Ausgabe 
17.12.1934
 
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verlesen habe, einverstanden, meine Ja" heraus, als ob er vor dem

Mochten sie den biederen Hagemann auch kurzerhand hinausgeworfen haben, bei ihm sollte ihnen das nicht so ohne weiteres gelingen. Er wollte ihnen die Wichtigkeit dieser Stunde schon so klarmachen, daß sie ihre wissenschaftlichen Marotten darüber fahren liehen

Jetzt hatte er den Schlüssel glücklich herausgefischt und war bis auf wenige Schritte an den Wagen herangekommen, als dessen Tur plötz­lich von selber aufsprang.

In ihrem Rahmen erschien Dr. Wille heftig gestikulierend, das Ge­sicht gerötet, das Haar in Unordnung, als ob er sich wiederholt mit den Fingern hindurchgefahren hätte.

Reden Sie nicht weiter, Schmidtl Hat gar keinen Zweck mehr. Die Geschichte ist absolut klar, kommen Sie, wir wollen essen gehen.

Er schickte sich an, aus dem Wagen zu steigen, als der lange Schmidt

Leistung der weiteren Ausgaben in alle Einzelheiten ausgearbeitet

hatte.

Sind Sie mit alledem, was ich Herren?" fragte Reute.

Wille nickte. Schmidt stieß ein

Standesbeamten stünde und getraut werden sollte.

.Dann bitte ich Sie, Ihre Namen unter den Vertrag zu setzen ... und nun, meine Herren", fuhr er fort, als die Namen aus dem Papier standen ..... übergebe ich Ihnen Ihre Bestallungsurkunden."

Während er es sagte, überreichte er den beiden Doktoren zwei Do­kumente, in denen in kalligraphischer Ausführung ihre neuen Titel und Würden zu lesen waren. Doch sie kamen nicht dazu, lange darin zu studieren, denn nun bat der Ministerialdirektor sie, sich zu erheben, und ließ sie die Eidesformel nachsprechen, durch die sie sich verpflich­teten, von jetzt an ihr ganzes Wirken und alle ihre Kräfte in den Dienst

Vergessen Sie Ihren Pelz nicht, Herr Wille. Es ist etwas kühl draußen." Mit sanfter Gewalt zwang er ihn in den Pelz, bevor er ihn losließ. Dann stürmte Dr. Wille ins Freie und stand plötzlich vor Hein Eggerth. Erst jetzt bemerkte er ihn. ... _ .

Sie hier, Herr Eggerth? Ach ja! Sie geben ja einen Funkspruch, daß Sie kommen wollten. Großartig, daß Sie da sind. Wir haben neue Entdeckungen gemacht. Ich sage Ihnen, Herr Eggerch, die Welt wird staunen. Das mutz ich Ihnen gleich erzählen."

Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über, dachte Hem Eggerth bei sich, während Dr. Wille ihn mit einer Flut von neuen Theorien und Beobachtungen überschüttete.

Bedächtig hatte Schmidt inzwischen die Wagentür verschlossen und kam hinter den beiden her. Es fiel ihm nicht schwer, sie emzuholen, denn eben jetzt hatte Dr. Wille sein Opfer bei einem Rockknopf gefatzt und hielt ihn daran fest, während er unermüdlich weiterdozierte..

Hein Eggerth hatte das Gefühl, datz er hier anfrieren würde, wenn er dem Disput nicht schleunigst ein Ende bereitete.

Lassen wir jetzt die wissenschaftlichen Dinge , sagte er sehr ent­schieden.Ich bin nicht allein hier, Herr Ministerialdirektor Reute ist mit uns hierhergekommen, um Sie als Staatsbeamte m Pflicht und Eid zu nehmen."

Verschieden wirkten seine Worte auf die beiden. Der lange dürre Schmidt wurde noch um einige Grade hölzerner und steifer als gewöhn­lich Dagegen bedurfte es noch einiger Anstrengungen, bis Wille feine Theorien beiseite schob und sich auf die neue Situation einstellte.

Ruhe, Fassung, Würde, lieber Doktor!" flüsterte ihm Eggerth lachend ins Ohr,nehmen Sie sich ein Beispiel an Schmidt. Der ist schon jetzt jeder Zoll ein Ministerialrat."

Sie tarnen in den Speiseraum des Wohnwagens und wurden Reute, der sie noch nicht persönlich kannte, vorgestellt. Lächelnd sah der Ministerialdirektor zu, wie Schmidt und Wille sich erst einmal über die Speisen hermachten, lächelnd hörte er die Erklärung Eggerths an datz die beiden gelehrten Häuser sich zwölf Stunden hindurch über ein wissenschaftliches Thema verbiestert hätten, ohne dazwischen Nah­rung zu sich zu nehmen.Mit gesättigten Leuten ist besser zu ver­handeln als mit hungrigen", dachte er im stillen.

