Maschinenkraft stürmte es durch die Stratosphäre dahin und brachte in jeder Minute 25 Kilometer hinter sich. —
Eine Nacht kam und ging. Am solgenden Morgen war es über Deutschland. e
Fünf absonderliche Pelzwesen hatten dem Stratosphärenschisf kur^e Zeil nachgeschaut, als es die Station in der Antarktis verlieh. Aber d,e arimme Kälte und der schneidende Wind luden nicht zu längerem ®er- wellen im Freien ein. Sobald ,6t 8' ihren Blicken entschwand, kehrten sie in das Stationshaus zurück, in dem die elektrische Heizung eine behagliche Wärme verbreitete. .
Liier waren die gewaltigen Bärenpelze nicht mehr vonnöten, und wie sie abgelegt wurden, kamen menschliche Gestalten zum Vorschein. Aus dem ersten Pelz schälte sich ein mittelgroßer Herr, der etwa m der Mitte der Vierziger sein mochte. Seine hohe Stirn und die klugen Augen verrieten den Gelehrten, wahrend das starke Kinn zähe Tatkraft und Ent- icklostenheil kündete. So mochte einmal Nansen in jüngeren Jahren aus- aefeben haben Es war Dr. Rudolf Wille, der die Station hier am ma- gnetiLn Südpol unter 73 Grad Süd und 115 Grad Ost aus eigenen Mitteln, aber mit taträftiger Unterstützung der Eggerth-Werke errichtet hatte.
Die Gestalt neben ihm, zwei Köpfe größer und sehr viel dünner, ent- puppte sich als sein Assistent, Dr. Schmidt. Aus dem dritten Pelz sprang ein schlanker Junge von siebzehn Jahren, Rudi Wille, der Sohn des Stationsleiters. Aus dem vierten kroch Karl Hagemann, Mechaniker von Beruf und Faktotum bei Wille. Daneben noch Maschinist, Proviant- meister, Koch und Hans Dampf in allen Gassen. Alles m allem em Universalgenie und für die Station unentbehrlich. Dem fünften Fell endlich entschlüpfte der blonde Jens Lorenzen, von der friesischen Wasserkante, früherer Funkergast bei der deutschen Marme, jetzt absoluter Herr über das Funkwesen in Willes Station.
Während Dr. Wille seine vereiste Brille reinigte, verstaute Hagemann die schweren Pelze in einem Nebenraum und fragte:
Brauchen mich Herr Doktor jetzt?"
' Wille schüttelte den Kopf. „Vorläufig nicht, Hagemann. Kummern I Sie sich um das Abendbrot." ,
H^emmm^tachchte Einern kurzen Blick mit Rudi Wille und verlieh zusammen mit ihm den Raum. Ihr Weg führte sie durch emen schmalen Gang zu dem am einen Ende des Stationshauses angebauten Vorratsschuppen. Hagemann öffnete die Tür, schaltete die Beleuchtung em. Das Licht her elektrischen Birnen zeigte einen Vorrat an Lebensmitteln, der für die fünf Personen der Station auf Monate reichen muhte.
„Schauen Sie her, Rudi", sagte Hagemann, „Sie haben die Herrlichkeiten noch gar nicht gesehen, die uns ,6t 8' nulgebrochl hat
Er deutete dabei auf Regale, die mit Konserven aller erdenklichen Art I gefüllt waren.
Rudi zuckte die Achseln. . , ,
„Konserven, Hagemann, Konserven und, nochmal Konserven. Ich habe I genug von dem ewigen Blechbüchsensutter."
„6ehr richtig, Rudi. Ist auch nur für den Notfall gedacht Als Reserve, wenn die regelmäßige Zufuhr ausbleiben sollte. Aber sehen 6te sich mal bas hier an!" Er öffnete die Tür zu einem Nebenraum, in dem die elektrische Heizung so schwach eingestellt war, daß die Temperatur dicht am Gefrierpunkt lag.
Rudi Wille blickte in die Kammer und sah Dinge, die sein Herz erfreuten Da lagen frische Gemüse und Kartoffeln in Mengen. Da hingen an Haken ausgeschlachtete Kälber und 6chweine und daneben Geflügel aller Art. Hagemann fließ ihn in die 6eite.
Was, Rudi!? Das ist ein Essen für die ©öfter. Vorläufig brauchen wir' keine Blechbüchsen aufzumachen. Ja, ja! Die Eggerth-Werke! Wenn wir die nicht hätten, sähe es traurig um uns aus. Na für heute wollen I wir uns mal ein feudales Roastbeef mit Bratkartoffeln leisten.
