Ausgabe 
15.10.1934
 
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Sollte hier Strombett vorfahren im maisgelben Wagen, ^in Signal in die Luft stoßen unö sie entführen? Worauf wartete die ^rau dort oben am Fenster? War es nur Langeweile, die sie aus die «ttaße ließ?"Waren ihr Bedenken gekommen, reute es sie, den Brief geschickt

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Platane aber er selber konnte.alles beobachten Er sah, wie Regina! ^urrhelm in der Silhoutte mit dem wirren Haar fraulicher wirkend als Barbara zu seinem Weibe trat und die Hand auf ihre Schulter legte. Sie kehrte sich ihm zu, und es schien, Reginald spreche etwas. Sie schüttelte den Kops. Da schlich seine Hand um chren Rocken, streichelte den Haaransatz, sprach etwas, was der Mund vielleicht nicht mehr wagte "'tiielHie Ausschau nach ihrem Kinde? Ahnte sie, daß Jahn Strombeck ihren Entschluß unwiderruflich gemacht hatte, indem er einfach bis zur Stunde der Flucht die kleine Lilly bei sich als Maud behielt?

Aus einem Sessel in der fernsten Ecke sprach Mglnald auf sie em. Seine Stimme wollte leise sein und war auf einen hohen Ton gehalten, das nahm ihr viel, sie klang beschwörend noch, aber roeineritd),

Wo hast du die Lilly hingeschickt?" wollte er wissen.Wo bleibt das Kind so lange?"

Barbara antwortete nicht.

Er reckte sich im Sessels stand aber nicht auf.Ich frage dich! ries er, "^Barbara Entschloß sich. Sie sagte müde:Lillywirdrechtzeiügzuruck fein Sie mag sich verspielt haben", und über die Schulter:sie versäumt a "Er^chwieg eine Weile. Dann sagte er, und der Satz mußte rühren: Warum bist du so, Barbara?"

"Shtbers" als? früher. Nicht anders als gestern oder vor acht Tagen;

lachte"bitter.^,Ist das ein Wunder? Ein Wunder wäre es doch, würde ich dieselbe geblieben sein gegen damals gegen diese Zeit, auf tie,jjenfe dir, Barbara, an dies Wunder habe ich alle die Jahre fest geglaubt. Ich dachte, du seiest müde und enttäuscht wie ich es war; aber hier drinnen, meinte ich, sei dem Herz noch wie damals.

Sie rührte sich nicht. Er mußte sortfahren gegen ihren Rücken zu sprechen Schau, du hast in diesen letzten Monaten manchmal von Schuld gesprochen. Ist Erfolglosigkeit eine Schuld? Der Erfolg ist em kleiner «ufa 11 Man muß Geduld haben, Barbara. Aber ich gebe dir nicht ganz Unrecht. Wir sind nicht mehr allein; wir müssen an Lilly denken.

Sie sagte und es kam wie ein Wurf:Das habe ich getan!"

Er stutzte, meinte aber dann wohl, sich verhört zu haben.Ich eben­falls", stimmte er bei.Ich will nicht länger warten, da ich nicht mehr allein warte Assessor Luzius war so nett, mir eine Empfehlung zu ver­sprechen. Ich denke, ich werde beim Film eine leidlich, vielleicht gut bezahlte Stellung bekommen, denn ich bin schließlich kein ganz Unbekannter mehr in der Malerei. Wenn es bann glückt, noch mit ein paar Bildern heraus­zukommen, denn so viel Zeit wirb mir ja wohl für mich bleiben

Barbara fuhr herum.Jetzt kommst du damit!"

Er lächelte dünn.Ich habe bis zuletzt gehofft, in der Kunst durch­zudringen. Du weißt es. Aber nun bin ich bereit, das Opfer zu bringen.

Du bringst ein Opfer! Selbstverständlichkeiten nennst du Opfer!"

Er sah zu ihr hin.Aber Barbara, ist es nicht so? Ich bringe mich zum Opfer. Ich weiß, was du sagen willst. Aber die kunstgewerblichen Arbeiten, die Kostümentwürfe, alle diese deine Leistungen in Ehren; es ist ein nettes kleines Talent. Du hast es ausgeübt, aber doch nicht auf das Größere verzichtet, bas du in dir spürtest. Das Leben, wie du es geführt hast, hat dich ausgefüllt, mich hat es verbrannt!

Worte, leere Worte. Ich hätte mir auch ein anderes Leben denken können. Bestimmt war sogar die Rede davon, als wir heiratetet. Von Arbeiten durch die halbe Nacht, von zerstochenen Fingern und dem Danke­schön für ein paar Mark war keine Rede."

