Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
Nummer 29
Montag, -en 16. April
rgang ^954
Brümmer schnupperte mit der Nase in der Lust, als er die
Frühling über der Erde.
Von Knut Hamsun.
Ich weitz nicht, warum Mein Herz nun erwacht, Nicht Ruhe mir lätzt In der langen Nacht.
Bald hastet mein Puls Wie ein bellender Hund, Bald steht er und stockt Wie in Todesstund.
Ich heb' die Gardine: Schon blaut der Tag — Eis hängt vom Dache, Schnee schmilzt im Hag.
Die Felder beschleich' ich, Das Freie, mein Ziel —: Nein, welch ein Gedröhne Und Märchenspiel —I
Oer Glockengießer Christoph Mahr.
Von Kurt Kluge.
Hier geben wir eine Probe aus dem bei I. Engelhorns Nachf., Stuttgart, erschienenen Buch gleichen Titels, in dem der Dichter das Schicksal eines jungen Glockengießers in der heutigen Zeit schildert. In der nachstehenden Leseprobe wird erzählt, wie Christoph — jetzt selbständiger Glockengießer — unter Hinzuholen des alten Werkmeisters Brümmer nach einem anfänglichen Fehlgutz seinen zweiten Glockenguß bewerkstelligt.
Brummer icynupperie um ‘ ‘ ltrf. 4metarr
Gcßerei betrat: der alte vertraute Geruch nach Rauch,. Ottrau unV Lehm. Ihm wurde wohl wie dem Pferd, das tn leinen «tau
E fühl.
Christoph war seiner Prüfung ängstlich gefolgt und sah nun Zeise aufatmend an: jetzt stimmte der Ofen.
Mit dem Material der Form war krümmer nicht gleicher, meßen zufrieden: „Den Lehm Ham Se zu e t genommem -vas Ot Sprünge in der Form un die loofen mit Metall von. hiilit'r sch een nachzuarbeiten."
Rulle sah bereits am zweiten Tage mit Hochachtung zu Brum- i-ir auf. Der junge Meister war hastig. Emma sang und psisf er wd gleich darauf wühlte und fluchte er wie ein Wilder,, Der alle . Ziegel streich er wußte auch, was Handwerken ist und erkannte nn düster Brümmer den Werkmann von Geblüt auf "en einen
Er sah genau, daß Brümmer einen Hammer fto® an aßte, wie er nachher in der Hand liegen s • feinen Echippe oder ein Streichholz war Brumme
Handgriff zweimal tun. Obwohl er ganz ruhig st fertig
iüge, umzudrehen schien, bekam er doppelt so viel Arbeit fertig, kiin er tat keinen Griff unüberlegt.
„Mir viere langen", sagte Brümmer. Er wollte keine weiteren
Itihstückte mit derselben sachlichen Ruhe wie jeden -Lag, g g liiuetter, sprach nicht eiliger.
Es war alles wie sonst.
Rulle traute seinen Augen nicht, als er Zeise das Schürloch aufmachen und eine Last Holz hineinwerfen sah.
„Was'äl" schrie Rulle und starrte Zeise an, der oben auf der Stufe am Ofen stand. Das geht ja so los wie damals, als sie die verschwundene Glocke gossen!
Zeises Gesicht glühte im roten Widerschein des Feuers. Er lachte: „Mußt'n selber fragen!"
Den Werkmeister zu fragen, getraute sich Rulle nicht. Brümmer stand an der Waage, wog Zinn ab und rechnete mit Kreide an der Wand. Christoph rechnete mit.
