vorn«anfangen ein deutsches Suchen nach bcm letzten Sinn, diese Spiegelung wird zu einem mittelalterlichen Mysterium, das den Menschen inmitten von Mächten des Himmels und der Hölle auf Erden wallen läßt.
Heimweh.
Bon Max Dauthenbey.
Gerne möchte ich die Hände falten
Ithö die Wege gehen, die erinnerungsalten. Möchte meine Heimatnächte wiedersehen.
Ach, nun singt die Amsel bei der Röte Schmaler Abendwolken im Holunder, Hier im Reisfeld gurgelt die Posaunenkröte, Und zum Himmel spreizt sich Palmenplunder.
Ach, daheim der Mondstrahl überm Flieder!
— Hörst du nicht der Gartentüre Klinke? — Liebste, steig die hellen Stufen nieder, Und ich steh' im Hohlweg unten, winke.
Und wir wandern um das kleine Haus, Sitzen unterm alten Apfelbaume.
Und der Nachtigall geht die Lust nicht aus,
Und der Mond, er krönt uns in dem ewigen Raume.
Germanische Götter.
Von Wilhelm Schäfer*.
Freya und Fro.
Freya und Fro hießen die friedlichen Kinder der Bauen, Heilzeugen himmlischer Herkunft, vergeiselt den schuldvollen Äsen: ihr Teil war die fruchtbare Fülle der Felder im hellichten Segen der Sonne.
Auf einem Eber ritt er durchs Korn, Fro, der freudige Jüngling; es dunkelte nicht um sein goldborstiges Tier, so hell lag um die glückhaften Läufe das Licht seiner frohen Erscheinung. Nicht Waffengeklirr war um ihn und nicht der Kampfruf der Krieger: der Karst war geweiht und die Kelter gesegnet, wo seine Sonnenglanzfährte die Erde bestrich.
Glück war die Gabe, und fröhliche Feier die Gunst seiner göttlichen Einkehr, wenn er aus Alsheim niederkam zu den Menschen, wenn ihn Gesang der harrenden Herzen empfing, auf blumenbestreuten Wegen, mit Kränzen und dankreichem Opfer.
Huldreicher aber als Fro war Freya die Schwester, holder als alle Erscheinung; ihre Gunst hob Göttern und Menschen das Herz in die Sonne.
Keinem der Äsen hielt sie als Gattin die Kammern in Zucht, keine dienende Pflicht zwang die rosigen Finger an Kunkel und Kumme: strahlengekrönt von der Sonne ging ihre Schönheit auf in den Tag, ruhte am Mittag im Glück ihrer selbst und sank mit der Pracht ihrer Glieder hin in den glühenden Abend.
Dann hielten sich Himmel und Erde verzückt in den Armen, und die Wolken glühten vom Schaum ihrer rosigen Brust, daran der Schmuck Brisinaamen hing, das köstlichste Kleinod der Welt.
Das gläubige Glück der Morgenröte galt ihr und die rauschgoldene Glut des Abends: Mond und Sterne tranken das Licht ihrer Liebe und trugen es glückselig hin durch das schwarze Geheimnis der Nacht.
So hielten die Banengeschwister den Glanz uralten Glücks in den Gärten der Götter; sie waren den Äsen vergeiselt im schuldvollen Kampf um das Gold und blieben dem Himmelsgott eigen im Licht ihrer schuldlosen Tage.
Donar.
Donar hießen sie Wodans rothaarigen Sohn, den stärksten der Götter im Kampf mit den Riesen, Zermalmer den furchtbaren Hammer, damit er die Berge zerbarst und im Wetterstrahl seines Zorns die Elemente durchzuckte.
Zwei Böcke zogen den rollenden Wagen, darin er hochgereckt stand mit feurig lohendem Bart und mit blitzfunkelnden Augen, zwei Böcke mit zackigen Sprüngen.
Und wenn er sprach in den feurigen Bart, im Ungestüm seines Zorns, wenn er den Hammer warf, daß er krachend einschlug mit weißglühenden Funken: dann hielt ihm keiner der Götter stand, und furchtsam verkroch sich die Kreatur, bis fein Bocksgespann donnerrollend verscholl.
Auch die Reifriesen spürten den Hammer, wenn er die Winterfahrt machte in ihr eisiges Reich; dann hielt er den zuckenden Kraftgürtel um die Lenden geschürzt, aber so fern feine tollkühne Fahrt in die kalte Dunkelheit führte, der Frühling brachte ihn wieder nach Asgard, den Göttern zur Lust, die längst in Ungeduld harrten.
Fünfhundert Zimmer und viermal zehn waren in Blttzeblinks Bau, wo er die Sommerrast hielt seiner sausenden Fahrt; da saß er zuhöchst in der Halle, und der Blitz seiner zornigen Augen zuckte hin über Asgard, daß die Reifriesen ihm seinen Einbruch nicht trotzig vergalten.
Und hielt mit eisernem Handschuh den Hammer, daß kein Berrat das Vorrecht der Äsen gefährde: wie er, der Kimmelsgott, tat im Gleichmaß ewiger Schönheit, hielt Donar das Recht über dem Abgrund in der Kraft feiner Faust und in der Furcht feiner Strafe.
* Bgl. den ersten Aufsatz in Nr. 11 der Familienblätter vom 9. Februar.
Loki.
Lieb und willkommen war Loki, als Wodan dem Wandergesellen der Frühe die Blutspur beschwor; fremd ging der lüsterne Spötter in Asgard, und die Äsen trauten ihm wenig, der ihrer Zwietracht listig die Zankäpfel brachte.
