(Agricola = der Landmann, Porcia - der Schweinzüchter u. a). Die Namen der alten Germanen erzählen uns von Kampf, Sieg und Waffen und liefern damit den Beweis für ihre hervorragenden charakterlichen Eigenschaften.
Auch noch in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung kamen die Menschen mit diesem einen Namen bei den damaligen einfachen Verhältnissen aus. Allerdings führen bereits die Römer zwei, nicht selten sogar drei Namen. Außer dem Vornamen ivird die Familie und gegebenenfalls die Sippe oder das Geschlecht angegeben (z. B. Marcus Tullius Cicero). In Deutschland dagegen blieb man bis gegen das Ende des 11. Jahrhunderts bei dem einen Namen. Allerdings ging Vas nicht ohne Mißverständ- nisse und Verwechslungen ab, besonders als mit der Zeit die Bevölkerung immer zahlreicher wurde. Es war naturgemäß dann gar nicht selten, daß in einer kleinen Ortschaft Dutzende von Personen des gleichen Namens vorhanden waren. Durch die nun immer häufiger auftretenden Mißstände bei der Bezeichnung eines Menschen wurde man doch schließlich veranlaßt, noch besondere Benennungen, eben die Familiennamen, zu schaffen. Dies ist naturgemäß nicht so zu verstehen, daß mit einem Schlage Familiennamen angehängt wurden. Ihre Einführung ist im deutschen Sprachgebiet zu ganz verschiedenen Zetten vor sich gegangen, bedingt durch die jeweiligen Bedürfnisse, wobei die Verkehrsver- hültnisse, die Entwicklung und Ausdehnung von Handel und Gewerbe eine äußerst wichtige Rolle gespielt haben. Der Brauch, Familiennamen anzunehmen, hat sich naturgemäß in dichtbevölkerten Gebieten und Ortschaften zuerst vollzogen. Von hier aus verpflanzte sich dann diese Sitte auch nach dem flachen Lande. So begegnen uns die ersten bürgerlichen Familiennamen in Süd- und Westdeutschland, später tauchen sie auch in Mitteldeutschland auf und zuletzt im Norden Deutschlands. Während der Adel zu dem Vornamen den Namen der Burg, des Schlosses oder des Grundbesitzes fügte, traten bei den Nichtadeligen ebenfalls einzelne Beinamen auf, die z.'B. vom Wohnort oder der Wohnlage abgeleitet waren sz. B. Amthor, Zurlinden). Anfänglich begnügte man sich jedoch mit dem Brauche, den . eigenen Personennamen dem des Vaters anzuüängen. Da aber die Zahl der im Gebrauch befindlichen Personennamen noch ziemlich klein war, so entstanden oft Irrtümer, da naturgemäß mit der Zeit die Namen in der betreffenden Familie wiederkehren mußten. Eine große Anzahl Familiennamen weisen noch heute auf den Namen des Vaters hin. Janson bedeutet Sohn des Jan. Vielfach wurde im Lause der Zeit „Sohn" zu „sen" abgeschwächt, wie in Petersen, Hansen, Andersen, Mommsen (= Sohn des Mommo) u. a. Oftmals genügte auch der einfache Genitiv (Wes-Fall) vom Namen des Vaters. So ist Sievers = Siegfrieds Sohn. Die Mode, den Familiennamen lateinisch auszudrücken, bringt es auch mit sich, daß der Genitiv des Vatersnamen sich weiter vererbt. Aus Martinus, filius Arnold! (Martin, Arnolds Sohns wird kurzweg Martinus Arnoldi. Allerdings kam später die Anwendung des Nominativs (ersten Falles) wieder mehr zur Anwendung.
Eine andere Art der Familiennamen ist dadurch entstanden, daß man den Namen des Standes oder Gewerbes dem Vornamen beifügte. Da im Mittelalter mehr als heute der Sohn auch den Beruf des Vaters übernahm, so wurde damit auch die Fortführung des Familiennamens erleichtert. Bei den auf diese Weise gebildeten Namen erkennen wir heute noch die weitgehende Teilung der alten Gewerbe (z. B. in Pfannschmidt, Blechschmitt u. a.). Weiterhin finden wir solche BezeiKnungen, die heute nicht mehr verstanden werden. *
Eine große Zahl der Familiennamen erinnert an das Kriegs-, Handwerk, an die Jagd und das Weidwerk (z.B. Armbruster, Pfeil, Schweriner, Degen, Jäger, Weidner, Weidemann usw.).
