Ausgabe 
16.7.1934
 
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ßafen des Landes. Fünf große Zementfabrkken produzierten jährlich ! e Millionen Tonnen allerbesten Zement. Riesige Mengen Bauxit wurden hier nach Amerika, zur Aluminiumherstellung, verladen. 1929 noch wurden 39 000 Tonnen Eisenbahnschwellen exportiert. Heute liegt alles still. 100 italienische Lire (22 RM.) für ein Kubikmeter Bretter ist zu teuer. Aber man kann doch die Ware nicht verschenken?! Also läßt man sie liegen und wartet auf bessere Zeiten. Oberhalb der Stadt liegt ein Wäldchen. Der erste Versuch wieder auszuforsten, wo die Venezianer Raubbau getrieben haben. Es ist ein Park geworden, in dem der König Wild hegt. Seine Erhaltung kostet jährlich etwa eine Million Dinare. ; Dafür aber hat man den schönsten Ausflugsort der ganzen Küste. Und | die Kaufleute sind optimistisch und glauben, daß alles sich in nächster

Zeit zum Guten wendet.

Venedigs Widersacherin.

Erst Napoleon konnte diese Republik bezwingen, die so geschützt liegt, wie kaum ein anderer Hafen. Und die dazu Befestigungswerke hat, die ebenso romantisch wie uneinnehmbar erscheinen. Heute dienen sie nur mehr zum Schmuck. Nachdem man die lange Bucht durchfahren hat, kommt man nach Dubrovnik I. Gegenüber dem Kai die Halbinsel Lapad, mit herlichem Wald und dem schönsten Strandbad zwischen Korfu 1 und Triefte. In einer halben Stunde etwa geht man nach Dubrovnik II, dem alten Ragusa, wenn man es nicht vorzieht, bei der Hitze, mit dem Omnibus zu fahren. Ist das Wirklichkeit? Ist es ein Märchen? Hoch oben grüßt die alte Zitadelle herunter auf die gewaltigen Türme und Mauern. Ein Filmregisseur würde in hellste Begeisterung ausbrechen, so er diese Bauten sähe. Und bann die Stadt! Hohe, glatte Häuser in engen Gassen. Alles rechtwinklig gebaut. Jahrhunderte alte Steinplatten bilden das Pflaster. Das Jefuitenklofter mit feinem verträumten Kreuz- gang. Verzaubertes Mittelalter. Wohl taufend Stufen, die eine Straße bilden, verursachen Atemnot und Herzklopfen beim bloßen Hinschauen. Und die Menschen! Stolze Dalmatiner. Die Frauen schlank und hoch- ' beinig, in schwarzen Kleidern. Edle Züge. Den Männern haftet immer noch etwas an von der kriegerischen Vergangenheit. Verwegen gebogene Nasen, klare, blitzende Augen. Aber sie sind friedlich heute und träumen nur noch von stolzen Handelsflotten mit geblähten Segeln, von Karavellen mit starrenden Kanonen. Die klirrenden Degen und die goldenen Ketten ber Senatoren sinb nicht mehr zu sehen, boch bie Menschen sinb so ge­blieben, baß sie sie tragen könnten, ohne ben Einbruck bes Unwahrschein­lichen zu erwecken.

Eine Perle im Kalkfelsen.

Cs wirb halb Abenb, ober man hat sich schon an bie Hitze gewöhnt: die Sonne sengt (ebenfalls nicht mehr fo. In weitem Bogen schwenkt ber Dampfer ein, zwischen ben beiben alten Forts, bie noch heute bie Einfahrt schützen. Jetzt biegt bie Boccha nach ©üben um. In ber Ecke spiegeln sich zwei Inseln im klaren, fmaragbgrünen Wasser. Eine griechische Krypta unb eine römische Kirche stehen barauf. Die Be­völkerung suchte hier früher Schutz vor ber Pest. Große Flugzeughallen stehen bort vor ber kleinen Stabt Herzegnovi. Ein ganz moderner Kreuzer, Torpedoboote unb O-Boote. Wieber ein Fort. Solbaten haben von ben Felsen aus. Unb nun legt bas Schiff an am Kai von Kotor. Anscheinenb ist bie ganze Bevölkerung auf ben Beinen, um uns zu be­grüßen. Eng an bie montenegrinischen Berge geschmiegt liegt bie Stabt. In Serpentinen zieht sich bort bie Straße zum Basischen hinauf, nach Eetinfe. Viel ist nicht zu sehen in K o t o r. Ein alter trotziger Turm, aus römischer Zeit. Der halbverfallene Dom mit (einen beiben Türmen. Aber man kann sich rasch verlaufen unb geht immer in Kreise, wenn man nicht endlich jemanden trifft, ber außer serbisch noch eine andere Sprache spricht, in der er Auskunft geben kann. Unb bis bahin dauert es meist recht lange. Aber fchön ist Kotor wegen feiner Lage Schön rote nur wenige Plätze auf der Erde. Diese weite, stille Bucht. Die hohen Berge. Das klare, grüne Wasser, in dem jetzt eine Menge rote unb blaue Medusen schwimmen. Schön ist es, wenn der Abend kommt, die jengenbe Hitze nachläht unb ein blauer Schleier allmählich bie Konturen verwischt. Sanft ist bie Luft unb süß. Unb bie Fischer fingen ihre gebauten Melodien in der Stille. Und die Mädchen! Schön und schlank und immer freundlich. Immer lachen sie mit weißen Zähnen. Wie das Schiff ab- sährt, stehe ich noch lange unb schaue hinüber auf bas Gewimmel unb winke unb winke. Unb neben mir stößt mich ein Herr aus Serajeroo an: Hier müßte man mal ein paar Wochen wohnen. Allein. Was?.

