Ausgabe 
12.11.1934
 
Einzelbild herunterladen

Und zum wie

klärt sich doch in reichen Morgens Reinheit Licht der Gnade und zum Glanz der Einheit, wilder Most sich klärt zu stillem Wein.

Sprache und Nationalität.

Von Ricarda Huch.

Verantwortlich: t)r. HanS Thyriot. - Druck und Verlag: Vrühl'iche Aniversitäts.Duch. und Steindruckerei. L. Lange. Vieb°u-

Die Dichterin Ricarda Huch schenkt uns mit dem im Atlan­tis-Verla«, Vertin, erschienenen WerkRömisches Reich Deut­scher Nation" eine Fülle von Einblicken in Vergangenheit und Wesen des deutschen Volkes. Unter der Gesamtidee des ehr­würdigen Reiches, das noch heut« wie ein ßiebin das Ohr eines Schlafenden dringt und ihm wunderbare Träume erzeugt , sieht Ricarda Huch auch den stolzen Aufschwung der deutschen Sprache als Künderin der wachsenden Selbstbesinnung.

Eine Heimat in der Heimat hatte das wälderliebende Volk der Sachsen im Harz. Allmählich hebt sich das romantische Gebirge aus der breit schwingenden Ebene, steigt in höheren, dunkleren Wogen, türmt sich immer mächtiger auf und taucht endlich mit seinem wilden Haupte, dem Brocken ins Gewölk. In diese Schluchten und Waldgründe bargen sich Gnom und Elf, die ganze drollige, holde und böfe Ausgeburt von Phan­tasie und Traum, die die Aufgeräumtheit des flachen Landes verdrängte; ihr heimliches Wesen saust und schnarrt in den biegsamen Fichten lauscht hinter granitenen Blöcken, glüht zwischen dem rosigen Fingerhut, der die kahlen Hänge hinaufschwillt und bläst und tollt auf dem Geisterberge, wo die Tanne zu kriechendem Kraut geworden ist und Irr al den Ein­dringling umnebelt. Früh umtrün^te die Vorliebe der sächsischen Kaiser den Harz mit Ansiedelungen: an seinem westlichen Rande entstand das Kloster Gandersheim, wo Hrosvitha dichtete, im Norden wurde zu Otto des Großen Zeit das Silber im Rammelsberge entdeckt, im Süden lag Mathildens Witwensitz Nordhausen, im Osten das Kloster Quedlinburg, dessen Aebtissinnen die Königstöchter wurden, nicht weit davon das Klo- ster Gernrode und der alte Bischosssih Halberstadt. Eine von den vielen Burgen, die die östlichen Harzberge krönten, ist der Falkenstein im Settetal, wo Eike von Repgow oder Reppichau den Sachsenspiegel geschrieben haben soll. Wenn es so ist, bewohnte er doch nicht die Burg, die heute noch wohlerhalten steht, sondern eine ältere; aber dasselbe Waldesrauschen und Bachgeriefel, dieselbe Fülle der Einsamkeit umgab ihn und erfrischte sein Herz und seinen Geist. Hat der Sachsenspiegel, in dem die Rcchtsaedanken und Rechtsgebräuche der Sachsen ausgezeichnet wurden, auch nMit die unermeßliche Wirkung auf das deutsche Volk aus­geübt wie die Bibel, so mag man sich doch insofern an den Sprachgewal­tigen aus der Wartburg erinnert füblen, als der Sachsenspiegel und die wahrscheinlich von Eike verfaßte Sächsische Weltchronik die ersten in deutscher Svrache geschriebenen Prosawerke waren und somit eine wich­tige Stelle in der Entwicklung derselben einnehmen. Graf Hoyervon F a l k e n st e i n , einer von den sogenannten Harzgrafen, unter denen viele tüchtige und gebildete Männer waren, überredete Eike von Repgow,

der den Sachsenspiegel lateinisch Ses-hrieb-n hatte, ^ihn^ ins Deutsche zu

SSÄbÄSÄK mu -m-, - Srtt

llX i!nelbstv7rs!ändlich, daß

OMSZMSWM der gefährlichen Donau, schlingt die Dichtung um das Reich eme silberne &TeS'ienal Dein" Wagni-^ein Buch'wissenschaftlichen Charakters Jn gemäßes Sr ve7hältnismäß!g'gr°tze Verbr^L

niedergeschrieben: ein allgemeiner, von Friedrich II. verkünd

I PnnMrieben ber in Mainz beschworen würbe. Im Jahre 1238 ober 39 würbe bie Ürkunbe über eine Teilung zwischen zwei habsburgischen Bru­dern in deutscher Sprache abgefaßt. Eine Chronik aus der zweltenHalste des 18 Jahrhunderts berichtet, König Rudolf habe .m Jahre 1283 auf Verlangen der Fürsten angeordnet, daß die Urkunden aus deutsch verfaßt werden dürften, weil die deutsche Zunge genug Worte Habe, um I nn,>riei ftönbel darin zu begreifen; wo sie Mangel gehabt hatte, sei sie aus anderen Sprachen erfüllt und gebessert Ein merkwürdiges Zeugm- der Selbstbesinnung der Deutschen ist es, daß nun auch of entlich amtlich in der Sprache gesprochen wurde, die bisher nur ,m Hause, m der F mitte ini Freundeskreise erklang, und daß der Laie deutsche Bucher lesen'und schreiben konnte. Uendlich viel lebensvoller spiegeln sich Zeit | unt) Menschen in den deutschen Chroniken des 14. Jahrhunderts als in den l°te"nifchen Annalen früherer Zeit. Es ist, als fiele e,ne glatte I Maske von beweglichen Zügen. Bedenkt man, wie wesensverschiebe einem etwa Friedlich ber Große erscheint, je nachbem man .hm

I in französischer ober beutscher Sprache sich ausbruckenb begegnet, so er- I mißt man wieviel vollständiger man alles Geschehen erfassen kann, seit 7ns d7utsche Sprache die Kunde davon vermittelt. Geist, Sprache und Persönlichkeit sind nicht zu trennen...

