Zahrgang |93<
Montag, den |5. Oktober
Nummer 80
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
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(Fortsetzung.)
Viertes Kapitel.
Assessor Luzius ging in sein Hotel, das dem Wohnungslosen zunächst Unterkunft bieten mußte, zurück. Es war eigentlich merkwürdig, mn dieser Perlendiebstahl seine rasche und ein bißchen überraschende Aufklärung gefunden hatte, interessierte der Fall im Grunde gar nicht mehr. Es war anzunehmen, daß die Finkendeys, durch die eigenmächtige Reise ihrer Tochter sowieso unliebsam in die Motive der Tat Wingart Reußners verstrickt, — denn weshalb stahl der verrückte Bengel den Schmuck, doch nur, um Mita zu dieser Fahrt nach Berlin zu verhelfen —, daß Mnkendey durchaus für eine stille Beilegung der Affäre zu haben sein würde. Die Freundschaft zu den Eltern des jugendlichen Täters und die Furcht vor dem gesellschaftlichen Skandal würden ein übriges tun. Wingart Reußner traf eine günstige Konstellation; er halle sozusagen Glück. Oder war dieser Primaner kühler und klarer, afe man annahm? Hatte er mit diesen Umständen im Falle einer Entdeckung von vornherein gerechnet?
Luzius machte sich weiter keine Gedanken darüber. Mochte Brendel diese Geschichte in Ordnung bringen. Warum sollte denn er der Bote dieser unangenehmen Nachricht sei! Nein, er würde weder den Konsul, roch den Justizrat informieren. Brendel war ja da. —
Er schritt die Straße zum Markt entlang. Wie kurz die Tage schon wieder waren. Der Herbst kam. Schon lag auf den Straßen gelbes, abge- sallenes Laub. Er schritt rascher aus: wenn die Sonne fort war, wurde es sogleich empfindlich kühl.
Nein, der Diebstahl des Perlenschmucks hatte seinen Spürsinn eine kleine Weile gereizt; nun war das vorbei. Besser der junge Reußner, dem nichts geschehen würde, als Reginald Zurrhelm den man zuerst in Werd acht gehabt hatte, stand als Täter entlarvt. Wahrhaftig, ich habe unfern Freund Zurrhelm in Verdacht gehabt! Der Mensch dem Menschen ein Wolf! Sind wir alle so, belauern wir uns, mißtrauen wir einander? Ober bin ich nur so, angekränkelt durch den Beruf, immer in der Anklage, stelz das Böfe annehmend? ... Reginald Zurrhelm, armer Bursche. Hat Pech im Leben; hat leichtsinnig eine Neigung zpm Beruf erhoben. Kunst- maler, du lieber Himmel, warum nicht Lotterie spielen! Ich hätte ihn an Stelle von Mita Finkender; an meine Schwester Vera empfehlen sollen, für Zurrhelm sollte sich Vera einmal zweckentsprechend einsetzen. Aber bas blieb ja noch zu tun. Es mußte etwas geschehen, den Zurrhelm einer anderen nützlichen, produktiven Tätigkeit zuzuführen.
Assessor Luzius war bereit. Er nahm das als eine Chance für sich, den schmählichen Verdacht, den er gehegt hatte, auszugleichen. Er war dem Zurrhelm etwas schuldig, hier drinnen in der Brust. Cs war gewiß wenig, was er tun konnte für den Freund. Ungleich wichtiger wäre gewesen, dem die Frau zu erhalten. Aber da stand man mit gebundenen ständen. Frau Barbara würde ihren Weg gehen, und daß dieser Weg om Reginald Zurrhelm wegführte, sah ein Fernstehender. Und Zurrhelm selber sah es auch ... und schrieb den geliebten Namen in den Sand, und a»r der Machtloseste in diesem Spiel um ein Herz.
Luzius banale vor der Aoteltür an, gleichzeitig mit dem kleinen Mädchen r Rosa und Weiß. Die kleine Lilln Zurrhelm kannte den Herrn Luzius, ii fnijste und streckte das rechte Händchen aus, das frei war.
Luzius sah, in der Linken hielt das Kind einen Brief. „Willst du denn IHtr in dies Hotel, Lilly?"
„Ja, einen Brief von Mama abgeben an Onkel Strombeck."
„So", sagte er und wußte nicht weiter. „Komm", meinte er dann und i*b >ie Kleine vor sich her durch die Drehtüre.
Sie fuhren zusammen hinaus in den ersten Stock. Luzius fragte nicht: Bit geht es der Mama und dem Papa?, dieses Kind würde mit unbe- Dtgtem Gesicht etwas Konventionelles antworten, wie es ihm angelernt wr. Er sagte oben auf dem Korridor nur: „Dort ist das Zimmer, Nr. 114, und verabschiedete sich. Er war empört über diese Art Barbaras, ’mn Nachricht zukommen zu lassen. Aber als er in seinem Zimmer 1- ‘'-gte die Ueberlegung. Vielleicht war da doch noch etwas zu retten? $' -r die Entschließungen der beiden im Bilde war, vermochte mag«
i<i ’re doch noch einzugreifen, oder den Gatten zu warnen, oder...;
r ■ picht, was das werden sollte, jedoch er nahm seinen Hörverstarker le- setzte ihn an die SBanh. die ihn von Strombeck trennte. Wie M - ' t olle seine Koffer, alle seine Apparate und Waffen mit in das h°lkl " rrnm”n hatte. Und er dachte, horchend gegen die Wand, wirklich, #«r es gut ? Wäre es nicht besser, ich wüßte gar nichts?
