Ausgabe 
17.8.1934
 
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Der Tag der Freiheit rückte endlich heran. Vorerst war es nur ein Gerücht, aber dann wurde es Wirklichkeit. Vor lauter Freude und Auf­regung konnte ich nicht mehr schlafen, als die Stunde der Heimkehr Ichluq. In Lastautos fuhren uns die Engländer in den Hafen von Alexandria, wo wir den türkischen DampferGül Djemal" bestiegen, auf dem wir von einem Reichswehrkommando in Empfang genommen wuZ,7wir den Hafen verließen und am Leuchtturm vorbeisuhren, hielt unser ältester Offizier eine zündende Ansprache, auf die hin alles mit Tränen in den Augen und mit geballten Fäusten spontan das Deutsch­land-Lied anstimmte. Wir haben dieses Lied damals an der Rordkuste von Afrika gesungen, trotzig, ehern, wie nie zuvor. Denn wir waren überzeugt, daß unser Vaterland wieder auferstehen werde, auferstehen zur neuen Größe, wenn nur der richtige Führer an seiner Spitze stehen werde. Und den haben wir jetzt.

Oie sprachschöpferische Dichtung.

Von Konrad Burda ch.

Der Verfasser, dessen 75. Geburtstag vor kurzem von einer großen Gemeinde von Freunden und Schülern begangen wurde, gehört zu den Hütern des deutschen Sprachschatzes, die den unbestechlichen Blick des Forschers mit künstlerisch ge­schultem Einführungsvermögen verbinden. Für Burdach gibt es keine selbständige sprachliche Entwicklung; Sprachgeschichte ist ihm Bildungsgeschichte. Aus seinem bei de Gruyter, Berlin und Leipzig, erscheinenden BuchDie Wissenschast von deut­scher Sprache" bringen wir diesen Abschnitt, in dem die Frage der sprachschöpferischen Dichtung am Beispiel Goethes be-

und Formgeschichte der bildenden Kunst. Seit Jahrzehnten habe ich selbst mit Nachdruck diese Forderung immer wieder erhoben und nach Kräften versucht, sie in meinen eigenen Forschungen und Darstellungen zu erfüllen.

Und ganz gewiß auch trägt jeder echte Poet zugleich ein Stück vom Bildner, vom formenden Künstler in sich. Drama, Novelle, Roman, kurz alle Dichtungsarten stehen in Aufbau, Gliederung, Ablauf, Kontrast­wirkungen und Einheit, Gruppierung und Charakteristik der vor­geführten Personen unter Gesetzmäßigkeiten, die denen einer Skulptur, eines Gemäldes, eines Bauwerks verwandt sind. Ohne Zweifel war es vollauf berechtigt, wenn einmal ein geistreicher Kunsthistoriker es unter­nahm, Goethe als Bildner zu schildern. Unstreitig hat es etwas Lockendes und ward nicht ohne Glück, wenn auch manchmal mit Gewaltsamkeit unternommen, die innere Architektur seinerIphigenie", seinesTassv' auszudecken und zu zergliedern. Man kann recht wohl auch manchen der lyrischen Gedichte aus seiner Jugend symmetrische Gliederungen von tektonischer Gesetzlichkeit und Harmonie abhorchen.

Aber diese Bemühungen, die Poesie in ihrem Wesen und Werden aus der Kunst zu erhellen, bringen doch auch Gefahr. Und mich dünkt, gegen­wärtig droht bereits, weil man vielfach den Parallelismus zwischen Kunst und Dichtung, bildendem und poetischem Schaffen übertreibt, im Aeußer- lichen sucht und allzu schematisch durchführt, die grundlegende Erkennt­nis fich zu verdunkeln, daß alle Poesie unter allen Umständen zunächst und hauptsächlich Sprachgestaltung ist und daher an die eigentümlichen, einzigartigen Kräfte und Gesetze gebunden ist, die in der Sprache walten und nur in ihr. Die Sprache aber ist dasjenige Werkzeug des mensch­lichen Geistes, das sich an das Ohr, den der Seele nächsten Sinn wendet. Alle Poesie ist schöpferischer Seelenausdruck im Wort.