Man sollte meinen, da der erweiterte Gebrauch der Volkssprache gewiß ein wachsendes Bewußtwerden des Gesamtvolkes anzeigt, es müsse gleichzeitig ein Zunehmen des nationalen Bewußtseins zu bemerken fein. Hm allgemeinen herrschte es mehr bei den niederen Klassen, was schon nüt der mangelnden Sprachkenntnis und mit der Verbundenheit mit dem heimischen Grund und Boden, dem heimischen Gewerbe zusammen­hing. Doch kann man mehr von Anhänglichkeit an die Scholle und an die Stadt, der man angehörte, als vom Natwnalgefuhl sprechen Derhoh und niedere Adel, desien Beruf der Krieg war, ah den Gegnern zugleich Angehörige derselben Gesellschaft mck denselben Begriffen von y Ehre, die dem Standesgenossen rücksichtsvolle Behandlung sicherten wen sie ihn nicht umgebracht hatten. Selbst die sarazenischen Feinde gewohnte 1 man sich mehr nach ritterlichem als nach christlichem'Maßstabe zu messen Ebenso wünschte der reisegewohnte Kaufmann, der die Städte beherrschte aus friedlichem Fuße mit den fremden Nationen zu verkehren, die ihm wegen der Handelsbeziehungen oft lieber waren als ein. landmannischer Nachbar, der ihn vielleicht mit Fehde belästigte. Wie einst bayrische He zögt, um ihre Unabhängigkeit zu retten, die Avaren ms Land riesen so scheute sich zur Zeit Ludwigs des Bayern Herzog Leopold von Oesterreich, de? Bruder Friedrichs des Schonen nicht d- deutsche Königskrone dem König von Frankreich anzubieten. Einige Her- ren trafen sich auf einem Boot im Rheine, wo sie sicher vor Lauschern waren, um die verräterische Wahl zu bereden; der Komthur Berthold v o n B u ch e g g war es, der durch seinen Widerstand die Schmach ver hinderte Nach Ludwigs Tode boten Karls Gegner die Krone dem Komq von England an. Auf der anderen Seite konnte es geschehen, daß Karl IV im Jahre 1364 die Reichssteuer, die Lübeck ihm zu bieten Haire, an den König von Dänemark übertrug, mit dem die Hanse, asto ouaj Lübeck sich im Kriege befand. Der Lübecker Rat stellte dem Kaiser vor, daß er ihnen nicht zumuten könne, ihren Feind zu starkem Indessen war es falsch, aus solchen Verwicklungen zu schließen die Deutschen hatt sich nicht als Deutsche gefühlt; namentlich ließ das seit dem 14. ^,oyr hundert stark sich aufdrängende Nationalbewußtsein Frankreichs zuwei en das ihrige aufflammen, oder die Anmaßungen der Pavste reizten Den Stolz. Ein junger Herzog von Geldern, dessen Tapferken die d^>m Grenze vor einem französischen Einfall schützte, hielt eine Ansprache^ den König von Frankreich in deutscher Sprache, um öffentlich darmi m, wohin er gehöre. Auch von Friedrich Barbarossa wurde gesagt, er rönne wohl Lateinisch, spreche aber deutsch, um die deutsche Sprache zu eyren.

den Meisterschützen sehen wolle. Der Offizier könne alsGeisel In Nürn-

KS8WSM W-WIM-LE üert9fher das sicht die Nürnberger nicht an, die noch heute diese Sage m Npiüeuter und dem Friedländer erzählen. Immer noch schworen sie daraus daß Wallenstein die Eisenkugel, die ihm an den Kops gesahren, tn Gold halte fassen und in seinem Schlasgemach habe aufhangen lassen, in feinem Palast zu Fußen des Hradschms zu Prag.

Doch habe ich sie dort vergeblich gesucht.

Schillers Lampe.

Von Robert Hohlbaum, GDS.

Weimar liegt stumm in satter Bürgernacht, in Goethes Hause selbst losch schon das Licht. Im dunklen Ruhestrom ertranken Pflicht, Sorge und Lust. Nur eine Lampe wacht.

Nur eine Lampe wacht. In stiller Nacht wird sie zum reinen leuchtenden Gedicht, wird sie zum großen flammenden Gericht, zu einer Himmelssackel Purpurpracht, die Nacht erleuchtend und die Nacht durchflammend, die Welt erlösend und die Welt verdammend, äschert sie Pfeiler, Zwingburg, Mauern ein.

ei e b' $ k

bi

b ü

d i,

n b E

u

3 a

il b f

ti

S

5 ii ii

ii i

i i

i !

I i (

I

!

1