SiehenerZaimlienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger
— II
Jahrgang 193^ Montag, den 12. November Kummer 88
i-UU 11|3 lu; Ult uujjin stäubte den Spiegel und lich um und floß aus.
zu nahe. „
"^U"ÄtbU -'und^das Blau dieser Augen war ein Meer oder
einem Spiegel und zupfte an sich herum »ntmckte ihn. Sie hatte Luzius betrachtete sie, und der Anblick emzuaie »n '
zarte Beine, während ihr Körper eher voll war. Ihr sueio
(Schluß.)
Nun, es war also endlich doch so weit. Doktor Paulus wischte sich den Schweiß von der Stirn: er murmelte etwas, das wie eine Verwünschung klang. Dann schrie es: Los! Aufnahme! Licht!
Von allen Seiten fprang das Licht auf, so grell, so in die Augen
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stechend, daß ich sie schloß.
„Sind Sie verrückt?" sch.ie Doktor Paulus, „wollen Sie die Zofe als Mondsüchtige mit geschlossenen Augen spielen?"
Da riß ich die Augen auf; es schmerzte, aber ich beherrschte mich. Ich
’ ' ~ ' h die Fläschchen ab. Der Parfümflakon siel glück-
Ich kniete nieder und hob ihn mit Schreckensgebärde auf, — nie würde ich im Leben solche Bewegung tun! —, längst brannten meine Augen, als hätte ich eine Ladung Pfeffer hineinbekommen. Es war ein Leichtes, jetzt zu weinen.
Aber dem Doktor Paulus war das nicht genug. Mehr Tranen! schrie er man sieht ja nichts! Denken Sie, Ihr Geliebter verläßt Sie, Fraulein, denken Sie, eine Kollegin spielt Ihnen die gute Rolle weg! So, chon besser. Großaufnahme. Jetzt dicke Tränen!! Schluß! Er wischte sich wieder den Schweiß von der Stirn, sagte etwas von: Gott im Zorn erschaffen, und lief grußlos davon." - .
Ich saß noch lange auf einer Bank im Wald, trocknete meine Tranen, — jetzt kollerten sie prächtig —, Herr Doktor Paulus hatte ferne Helle Freude gehabt, — und schwor mir feierlich, diesem Beruf den Rucken zu kehren. Wahrhaftig, Luzius, ich war schon entschlossen. Es war nicht mehr nötig, daß der Himmel mir einen Kollegen von der Erntetanzgruppe schickte, der sich zu mir setzte und mich zu trösten versuchte
War er ein netter Herr?", meinte Luzius etn bißchen eifersüchtig.
.'.Ein sehr netter Herr", blitzte ihn Mita an, noch nachträglich in Zorn qeratend. „So ein netter Herr, daß ich ihm in der Mitte seiner Vorschläge davonlief, und als er mich einholte, mich am Arm festhielt und etwas redete, ich solle nicht so prüde sein ,hm eine Ohrfeige gab. Da ließ er mich los. - Nachher in der Bahn konnte uh achen Die Ohrfeige tat mir leid. Ich habe vom Tennis fo einen scharfen Schla^ Kannte der Mann mich, warum mußte ich ihn schlagen? Wahrscheinlich hatte dieser Schlag auch nicht so sehr ihm gegolten; mein ge peicherter Zorn explodierte, entlud sich, und der junge Stürmische war zufällig der ^Luziiisbnahm das Thema nicht auf. Seine Eifersucht„hatte sich bereits vollkommen beruhigt und verzogen. „Sie sind। also enttäuscht stel te er fest. „Wollen Sie den Plan nun aufgeben? Dann fahren Sie mit mir roiebga b<? wird *mir wohl nichts anderes übrig bleiben", meinte Mita. „Vom Film habe ich wahrhaftig genug. Das ist^nichts für> mich. „
Luzius nickte. „Ich hatte mir eine schone Rede bereit gelegt sagte er und nahm ihre Hand auf, „nun komme ich damit nutzt mehr zurecht. Ich glaubte, Sie wollte» Ihren Weg allem gehen, Fräulein Mit? Ich meine: ohne männliche Begleitung. Das ist der Zug der Zeit. Ich wollte Ihnen sagen: wenn Sie aber ^Nina spuren, der Weg wird zu steinig oder zu einsam, erinnern Sie sich bitte, daß iemonb aus Sie wartet." Er hatte leiser gesprochen.
Mita hob ben Blick zu ihm; sie vergaß, ihre Hand ^uckzunehmem „Wer wartet?", fragte sie ebenso gebampft, „ich verstehe nicht alle-, Herr ^^E°s "wartet jemand auf Sie, dem Sie Glück bedeuten ganz einfach durch Ihre Existenz, Mita. Aber wenn Sie: Herr Assessor zu nur sagen, kann ich nicht weitersprechen." »in Meines
ä? & wartÄFÄ ä °|» «* SMWWMMM Rahmen um diesen Kopf. Wer fagte --®}1 • • „ auj, hie Lippen
so leise, daß es ineinanderklang; vielleicht waren sich auch bte Lippen
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schottisch gemustert; in Stoffarten kannte er sich noch immer nicht aus. Das Röckchen war so kurz, daß der Schenkelansatz über dem Knie feine Form verriet. Auf ihrem Haar lag das Licht der Deckenbeleuchtung und..