Dann aber bei Kafsee und Zigarren kam die Unterhaltung tn (Bang. Sie ging schnell vonstatten, weil Reute die großzügigen Bedingungen des Deutschen Reiches sofort klipp und klar auf den Tisch legte: Über­nahme der bisherigen Privatexpedition Willes durch das Reich in Form eines antarktischen deutschen Instituts. Ersatz der bisherigen, von Dr. Wille persönlich getragenen Unkosten durch die Uederwelsung einer Summe, die ihn voll entschädigte. " M

nach einem Etat, den Reute bis

des Reiches zu stellen.

Ein Handschlag danach und der Akt war beendet.Es ist wirklich wie bei einer Trauung, wo aus dem Fräulein plötzlich eine gnädige Frau wird", mußte Berkofs bei sich denken, als gleich nach voll­zogenem Handschlag der Ministerialdirektor den langen Schmidt als Herr Ministerialrat" anredete und zu Dr. Wille sogarlieber Kollege" sagte.

Dann saßen sie wieder zu fünft am Tisch. Eggerth zog Hagemann beiseite und flüsterte eine Weile mit ihm. Der verschwand und kam nach kurzer Zeit mit einem großen Packen unter dem Arm wieder.

Ich danke Ihnen, Hagemann, Sie können wieder gehen", sagte Eggerth, während er ihm den Ballen abnahm. Kaum hatte sich die Tür hinter ihm geschlossen, als Reute das frühere Gefpräch wieder aufnahm. ,r. , ,

Ja, mein lieber Kollege, Ihre Expedition ist nun offiziell eine Unternehmung des Reiches geworden. Wie Sie aus Ihrem Vertrag ersehen haben, rangiert das deutsche antarktische Institut parallel mit den Kaiser-Wilhelm-Jnstituten. Nur ein Unterschied ist dabei. Das neue Institut befindet sich außerhalb der Reichsgrenzen im Niemandsland der Antarktis. Das Institut vertritt hier das Deutsche Reich. Es muß deshalb die Reichsflagge zeigen."

Während der letzten Worte Reuies hatte sich Hein Eggerth daran gemacht, den Ballen auszuwickeln. Eine neue große Reichsflagge tarn daraus zum Vorschein.

Wollen wir sie hissen, Herr Ministerialdirektor?

Reute nickte.Ja, Herr Eggerth, aber gleichzeitig einen Funkspruch nach Berlin absenden, daß das Reich die frühere Expedition Wille als Reichsinstitut übernommen hat. Er griff nach Bleistift und Papier und entwarf eine Depesche. Dann gingen sie zu dem zweiten Wagen, bei dem Hagemann von Eggerth instruiert schon wartete. Langsam stieg aus dem mächtigen Bau des Kraftwagens ein Mast in die Hohe. An seiner Spitze nahm er die Reichsflagge mit.

Hein Eggerth ließ sich von Reute die Depesche für Berlin geben. Während die übrigen zu dem Wohnwagen zuruckkehrten, ging er damit 3U dem dritten Wagen, in dem Rudi Wille sich mit seiner Radioanlage häuslich eingerichtet hatte. Als er hineinkam, tönte ihm das Klappern der Morsetaste entgegen. Rudi hockte gebückt vor seinen Apparaten, die Kopfhörer an den Ohren, völlig in seine Arbeit vertieft, so daß er den eintretenden Eggert gar nicht merkte. Der ließ ihn eine Welle ge­währen, bann trat er näher und legte Rudi die Hand aus die Schulter. Der blickte nur einen Moment auf, er hatte seine Station inzwischen chon wieder auf Empfang umgeschaltet und notierte hastig mit, was er hörte. Mit einer kurzen Bewegung schob er Hem Eggerth ein paar beschriebene Blätter hin ... Der überflog sie, behielt sie in der Hand und verließ mit ihnen den Funkraum.--

*

Maßregeln gegen Neugierige.

Nun, Herr Eggerth", fragte Reute, als Hein in kam,ist unser Funkspruch expediert?"

Noch nicht, Herr Ministerialdirektor, die Station

den Wohnwagen war anderweitig

von ihm und

der Not-

Bei

ihrer auch

Maschine wenn sie

nach Deutschland nahmen."

Ein Mr. James Garrison aus Pasadena. Jawohl, Herr Mimste- rialdirektor. Wenn's derselbe ist, wäre es nicht sehr erfreulich."

