fiM föShS .TM*. SÄ s innnht'<> fafi er daß die beiden Damen den Dampfer bestiegen
Ln Kn- T°-- --S°-w--!-n W«- 6em Rauschen der Räder langsam die Brücke verließ ...
Er stand und sah dem Schiffe nach, wie es hinaussteuerte in die See, die grau unter dem bewölkten Himmel lag.
Er sah eine zarte Gestalt auf dem Achterdeck des Dampfers stehen und wußte, daß sie es war. Und mit dem entschwindenden Schiff wurde die Gestalt kleiner und kleiner, als wenn ne in d^^in brennender Schmerz stieg langsam in ihm auf. Und während er noch stand und ihr nachstarrte, begann er der vcrschwin- ! denden Gestalt die da drüben auf dem Dampfer tm grauen Reise- , Mantel stand die Worte zuzurnfen, die sein Mund in tiefer Scheu ; nicht gesprochen hatte: „Ich hab' dich lieb ... Ich hab dich lieb ... , Ewig werde ich dich liebhaben ... ich "Erde dich niemals vergessen! Nein! ganz gewiß — niemals ... Ich hab dich ja so un-
ifjcC®eemööen umflatterten das eilende Schiff, das leise von den Wellen geschaukelt wurde, und dann verschwand es am Horizont und man sah nur noch einen feinen Streifen Rauchs
Da lächelte er schmerzlich und biß die Zahne auf die Unterlippe, wandte sich um und schlug den Weg ein, der zu den Hotels hinaufführte.
Am nächsten Tage reiste er ab.
Oer Maler der Familie.
Z« Ludwig Richters 50. Todestage am 19. Juni.
Bon Dr. Olga Bloch.
„Richter gehörte zu jenen Persönlichkeiten, die mit den tiefsten Fa ern im gemeinsamen Volksgrunde wurzelten. Und die sind es, die gleichsam der Sprache des Volkes die Schrift verschaffen, die weiter überliefert, was aus den Seelen herausklang und es so erhält, nicht nur für den Zeitgenossen, nein, auch für die Geschlechter der noch Ungeborenen." Diese Worte eines Biographen kommen uns in den Sinn, wenn wir Ludwig Richters gedenken, der in jedem Zuge seiner Kunst ein Heimatmaler war. In einer Zeit wachsender Entfremdung von Künstler und Publikum, die im Laufe der Jahrzehnte zu einer exklusiven Kunst für einen kleinen Kreis von Kennern mit allen ihren Verzerrungen und Verirrungen geführt hat, schlug Ludwig Richter neue Brucken ins Volk, die heute noch bestehen und heute besonders gewürdigt werden. In der Buchillustration, der Verzierung des Buches, das sich nach der Blüte der deutschen Literatur um 1800 außerordentlich ausbreitete, fand dieser Meister die Möglichkeit, in die Weite 8U Richter'beginnt als Mitarbeiter seines Vaters bei Radierungen von interessanten Landschaften Sachsens. Er hat vor allem dank seines dreijährigen Aufenthaltes in Italien darin einen persönlichen Stil entwickelt, dessen glücklichste Leistungen heute in Gestalt schöner Aquarelle und Zeichnungen die Landschaftskunst des Dtetsters in deutschen Museen vertreten. In einer Gedenkausstellung hing eine Perle der deutschen Kunst, jene farbige Alpenlandschaft von 1823, neben dem einzigartigen Blatt, dem Aquarell mit der Geschichte vom Rotkäppchen. Nirgends trat der Gegensatz der beiden Pole Richterschen Schaffens deutlicher zutage als in diesen beiden Blättern. Der Stil, der aus dem Rotkäppchen- Aquarell zu uns spricht, ist der Stil, zu dem sich Ludwig Richter von der Landschaft fortentwickelt hat, als er aus dem freischaffenden Künstler zum Buchillustrator wurde. In seinen „Lebenserinnerungen" kann man darüber lesen und hören, wie der Maler sich umgestcllt hat: „Der Kunstverein (bei die Gemälde der Künstler durch Verlosung ins Publikum brachte) nahm den Charakter einer Unterstützungsanstalt an, und darin sah ich ein unrichtiges, ungesundes Verhältnis. Als ich daher von Verlegern bestimmte Aufträge erhielt zur Ausfübrung, wenn auch nur kleiner Kompositionen, die gebraucht, gewünscht, mit freudigem Jntereffe empfangen und mit Dank bezahlt wurden, so versetzte mich dies sogleich in ein viel frischeres Element, ich atmete freier auf und fühlte mich nicht mehr abhängig von Gunst und Laune des Zufalls."