OMAN
ON FRANK F. BRAUN
Nebenan war gerade die Begrüßung vorüber. Jan Strombeck riß hörbar den Brief auf. Dann wanderten seine Schritte durch das Zimmer, bis zum Fenster, zurück zur Tür und standen wieder still.
Schrieb er eine Antwort, überlegte er noch? Sehen!, wünschte sich Luzius, Strombecks Gesicht jetzt sehen können — und man würde genau wissen, was Barbaras Brief gebracht hatte.
Da sagte auf Zimmer 114 Jan Strombeck vernehmlich: „Komm, Lilly."
Ein Stuhl wurde gerückt. Schritte gingen zur Tür; aber vorher geschah noch etwas. Luzius vernahm das Geräusch deutlich. Papier zerriß; viermal sprang der Ton in den Raum, und Luzius konnte sich zusammenreimen, daß Strombeck, bevor er das Zimmer verließ, Barbaras Brief noch auf dem Tisch hatte liegen sehen und ihn zerrissen hatte.
Er setzte seinen Hörverstärker ab. Was nun geschah, war mit bloßem Ohr ebenso gut zu hören. Die Tür schlug an, ein Schlüssel wurde herumgedreht, dann entfernten sich die Schritte Strombecks und des kleinen Mädchens auf dem Korridorläufer, aber deutlich wahrnehmbar. Der Fahrstuhl surrte. Jan Strombeck hatte mit Lilly das Hotel verlassen.
Luzius zögerte nicht. Er war sich klar, daß er ohne jede Berechtigung handelte, aber er fragte in dieser Minute nichts danach. Der Aerger über diese brutale Art Barbaras, über den Ehemann hinwegzugehen, und das Mitleid mit eben dem 9)1 ann dieser FraU, der innerlich sein Freund hieß, beherrschten ihn. Er nahm einen Polizeinachschlüssel aus seinem Koffer, horchte noch eine Weile und trat dann rasch auf den Flur und schloß die Tür zu Nummer 114 auf. Er trat an den Papierkorb, fand wirklich die Schnitzel des Briefes darin und nahm sie an sich. Nicht alle, er fand nicht die Zeit, denn draußen kamen Schritte heran. Er floh auf den Gang, warf die Tür zu und trat einen Schritt beiseite. Kam Jan Strombeck zurück? Ein Hotelbediensteter? Peinliche Situation!
Aber der Mann, der vorüberging, war ein Gast und wußte durchaus nicht, daß Assessor Luzius vor einer fremden Zimmertür stand. Er ging vorbei und sah nicht einmal auf. Luzius schloß in Ruhe die fremde Tür wieder ab. Noch einmal hineinzugehen und die fehlenden Papierteile zu holen, fehlte ihm nach diesem Schreck plötzlich der Mut.
In seinem Zimmer breitete er auf dem Tisch die Schnitzel aus und versuchte, sie zusammenzusetzen. Er hatte tatsächlich nur wenige Teile mitbekommen, aber was er entziffern konnte, genügte, den Inhalt des Briefes zu verstehen.
Er stand erschütternd und las die Bruchteile immer wieder. So ist das Leben also? Sicherlich war einmal Liebe gewesen am Anfang dieser Ehe. Und bann? Mitleid! Und am Ende nun so etwas wie Haß... Der Untergärig eines Gefühls, seine Wandlung, die ohne menschliches Zutun geschieht. Und er sprach die Sätze vor sich hin. Anklage, Entschuldigung; auf jeden Fall: Entscheidung.
nicht mehr ertragen erwarte 10 Uhr bereit sein nachts nicht verfolgen.
Im Moment war die Idee da: telephonieren, keine Zeit verlieren! Aber dann siegte die Ueberlegung. Was sollte er dem Reginald Zurrhelm am Telephon sagen? Ich bin bei Strombeck in bas Zimmer eingebrochen; nun ja, selbst wenn er jetzt nicht an sich denken wollte, wenn er bereit fein würde, sich diese ungeheure Blöße zu geben — diese Worte, die hiervon sprechen, konnte man nur von Angesicht zu Angesicht sagen; und auch dann war es noch nicht sicher, ob man den Mut fand. Denn das war wohl so, wer diese Botschaft übermittelte, brachte eine Todesnachricht — ober war ber Henker.
Luzius nahm feinen Hut vom Haken. Langsam ging er hinaus. Cs war fein Plan in ihm, als er die Straße zu Ende ging und bann in die Platanenallee einbog. Hätte ihn jemand angehalten und gefragt: wo wollen Sie hin? er hätte antworten müssen: ich weiß es nicht. Nur in der Nähe des Hauses Nummer 9 sein. Vielleicht Frau Barbara treffen; ober nein, man würde nicht die rechten Worte finden, für Barbara war man ein Fremder, dessen Einmischung sie sich verbeten haben würde. Aber Reginald Zurrhelm, wenn der des Weges käme, ihn könnte man warnen ...
Nebel sanken hernieder. In den Winkeln zwischen den Käufern hockte schon die Dämmerung, sie ließ sich von den Dächern herabfallen und füllte sacht die Straßenfchluckiten aus. Der Turm der Philippuskirche stand noch im Licht, das Kirchenschiff lag schon in tiefen Schatten.
Luzius faßte dem Hause Nummer 9 aeaenüber auf der anderen Straßenseite Posten. Er schaute zu der Wohnung hinauf. Jene drei Fenster dort oben gehörten Zurrhelms. Die Vorhänge waren nicht herab- gelasfen. In dem Zimmer brannte Licht und man fab die Silhouetten der nm Fenster Vorübergehenden. War das nicht Fra» Barha„ag olnHer Kovk. ihr langes, glänzend schwarzes, enganlieaenhea Faar? Worauf wartete sie? Sie stand am Fenster und starrte auf die Straße.