Das klingt recht selbstverständlich. Aber es kann gar nicht genugsam einqeschärft werden. Denn die Darstellungen der deutschen Literatur­geschichte, neuerdings selbst in Büchern, die aus Grund eigener Quellen­forschung wissenschaftliche Erkenntnis sich zum Ziel nehmen, leiden in zunehmendem Maße unter dem Streben, die literarische Entwicklung als unmittelbaren Reflex oder wenigstens als unmittelbare und gleich­zeitige Parallele der Kunstentwicklung anzusehen und ihre Anstöße und Hebel in künstlerischen Motiven zu suchen. Das ist ein bedauerlicher

Große Dichter strahlen am Himmel der Weltliteratur über Länder und Meere: den nach ihnen kommenden Zeiten und Völkern im Jrrsal des Lebens Leuchten und Weiser zum Ewigen, weil sich ihrem Zauber­stab die geheimen Wunder der Sprache öffneten und aus verborgenen Gründen alte Schätze zu ungeahnter Wirkung emportauchten, die den geistigen Kern der Nation enthüllen und deshalb dem Bilde der Mensch­heit einen neuen Zug einfügen, der unverlierbar ist.

Goethe steht in der Reihe dieser Sterne als einer der lichtesten, und jedenfalls ist er unseren Herzen der nächste. Sprachschöpferisch ist seine Poesie zu allen Zeiten seines Lebens, sobald er die frühesten tastend nachahmenden Erstlingsversuche hinter sich hat. Aber am stärksten und wie mit der eruptiven Gewalt einer Naturkrast drang seine schöpferische Sprachbezwingung und Sprachgestaltung ein auf die bewundernde, staunende, erschreckende Mitwelt, da er in und nach den Straßburger Studiensemestern als Schüler H a ma nn s , H e r d e r s und Kl o fi ­st o ck s die Freiheit der Natur, seiner eigenen Natur und der Natur des Deutschtums errang.

Katarina kann sich nicht entscheiden.

Roman von Viktor vonKohlenegg.

Copyright 1932 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.

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Nikodem saß plötzlich mit schärferer Längsfalte in den bleichen Wangen da und schien arglos die schmale Hand auf des Prozessors braunen Aermel legen zu wollen, als gedächte er, den hervorragenden Mann freundschaftlich noch ein Weilchen ^stzuhalten em imdhafter Mensch Sie waren in. diesem Sommer an der Nordsee? lenkte er unversehens ab.Ihr gehört meine große Liebe: See, See Nord- fee1 Sie macht mich wunderbar still und produktiv aber ich kann niemals an der See wirklich schreiben, ich bm bloß ungeheuer wach und selig faul, mache tausend Notizen, es regnet Notizen auf noch, Ein­fälle allerschönste Dinge; die eigentliche Arbeit kommt spater im Hinter­land' .. Auch Katarina, Ihrer Frau Braut, sollen diese drei, vier Wochen Nordsee gut bekommen sein, sagt die Mama; sie soll bei ihrer Heimkehr braun wie die schönste Prinzessin von Samoa gewesen sein ein festlicher Anblick den ich leider in der wirksamsten Zeit versäumt

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Menge mi? einem höllischen Grimm auf diesen Menschen der mit frechen Fingern an etwas Unantastbares, Hohes S^ruhrt hatte.

