Ausgabe 
16.3.1934
 
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Und so geschah es.

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erfüllt werden konnte, bedurfte es noch eines weiteren entschei­denden Schrittes. Am 16.Dezember 1883 wurde Gottlieb Datm- l e r das grundlegende Patent für einen von äußerer Brennstoff- zufnhr unabhängigen Gasmotor erteilt.

In zielbewußter Arbeit hatte sich der am 17. März 1884 in Schorndorf in Württemberg geborene Gottlieb Daimler, nach regelrechter Lehrlingszeit in den Werkzeugmaschinenfabriken Gra­fenstaden i. E. (1853 bis 1856) und anlchließenden Studien am Polytechnikum in Stuttgart (1857 bis 1869) seine grundlegenden Kenntnisse und Erfahrungen zur Losung Aufgabe geiam- melt. Er hatte drei Jahre in der englischen Maschinenbauindustrie seine Ausbildung vollendet, und nach seiner Rückkehr nach Deutsch­land zunächst in Geislingen, Reutlingen und Karlsruhe gearbeitet, um alsdann technischer Leiter der Gasmotorenfabrlk von Langen und Otto in Deutz zu werden, wo die schon erwähnten Gasmoto­ren hergestellt wurden. Hier war Daimler zehn Jahre, von 1872 bis 1882, tätig. In diese Zeit fallen seine ersten Versuche, da- Problem des pferdelosen Wagens mit Hilfe des Explosivmotor- endgültig zu lösen. Er hatte zudem das Gluck, hier einen Arbeit-- genossen von hohen Fähigkeiten, Wilhelm M ayb ach, zu treffen, mit dem zusammen er 1882 in Cannstatt seine erste Fahrzeugfabrik einrichtete. Hier gelang ihm die Erfindung der Glührohrzündung, die alsbald in dem ersten Motor praktisch angewendet wurde. Er baute diesen neuen leichten und leistungsfähigenD a t m l er- Motor" mit selbsttätiger Zündung zunächst in ein Zweirad em, ans dem er am 10. November 1886 selber die erste Fahrt unter­nahm. Dem Fahrrad folgte zunächst ein kleines Motorboot (1886), und dann sand der Motor im Straßenbahnbetrieb Verwendung (1887). Schließlich wurde, nach verschiedenen Versuchen in den vorangegangenen Jahren, 1889 ein leichter selbstfahrender, ganz aus Stahlröhren gefertigter Wagen erbaut, der eine Geschwindig­keit von 18 Kilometer in der Stunde erreichte.

Zunächst fand dies Fahrzeug in Deutschland selber keinen Käufer; die ersten Wagen wurden nach Frankreich verkauft. Dann aber erfuhr das Automobil in kurzen Zeitabständen immer wei­tere Verbesserungen durch den Einbau der heute noch verwendeten vier Geschwindigkeiten" und das Differentialgetriebe. Bald lies in Cannstatt die erste A u t o d r o s ch k e. Die kleine Fabrik in Cannstatt genügte schon in den nächsten Jahren nicht mehr den Anforderungen. Zur Verwertung der Daimlerschen Patente wurde die Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet, die bl-zum heutigen Tag führend nicht nur im deutschen sondern auch im internatio­nalen Automobilban ist. Das 1900 erscheinende ersteMercedes- Modell hat der unermüdliche Erfinder selbst nicht mehr fertig gesehen; er starb am 6. März jenes Jahres inmitten neuer großer Arbeiten und Pläne. Aber die weitere Entwicklung des Motoren­baues war durch seine Erfindungen schon weitgehend festgelegt. Ihre hohe Bedeutung für die Technik haben die von den Motoren­werken erzeugten Daimler-Motoren auch noch auf anderen Ge­bieten bewiesen, so bei der Ausstattung der Motorboote und beim Bau der Z e p p e l i n l u f t s ch i f f e, deren Konstruktion erst durch die Daimlerschen Maschinen möglich wurde. Es kennzeichnet den Weitblick des großen Erfinders, daß er schon 1887 mit der Militär­behörde in Verbindung trat, um seinen Motor auch für die Luft-

Herr und Frau White wohnen heute in Promdence, tn 6er hübschen Stadt, nicht weit vom Atlantischen Ozean. Sie betreiben ihre gutgehende Drogerie, und Greta verkauft die Streichhölzer, die ihre früheren Arbeitskolleginnen in Deutschland verpacken.