Hein Cggetrh warf ihm einen Blick zu, der ihn schweigen liefe, und nahm das nächste Telegrammblatt vor. Was er von ihm und den folgenden Blättern las, liefe zur Genüge erkennen, daß die beiden Amerikaner sich in einer sehr üblen Lage befanben. lanbung auf unebenem ©elänbe war bas Fahrgestell so vollkommen zerstört worden, daß an einen Start, neuen Treibstoff erhielten, nicht zu denken war.

bcfefet

Oh, das ist bedauerlich, Herr Eggerth. Es handelt sich hier um eine Staatsdepesche, die natürlich jedem Privatfunk vorgeht. Daran werden Sie sich gewöhnen müssen, meine Herren, nachdem Ihre Expedition ein Reichsunternehmen geworden ist."

Eggerth setzte sich an den Tisch und breitete die Blatter, die er von Rudi erhalten hatte, vor sich aus. Ohne weiter auf den Vorwurf Reuies einzugehen, sagte er:Hören Sie bitte zu, weine Herren. ,Funkspruch, ausgenommen 15 Uhr 16 Greenwichzett, 808-Ruf von ,W 16". Amerikanisches Flugzeug ,$316' aus Treibstosfmangel 300 Kilo­meter südlich von hier notgelandet, bei Landung havariert. An Bord zwei amerikanische Bürger, Garrison und Bolton. Erbitten dringend Hilfe von Station Wille."

Schon bei den ersten Worten, die Hein Eggerth verlas, harren die Anwesenden aufmerksam zu. Sie wußten alle, daß ein 808-Rus jeber Staatsbepesche voranging. Als ber Name .Garrison' fiel, räusperte sich ber Ministerialbirektor sehr merklich. Hein Eggerth legte bas erste Blatt bei Seite, um zum zweiten zu greifen, als Reute fragte:

Garrison ... Mr. Garrison ... ba war meines Wissens boch ein Mr' Garrison in ber Station am Pol, ben Sie, Herr Berkoff, mit

sich sofort zu Hilfe

Reute ftanb auf.

Ich glaube, Herr Eggerth, es ist Christenpflicht, daß Sie mit ,St 8' aufmachen unb ben verunglückten Amerikanern , .

eilen. Nehmen Sie bitte auf meine Person gar keine Rücksicht^, fuhr er fort, als Hein Eggerth etwas erroibern wollte.Je eher Sie bas amerikanische Flugzeug finben, um so besser wirb es sein. Ich fürchte, es geht hier um bie Minuten.

Kurz barauf stieg ,St 8' auf unb jagte in süblicher Richtung davon, um die Suche nach den Amerikanern aufzunehmen.

Reute wandte sich an Dr. Wille.

Ich bitte Sie nun, Kollege, für die schleunigste Erledigung dieser Staatsdepesche Sorge zu tragen und ferner nach Bitterfeld zu funken, daß ein Stratosphärenschiff hierher kommt und mich an Bord nimmt.

Die Unternehmung der Herren James Garrifon und Joe Bolton liefe sich anfangs recht aussichtsvoll an. Aus den Aufzeichnungen der ver- fchiedenen Erdbebenwarten gelang es Garrison, die Ausschlagsstelle des Boliden mit einer Genauigkeit zu ermitteln, die Professor Eggerth und seinen Freunden wahrscheinlich schlaflose Nächte bereitet haben würde, wenn sie darum gewußt hätten.

Gleich danach eilten die beiden Amerikaner unter Benutzung der australischen Luftlinie nach Adelaide, wo ihnen bas Glück zweimal hold war. Es gelang Bolton für einen verhältnismäßig billigen Preis ein gutes schweres Flugzeug der Type ,W16' zu erwerben, und sie fanden überdies einen Walfischfänger, der sie mitsamt ihrem Flugzeug und einer gehörigen Menge Reservebenzol bis zum 75. Grad südlicher Breite ins Roßmeer mitnahm.

Das Flugzeug hatte Treibstoff für rund 4000 Kilometer an Bord. Sie konnten also mit voller Sicherheit einen Flug ju der von Garrison ermittelten Stelle unternehmen. Ohne Schwierigkeiten erreichte ihre Maschine Süd-Viktorialand und steuerte weiter auf das von Garrison angegebene Ziel zu. Bei klarem sonnigem Wetter strich das Flugzeug in etwa dreihundert Meter Höhe dahin, als ein Glitzern und Blinken auf dem Boden Bolton veranlaßte, träfe heftigen Widerspruches von feiten Garrisons niederzugehen. Eine Anzahl großer Brocken jenes schweren fremdartigen Erzes im Gesamtgewicht von gut drei Zentnern waren es, die Bolton gesehen hatte und die er jetzt in das Flugzeug schleppte, obwohl ihm Garrison das Törichte und Uederflüsstge seiner Handlungsweise sehr deutlich vorhielt.

(Fortsetzung folgt.)