Die Verschiedenheit in der mundartlichen Bezeichnung der einzelnen Handwerkerberufe bringt eine große Anzahl unterschiedlicher Familiennamen mit sich. Hierher gehören die Namen Becker und Beck, Töpfer und Häfner, Fleischer, Metzger und Selzer, Bader, Stöber, Scherer, Scheer usw.
Manche Standes- oder Gewerbenamen sind ganz besonders häufig: Meier, Schulze, Müller, Schmidt.. Die Häufigkeit dieser Namen gibt oft zu Verwechslungen Anlaß, die auch dadurch nicht vermindert werden, daß neben Meier die Meyer, Maier, Mayr u a. treten. Das überaus häufige Vorkommen gerade des Namens Meier machte noch zahlreiche Unterscheidungen notwendig, so daß bald neue Familiennamen wie Ober-, Neu?, Wiegmeier ulw. entstanden. Die Herkunft des Wortes selbst ist sehr interessant. Das lateinische Wort major domus bezeichnete ursprünglich den königlichen Haushofmeister. Später ging diese Bezeichnung auf alle diejenigen über, die in einem besonderen Lehnsverhältnis standen und kurz Meier genannt wurden. Es waren dies in erster Lime die Verwalter der königlichen Güter, die die Aufgabe hatten, die Hofhaltungen mit Lebensmitteln zu versorgen. Mit der Zeit wurde der Meier selbständiger Besitzer, also Bauer. Wenn der Name heute bis auf wenige Ausnahmen als Berufsbezeichnung geschwunden ist, so erkennen wir doch noch seinen Sinn, der etwa gleichbedeutend mit „Bauer" ist.
Außerdem sind noch zu erwähnen, die von Ortschaften, Landern, körperlichen und geistigen Eigenschaften (auch als Spitz- und Spottnamen), Tieren, Geräten usw. entlehnten Namen. Hierher gehören die Familiennamen wie Vrommersheim, Krumbach, Schweizer, Schlesinger, Klein, Schön, Kluge, Fuchs, Pflug, Pfann- ^«Vielfach ist die Uebernahme und Weiterführung der Familiennamen ohne oder wenigstens mit ganz geringen Veränderungen der Namen vor sich gegangen. Teilweise haben aber auch Verstümmelungen oder Umwandlungen stattgefunden, oft hervorgerufen durch undeutliche und fehlerhafte Schrift, so daß man die
diesen Bauherrn! Er läßt uns hilflos stehen, wenn wir abirren. Wir werden uns erheben", ruft Fichte, „unser Unglück hat uns gemahnt! Höher denn je!" Fichte dreht den Kopf zum Fenster. Es ist jäh totenstill: Spielerische französische Blechmusik hallt dünn von der Straße in den Saal empor. „Laßt die an den Sieg glauben, die nur- das Heute sehen", spricht Fichte. „Wir sehen das Morgen! Wir wissen, daß das Heute, das wir erleben, kein Ende ist, es ist nur ein Anfang! Die Ewigkeit trat einen Schritt zurück, um neue, um doppelte Kraft zum Sprung vorwärts und aufwärts zu gewinnen! Macht Liesen Schritt! Sie werden diesen Saal als neue, als bessere Menschen, als einige Deutsche verlassen!" befiehlt Fichte. „Fassen Sie sofort diesen Entschluß! Nur der, der jeden Deutschen Bruder nennt, ist deutsch, nur der, der alles dafür aufgibt, der entschlossen ist, für diese Gesamtheit zu sterben, besitzt die wahre, die allmächtige Vaterlandsliebe. Seien Sie bereit! Frei will jeder Mensch sein, der Deutsche voran! Die Freiheit zu lieben, ist das Leben! Es darf nicht dahin kommen", schreit Fichte in den Saal, ,dah das Wort deutsch zur Legende wird! Wehrt euch! Umarmt euch, verbrüdert euch, sofort! Ruft die Erinnerung an das alte Deutsche Reich in euch wach! Ich beschwöre euch! Ihr Jünglinge", spricht Fichte, „ihr steht noch der Unschuld der Natur nahe. Wollt ihr nicht Verbesserung? Ich beschwöre euch Alte, beratet die Jugend! Stärkt ihr den Mut durch eure Erfahrung. Stärkt ihr bas Gefühl der Scham, daß sie sieht: selbst bas Alter will mehr als wir. Das Vaterland des Deutschen ist", spricht Fichte, „das Haus jedes Landmannes, das Heim jedes Bürgers, die Hütte jedes Arbeiters! Von unten auf wächst die Kraft! Uns umschweben die Geister unserer Vorfahren! Sie flehen mit gerungenen Händen: ,Ueberltefert unbescholten unser Andenken der richtenden Nachwelt! Nicht vergeblich wollen wir mit unserem Blute die Freiheit der deutschen Berge und Ebenen erkämpft haben!' Euch drohen die Ungeborenen! Sie wollen nicht, daß ihr die Kette abreißen laßt, die sie an die große Vergangenheit der Menschheit anbinden soll! Das Ausland beschwört euch! Wir kämpfen für alle, die blind und geknechret sind! Sollen die Besten der Menschheit umsonst an die erhabene Verheißung des göttlichen Rechtes geglaubt und dafür gelitten haben? Sie flehen euch an, meine Brüder und Schwestern, aus ihren Gräbern: .Rafft euch auf!' Fühlt ihr die flehenden Arme, die uns umhegen? Hört ihr die klagenden Stimmen der Zermarterten um uns? Uns Deutsche beschwört der göttliche Weltplan l Die Entscheidung fällt! Durch uns! Wir haben zu entscheiden, ob der Mensch ein sinnloses, unfreies Tier ist, ein Vieh. — ob das Fühlen unserer gepreßten Seelen berechtigt ist, ob nicht, ob es Höheres gibt, als das schmachvolle Dasein, das wir jetzt führen! Die Entscheidung darüber ist in eure Hand gegeben!"
