Ausgabe 
15.6.1934
 
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ging weiter. Was mochte die Frau ge- nicht viel! Ein Offizier, der von der Euer Hochwohlgeboren", hatte sie ihn beschloß, sie in der Nacht in einer leeren

*

aber sie wehrte ihm.

Hans bedankte sich und dacht haben? Vermutlich Truppe abgekommen ist!

Wyssoko Vlagorodje! < genannt.

Er sammelte Pilze und 1 Konservenbüchse zu braten.

^>ans schritt aus den Wald zu, den er durchqueren mußte, um an die Bahn zu gelangen Im Walde, dessen tiefes Dunkel ihn umfing, kam er nur langsam durch das dichte Unterholz »oim- fster war seit Menschengedenken kein Förster tätig gewesen. Viel­leicht gehörte der Wald auch niemandem?

Pilze wuchsen in Unmassen, das Moos war dicker at§ zwei Ziegelsteine und der Fuß versank darin rote in einen Teppich.

Nach einer halben Stunde wurde es licht. Wenige Schritte und Hans stand vor einer weiten Wiese, die niemand gemäht hatte, und im Hintergründe, etwa zwei Kilometer entfernt, sab er den Bahnkörper. Hier, quer über die Wiese konnte er nicht gehen. Dav iväre zu ausfällig gewesen. So drückte er sich am Waldrand entlang nach Norden, richtete an einer Stelle, die er sich leicht merken konnte, einDepot" ein und marschierte erleichtert werter. Er nahm nur das Material zu einer Sprengung und die Mauser mit

Nach zwei Stunden gelangte er an eine Stelle, wo der Wald die Bahn erreichte. Vorsichtig pürschte er sich an den Bahnkörper, erkletterte ihn und legte das Ohr auf die Schienen: ... Nichts! Dann befestigte er Sprengkörper um Sprengkörper an den Schienen, da, wo sie über eine kleine Brücke führten.

Der Zünder wurde angebracht und eine Zündschnur, die etwa fünf Minuten brannte. Den elektrischen Zündapparat brauchte er ^EDas^Streichholz flammte auf. Er zündete sich eine Zigarette an, sog die ersten Züge ein und hielt dann das glühende Ende °n D^as^Zündpulver sprühte auf, und Hans sagte laut:Nix wie weg!" Damit verschwand er im Walde.

Nach fünf Minuten hörte er hinter sich dre Detonation. Er lächelte befriedigt. An diesem und dem folgenden Tage knallte er noch dreimal in der Umgegend von Molodetschno. Die Rusten fuhren wie rasend auf Lokomotiven und Dräsinen die Bahnstrecke entlang. Kosaken suchten die Umgegend ab. Sie fanden nichts. Zuletzt wurde ein Transportzug, der aus Wileika kam, int Walde bei Domanowa zur Entgleisung gebracht. Hans hatte schon die Sprengladung angebracht, als er in der Ferne das Rollen eines Zuges hörte. Er befestigte den elektrischen Glühzünder, legte rasch die Leitung nach einem dreihundert Meter int Walde liegenden Punkt, von dem aus er die Lokomotive sehen konnte, schloß die Litze an den Zündapparat an und steckte den Kontaktschlüssel in den Kasten.

Noch bange vier Minuten hatte er zu warten. Es war alles so schnell gegangen, daß er nicht mit Sicherheit wissen konnte, ob alles in Ordnung war.

Da fauchte der Zug langsam heran.

Als die Lokomotive zwei Meter vor der Stelle war, wo 6te Ladung lag, drehte er den Schlüssel herum. Ein ohrenbetäubendes Krachen ... dann noch eins. ~

Der zweite Krach war die Explosion des Kesiels. Hans war mit seiner Aufgabe zu Ende. Er drückte sich in den Wald und lief.

Hinter ihm und rechts und links klatschte es in den Bäumen. Die Russen schossen, wie wenn sie "dafür bezahlt würden. Wahr­scheinlich hatte einer die Leitung entdeckt, sonst hätten sie die Rich­tung nicht gewußt.