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Katarina kann sich nicht entscheiden.

Roman von Viktor von Kohlenegg.

Copyright 1932 by August Scherl G. in. b. H., Berlin.

(Fortsetzung.!

Dagobert lachte.Sehr gut!" sagte er anertennenb und nahm einen neuen Schluck. Er betrachtete dabei seinen Onkel Louis aufmerksam übern Tassenrand hin; Sagos Ohren wurden spitz und steif, rote bie eines Sattlers.Ich mache mir, offen geftanben, nicht viel aus Flunbern. Onkel Louis. Aber das liebe, verdammte Geld! Natürlich rourbe mid) die weitere Welt, wie bu fagft, locken. Da gibt es Schweben in ber Jtabe, auch Hollanb... Wunberdare Möbel bort, glaube ich. Gewachsene Woyn- nnb Baukultur..."

"Immer ein bißchen mein Steckenpferd gewesen, Onkel Louis", er­klärte Dagobert verschlossen.Aber was nützen Einsichten? Was nutzen ^".W°mat, Dagobert! Man kann und soll auch seine Ferien nach Mög- Uchkeit nützen. Du hast durch das Bild ein Heidengeld verdient. Ich werde dir noch einen kleinen Scheck geben, als Zuschuß. Es soll keine Luxus­reife fein. Wann geht das Schiff morgen früh ab?"

Dagobert dachte nach.Ungewöhnlich zeitig natürlich.

Ich denke: Drei, vier Wochen Schweden oder Holland wie bu willst werben beine .Zäsur" beheben... Prachtvoller Tag heute.

Gemacht! Danke bir, Onkel Louis. Wirklich ganz famose Idee. L e Renntiere werben wiehern, unb bie schönen Schwebinnen werben lachen.

Ich nehme selbstverstänblich deinen großartigen Vorschlag an. Vielleicht zurück über bas sympathische Finnlanb? Ganz prachtvoller Tag, Onkel Louis! Sieh mal bie Farben unb bas Gewimmel ba brüben!"

Der Ohm blickte flüchtig burch bas offene Fenster. Sah bann nach ber Uhr.

Auch Dagobert tat es, reckte ben Arm vor, als habe er plöglich, unb in Anbetracht der bevorstehenden Lebensveränderung, noch einiges Wich­tige für den Nachmittag zu erledigen.

Ich hoffe, daß du die Gelegenheit gut ausnützt, mein Junge, Schade um jeden Tag!"

Ohne Zweifel, Onkel Louis! Eine kleine Abschiedsfeier mit Tränen und vorgreifendem Schwedenpunfch wird sich am Abend nicht umgehen lassen. Oder befiehlst du mich? Dann steh' ich selbstverständlich--"

Wird sich leider nicht einrichten lassen, mein Junge. Ich wünsche dich auch nicht von deinen unumgänglichen Verpflichtungen abzuhalten."

Dagobert, in Gefühl und Haltung distinguierter Fremder ober Ab­reisender, gab seinem Onkel Louis bis zum Kurhaus zurück das Geleit. Dann verabschiedete er sich kurz und herzlich unb begab sich behenben Schritts in bie noch belebtere Stranbbiele kurz vor ber Mole, wo ihn ungebulbige Freube empfing.--

Am nächsten Morgen also, zeitig um sieben, bestieg Dagobert, leicht fröstelnd, mit feinem Gepäck und einigen heiter gähnenden jungen Damen aus der PensionBianca", die ihn besorgt unterbringen unb am Horizont verschwinden sehen wollten, den Dämpfer, sicherte sich sofort einen ordent­lichen Liegestuhl auf der Luvseite und tüchtiges Frühstück.

Ade! Ade! Auch ihm brannte bas Herz. Tücher wehten; hübsche Hänbe blitzten in ber Sonne. Unb nun sangen bie Damen:Dagobert, adel Scheiben tut weh!" Weiter konnten sie nicht; sie fingen wieber von vorn an. Es genügte.

Der zurückweichenbe Stranb lag in ber Sonne unb schien verübet.

XI.

Anfang August kam Katarina von ber See zurück. Eine neue, etwas rasche, nervöse Katarina, bie sich ungebulbig im Zimmer umsah unb un­bekümmert die Brauen spielen ließ.