Zeise brachte den Gießlöffel, mit dem sie damals eine Metallprobe aus dem Arbeitsloch des Ofens geschöpft hatten. Rulle hatte auch hineingeguckt: es war entsetzlich gewesen. Die Flammen loderten nicht etwa zum Schwalch hinein, sondern sie wurden gezogen, ganz straff, leise pfeifend. Das war nicht das schone Flammenwogen und Lodern gewesen, wie Rulle es vom Ziegler- cfen kannte — das war das Feuer in seiner gefährlichen, bösen Gestalt. Die ganze Wölbung des Schmelzherdes glühte hellrot wie die Sonnenschale von innen gesehen. Das Furchtbare aber, von dem sich Rulle abgewendet hatte, war der Herd selber, in dem das Erz schwamm: gelb mit grünem Stich und stechend hell. Ohne u-1 zu regen, ohne zu brodeln — ganz leblos still lag der grauenhaste Teich im Grund. Denn daß er flüssig war wie Wasser, wußte Rulle: sie hatten ja einen Löffel voll herauSgeschöpft.
Rulle hatte aufgehört zu karren. Er fing auch nicht an zu sieben. Rulle wußte jetzt, was kommen mutzte, stand wie ein angewurzelter Baumstrunk in der Werkstatt und ließ kein Auge vom Ofen.
Schon füllte Zeise die Gietzrinne, welche das Stichloch und die Form verbindet, mit glühenden &Wen, um sie zu erwärmen. Christoph zog aus den Mündungen der Form die Lappenpfropfen. Brümmer nahm die letzte Probe aus dem Ofen, schlug sie nach dem Erstarren entzwei und sah den Bruch an.
„Na, Herr Meester?" sagte er bedächtig zu Christoph, „is es
Rulle mußte die Fenster schließen, damit keine Zugluft bas flüssige Metall treffen konnte Zeise warf die Kohlen aus der Gießrinne und fegte sie mit einem Flederwisch sauber.
Brümmer wars noch einen Blick auf die Angußmündungen. Dann nahm er die Stande, nitf tc Christoph zu es fiel kein Wort — und gab dem Tonzapfen den Stoß.
Fn einem klaren leuchtenden Strahl, ohne zu sprühen oder zu flackern, schoß das Erz aus dem Stichloch und strömte lautlos über die Rinne in die Form. Das war der Glockenguß.
Brümmer legte die Stange aus der Hand, faßte Christoph am Arm und zählte, mit den Fingern zeigend, die Angußossnungen. Fn jeder Mündung stand, ohne sich zu rühren, ohne etnzusallen oder zu sprühen, das rotleuchtende, erstarrende Erz.
Rulle stand immer noch mit offenem Mund vor der Danirn- arnbe. Der erste Guß war aufregend gewesen. Aber die Großartigkeit, welche in der Stille und scheinbaren Einfachheit der Vrümmerschen Arbeit lag, überwältigte den alten Handwerker von Fach.
Brümmer hatte einen Waschnapf voll Wasser gefüllt, wusch erst die Hände und steckte schließlich den Kopf hinein. Darm trocknete er sich ab und zog den Tabaksbeutel aus der Hosentasche.
Die wundervolle Meisterlichkeit in Brümmers Leitung feit dem Morgen hatte Christoph wohl gefühlt. Er ging auf ihn zu und drückte ihm herzlich die Hand: „>ich danke ^hnen schon, .Jtei- ster. Heute habe ich viel gelernt."
Fh wo. 's erschte Mal hat m'r Lampenfieber. Den zweeten Guß machen Se ooch so. 's is doch gar nischt weiter gewesen.
Daß es wie „garnischt" aussah, das eben war Brümmers Leistung und der Alte wußte das auch selber gut genug.
Brümmer blieb so lange, bis die Form abgeräumt war. Er besah die Glocke von allen Seiten. Dann sagte er trocken. ,,xj» gut", zählte sein Geld nach und wanderte ab.
Christoph konnte kaum erwarten, den ersten Ton zu hören. Er arbeitete fieberhaft. Zeise ließ er nicht heran. Er sollte lieber dem Zimmermann helfen, der in der Mitte des Hofesern Balten- aerüst aufstellte. Zeise mußte statt der Feile das Schnitzersen führen und richtete aus Eschenholz 6en „Ltorch zu, einen geschweiften Balken, an dessen dickes Ende die Krone der Glocke mit Eisenbändern angeschlagen wurde. Um das schwengelartig ans-


