mittelt:
Braut, zieh nun den Brautkranz aus, morgen wirst du Frau im Haus.
Grüner Klee, weißer Schnee, blüht die Jungfrau nimmermeh.
Der.ntworMch: Or. Hans Lhyriot. - Druck und Verlag: Drühl'lche UniversitätS.Vuch. und Stetndruckerei. R. Lange. Gießen.
Ton in der Hand des Töpfers.
Von Arnold Bennett.
Copyright 1932 by I.L.A.Wien.
Der Ton des Töpfers ist ein lebendiges und daher unberechen- . bares Etwas, er gibt in der Tat unzählige Rätsel aufzulosen. Ein Teller mag dem Laien wie ein lächerlich einfacher Gegenstand erscheinen, und er meint wahrscheinlich, wenn er so etwas zu machen hätte, brauchte er nur die richtige Qualität Ton zu nehmen, ße I zusammenzukneten, zu modellieren und dann zu brennen. Die | richtige Sorte Ton ist aber im Naturzustand nicht zu f'«den. Das . Fundament einer jeden Topferwarenfabrik ist daher eine Werkstatt, in der ehrwürdige Manner verschiedene Sorten Rohton > überprüfen, und sie dann mit brutaler Maschinenkraft durcheilt- I andermischen lassen, in der Hoffnung, daß chr Produkt weiß und brauchbar sein werde. Die Männer, die sich damit bejassen, sind arau — sind grau geworden beim vergeblichen Studium von -reit- 1 dien ihrer Muttererde, die ihnen nicht selten Possen wielt^Und sie wieder sind Nachkommen von Generationen ähnlicher Manner. Und ihnen zur Seiten stehen junge Helfer, und auch ihr Haar wird sich bleichen, und der Ton wird ihnen immer neue Probleme auf- 3Ulsnie diese" Menschen haben nur mit dem Ton als formloser Masse zu tun. Das Formen der Substanz ist Sache einer andern Reihe von Männern, sowie ihrer männlichen und weiblichen Hilfskräfte: sie entsprechen weit besser als die erste Gruppe der her- | kömmlichcn Vorstellung, die man sich von Töpfer macht. Unter ihren Fingern wird wirklich eine blasse, geschmeidige Substanz geformt, die sich gleich als Ton erkennen läßt. Wohl werden sie dabei von Maschinen unterstützt, aber diese sind bloß ihre hirnlosen Diener. In vielen anderen Fabriken ist der Mensch Diener der 9i'asihine, bei der Töpferei wird er es wohl niemals sein. Die Finaer aller di-?'- °citte sind weit bessere Werkzeuge, als es Holz oder Metall j sein könnten. .
Man betrachte nu; t jungen Burschen dort, wie er ein Stück Ton von einem riesigen Klumpen abreißt und ihn aitstoUL Nach der Geschicklichkeit seiner Finger zu schließen, könnte man glauben, daß er seit 100 Jahren nichts anderes macht. Man blicke eine kleine Weile weg und dann wieder zurück, und eins, zwei, drei — was ein dickes Stück Ton war, ist jetzt ein kleiner Teller und kein bißchen Ton ist übriggeblieben. Der junge Bursche hat genau die richtige Menge Ton für ein Geschirr abgerissen, dessen Maßver- hältnis wieder genau mit der Schablone übereinstimmen mutz.
Oder man beobachte den Mann dort, wie er ein stuck Ton auf eine Drehscheibe setzt und mit seinen Händen einen Krug formt! Der Krug ivächst wie eine Blume. Wie durch Zauberkraft scheint er ihn ouS dem Drehtisch herauszuztehen. Der Tisch hört auf, sich zu drehen und der Krug ist fertig. Alle diese Menschen verstehen
ß- rtn mfioin nnö Neckar, am Moselufer oder Donaustrand, und die Wolga, die drunten vorüberfloß, hörte sich mit keinem Wor trennen ©ie sangen diese Lieder, die vom fremden Land und Wasser sprachen, wie die Gläubigen in der Kirche singen von des ^inrniels Auen die sie nur im Geiste sehen. Hand 'n Hand saßen Burschen uud Mädels auf der Bank, und die Burschen sangen b--u »nd,ch am 9M«r,
bald gras ich am Rhein, bald hab' ich a Schätzet, bald bin ich allein."