In der Fabrik ist die kleine Geschichte allmählich bekannt ge­worden, Gretas Erfindung wurde nachaemacht: viele der jungen Arbeiterinnen haben bereits versucht, auf Gretas Weise, dem Glück etwas nachzuhelfen. Aber bisher hat noch keine zwecke mit dem Brief im Streichholzpaket Erfolg gehabt. Das Gluck wendet selten zum zweiten Male die gleiche Art an.

Der Vaier des Automobils.

Zum 169. Geburtstage von Gottlieb Daimler.

Von Dr. Kurt Warnecke.

Wenn die deutsche Automobilindustrie in diesen Tagen in der großen Berliner Ausstellung vor der Welt Zeugnis ihrer führen­den Stellung auf einem der wichtigsten Gebiete der modernen Technik ablegt, so rückt damit schon die Person und das Werk eines Mannes in den Vordergrund, dessen wir jetzt zugleich auch aus Anlaß seines 100. Geburtstages gedenken. Unter den großen technischen Erfindern des 19.Jahrhunderts ist Daimler einer von denen, die mit genialer Entdeckerkraft die besondere Fähig­keit vereinigten, ihre Erfindungen selbst auszuwerten und aus ihnen große Industrien aufzubauen. Sein Name geriet darum nicht wieder in Vergesfenheit rote manche Erfinder von technischen Errungenschaften, deren roir uns bedienen, ohne ihre eigentlichen Schöpfer zu kennen, roeil sie bei der Verwirklichung der kühnsten Wünsche der Menschheit die wirtschaftlichen Bedingungen verkann­ten und tragisch scheitern mußten; ihr Gedanke allein blieb leben­dig und wegweisend für die weitere Entwicklung und Verwertung der durch ihn geweckten Energien. Der Name Daimler dagegen wurde zu einem über die ganze Welt hin bekannten Zeichen für hochwertige technische und wirtschaftliche Leistungen, die aus einer vorbildlichen Industrie hervorgehen.

In dem ungewöhnlich kurzen Zeitraum von wenigen Jahr­zehnten hat sich das Automobil neben der Eisenbahn nicht nur als gleichwertig behauptet, sondern hat gemeinsam mit ihr dem Menschen die Weiten der Welt erschlossen. Nachdem die verschie­denen Versuche, durch Wind und Dampf ein vom Schienenweg unabhängiges Fahrzeug auf dem Land selbstbeweglich zu machen, im Stadium des Experimentierens steckengeblieben waren, begann mit dem Einbau des Gasmotors in die Fahrzeuge der entschei­dende Anschnitt in der Entwicklung des modernen Kraftwagens. Mit überlegenem Lächeln betrachten wir heute auf alten Bildern und in den Museen Stevins Segelwagen (1600) und die Dampf­kutschen der Newton, Symington, Murdock, Church, Trevithis, Gurney, Hancock mit ihren schweren unförmigen Antriebsmaschi­nen mit offenem Feuer. Während sich auf den Schienenwegen der Dampfwagen bewährte, erwies sich für das Kraftfahrzeug die Entdeckung eines völlig neuen Prinzips der Fort­bewegungskraft als ein ungeheurer Fortschritt. Der Gasmotor von Otto, der nach den Verpuffungsmotoren Ravels und Lenoirs nun schon ein richtiger Viertaktmotor war, stand am Anfang dieser neuen technischen Entdeckung. Aber er war ein sest- stehender Motor, der aus eine Zufuhr von fertigem Gas von außen her angewiesen war. Damit das Erfordernis der unbe­schränkte Unabhängigkeit des Wagens und feiner Beweglichkeit