Du bist so unruhig, mein Kind?"

Ich möchte gleich baden, Erika!" Sie streichelte Erika die Backe unb schob sie ab.Es war eine lange Reise. Ich bin auch ärgerlich über ©lob unb Kittel, Mama. Sie haben hier zusammen gearbeitet? Wie konntest bu bas erlauben? Das wünsche ich nicht. Wollen sie bas hier weiter­treiben? Bitte, sage ben Herren burchs Telephon, baß bas aufhören muß! Daß ihre Anwefenheit unerwünscht ist! Sei lieb! Auch Kittel ist nicht genehm. Ich wünsche allein zu sein. Allein!" sagte sie eigensinnig unb laut Sie lief umher unb behüte sich.Schrecklich mübe!"

Hast bu etwas von Louis Hasielbrink gehört?" fragte bie Mama leise.

Herr Professor Hasielbrink bürste heute nach Gastein fahren."

Was will er in Gastein?"

Vermutlich baben, trinken. Er ist in jebem Jahr in Gastein. Ein Jungbab. Uebrigens ist Herr Geheimrat Begeholb bort. Bab fertig? Danke, Sita, mein Schatz!"

Erika Stammte, hochrot vom Wasserdampf, hals ihrer Dame beim Austleiden. Katarina genoß das lange Bad, das sie lau und tühl machte. Es tat gut, hervorragend gut. Immer zu zweien in dem schrecklich vor­nehmen Hotel, in der Stranbbiele, im Kurhaus, im Wasser, im Strand­korb, auf der Promenade, in der Bahn. Oh, es war wunderschön ge­wesen, dieses Leben in starker, mächtiger Verwöhnung und gediegener Geborgenheit. Auch sehr erholsam. Sie schloß die Augen. Das laukühle Wasser beruhigte, machte wunderbar neutral und schläfrig. Auch Irr­sinnige werden in laukühles Wasser gesetzt, fiel ihr ein. Sie rührte sich nicht.

In sieben, acht Wochen, ziemlich genau gerechnet, würden sie heiraten... Ein immer wieder grell aufregender Gedanke, wenn er plötz­lich auf sie niedersank und etliches in ihr erzittern ließ. Alle vorbereiten­den Schritte waren "getan. Auch am Tulpenweg sollte manches geändert werden, was feine Zeit brauchte; auf Louis war in allem Verlaß. Auch Louis war übrigens mit dieser dauerhaften und etwas rigoros beschlosse­nen vorläufigen Trennung einverstanden gewesen ...

Sie machte die Augen verwundert wieder auf. Alles noch da? Die kleine Badestube ber alten Dame Pfefferkorn, zur Zeit Tokio? Der ab« blätternbe graue Oelanstrich mit roterBorbüre"? Sie plätscherte schläf­rig im Wasser, streichelte ihren Körper unb machte mit einemmal ein gufriebenes unb würdiges Doppelkinn wie Frau Katarina Hasielbrink. Eine herrliche Rolle, die ihr, wie eine neue Haut, immer dichter unb praller anwuchs. Sie gefiel sich sehr gut barin. Sie war ein ganz neuer, ausgezeichneter Mensch barunter geworben, mit biefer kühleren unb boch höchst lebenbig brennenben Haut, eine edjtbürtige Hasselbrink-Gugernell. Ebelbürgerin... Sie trug einen Zauberring mit einer schwarzen unb einer weißen Perle am Finger, ber, wenn sie ihn bloß ansah, alles herdeischaffte, was sie begehrte: Wärme, Güte, Glück, Menschsein, Weib­sein, Glanz.

Sie plätscherte spielend mit den Händen im Wasser. Ein wenig ein­sam eintönig, dies Laukühle. Machte schläfrig... Dann muhte sie lächeln, als sie an feinen gewaltigen und stürmischen Ernst zurückdachte. Sie dehnte sich. Preßte die Zähne zusammen. Sie lag ruhig unb starr, sehr warm. Sie krallte bie Fingernägel in bie Hanbballen... Louis war rührenb gut in seiner großen Liebe gewesen, als sie sich vorhin am Bahnhof Zoo getrennt hatten. Aber vielleicht war auch er mit einer auf­atmenden Zufriedenheit in feinen blauen Finke-Wagen gestiegen: Endlich wieder allein! Das gab es immer und immer wieder, auch im besten Fall, auch für den Mann im allerbesten Fall! Sie blinzelte zwischen ben langen, blanken Wimpern.

Das alles war natürlich ein sehr großer Entschluß für Louis gewesen, kraftvoll unb unabänderlich gefaßt; ein hoher, gewaltig schwieriger Berg, ber nicht ganz schwinbelfrei zu erklimmen gewesen war. Jenseits lag bie blühenbe Welt Katarina in ber laukühlen Babewanne. Uebrigens war er noch bis zum späten' Abend heute in Berlin ...

Was ist los? Ich glaube, ich bin eingeschlafen, Erika! Ich will 'raus!"