Wir können heute sagen, baß diese Umstellung zur Voraussetzung hatte, daß der Meister ein ebenso guter J-igurenzeichner wie Landschafter war. In der Arbeit an Buchillustrationen, zeigt sich der Künstler als der Zeichner der deutschen Familie, der bäuerlichen und der Familie in der großen Stadt. Er erkannte, daß der Bauer als Träger alter Sitten, alter Volkstrachten, als der Hüter volklicher Kulturwerte, zum Vermittler werden kann zwischen Geschichte und Gegenwart: wie recht der Künstler hat, zeigt die Tatsache, daß die Maler der Düsteldorfer Schule nicht wie Ludwig Richter in Deutschland blieben, sondern zur Ausbildung nach Frankreich zogen — um ihren eigensten Stil wieder in der Heimat auSznbilden, weil es in den französischen Landen keinen Bauern wie den deutschen gibt. Es fehlt, außer etwa in der Bretagne, das bodenständige Haus und die eigenartige Volkstracht, die örtliche Sitte. Wir wiffen heute, daß die Franzosen die Vermittlung im Ausland suchen, in Italien und im Orient. Was die Pariser Ateliers in dieser Richtung schufen, wurde für viele deutsche Maler vorbildlich, aber cs konnte das Volk nicht der Liebe für seine Baucrnmaler entfremden. Richter war schon fünf- uuddreißig Jahre alt, als er stch der Buchillustration zuwanbte. Aller Anfang ist schwer! DieS mußte auch Richter erfahren, und seine ersten Arbeiten sind keineswegs befriedigend ausgefallen.
Aber der Künstler ließ sich nicht entmutigen, und schließlich fand er überall Deutschland eine verständnisvolle Anerkennung In schneller Folge entstanden in den 1840er Jahren Buch über Buch. Märchenbücher und Volksliedersammlungen, Jugend- und Bolkv- schriften, Ausgaben von Studentenliedern, der lungere „Robln- son", Kalender, plattdeutsche Schriften und zahlreiche Veröffent lichungen schöner Literatur — wer kennt und liebt sie nicht, wenn Cl Ein^Maler^des ^„Genre" tut sich vor uns ciuf, der für seine und anderer Leute Kinder zeichnet, wenn er.Bucher illustriert, die schon damals in ununterbrochener Folge in die Hauser des ganzen Volkes drangen, in die Herzen der Kinder und durch diese in jene der Eltern. Ein milder Glanz und eine wohltuende Wärme strahlt von Richter aus wie von einem der alten Kachelöfen, die er so gern als Mittelpunkt des Hauses zeichnet. Man betrachte den Holzschnitt aus der noch ungedruckten Familienchronik des Georg Wigand, jene reizvolle Kinderszene, da der kleine Wigand auf dem Wagen eines Händlers mit nach Pari^ ^^Das^Kind, das den Wagen besteigt, und die Familie und die Dorfbewohner, die um ihn herumstehen und sich wundern, die Menschen in den ländlichen Trachten, vor allem der alte Mann des Dorfes mit dem Dreispitz auf dem Kopf und den Händen auf dem Rücken, der sich vor Lachen kaum halten kann, weil er den Unsinn belacht und weiß, wie es um das kindliche Unternehmen steht — eine köstliche Dorfszene und ein Abbild unmittelbarer Volkskunst! Dann die Reihe der Arbeiten, die unter dem Titel „Fürs Haus" zusammengestellt wurden, der bekannte „Brautzug" nach Brentanos „Brautgesang", oder das sehr anmutige „Rotkäppchen", später durch Sepia und Wasserfarbenmanler um einige künstlerische Gegensätze bereichert und deshalb noch eindrucksvoller: das Blatt „Winterfreuden", ein dörflicher Holzschnitt, und nicht zuletzt die als Holzschnitt und auch als Federzeichnung berühmte Rtchtersche Darstellung '-Den Honoratioren wird heimgeleuchtet", in der der oft spöttische Künstler sein Bestes in der Gestalt der Frau gibt, die die etwas angeheiterten Honoratioren mit der Kerze aus dem Wirtshaus geleitet. „Der