Du bist bitter, Barbara."

Das wird man wohl." _ ,

Ich wollte dir sagen, es wird jetzt besser, Barbara. Wenn ich erst Geld verdiene, sollst du nie mehr eine Nadel anrühren müssen! Und das wird sa nun bald sein. Bis dahin aber ist uns auch geholfen. Es ... jemand .. ich habe ein Bild verkauft. Es kommt Geld ins Haus. Viel Geld! Ich meine, reichlich Geld."

Sie drehte mit einem Ruck den Kopf.Du hast ein Bild verkauft?

Welches? An wen?" _ m . ... .

Er legte den Zeigefinger vor den Mund.Pst. Nicht fragen, nicht daran rühren. Sonst zerstiebt es." ,

Rede bitte keinen Unsinn! Wem hast du ein Bild verkauft? Sag es schon! Privat ober staatlich?"

Der Stabthalle in Hannover. Eine Herdelandschaft für den Wandel- 9<U,,%as ist nicht wahr! Ich habe die Absage aus Hannover selber gelesen."

Er war verdutzt. Dann lachte er verlegen.Das kommt, weil du so neugierig bist Nicht Hannover. Das Preisausschreiben in Breslau hat mir einen Trostpreis gebracht." Und als er ihr Gesicht sah, erhob er sich, trat auf sie zu und strich ihr mit der Hand über die WangeJedenfalls kommen jetzt bessere Zeiten, ^Barbarei. Bleibe still hier im Zimmer. >^ch gehe einen kleinen Weg. Wenn ich zurückkomme, sind wir reich. Er achtete nicht auf ihren Blick, er wandte sich zur Tür, aber da erreichte ihn ihr Zuruf

Sofort blieb er stehen. So hatte sie ihn nie mehr genannt. Was war denn spürte auch sie den Umschwung, war sie dankbar? Er war tm Augenblick an ihrer Seite. Alles in ihm drängte ihn zu ihr, die er liebte, wie in den ersten Tagen.Barbara? ..."

Aber sie wehrte seine Liebkosung ab; strich nur über sein Haar, sah in feine großen braunen Augen, die sie geliebt hatte, einmal bamals.

Reginald", sagte sie,es ist nichts. Geh ruhig. Es ist nur, es fuhr mir so durch den Kopf, wenn du mich einmal nicht verstehen tannft, wenn du anfangen willst, mich zu hassen, bann denke, daß sch ^llercht ganz andere Beweggründe zu meiner Tat ober was es Je n mag gehabt habe, als bu annimmst." Unb in seine weitoffenen fassungslosen Augen sagte sie:Ich bin nicht nur deine Frau, ich bin m erster Linie Mutter.

Was heißt denn das, Barbara?"

Sie zuckte die Achseln.Gar nichts. Alles. Was du daraus machen ro Er zögerte, sah sie eindringlich an und fand auf seine Fragen feine Antwort. Da liefe er fie, sicher in ganz kurzer Zett hier eineni Um djmung schaffen zu können. Denn was er eben versprochen hatte, wurde ja an Meiern Abend noch Wahrheit heißen. Er würde Geld bringen! Biel Geld! Nur eben, woher es kam, das konnte er nicht sagen. Das wurde er nie­mandem sagen können. Das mußte sein Geheimnis bleiben. Denn die Freunde und Bekannten, diese Sicheren und Gesicherten, die die Not nicht kannten ober nur bem Namen nach, sie würben ihn verurteilen unb oer- afI,t®r' Eließ^stin'H^us^ Nicht einmal richtig verabschiedete er sich von seiner Barbara; denn er wußte ja, daß er halb zurück sein würbe

Er wußte nicht, baß Not auch Liebe bricht, unb baß er Barbara zum letzten Male gesehen hatte. Sonst wäre er diesen Weg wahrlich nicht ^Mstssor Luzius auf der anderen Seite der Straße sah Reginald Zurr­helm den schmalen Aufgang zwischen den Borgarten herabkommen. Er wollte schon über den Fahrdamm, dem Freund entgegen, hmderte ihn ein Automobil, und er mußte warten. Er war erstaunt. Reginald Zurr heim winkte den Mietwagen heran unb stieg ein. . .