Während er es sagte, säbelte er von einem Rinderviertel ein tüchtiges 6tück herunter. „6o, das soll uns schmecken! Ich wills gleich in die Pfanne hauen. ber ^Qnb „erließ er den Vorratsraum. Rudi Wille begleitete ihn nur ein 6tück. Dann verabschiedete er sich, um zu Lorenzen $U Hagemann trat in die Küche. „Alte Bastlerseele", knurrte er vor sich hin, „immer bei Lorenzen in der Funkerbude hocken und morsen . . na meinetwegen kann er das Vergnügen haben. Wer weiß, zu was es gut ist... Ist wenigstens noch einer in der 6tation, der den Funkkram Der« I steht, wenn Lorenzen mal der 6chlag treffen sollte."
So vor sich hinbrummend, machte sich Hagemann daran, die Kartoffeln für bas SIbenbbrot zu schälen. Währenbbessen faß Rubi schon bet Lorenzen unb vertrieb sich bie Zeit damit, Funksprüche aus allen Teilen I der Erde auszufangen.
Lorenzen ließ ihn gewähren. Er war aufgeftanben und schaute durch das Fenster in die dunkle Ferne. Ganz weit im 6üben dicht über dem Horizont sah er bunte «Streifen aufwallen und wieder verschwinden, den Abglanz eines fernen «Südlichtes. Dann blickte er zum Himmel empor, sah «Sternschnuppen häufiger unb schöner fallen als in früheren Nächten unb sah schließlich auch einen besonbers starken und glanzenden Meteor am fernen Horizont hinabschießen.
„«Schade, Rudi! Da haben Sie etwas oerfäumt. Eine wunderbare Sternschnuppe, war schon beinahe eine Feuerkugel. „Höchstens Hunden I Kilometer kann das Ding von uns ab gewesen sein."
Rudi Wille horte nur mit einem Ohr zu. Am anderen behielt er bas Telephon unb verfolgte mit sichtlichem Interesse einen Depeschenwechsel zwischen zwei Dampfern in ber Nähe von Kapstabt. Dabei kamen Lorenzen seine Instruktionen in bie Erinnerung.
(Fortsetzung folgt.)
sei. Und dann drang ein dumpfes Pfeifen und Brausen in ihr Gehör und übertönte bas Spiel ber Motoren. Em brohnenber bonnernber Lärm erfüllte bie ganze Atmosphäre. —
Ein schweres Schwanken bes Flugschiffes riß sie aus ©rer (frftarrung. Mit einem Satz war Hein Eggerth am Steuerapparat unb suchte bie Maschine burch verzweifelte Manöver roieber ins Gleichgewicht zu bringen. Minutenlang hatte er zu kämpfen. Die ganze Stratosphäre. jene hohe, von allen Stürmen unb Orkanen ber Erbe unberührte Luftschicht, war in ein brobelnbes kochenbes Meer verwanbelt. Das Flugschiff stampfte unb schlingerte wie ein Dampfer in tomerßer ©ee* W.e ungeheuerlich mußte bie Atmosphäre an ber Erdoberfläche burch ben Sturz bes Boliben ausgewirbelt worben (ein, um solche Storungen bis in die Stratosphäre zu entsenden?
Während Eggerth sich mühte, das Schiff vor dem Absturz zu bewahren, beobachteten Hansen und Berkoss die Katastrophe weiter Emen Feuerball sahen sie auf die verschneite Ebene aufschlagen, sahen die Ebene um die feurige Kugel herum aufschwellen und in Sekunden zur Hohe emporwachsen, bis sie wie bas Ringgebirge eines Kraters rings um bie Glut ftanb. Noch starrten sie auf ben neuen Feuerberg, als Nebel von ihm aufftieq. Auf weite Entfernungen hin verbampften Eis unb Schnee, unb wie eine bichte Wolkenwanb legten sich bie Dampfmassen über bie Einschlagstelle. Kurze Setunben noch sahen bie beiben bas Licht bes glühenden Boliben burch ben Nebel schimmern, bann verbargen es bte Wolken.
Eggerth hatte bas Stratosphärenschisf roieber in der Gewalt, als Berkoff zu ihm trat. Kurze Frage unb Antwort, bann griff Eggerth in bie Seitensteuerung. Das Schiff brehte nach Backborb «b, bis es rechtwinklig zu (einem bisherigen Kurs ftanb. Gerabehm auf die Einschlagstelle ging jetzt der Flug. Berkoff sah auf die Uhr, als die Schwenkung vollendet war. Es dauerte bann noch neun Minuten, bis bas 6trato= sphärenschiff entrecht über bem bichten Gewölk ftanb. Die Rechnung war danach einfach zu machen. 1500 Kilometer legte bas Stratosphären chiff in ber «Stunbe zurück. Nur 225 Kilometer war es von ber Einschlagstelle entfernt, als ber Bolibe niebergtng. I
In weitem Bogen kreiste das Schiff über bem Schauplatz ber Kata= strophe. In langen Spiralen ging es mit gebrosselten Motoren nach unten. Der Zeiger bes Höhenmessers begann zu sollen. 10 Kilometer ... I 8 Kilometer ... 5 Kilometer ... ba gerieten sie in bie brobelnben kochenden Wolken. Im Augenblick war jebe Sicht verschwunbem Weiß unb milchig schimmerte es im Licht ber Lampen an ben «Scheiben bes Kommanboraums. . ... .
