Ausgabe 
17.9.1934
 
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,Er hat gesagt,

ziehend:

Der Gott, der Eisen wachsen lieh. Der wollte keine Knechte, Drum gab er Säbel, Schwert und Spieh Dem Mann in seine Rechte.

r, c r annnortlich: Dr. Hans Lhyriot. - Druck und Verlag: Brühl',che UniversitötS-Buch. und Steindruck erei, «.Lange. Wiehen.

Sie sollen ihn nicht erschießen!' Mißtrauisch tritt der französische Dffi; ','ier heran.Hat Ihnen seht der Herr feine letzten Wunsche mitgeteilt? Jawohl, Herr Kolonel, ja." Der alte Mann reißt den Kops hoch.Ich muß bloß noch einen Sprung ... in meine ... Dfftgin - - tun! Herr Pievenfuß und ich werden dort ... das Testament des Herrn ... nut größter Eile aufsetzen, und es ihm dann sofort, mit Ihrer Bewilligung, Herr Kolonel ... überbringen!"

''Hochm^gerichte^sieht^Quast seinen verschwindenden Freunden nach. Die Mutter der vier Kinder lächelt.

Silentium!"

"Er^hM mßagt, wir sollten uns an den Franzosen ein Beispiel neh­men! Ja das hat er gesagt!"Wir sind nicht äußerlich! Herr Friede- lob versteht un» nicht! Wir haben ein deutsche» Herz!"Bernunst, Jungens! Vernunft! Niemand will euch euer deutsches Herz nehmen! Brüllt doch nicht so! Ich las,' euch doch euer deutsches herz? -Aber er nicht!"Herr Rektor, immer lobt er die Franzosen! Immer! Bet jedem Anlaß!"Wir wollen die Franzosen nicht als unsere Herren anerkennen! Wir erkennen die Franzosen niemals an, S)err

Geht nach Hause! Vorwärts! Alle aus der Klasse! Ihr habt für heute frei!" N

lRichig''Imigens! Der Deutsche hat Disziplin! Gehorcht als Deutsche! Kommen Sie, Herr Kollega!" Im Dröhnen der neu anschwellenden Schrei- Symphonie gehen die Lehrer.Das ist die Folge der neuen Erziehung, Herr Rektor! Sie entwickelt Persönlichkeiten, aber sie mordet ,ede Auto- ritnt"Das ist das, was wir brauchen!" Sie treten in die Rektoren­stube, der Rektor sperrt die Türe hinter sich ab.Herr Rektor, klagt Friedelob,Herr Rektor, ich will die Jünglinge doch nur zur Demut erziehen!? Wie sollen sie denn anders ihr hartes Schicksal ertragen? Sie müßen an unsere Schuld glauben! Sie müssen! Herr Rektor weint der Lehrer auf,ich habe doch auch zwei Jungens? Soll ich die arß dem Schlachtfeld verlieren? Der Frieden ist nur zu erhalten, Herr Rektor, wenn unser Land glaubt, seine Not sei verdient!"

Der Rektor schüttelt den Kops. Nein! sagt er -n WedenNein! Wenn jemandem Unrecht geschieht, dann hat er die Pflicht, allstund ich sein Recht in die Welt zu schreien! Die Jungens sind nicht formal, aber sie sind zweifellos seelisch im Recht!"

".Wenn^jeniand in Ihr Haus dringt und Sie mit Mord bedroht, bringen Sie dann dadurch den Mörder zur Nachgiebigkeit, daß Sie ihm die Füße küssen? .Du ober ich' heißt es!" Lauschend halt der Rektor Inne,

*öiV kllen \nir denn hochkommen,' klagt Friedelob,wenn uns die Formen so gar nichts gelten?" Zum Schweigen mahnt des Rektors Zeige­finger: Stiirmifch, taktfest singen die Primaner, an der Ture vorüber-

singt der Lehrer Heydedank mit:

Doch wer für Tand und Schande ficht.

Den hauen wir zu Scherben.

Der soll im deutlchen Lande nicht

Mit deutschen Männern erben." .

Friedelob senkt den Kops-, der Rektor schnaubt sich, er bur*-1 ">w räuspert sich.Rdrmrhm!"

Der Rektor steht, das Taschentuch norm Gesicht.

(Fortsetzung folgt.!

