steckte sich also zunächst eine Zigarette an, stelltt das Fehlen von Schlips und Hut fest und tat zunächst das, was auch andere Zeitgenossen bei unfreiwilligen Aufenthalten moderner Verkehrsmittel zu tun pflegten: er wartete und schimpfte leise vor sich hm. „Bummelei ... Wirtschaft ... und so ... häufig sah er nach der Uhr, blieb aber im allgemeinen ruhig. ■ p m . ...
Er konnte natürlich noch nicht ahnen, daß Ilie Georgesku, der nicht mit übermäßiger Intelligenz ausgeftattet war, den "Meister nur vor-
übergehend vertreten hatte, der „nur einen Augenblick roeggegangen |"li(t)te war". Und dieser nichtsahnende Meister war kurz nach 12 Uhr aus ort K, Kantine zurückgekommen und hatte — da Samstags nur bis Mittag gearbeitet wurde — die Drahtseilbahn pflichtschuldigst Schlag 12 Uhr stillqeleqt. Und Ilie war seines Weges gegangen, „ohne sich dabei etwas zu denken", wie er später, zur Rede gestellt, ausfagte. Das waren die Vorgänge hinter den Kulissen gewesen, von denen Oktavian zu diesem Zeitpunkte natürlich noch nichts ahnen konnte. Doch allmählich begann er unruhig zu werden. Der Uhrzeiger rückte mit Riesenschritten vor, aber die vermaledeite Bahn rührte und regte sich sticht, -i-te ersten Anzeichen der Verzweiflung stellten sich bei Oktavian ein. Er raufte sich die Haare. Dann überlegte er, ob er an dem Hängesett zum nächsten JJlaji „angeln" sollte und an diesem in die Tiefe gehen ... lieber nicht! Dann rollte womöglich das Wägelchen los und ihm über die Finger. Oktavian stieß einen brüllenden Schrei aus, in höchster Qual. Das Echo antwortet« ihm in Gestalt einer fernen, pfeifenden Sokomotive... Oktavian schlug in feiner Wanne die Hände vors Gesicht: „Aus! Aus!" schluchzte er ein über das andere Mal. Dort fuhr der Zug . .1 Keine See e weit und breit .. er allein mit feinem Schmerz in schwindelnder, luftiger Hohe!
Oktavians Seelenzustand zu schildern, ist schwer. Er lachte unb meinte abwechselnd, schrie und tobte, rüttelte an den Bordwänden und schüttelte 1 den Drahtbügel. Den Kragen hatte er abgerissen und über Bord geschleudert. Mehrmals war er draus und dran sich selber hinterher zu stürzen Das ging so etwa bis 16 Uhr Dann gab er den Kamps aut Nun war daheim ja doch alles vorbei. Bor seinem geistigen Auge er-