Seinen Namen hatte er unter die Zeilen gesetzt und die Straße,

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eine solche Verwirrung, daß sie ihr Frühstücksbrot ganz vergaß und ihre nach der Pause wieder aufgenommene Arbeck völlig geistesabwesend verrichtete. Ihre Gedanken brauchten nicht mehr die Streichholzbrücke: in der Stadt Promdence, von wo es nicht weit zum Atlantik ist, ergingen sie sich, tn einer schönen Straße, " " E s' w a r" ^s e l b stmrstän d ftch, daß Greta zu Hause die alte See- und Landkarte ihres Vaters vornahm, um die Stadt zu suchen, die einen so schönen Namen trug, jpte fand sie an öer Westküste von Amerika, und man hatte von ihr ,au- nicht Eit zum Ozean. Ebenso selbstverständlich war es, daß sie noch am selben Tag den Brief beantwortete. Und wie der Drogist einiges von sich berichtet , ,atte so erzählte nur Greta von ihrem Leben, wie sie zu jenem Einfall gekommen war, schrieb von Vater und Mutter, der alten Verwandten und ihrer Fabrikarbeit. Der Brief ging ab.

Mit größerer Spannung wartete Greta nun aus einen neuen | Widerhall, auf einen zweiten Brief aus Amerika. Und er kam. Auch der Drogist erzählte von fernen Eltern, Verwandten und seiner Arbeit. Es war ein langer und hübscher Brief. Und nicht lange danach Greta hatte schon wieder geantwortet kam noch eine Ansichtskarte, ein Sonntagsgrutz, von entern kleinen Bade­platz am Ozean. So ging es eine ganze Zeit lang weiter, Vries folgte auf Brief die Streichholzbrücke in die Ferne war einer lebendigen Wortbrücke gewichen. ,

Und wie jede Märchengeschichte der Wirklichkeit entstammt weil nichts möglich ist außerhalb der Wirklichkeit - s° auch diese: Greta, das Streichholzmädchen, und der Drogist, der Streichholz­händler, kamen mehr und mehr einander näher, bis endlich nichts mehr zu schreiben war, nur noch zu tun. William White, derftinge Mann, bestieg eines Tages das Schiff und fuhr nach Deutschland U Hier bin ich! sagte er zu ihr, und ich fahre nicht allein zurück.

schiffahrt zu verwerten.

Der Ruhm Daimlers als Erfinder des Automobils war übri­gens trotz seiner großen Erfolge nicht unbestritten. Zu gleicher Zeit wie er arbeitete in der Ottoschen Gasmotorenfabrlk in Deutz Carl Benz, und als Daimler sich in Cannstatt selbständig machte, schuf sich auch Benz in Mannheim eine eigene Fahrzeugfabrik. Und in oft sich wiederholender Duplizität gingen auch hier die verschiedenen Abschnitte der Erfindung und Ausgestaltung des Automobils fast gleichzeitig in Mannheim und Cannstatt neben­einander her. Heute sind die großen Werke von Daimler rmd Venz in ihren Leistungen eng miteinander verbunden. Beide Er- ftndernamen werden bei der Rückschau auf die bisherige Entroick- lunq des deutschen Automobilwesens wie im Ausblick auf dte Zukunft stets gemeinsam rühmend genannt. So ist Daimlers Ge­denktag wie der von Carl Benz im vorigen Jahre nicht nur eilt Rückblick auf die Leistungen der Vergangenheit, sondern er fuhrt uns tn die tätige Gegenwart hinein, in der Name und Werk Daimlers als Zeichen unversiegbarer Schöpferkraft der deutschen Technik wirken.

Das ist dieMahala".

Von unserem ständigen Berichterstatter Hans T r ö b st.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

B u k a r e st, März 1934.

Los! Alter Freund! Heute Abend gehen wir mal in dieMa- hala"! Wenn in Bukarest auch sonst nicht viel los ist ... in der Mahala" kommen Sie doch immer auf Ihre Rechnung! Einver­standen?"

Klar!"

Auto. Ab in dieMahala". *

Menschen, Tiere und Zigeuner. Tohuwabohu von Lärm, Ge­rüchen und Gestank. Unverputzte niedrige Backsteinhäuser inmitten windschiefer Kabachen und Baracken. Ratternde Panjewagen- Kolonnen und klapprige verstaubte Autobusse. Keifende Frauen und gröhlende Betrunkene. Zigeuerrnusik aus hundert Kneipen und Schenken. Duftende Abzuqskanäle und schnüffelnde Schweine. Karuffells und kreischende Luftschaukeln. Wildernde Hunde und bummelnde Soldaten. Wandernde Zauberer und Artisten. Sich sonnende Bauern und tobende Kinder ... über dem Ganzen der