„Es hat keinen Zweck, tiefer zu gehen, sagte Eggerth unb griff tn die Höhensteuerung. _ _ ß «...
Das Schiff schraubte sich wieder empor ... 5,5 Kilometer ... 6 Kilometer ...6a kam die Sicht langsam wieder, cher das Schiff flog in dichtem Schneegestöber. Noch einmal 500 Meter höher, bann hatten sie bas Schneetreiben unter sich. Das Schiss ftanb über bem Grenzgebiet, in dem sich bie emporgerissenen Dampfmassen in ber Kalte ber Polarnacht zu Schneeflocken verbichteten. —
In 10 Kilometer Hohe kreiste bie Maschine über dem Wolkenberg. Berkoff ftanb im Mittelraum unb arbeitete mit einem Sextanten. Er notierte Sternhöhen, schlug Tabellen auf, rechnete, schrieb fchlleßlich zwei Wahlen nieber: ,83 Grab 14 Minuten 6üb, 158 Grab 12 Minuten Ost. Das Papier mit ben Zahlen in ber Hand kam er in ben Kommando- raum zurück. . .
„Den genauen Ort haben wir, was machen wir letzt/
Merkwürdige Frage", erwiderte Eggerth, „wir haben den Auftrag, nach Deutschland zurückzufliegen. Alles übrige kann uns egal fein.
Noch während er es sagte, brachte Eggerth das Schiff wieder auf ben alten Kurs. „Wir müssen uns branhalien, wenn wir morgen mittag m Bitterfelb fein wollen." . . ,,
So eilig ist es boch nicht, Hein", wiberfprach Hansen, „bem alter Herr kann sich für einige Zeit auch ohne uns behelfem Ich hotte verdammt Lust, mir erst noch mal ben Boliben aus ber Nahe anzusehen.
„Junge, Junge, ba kannst bu bir eklig die Finger verbrennen", warf Berkoff ein, „ber Brocken, ber ba runterkam, war wohl einen Kilometer bick. Was meinst bu, was bas für eine Portion Hitze bei dem Anprall gegeben hat. Es wirb Wochen dauern, ehe man sich der Einfchlagstelle nähern kann." m
Hansen machte ein betrübtes Gesicht. ,
„Schade! Ich habe mir das so schon gedacht, ben Fall gleich auf frischer Fahrt zu untersuchen. No benn nicht! Du hast boch wenigstens bie genaue Ortsbestimmung, Georg, bamit wir bie Stelle beim nächsten Male wieder finden?"
Habe ich, Wolf. Uebrigens konnten wir mal ben guten Doktor Wille antlingeln, ob er was von bem Boliben gesehen hat."
Berkofs ging zur Funkstation bes Schiffes unb fchob sich die Kopfhörer über bie Ohren. Die Morsetaste begann zu klappern. Schon nach kurzer Zeit hatte er bie Verbinbung mit ber Station hergestellt.
, Gesehen haben sie etwas, aber nicht viel", rief er Eggerth zu. Außer vielen Sternschnuppen wollen sie auch bicht über bem Sübhorizont eine Feuerkugel beobachtet haben. Dr. Wille nimmt an, baß em kleiner Meteorit in etwa hunbert Kilometer Entfernung von seiner Station niebergegangen ist."
Hansen lachte auf: „ ,, t .
„Hunbert Kilometer! Da hat er sich grunblich verkalkuliert. Tausend Kilometer war das Ding von ihm ad ... kleiner Meteorit, na lch danke ... mir war ber Brocken groß genug!"
Die Taste lickte unter seinen Fingern. Es war eine lange Depesche, die er nach ber Station funkte.
„So, denen da unten habe ich den Star gestochen. Die wissen jetzt Bescheid, was passiert ist."
Er schaltete wieder auf Empfang um.
„Sie scheinen'? noch iftcht recht glauben zu wollen. Na, dann kann ich ihnen auch nicht Helsen." __
Eggerth fe^te das Flugschiff wieder auf seinen alten Kurs. Mit voller