Sollte er folgen? Luzius überlegte nicht lange. Einem davonfahrenden Automobil nachrennen ist lächerliches Beginnen, winkte den nächsten Wagen heran, der die Platanenallee heraufkam und fuhr dem bere its vorn liegenden Gefährt Zurrhelms na-H Der Fahrer,hiel sich gut, ab r er holte Zurrhelm nicht ein. Luzius sah, und bas Erstaunen wuchs n ihm, wie Zurrhelm vor dem Hotel Europa den Wagen verließ und in baSßuius ^' gleichfalls feine Taxi frei; er postierte sich in ge­nügender Entfernung vom Hotel, zu beobachten, was weiter geschehe. Er

Reginald'Zurrhelm kam wieder auf die Straße und schritt davon. Aber bas war vielleicht bemerkenswert: er schritt nicht der Stadt entgegen, nicht seiner Wohnung zu. sondern er entfernte sich von ihr.

Luzius setzte sich ln Bewegung. Er wollte den Freund einholen. Es war gewiß nicht seine Absicht, Zurrhelm hier kreuz und quer zu »erfolgen, « wollte ihn sprechen, ihn warnen ober norbereiten und vielleicht ge^ meinsam mit ihm bei Barbara den geplanten 6^11 verhindern. Aber er stutzte und hielt sich zurück. War es an sich schon eigenartig, daß Zurr Helm in dielen dunklen Abendstunden die nicht gerade in gutem Rufe stehende Hafengegend der Ost-Kais aufsuchte, so erregte sein Benehmen ^^Mederhott"^"sich Reginald Zurrhelm auf seinem Wege um, wartete und schien großen Wert Darauf zu legen, nicht beobachtet oder gar ver- f°t9t,Äefronberbar", murmelte Assessor Luzius Woher kennt Zurrhelm diese Geoend? Was hat er dort im Mertel der dunklen Gange und licht­scheuen Leute zu suchen? Warum tut er so geheimnisvoll, hat er etwas 311 Er'schlichtem Freunde mach Wahrscheinlich besser aus diesem Gebiet bewandert als Zurrhelm, gelang es ihm, von jenem unbemerkt ZU bleiben Wohin aing diese Wanderung? Als die Straßen dunkler wurden gab Luzius seine Vorsicht auf. Vor ihm her schritt Zurrhelm sah fidj md) mehr um. wähnte sich sicher unb schritt rascher aus. Wer sollie ihn1 Der folgen wem konnte er verbächtig fein? Es wußte ja memanb von feinem nächtlichen fflang, dafür hatte er gesorgt

Luzius folgte ihm wie ein zurückgebliebenen Schatten.

Fünftes Kapitel.

Ein leichter Regen fällt, ober ist es ber Nebel, ber nieberfdjlägt. Mn den Straßenrändern brennen in weiten Abständen Gaslaternen und leuchten gelb unb matt, sie zwinkern wie dose verkniffene Augen.In b Keller ber Häuser führen Stufen unb Treppen. Wenn sich fo eine lut für kurze Zeit öffnet, um eine torkelnde Gestalt hinein oder heraus zu lassen, reißt ber Lustzug eirf paar Fetzen Musik, dazu Lärm und trunkenen Gesang auf die Straße. Dann schlägt die Tür wieder 3U- _ .

Mädchen sind auf den Straßen oder stehen an den Ecken Sie stn° alle ein bißchen zu sehr geputzt. Ihr Lächeln scheint ll^ehwinkt und er storben; das ist auch ber Fall. Manche sind jung unb nicht unhubsch, man erkennt bas trotz ber unvorteilhaften Beleuchtung.

Die Männer gehören burchweg bem Seemannsftanbe an. Alle Sprachen schwirren burdjeinanber; zumeist überwiegen hier bei ben Dfbftais ote harten skanbinavischen Laute unb bie ähnlichen ber fremben Dftfeetflften

Luzius biegt allen tiefen Gestalten aus; er kann sich nufjt auf halten, lassen benn Zurrhelm ba vorn bleibt auch nicht einen Augenblick stehen. Zurrhelm muß seinen Weg genau kennen; er muß schon früher Per gewesen fein. Luzius weiß van biefen Straßen nicht einmal ben Namen- - Aber ba ist unerwartet eine bunteihaarige Frauenperson neben mm- Sie spricht etwas, bas er überhört mit absichtlicher Deutlichkeit, aber fi bleibt neben ihm. Da schaut er ihr belustigt ins Gesicht Ihre Augen sm» groß unb blinket. Merkwürbig. benft Luzius, sie erinnert °n Barbari Zurrbelsti. Unb er streckt bie Hanb aus unb faat. mit bem Kopf auaji nach in bie Richtung beutenb:Kennen Sie ben Mann ba vorn

Das Mädchen legt den Kopf schräg.Warum?, fragt es statt einer I Antwort.

I (Fortsetzung folgt.)