Wildes Geschrei schwillt hinter der Türe des Friedrich-Gymnasiums. Der Pedell reißt die Türe in die Rektorenstube auf.Revolution, Herr 'Jiehör! Revolution!" brüllt der Invalide.Die Jungens bringen den f)crrn Friedelob um! Sukkurs!" Das Lineal reiht der Rektor vom Schreibtisch, sie stürzen gemeinsam über den Gang, die Treppe hinan: Wüstes Durcheinander ist in der Prima, Papier raschelt, R'dieklappern, widerspünstig ausbcgehr-nd schreien die iuug-n Stimmen durcheinander Wir lassen uns das nicht gesallen!Nein!Er muy wwer rufen!" .Wir sind stolz daraus, daß wir Deutsche sind! Des Rektors Gesicht erhellt sich. Vergeblich sucht hinter der Türe des Lehrers stolpernde Stimme einen Satz.Schweigen Siel"Wir laßen uns nicht beschimp­fen!"Wir sind nicht äußerlich!"Dafür hungern wir nicht, daß Sie uns befchimpfen!" .Wenn wir auch nicht so geschniegelt und gebügelt gehen wie die Franzosen, wenn wir auch -in armes, getretenes Volk sind, ein Herz haben wir doch! Sie kennen uns nicht3an>ol)l! jubeln die andern.Er kennt uns nicht. Er will uns nicht kennen!

Leg' dein Prügelholz weg! Da, nimm auch mein Lineal, versteck es! "Raus!" brüllt es hinter der Türe.Raus!" Der Rektor osfnet ver­wüstet, gedrängt, gedreht und gestoßen, zitternd steht Herr Friedelob vor seinem Rektor 'Er hat Deutschland beschimpft, Herr Rektor!'^ schreien die Schüler.Er hat gesagt, wir feien Barbaren!Er , die Franzosen seien im Recht, sie seien viel feiner als wir!

Drum gab er ihm den kühnen Mut, Den Zorn der freien Rede, Daß er bestände bis oufs Blut, Bis in den Tod die Fehde."

So, Herr Friedelob, so wächst unserem Inhalte die Farm! Nur so!" Der Rektor faltet, zum Himmel emporsehend, die Hände, der Gelang zielst der Straße zu, des Pedells Stimme qröhlt im Rasseln der ft affen- schlüssel mit:Bis in den Tod die Fehde!" lieber den, Rektoren zimmer in einer anderen Klasse hebt sich das gleiche Lied, aus voller Brust

'

hädifler Svannung studieren sie die Kreuz- und Querstriche, die zu Un lelerllchkeil aus der Tischplatte verwischt sind.Er löscht alles aus, bevor er geht!" Aergerlich, mit aller Kraft reibt das Mädchen.Wahrscheinlich rechnet er seiner Plätterin nach! Susettchen!" Der Bursch legt dein Mad- chendenArmum die SchusterGelt? Ihr werdet wie d.e Spanierin- »en kämpfen? Komm, gib mir einen Kuß, Holde!. > Hoch, vivat! Es lebe der Tugendbund! Kennt ihr des .Knaben Wundcrhorn ?Rcht Paßt aus!" Der Burfch setzt sich aus den Tisch, er zieht das Madel zu sich, er singt, die Umhalste hin- und herwiegend:

Der Leib verweset in der Grust, Der Rock bleibt in der Welt, Die Seele schwingt sich durch die Lust In» blaue Himmelszelt...

Das haben gesungen drei Jungsräulein Zu Wien, in Destereiche, Zu Wien! In Desterreichell

Majestät", spricht Scharnhorst.Es ist Zeit! Ein b^iegies Oesterreich bedeutet endgültige Vernichtung für uns! Ich habe bieFest"VC t'Iic die Feughäuser sind gefüllt, es ist alles vorbereitet! In einem Tage können die festen Plätze unser sein! Bewafsnen Sie Mann und Frau, Kind und Greis, der Feind kann jetzt mit Sensen, Zahnen und Fausten hinausgeworfen werden, einer Mlllionen-Jnsurrektion widersteht feine Armee!" Unverdeckt, leidenschaftlich loht Scharnhorsts Blick.Horen Sie nicht aus die Diplomaten, rechnen Sie nicht aus England, rechnen Sie au Ihr Volk! Es will frei sein! Es breitet die Flügel!

Nein Ist der erste Pastor erschossen, hat Ihre Idee ein Ende. Nein", sogt Friedrich Wilhelm bestlmmt.Habe alles genauestens über­legt Wird der Kaiser In Wien sicher wieder nicht durchhalten. Habe aber nicht» dagegen," schließt Friedrich Wilhelm beschwichtigend, Jdfulb- bewußt,daß Sie meine ehemaligen Soldaten in den Militarwerkstatten beschäftigen, al» Arbeiter, selbstverständlich! betont Friedrich Wilhelm, er schielt,will ja dem Elend steuern, wo ich kann.