Er rannte eine kleine Stunde und verkroch sich dann in dichtes Gestrüpp. Speck hatte er noch und einen Kanten Brot, auch Kola­pastillen und Bonbons. Also frühstückte er. Dann ging er weiter nach Westen durch den tiefen Urwald. Baumriesen, die das Alter gefällt, lagen über seinem Pfad. Nach der Karte waren kaum An­siedlungen in der Nähe, aber immer paßte er auf. Es ging nms Leben. Erwischten die Russen ihn in russischer Uniform, so konnten sic ihn nach Kriegsrecht an die Wand stellen und erschießen.

Trug er aber deutsche Uniform, so konnte er keinem Menschen in den Weg treten.

Die Nacht verbrachte er im Gebüsch und fror gegen Morgen jämmerlich. Der Hunger begann ihn zu plagen.

Er lief weiter und kam gegen Mittag mitten im Walde an ein Hans.

Russisches Geld hatte er mitbekommen. In dem Hanse war nur die Frau des Waldwärters und einige Kinder. Sie lachte freund­lich, gab Hans, dessen Russisch sie kaum verstand (was aber nicht an ihm lag), Milch, Eier und ein Stück Brot. Er wollte bezahlen.

Fünf Tage später wurde eine Dragonerpatrouille bei Gawe- nowitschi, südlich von Smorgon, von einem Russen angerufen, der plötzlich aus dem Walde trat.

Nicht schießen! Gute Leit!" äffte der Rusie die Juden nach, die so liefen, wenn deutsche Truppen in die Städte kamen, ob­wohl ihnen kein Mensch etwas Böses tat.

Komm her, Panje-!" sagte der Dragoneroffizier und hielt feinen Fuchs an. Der Russe kam heran und knöpfte feinen Rock auf. Darunter war eine feldgraue Uniform zu sehen. Auch feld­graue Hosen hatte derRusie" an.

Da staunen Sie vielleicht, aber ich bin wahrhaftig der Leutnant von Grcgcrsdorff." Hastig erzäblie Hans von seinem Auftrag.

Bitte, Sie brauchen mir nicht zu glauben, aber nehmen Sie mich mit zu Ihrer Division ... hier haben Sie sogar mein Schieß­eisen." Damit reichte er dem verblüfften Dragoner die Mauser.

Der Dragoner ließ Hans auf ein Handpferd aufsitzen und ^^Der 'unrasierte Kerl, der sich tagelang nicht gewaschen haben mochte, bas wollte ein deutscher Offizier sein? Man wurde ja

sprach kein Wort mit Hans, der belustigt zusah, wie er von zwei Dragonern in die Mitte genommen wurde. Schweigend

Am^Abend wurde er int Divisionsstabsquartier der Kavallerie­division ganz fürchterlich gefeiert, nachdem die Angaben über feine Person nachgeprüft worden waren.

Bei feiner Division, die er am andern Tage bei strömendem Regen in der Nähe von Bogdanow erreichte, hatte man ihv Ichon für verloren gehalten. Die Umklammerung öer Nüssen mar fliegt gelungen, weil die Kavallerie, die zu ermüdet war, um dre Marschziele zu erreichen, den Ring nicht völlig hatte schließen ^""Großartig haben Sie es trotzdem gemacht, kleiner Gregers- dorff. Ich werde dem Alten schreiben. Vielleicht freut er sich auf dem Krankenbett." Das sagte der Divisionär zu Hans, der da­durch von der Verwundung des Vaters erfuhr.

Er war bleich geworden. Aber die Exzellenz'beschwichtigte ihm Wollen Sie Urlaub haben?" ,, .

Wenn Vater krank und nicht in Gefahr ist ... nein, Euer Exzellenz, meinen gehorsamsten Dank ... aber Nicht für einen ^°Der'°General' lachte belustigt über die burschikose Ausdrucks­weise. Aber Hans hatte einenStein im Brett und durfte sich so etwas erlauben.

Otto war ärgerlich, als Hans ihn besuchte.