Fichte tritt in den entflammten Saal. Dankende, schwörende Hände strecken sich Fichte entgegen. Weiche und harte und schwielige Hände. „Als der Feind Berlin besetzte", spricht Fichte aufgereckt, „da mahnte euch ein feiger Greis zur ,Ruhe'! ,Ruhe sei die erste Bürgerpflicht'. Ich sage euch, Brüder", rüst Fichte, „die Menschcnpflicht ist nicht Ruhe, Kampf ist sie! Ewiger Kampf, Kampf in Ewigkeit! Trefft die Entscheidung!"
Fichte senkt den Kopf,' er verläßt, den Kopf vorgestellt, den Saal. __________
Oer Ursprung der deutschen Familiennamen.
Von Ernst-August St.einmann, Gießen
Ohne sein Zutun erhält der Mensch bei der Geburt seinen Namen. Der Familienname steht heute unveränderlich fest. Daher sollte bei der Auswahl der Vornamen mit der größten Vorsicht verfahren werden. Häufig werden nämlich den Kindern Namen gegeben, deren eigentliche Bedeutung den Eltern meist unbekannt ist! Eine Anpassung an den gerade herrschenden Geschmack, eine gewisse Mode sind bei der Auswahl von ausschlaggebender Bedeutung. Eine derartige Namengebung ist in den meisten Fallen abzulehnen. Die Eitelkeit der Eltern sollte nicht so wert getrieben werden, ihren Kindern falsche oder unpassende Namen zu geben. Der Vorname darf nicht im Widerspruch zu den äußeren Verhältnissen und nicht zu der Person des Trägers stehen. Besonders auffällig macht sich die falsche Namengebung in den bäuerlichen Kreisen bemerkbar. Unsere alten klangvollen und darum ichonen bäuerlichen Vornamen sind leider fast ganz in Vergessenheit ße= raten. Es tut einem in der Seele leid, wenn man sicht, wie sich die Verstädterung auch in den Vornamen selbst der rein bäuer- ^^Die^Uidogernmnen hatten nur Vornamen und keine Personennamen (Geschlechtsnamen). Diese bildeten die ausschließliche Bezeichnung des Menschen. Sie waren (außer rühmenden Beinamen, Vergleichungen, Spitznamen) Zusammensetzungen aus zwe, Stammen, die den sogenannten Namen-Wörtern entnommen wurden (z. V. Peri-kles „über die Maßen berühmt", Siegmar, „siegberuhmt , Walt-Hari, Walther, „des Heeres Walter" usw.). So sind diese Zusammensetzungen ursprünglich sehr sinnvoll gewesen. Als jedoch die Sitte aufkam, einen Teil des Vaters- oder der Mutte^mmen oder Teile beider Elternnamen bei der Bildung des Kindes- nvmmen zu verwenden, sind schon früh zahlreiche Namen ohne greifbaren Sinn entstanden (z. V. Heribrand, Hiltibrant, Haöu- braUt: Vater, Sohn, Enkel). Die Vornamen sind uns für das Verständnis der Völker sehr wichtig. Aus ihnen kann man das Wesen, die Seele eines Volkes aufschlußreich kennen lernen. So hatten die dichterisch hochbegabten Griechen auch zwei meist schwungvolle Namen «Kleophanos - ruhmstrahlend. Nikophano» = siegprangend), dagegen finden wir bei den mehr auss Praktische eingestellten Römern in der Regel auch mehr prosaische Namen