T TOein @ott entschuldige, Lu! Ich wurde aufgehalten. Warst du lehr" ungeduldig?" Es war Katarina. Sie stand hinter ihm im grellen rnnnpnbrht war in diesem Augenblick aus einem Seltengang gekorn- Sonncnhdjt mar m me em H Eile und nervöse Hast.

men4 batift' bu ia! 3d) babe Z Zn gewartet." Er blickte sie an und" sie' schien ihm sogleich wieder merkwürdig ernst und sremd.Ich traf eben deinen ^^^etrachtete ihn rasch von der Seite.Ist

leuchtet wird.

Im Jahre 1773 erschien ohne Bezeichnung des Verfassers das Schau­spielGötz von Berlichingen mit der eisernen Hand", im nächsten Jahre, gleichfalls namenlos, der Roman in BriefenDie Leiden bes jungen Söerthers". Unbegreiflich schnell aber lüftete sich diese Anonymität und flog der Name des Dichters, des Frankfurter Dr. juns Wolfgang Gaethe, den anfangs nur ein enger Kreis gesinnungsverwandter be­geisterter Freunde und Verehrer- gekannt hatte, durch das literarische Publikum aller deutschen Lande, ja aller Erdteile. DerWerther zumal errang einen Welterfolg ohnegleichen. Selbst derFaust hat ihn spater kaum erreicht, sicher nicht übertroffen. ...... ,

Allerdings unter den Bewunderern, die sich um den funfundzwanzig­jährigen Dichter scharten, überwog die Jugend. Die ältere Generation und die Alten verhielten sich kühler: L e s s i n g mit Krüik zweifelnd, verständnislos nörgelnd der greife Bodmer in Zürich, obgleich er doch leibst mit feinem Freunde Breitinger vereint eint die Bahn ge­brochen hatte zur Befreiung von engherzigen Schulregeln unb zur Ver­jüngung der deutschen Poesie. Er glich nun jener Entenmutter, die betroffen merkt, daß sie statt eines Entleins einen jungen Schwan aus- gcbrütet hat. Schulmeisterlich tadelnd stand der Porste Goethes um Ujrer unerhörten Sprache willen auch der führende deustche Grammatiker gegenüber: Johann Christoph Adelung, der Erbe Gottscheds. Er repräsentierte das Stilgefühl der Schriftstellergeneratlon, tue um 1740 bis 1760 geblüht hatte, er fah in den Schriften Gellerts und ia- beners ^d-w Uz, Gleim, Christian Felix Weiße, also bem Leipziger'Geschmack der Mitte des Jahrhunderts den Höhepunkt der deutschen Literatur. Ihm galt deren Sprache das >n Meißen entstandene Hochdeutsch als Muster und davon abzuweichen als Verfall

UeberMidt man die gedruckten und brieflichen Urteile ber Zeit- aenoffen über Goethes Poesie, so sieht man mit Staunen daß ihr selbst O x t ^ahrbunbertö von den Gebildeten unserer

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noch keineswegs die unbedingte Meisterschaft in der deutschen Literatur

SÄtf»« v W ulngs Wid«stanch che"Art,°wi^ e^smtwächend "vmnend VeispieUaus dieser Sprache in den trockenen Lehrvortrag seiner grammatischen Schnf ten hineimiebt beweist es. Goethe hat sich die deutschen Herren Zuerst hnrrh hio Urlnute feiner Sprache. Seine geniale Schöpferkraft, sein? dämoiüsche Persönlichkeit, die alle, die ihm währenb seiner Jugenb

Äbnis Des poetischen Werks und seines Schöpfers war durchaus ber ('XU 'unsere"n°Tagen^naive Hörer und Leser eines neuen

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Sprache Darüber wird leicht lächeln, wer gewohnt ist und geübt, kunst- iriÄSr W ä tÄW® bem Werden der übrigen geistigen Hervorbringungen, nicht am w g sten mit denen der Kunst. Sicherlich bleibt jeder Betriebsart der Litera­turgeschichte ber Lebensnerv bes nationalen unb mternationalen Geistes- SMS? - »S*- S5S -» der^chzelwissenschaften^und anderseits in die Betrachtung der Stoff-