Die Mädchen aber machten einen Sprung und sangen unver-
unberech Teller, so einfach er aussehen mag, noch
lange nicht vollendet. Allenfalls muß er nur glasiert werben ge- nrnhnlifh wird et aber noch verziert, da die Hausfrauen Gewicht m"f "ie Dekorativri legen. Und dann muß er sich nochi einerwenn nicht aar einer zweiten Feuerprobe unterziehen. Doch die Possen, die^das Feuer den Farbsubstanzen spielt, bereiten den Leuten, d e sich damit befaßen, keine geringeren Schwierigkeiten, als dre bereits eingangs geschilderten, durch die Launenhaftigkeit des ^on^> ^^Die"ser"letz§Teil der Fabrikation besteht in einem rein mechanischen Umdrucken von Schablonen, die anderwärts gezeichnet wurden und in einer ebenso mechanischen Anwendung von stossen für die ferne und unbekannte Chemiker verantwortlich stud Man betrachte zum Beispiel so einen Teller, um dessen Rand sich'eiickge"farbige RUige ziehen, breite und schmale Das alles scheint zu vollkommen zu sein, um von Menschenhand herzu- rAren. Und doch ist es die Handarbeit von jungen Frauen, und wird wahrscheinlich immer so sein. ..
I Die Mal-Ateliers in den Tonwarenfabriken sind stets auch die ruhigsten und in der Regel auch die saubersten von allen Werkstätten. Sie sind die Domäne junger Frauen, die eine ungeheure Meinung von sich als wichtigen Faktor rm Weltall haben. Man sie wie sie ein Gefäß zur Hand nehmen und es mit
I einer unbeirrbaren Geste genau in die Mitte eines kleinen Drch- I tisches stellen, wie sie einen breiten Pinsel ergreifen und ihn ruhig I uns fest an den Rand des Geschirrs ansetzen. Der Streifen ist I gemacht. Ein dünnerer Pinsel, und mit derselben Genauigkeit rd iebt ein weiterer Strich gezogen. Hierauf wird das Gefäß vom Ti!ck geschoben und ein anderes kommt an die Reihe, und dann
I rnieöei ein anderes und so geht es fort in die Unendlichkeit. Denn Lu mutz sich vor Augen halten, daß- es Millionen und aber
I Millionen von Gefäßen gibt, die mit Streifen und Strichen ver- | ziert sind, und daß jedes einzelne von jungen Frauen gemalt
I hat man schnell erworben. Man könnte glauben, daß ihre Ein- I förmigkeit und Endlosigkeit diese jungen Frauen lanssiam zum I Wahnsinn treiben oder sie doch zumindest melancholisch machen I müßte. Doch keines von beiden ist der Fall. Im Gegenteil, d« I Beruf stattet sie mit einer wohltuenden Ruhe und einer gewissen I liebreichen Milde aus. Sie gehören zu den seltsamsten Produkten des Gewerbefleißes im allgemeinen und zu den seltsamsten Neben-
I Produkten der Odyssee des Tons im besonderen.
I Kein Mensch von Phantasie, der mit Intelligenz dieser Odyssee I öe§ Ton gefolgt ist, von seiner Einlagerung im Erdboden ange- | fangen, bis zu seiner letzten Vollendung am häuslichen Tisch kann ohne gewisse Empfindung einen Teller zur Hand nehmen. Wa» Ton daran war, ist allerdings tot, aber wieviele Abenteuer haben zu seinem Feuertod geführt und wieviel menschliche Gedanken sind in seiner ewig dauernden Härte eingeschlossen!