Cure Majestät sind jetzt wieder gegen eine Kriegserklärung an der

Kann nicht! Dars nicht! Steht zu viel aus dem Spiel, tue es nicht. Ernst sieht Scharnhorst In Friedrich Wilhelms ^edergebrochene Gesichts- ziigeKönnt ja ohne mich ansangen! sagt Friedrich Wilhelm.Tut ohnedies in allem, was ihr wollt . Wlrd |a sicherlich ... Gott einmal helfen. Jetzt .. kann nicht! Kennen Sie die Fürsten nicht! Kenne die Fürsten. Defterreid) hält sicherlich nicht durch."

Kein Fürst, Majestät," spricht Scharnhorst,kann die nationalen und moralischen Ueberzeugungen seines Volkes, aus sich heraus ent­standen, zurückhalten wie die Meinung des Einzelnen! Hier endet die Gewalt der Fürsten! Ich werde Eurer Majestät Willen durchsetzen, solange es möglich ist." Scharnhorst geht-, ein welker lebensfremder Ge­lehrter tritt aus Friedrich Wilhelms Zimmer, tief hangen die Augen- deckel Scharnhorsts über seine Augen Köckritz und Zastrow erheben sich, mißtrauisch mustern sie Sd)arnl)orfts Erscheinung.Meine Herren Ka­meraden", spricht Scharnhorst müde.Wirken Sie aus Gerne Majestät ein daß er uns vertraut Wo war id) denn? Was wollte id) denn sagen?

Ja? " Erschöpft, als gehorche ihm das Hirn nicht mehr, abbittend lächelt Scharnhorst.Richtig, ja. Bitte: schärfen Sie Seiner Majestät ein daß er nicht den Versprechungen Englands glaubt, die Engländer werden nicht landen' Wir stehen allein! Wir müssen Ruhe halten um jeden Preis, anders ginge Seine Majestät zugrunde. Ach, wie furchtbar! Seine Majestät Ist heute wieder sehr mutlos." Scharnhorst neigt den Kopf, er schreitet davon, sie leben ihm nach.

Die Seele diese» Kerl» ist faltenreid) wie seine Visage! knurrt Zastrow,ich kenne mld) mit Ihm nicht aus!"

,Ach nein", beruhigte Köckritz, er tupft sich an die Stirn,er ist bloß da oben nicht richtig. Er denkt nicht an Krieg. Kommen Sie, gehen wir zum König! Mir haben gesiegt!"

Der herkulische Mann sieht zur Türe. Der Apotheker Eberswaldt ist mit dem Notar Piepensusz in» Wachzimmer getreten. Die Herren ver­handelnBon", lagt der Iranzösische Dffigier.Id, habe nicht» dagegen, daß Sie de» Herrn letzte Münfche entgegennehmen. Id) gebe Ihnen dazu drei Minuten Zeit!" Durch die sperrende Linie der Franzosen tritt hastig der Apotheker: der Notar bemüht sich, die Soldaten in ein Gespräch zu verwickeln .Herr von Quast", haucht der Apotheker.Ist e» wirklich wahr, daß man in Ihrem Stall unseren alten Grenzpsahl sand? Breit­schultrig nickt Quast.Id, hob ihn für meine Kinder auf. Sie werden ibn wieder einpslnnzen, ist die Kned)tiing zu Ende!"Ach, Herr von Quast, do» ist aber lehr übel'? Sie wissen, wie die Dinge flehen?" Fra- genb stemmt Eberswaldt seinen unglückverhangenen Blick Ins Antlitz der kleinen Frau an de» Verhafteten Seite.Gnädige Frau, die Feinde sind (ehr erbarmungslos'" Die blaße Frau nickt: ihr Blick ist mutig, gehalten: wie es Gefaßte sind am Bette eines Sterbenden.Herr von Quast" bittet der GreisSagen Sir mir schnell, was Sie mir zu sagen haben' Wo» können mir für Sie tun? Sie haben vier Kinder!" Der Riese ni-ff liebevoll. dankbar faßt er die Hand seiner Frau.Wir haben alles miteinander durchgest,rochen. Herr Eberswaldt". lagt Quast ruhig, er nelat sich vor. fein Blick funkelt auf.Gib mir Gift!" Ein Sturz geldlich' im oit.-n Apotheker.Die Huizde fallen mich nicht erschießen: verschaff' mir Gift!"

Herr Quast?"

Ich bitte Md,, Eberswaldt! Du haft Gift in deiner Dffigin, ich weiß!" Ach ja, bitte, geben Sie ihm Gift!" fleht die kleine Frau.