Neue Strauß fürs Haus" bringt ebenfalls Proben Richterschen Könnens im Sine der Ausgabe, in das Familienleben zu bringen, um die Eltern und Kinder liebenswürdig zu unterhalten. Und b,es gelingt dem Meister auf der ganzen Linie, denn ein „Johannlvieit , dos so lebendig das bunte Treiben einer Festwiese widerspiegelt, oder „Das Mädchen aus einer Wiese" konnte nicht sprechender gezeichnet werden als hier. Oft findet man kleine Härten technischer Art in den Blättern des alternden Künstlers, aber man muß sie einem Augenleiden zugute halten, das Ludwig Richter in den letzten Jahrzehnten des Schaffens befallen hatte. Aus der Krankheit ergab sich jenes langsame Nachlassen seiner Leistungen. Trotzdem blieb er bis in die letzten Lebensjahre jener Humorist und Spötter, den wir lieben. Das Blatt „Die Musikkapelle", bie die verschiedenen Typen der Dorfmusiker schildert mit ihren verschiedenen Instrumenten und der Art, sich der großen Ausgabe des Musikmachens zum Dorffest anzunehmen, ist einzigartiges Zeugnis dieses künstlerischen Schaffens ebenso wie die „Mnfenklänge aus Deutschlands Leierkasten" mit dem Buch „Die sieben Schwaben". , , .
Es gibt etwas, was wir im Auge halten müssen, wenn wir uns die Richterschen Arbeiten liebevoll anseben: Neben der Festtagsstimmung, die kein anderer so verdeutscht hat wie er, neben ] dem geburtstäglichen Zauber, der über diesen Familienbildern liegt, stehen Werke voll kernigen Spöttertums, die die ungewöhnliche Schärfe seiner Beobachtung, den Witz Richters und seine > dekorative Begabung erkennen lassen. Lebendigstes Beispiel dafür : aus dem Bechstein-Märchenbuch das Blatt „Das unzufriedene ! Ehepaar, die Edelleute werden wollten". Mit großer Meisterschaft i hat der Künstler hier in witzigster Form die Menschen dargestellt, \ wie sie sich ansnehmcn, nachdem ihnen ihre Wünsche in Erfüllung ; gegangen: es sind Eheleute, denen man vom Gesicht ablesen kann, j daß sie Kunstsachen und Kutsche und Pferde und zahlreiche Be- i dienung erhielten, wie es der Text des Märchens noch eingeben- ! der zu erzählen weiß. Vom Kleinen ausgehend und die Fülle i seiner Vorwürfe künstlerischer Gestaltungskraft, besonders die Fülle der komischen, dem Leben unmittelbar abgelauschten Gestalten erst durch seine Auffassung adelnd suchte und fand Ludwig Richter die Poesie im scheinbar Alltäglichen und Nüchternen. Ein hervorragender Meister der Komposition steht neben dem begnadeten Zeichner, der mit Knappheit, Klarheit und Schärfe dem Altdeutschen Holbein nahekommt.
Guckkastentheater und Freilichtbühne.
Von Dr. Paul Junghans.
Natur und Kunst werden als Aeußerungen der gleichen freude- spendenden Schöpferkraft oft in innige Verbindung miteinander gebracht, ja Geschwister genannt. Dieser Betrachtung steht aber die Auffassung entgegen, die Natur und Kunst gerade als Gegensätze begreift, die ihrem Wesen nach unversöhnlich sind, so sehr sie sich auch gegenseitig bereichern können. So wird bald jene Kunst vollendet genannt, die der Natur gleicht, und jene Naturgestalt schön, die der künstlerischen Anschauung entspricht und sie in ihren Kontrast- und Harmonieempfindungen befriedigt: bald aber sieht man dagegen das Kunstideal erst dann erfüllt, wenn die Kunst ihre eigenen Gesetze erkennt und sich nach ihnen gestaltet in freiwilligem Verzicht darauf, bas einzigartige Wachstum der Natur nachzubilden. Von keiner dieser Betrachtungsweisen aber wird geleugnet, daß die menschliche Schöpfung in der Erweckung der Seele des Menschen mit der Natur wetteifert, daß sie ihr in der bilden-