Sie mochten sein meidiges Dasein nicht missen, holten sich Rede und Rat in vieler Gefährnis; aber sein züngelndes Wort spielte frech mit dem Feuer, keinen der Stolzen in Asgard verschonend; er hielt mit dem Riesengeschlecht, wenn es ihm paßte, und höhnte der Asengewalt.
Als ob er der Nomen Nothelfer wäre, klüglich verkleidet als Schalksnarr, und heimlicher Schildhalter verdrängter Vanenge- walt: so hielt er das Glück der Götter in Atem und hing ihrem sorgenden Zweifel das göttliche Schellenspiel an.
Der Dämon aber der Ränke und ruchlosen Rede schwoll auf und wurde dreifach Gestalt im Mißwachs der feindlichen Brut:
Hel hieß die finstere Fürstin der Toten, die bei den f'^en Strömen der Unterwelt hausend das Ende der Taten empt.ug; da hielten sie alle den schweigsamen Einzug, die abgeschieden vom leiblichen Dasein ins Schattenreich kamen, Menschen wie Götter; im Schicksal der letzten Erfüllung.
In den Tiefen des Meeres, rund um den Teller der Erde geringelt, schwoll ihrer Schwester der schelfernde Riesenleib auf, der gewaltigen Midgardschlange: Urfeinbin dem asischen Göttergeschlecht, und allen Glanz Asgards unentrinnbar umschließend. • Stärker als Gert und Flecki, die wachsamen Wölfe Wodans, war Fenris, der dritte der fahlen Geschwister; noch lag er gefesselt, ein Schwert stak ihm quer in dem feurigen Rachen.
Aber einmal ritz er sich los, dann half Wodan die Weisheit Mtmirs nicht mehr, noch Donars zorniger Hammer; dann sank Asgard hin mit dem Uebermut seiner Götter.
Baldur.
Näher als alle asiatischen Götter stand Baldur den Kindern der Bauen: der blühende Frühling war sein und das steigende Licht, wie Fro die schwellende Reife und ruhende Schwebe des Sommers gehörte.
So licht war fein Wesen, so lieblich die Wohlgestalt, daß alle Götter ihn liebten und gern seiner Sonnenlust Zuschauer waren, wenn er im Vlütenkleid spielte.
Aber dunkle Träume betrübten den Hellen, und traurig ritt Wodan hinunter zum Brunnen, Kunde zu holen, daß Baldur, dem trautesten Sohn, früh zu sterben im Schicksal der Nomen bestimmt sei.
Frigga, die bangende Mutter, nahm allen Sen Schwur ab, tot und lebendigen Dingen, den Tieren und Bäumen, Feuer, Waffer und Stein: daß keines Baldur ein Leid antäte, und alle schwuren den Eid auö Liebe mit Eifer.
Als danach die Götter kurzweilten in Asgard, stand Baldur mitten im Kreis; alle warfen, stachen und schossen nach ihm: aber nichts konnte ihm Leides antun, der lächelnd abwchrte, als Sieger im Scherzspiel der Götter.
Den leidigen Loki verdroß der lockige Lächler; listig verkleidet als Weib entlockte er Frigga das bange Geheimnis, daß der Mistelstrauch allein nicht in Baldurs Liebesbann sei.
Da gab er dem blinden Höduö den Zweig der Mistel zur Hand, den Bruder zu werfen im Scherzspiel; der Zweig traf hart, er durchbohrte den lockigen Lächler und warf die lichte Gestalt hinunter in Nebelheims Nacht.
Als Baldur lag im Kreis der erschrockenen Götter, durch Lokis Arglist gefällt, da wußte nicht einer zu klagen; stumm standen sie da und erstarrt, die starken Äsen in Asgard, daß nun das Sterben begänne, daß ihrem Dasein für immer das Frühlingsglück fehle, für immer das heitere Spiel.
Ans seinem Schiff legten sie Baldur die Scheite; alle Götter wohnten dem Leichenbrand bei, den Donar mit seinem Hammer entzückte; seine lohende Glut sank in die flutende Ferne, als er nordwärts fuhr und langsam den Blicken entschwand.
Seitdem brennen die Feuer am Sonnenwendiag, von den Bergen lodernd bis Mitternacht; Baldur, das steigende Licht und der schwellende Frühling, fährt hinunter zur Hel; die Scheite werden entzündet, dem Toten den Abschied zu leuchten.
Vom Bauernkrieg zur nationalen Revolution.
Von Br. Wilhelm Gemperle.
Mit schweren Schritten geht der Bauer hinter seinem Pflug über die Erde, die ihn mit ihren ganzen Kräften hält, die ihm Nahrung und einen Beruf bietet, den er nicht nach Belieben wechseln könnte, wie Konjunktur und Erfolg es gerade vorteilhaft erscheinen lassen. Der Rauer ist mit festeren Bauden an seinen Boden gebunden. Uralte Ueberlieferung der Ahnen, der ewige Rhythmus der Natur und das trotz aller Neuerungen unveränderte Antlitz feiner engeren Heimat haben ihn zu einem beharrlichen und bedächtigen, zu einem eher verschlossenen als anpassungsfähigen Menschen gemacht, sie haben seinen konservativen Geist geprägt, den kaum eine Zeit für die, Dauer von seinem Urquell abziehen, seiner Scholle abspenstig machen kann. Scheint es deshalb nicht ganz natürlich, daß der Bauer in Revolutionen, in Epochen der sozialen und politischen Spannungen abseits steht oder gar alle Macht und Gewalt einsetzt, um das Bestehende zu erhalten und das Neue mit Mißtrauen und Haß zu bekämpfen?
Auf den ersten Blick scheint die Geschichte dieser Auffassung Recht zu geben, wenigstens von der großen französischen Revolution ab, die ebenso wie ihre Nachfolgerinnen tu Frankreich,