Nichts wie Blödsinn. Darin gleichst du ganz dem Alten. Immer die Nase da, wo geschoßen wird."

Und du hast dein E.K.I wohl bei der Feldbackerei bekom­men? fragte Hans.

Halt dein dämliches Maul! *

Die ermüdeten deutschen Truppen blieben in den Stellungen, die sie jetzt, Ende September 18, erreicht hatten. Es kam der Befehl sich einzugraben und mit dem Stellungsbau zu beginnen. Das bedeutete das Ende des Bewegungskrieges. Stumpf und teilnahmslos lagen die Russen gegenüber. Sie hatten in dem kurzen Sommerseldzuq drei Millionen Menschen verloren. Zwei Millionen tot, eine gefangen. Die Zahl der verlorenen Geschütze ging in die Tausende. Aber zum Frieden war man in Peters­burg weniger als je geneigt.

Als Großwildjäger in der Mandschurei.

Erlebnisse von Ulrich von Riet.

Wie ich als Seemann von Hamburg nach China kam wie ich in Tsingtau wegen schlechten Essens und noch schlechter Be­handlung heimlich von Bord floh wie ich mich dann in allen möglichen Berufen in China herumtrieb bis ich zwischen die kämpfenden Heere zweier Revolutionsgenerale geriet, wo die Lust so dick war, daß ich unter Lebensgefahr nach der Mandschurei flüchten mutzte das alles erzähle ich vielleicht ein anderesmal.

Niemandsland.

Mein Bedarf an Bomben und Granaten war von der West­front her noch ziemlich gedeckt,' die Mandschurei, so hieh es da­mals, sei ein wahres Paradies gegen China. Ein solches war sie zweifellos, wenn auch nur für die Abenteurer aller Länder, die sich dort sammelten, denn das riesige Land war strittig zwischen China, Japan und Rußland. Es herrschte völlige Gesetzlosigkeit; die wahren Zerren des Landes waren bie'großen Räuberbanden, die in den Wäldern hausten. Zu ihnen gesellten sich unzählige Fremde Weißrussen, sibirische Sträflinge, amerikanische Gold­sucher, japanische Agenten, viele Deutsche und andere Westeuro­päer aber alles Leute, die es für richtig hielten, sich einige taufend Kilometer weit von ihrem heimischen Staatsanwalt zu entfernen. Gemischte Gesellschaft.

Dementsprechend waren auch die vier Jäger, mit denen ich dort eine Zeitlang zusammen jagte: ob sie wirklich so hießen, wie sie sagten, weiß ich nicht, glaube es aber kaum. Da war zunächst ein f>err Knips, ein gedienter deutscher Infanterist, der dann Fremdenlegionär in Algier, Madagaskar und Tonkin gewesen war. In Tonkin war es ihm gelungen, über die chinesische Grenze zu flüchten, worauf er ganz China zu Fuß durchquert hatte, um schließlich als Pelzjäger in der Mandschurei zu landen. Der zweite war ein Herr Kostka aus dem schönen Polenlande, der sich aber in allen Sprachen über seine Vergangenheit ausschwieg. Der Dritte war ein Herr Ahlfeld, angeblich ein gewesener Offizier, der sich dadurch auszeichnete, daß er unbestritten den Wodka- Rekord hielt. Auch er redete nicht von seiner Vergangenheit nicht einmal im Schlaf oder im Rausch.

Herr Boboschin.

Der Vierte und Gewichtigste endlich war ein gewisser Bobo­schin, ein geflüchteter sibirischer Sträfling, der wegen dreier kleiner Auseinandersetzungen, die jedesmal dem anderen Teil das Leben gekostet hatten, nach Kara lsibirisches Goldbergwerk) verschickt worden war. Dort hatte es ihm aber nicht so recht ge­fallen er hatte eine Luftveränderung gesucht, doch hatte er fein Fortkommen" erst gefunden, dachdem er einen Wärter von den ' Qualen dieses irdischen Daseins befreit hatte. Seitdem beglückte