(Aus dem Englischen von O. Embden.)
den Ton — wie er eben in diesem besonderen Entwicklungsstadium SÄÄ Z VallLS ResuS SPhr-
hunder?en Aber ihr! Anteilnahme geht über diesen Stand der
kommen wir zu einer Gruppe von Männern, die den Ton in Form von Gefäßen in einen ungeheuren ^euerrachen fnerren wo er so gründlich verändert wird, daß er durch keinen rfrtmiirh'en Vrozeß mehr in seinen ursprünglichen Zustand zuruck- Lrwau öeÄr&t& ®tefe Männer sind viel geheimnisvoller und priesterlicher als die anderen. Sie arbeiten oft bei Nacht, und wenn sie einmal eine Arbeit in Angriff genommen haben so un- tprßretfien sie sie unter keinen Umständen, bevor sie Nicht vollendet ist Eine einzige Unachtsamkeit, und modellierter -ron im Betrage von vielen Zehntausenden kann unbrauchbar und wertlos werden. Sie wissen natürlich nicht, was in der Höchstglut vorgeht, die sie aeschassen haben und haben begreiflicherweise keine Möglich , sich selbst davon zu überzeugen, wie der Ton die Feuerprob - fiefit Sie können sich nur aufs Mutmaßen verlegen und s f ante Rater. Und sie raten schon seit der Zeit, da die Normannen Enaland erobert haben. Aber noch während sie das Feuer lang- i „erftIimmen laßen-der Prozeß des Abkühlens nimmt einige ÄeTn Anspruch - verharren sie in einem Zustand quälender Un@iftt6nalS6em der Töpfer, bis zur Taille entblößt, in das ge-
1 sveustifche geisterhafte Ofengewölbe eingedrungen ist, von dem nock irmn'er^eine solche Hitze ausströmt, daß Sie oder ich tn Ohn-
I macht fallen würden, und nachdem er die blassen, gemarterten Je- schime partienweise herausgenommen hat, ist der Augenblick für
I M« Sachverständigen gekommen, bei Hellem Tagesucyi zu oe
|?s SÄ &ÄÄÄÄ2 SkxäS’S I weitere Prozeß gibt dem Ton Gelegenheit, feine Eigenwilligkeit zu Sn Selbst der Packer, der jedes Stück mit Stroh umwickelt, I xin Lied davon zu singen. Bekanntlich kommt es vor, daß I Töpferwaren bei einem Eisenbahnzusammenstoß 'vtakt bleiben, während sie bei der leisen Berührung durch eine junge Hausmagd I im Atome zerfallen können. Bis zu allerletzt bleibt eben d
Jetzt aber sprang ein Kammerjunge auf und rief: „Könnt ihr auch die sieben Sprüng', könnt ihr sie auch tanze?
Da ist mancher Edelmann, der die sieben Sprüng' nicht kann. Ich kann se. Ich kann fe!"
Und er begann den schwierigen Tanz. Andächtig sahen alle zu. Ats der Tänzer müde war, brach er einfach ab, und die Leute standen einfach auf, formten sich zum Kreise und gingen an de Wänden der Stube entlang und sangen rote einen Choral.
„Jetzt, Bräutchen, tu' dein Kränzlein ab, häng's an die Wand am Nagel.
Trauer' drüber nicht so sehr, es hilft nun alles gar nichts mehr, ein Weibchen mutzt du werden.
Die Brant aber war schon verschwunden. Die Gäste verschwanden auch einer nach dem andern tn der Autzentur, der Gesang erstarb. Die Hochzeitsfeier war zu Ende, einen zweiten Feiertag gab es Heuer nicht. .
Der Schulmeister aber ließ tn der tiefen Nacht eine Stunde lana die Glocke läuten, ein fester Hörpunkt für die tn ferne ^)or- e? Fahrenbem damit sie sich nicht in der Steppe verirrten. Denn die Kutscher waren Weines trunken, auch das Weibsvolk sah die Sterne doppelt, und die Pferde waren noch nuitf ganz nüchtern ...