Mita drehte sich um. Sie warf Luzius eine Kußhand mit nur einem Finger zu und ging zur Tür. „Fräulein Finkendey", sagte das Mädchen, „ein Eilbrief für Sie." "
Mita nahm das Schreiben. „Die Adresse hat Mutti geschrieben , sagte sie und riß ben Umschlag auf. Der Brief war kurz, er brachte nur ein paar herzliche Zeilen; aber es lag eine Banknote habet, ein Hunderk- markfchein. Mita nahm ihn heraus. Sie hatte Tränen in ben Augen. „Ist meine Mutter nicht goldig?" fragte sie, „sie schickt mir hundert Mark, und ich solle mir keine Sorgen mache», sie sei mir nicht böse. Sie sah den Brief an, ober ben Schein, ober ihre Hänbe. „Was ist benn bas?", rounberte sie sich und legte die Papiere aus der Hand. „Ich habe ja ganz blaue Finger!"
Luzius fprang auf. Er sah ihre Hände an, sah den Geldschein — und schlug sich vor die Stirn. .
„Was ist denn?" rief Mita und wurde ängstlich, „was erschreckt Sie benn so?" Sie verfiel, selber erschrocken, in das gewohnte Sie.
Luzius nahm ihre Hände. „Komm", sagte er, „wir wolle» den Schaden beheben. Ich habe glücklicherweise das Mittel in der Tasche, diese blauen Flecke zu entfernen."
„Aber warum? Ich gehe hinaus und wasche mich.
„Das nützt nichts, Mita. Dieser Geldschein ist eigens mit einem Farbstoff präpariert, der sich nicht ohne weiteres abwaschen läßt."
Ihr Blick war groß und verwundert. „Aber weshalb benn? Woher weißt bu bas? Unb warum schickt Mutter mir biefen Schein, ber abfärbt?" . .
„Das ist eine lange Geschichte", sagte Luzius. „Komm, gib mir deine Patschhände, ich will sie säubern." Er nahm sein Taschentuch und zog die kleine Flasche, die hier Hilfe bringen würde. Während er ihre Finger betupfte und reinigte, erzählte er ihr, was sich im Haufe und in der Heimatstadt inzwischen ereignet hatte. Mita unterbrach ihn nicht, sie lehnte eng an Luzius, lieh sich die Fingerspitzen waschen und staunte ab der Kriminalgeschichte. Er spürte sie beglückend nahe; er beeilte sich nicht; weder mit der Tätigkeit.nach mit der Rede. Schließlich war er zu Ende. „Unb nun erkläre ich mir bas so", schloß er:^ „Deine liebe Mutter hat biefen gefärbten Schein in gutem Glauben ..
Da klingelte es roieber braunen. m
Luzius unterbrach sich. Sie horchten zur Tür. War bas Vera? Aber es sprach bort braußen ein Mann, feine Rebe klang schüchtern unb ge= bämpft, aber man hörte boch bie Worte: „Mein Name ist Doktor Bell- mann Ich hätte gern Fräulein Finkendey auf einen Augenblick ge« ^“©ebulben sich der Herr eine kleine Weile, ich werde nachsehen, ob das" gnädige Fräulein im Hause ist", sagte das wohlerzogene Mädchen unb verschwand. Es kam durch das andere Zimmer an die Tur des blauen Salons und pochte an. Mita öffnete sogleich. „Führen Sie ben Herrn in biefes Zimmer", sagte sie unb wies in bas Nachbarznnmer bcs blauen Salons, jenes, in bem bas Mäbchen ftanb. „Ich komme sogleich." Sie zog bie Tür erst »och einmal zu. „Dieser Mensch kommt hierher! Verstehst bu bas?", flüsterte sie.
Luzius schüttelte ben Kops. „Das ist bie Höhe ber Frechheit", fagte er Verhandle du mit ihm. Deine Idee, ihn zu empfangen, ist richtig, wir "müssen erfahren, was er hier will. Er nimmt natürlich an, bu weißt nichts von ben Vorgänge» im Haufe beiner Eltern. Vergiß buh nicht!"
„Unb was soll ich tun?" .
' „Was sich ergibt, Mita. Ich bleibe hier im Salon unb greife rechtzeitig ein, benn ich höre ja, was er mit bir spricht."
Dann ist es gut", sagte Mita. Sie ging hinüber; Luzius blieb, solange bie Tür geöffnet war, bicht an der Wand stehen, fo daß er nicht sichtbar ward für den Wartenden. Noch sollte Doktor Bellmann nicht wissen, daß fein Gegenspieler hier war.
Doktor Bellmann stand hinter einem der Sessel. Er verbeugte sich und lächelte erfreut. „Gnädiges Fräulein," sagte er, „ich muß Ihnen danke» daß Sie mich angenommen habe». Ich komme hier hereingeschneit da ist es wirklich sehr freundlich, und läßt mich hoffen, daß Sie auch meine Bitte nicht sonderbar finden werde». Ich hatte bie Ehre, mehrere Monate im Hause Ihrer verehrten Eltern leben zu bürfen lmb„s1e finb nicht mehr dort? Als ich wegfuhr, war noch kein Gedanke, daß Sie den Posten aufgeben würden."


