Meran,wörtlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Derlag: Brühl',che Univerfitäts.Buch. und Steindruckerei. R. Lunge, Dieben.
et3£ l^en wir nun aus diesem Sonettenzyklus? Das ist die Webe
fönen ouBflen mit benen er in diesen Konflikt gekommen war. In
;t außerordentlichem Material unternommenen Beweisführung ^bte Th Tyler 1890 in dem Freunde den Grasen William Herber Pembroke, in der Dame die Hofdame Mary Fr t t o n gefunden zu h n ctiir xQ, bichterifcbc Erlebnis der Sonette lst die Kenntnis der ^rgestalttn natürlich nebensächlich, aber man hoffte, auch damit einen Schritt weiter zu kommmen. Was seitdem versucht wurde, um die aus■ b Lnrikwerk qewonnene biographische Ausbeutung auf bte Dramen anäu- wenben (Srant $ r r i 5 in seinem Werk: ..Shakespeare der Mensch unb seine tragische Lebensgeschichte") bas gereicht bem Ringen der Wl um bas Geheimnis bes Dichters zu hoher Ehre, so viel abstruse Phan- ^Daß ^das°Leben bes armen William aus Stratforb kein banales Dasein war ist unwiderleglich. Mit Achtzehn heiratete er eine um acht Jahre ältere grau, Anfang der Zwanziger geht er nach London er wird dort Schauspieler, Theaterdichter unb Theaterbesttzer; als °r über Geld verfügt erwirbt er in seinem Heimatdorf Hauser und Grundstucke. mit fünfzig Jahren kehrt er dorthin zurück, um mit zwemndfunfzig Jahren w sterben/ Daß sich ein wahrhaft tragisches Ringen abgespielt hat, ist offensichtlich. Er war Akademiker, der man sein mußte, um tm öüeratur betrieb der Zeit Aufnahme zu finden, noch gehörte er zum Sibel ober fanb leicht Zugang zu dieser Sphäre, bie allein Anerkennung und Ruhm verteilen konnte Der größte Menschengestalter kann kein Durchschnittscharakter gewesen sein, selbst wenn man der Phantasie den höchsten Anteil an seinem Schaffen zumeist. Was Hamlet und Romeo, Othello und Timon erlebten, das muß erst den Dichter durchschüttert haben, ehe er es sozusagen vermochte, daß es die Nachwelt als Offenbarungen der letzten menschlichen Geheimnisse begreifen konnte. Daß er aus den ersten 2onban?r roilben Jahren durch unermüdliche Arbeit aufstieg zur Läuterung und Reife, baß ihm nichts erspart wurde an inneren und äußeren Kämpfen, das muh jedermann spüren, der den Blick über diese lapidaren Fakten seines Lebens gleiten läßt. Der wahrhaftige Shakespeare steht in seinen Werken.
Welands letzter Flug.
Bon Hans Friedrich Blunck.
In der Saga von Weland, dem kunstreichen Schmied, dem Sohn der Riesin Böia, den König Riod durch Zerschneiden der Fußsehnen lähmte, wird im Bereich der germanischen Mythen der alte Sehnsuchtstraum des Menschen gestaltet, sich dem Bogel im Flug vergleichen zu können. Was sich in unseren Tagen erst erfüllte, ist dort mit seherischer Kraft vorausgeahnt worden. In der dichterischen Nachschöpfung der „Urvaterjaga , der großen Romantrilogie der germanischen Vorzeit von Hans Friedrich Blunck, die jetzt als Volksausgabe tm Eugen Diederichs Verlag in Jena erschienen ist, klingt uns dieser Mythus vom fliegenden Schmied und seinem schweren Schicksal mit großer Eindringlichkeit entgegen. Wir bringen aus dem Werk das Schlußkapitel über den letzten Flug Welands in den Götterhimmel.
Welands Hammer ging Tag um Tag wie einst auf dem Fels Rauchzahn. Die Feuer leuchteten aus der Schmiede, bte Balge stöhnten. Klirrend fiel Gefpäng in die zischenden Wasser, rote Stangen bogen sich zu Schwingenrädern, Gelenke lagen oben und unten, Schienen liefen von einem Flügel zum andern und weiteten sich wie um einen riesigen Leib, der sich zwischen den Flügeln einpressen wurde.
Ein Gerüst schlug Weland doppelt so groß wie das aus dem Rauchzahn und vielfältig versteist. Von Zeit zu Zeit legte er Feuer an den Berg, zerschlug das Gestein mit ungeheurer Kraft und schmolz eine Wanne mit rotgoldenem Kupfer aus den Trümmern Er wies sie einer, bie nahe war, ohne bah er sie sah, mit ber er sprach, ohne bte Lippen zu öffnen. Dann hämmerte er das Erz zu Flügelfpangen.
Zwei große Steine hielt Weland abseits, schmiedete Ringe daran unb übte sich und schwang sie, als seien es Flügel unter feinen Armen. So gewaltig war fein Spiel: viele Elbische kamen und sahen ihm zitternd zu.
Tag um Tag lärmte es aus der Schmiede. Tag um Tag wuchsen die Gerüste weiter aus der Klippenhöhle heraus. Die Sonne spielte morgens in den roten Gräten und Stangen der Flügel und hätte über den See bis zu den Göttlichen blinken müssen. Aber Frau Fria zog aus Dampf und Schwalchhitze Wolken vor den Schmiedehang, so daß niemand sehen konnte, was dahinter im Werden war. .
Als Weland die vierte Wanne Erz verhammert hatte, stand das Gerüst der Flügel fest an den Fels gekettet. Das Werk hatte den Schmied indes so sehr beschäftigt, er hatte noch wenig für Felle unb Federn gesorgt, bie er bem Gezähn einspannen mußte. Da ging er aus, um zu jagen.
Die Insel war jeboch leer geworben, bie letzten Tiere waren um- getommen ober entflohen Wenig fanb Welanb Tag um Tag suchte er
,id,Da0efann fk'bie ganze Nacht, wie sie mit Leid unb Mantel zur vor den Dornen nieder, wie sie vor dem Apfelbaum gebetet hatte.
Bis ber Morgen sturmrot im Osten stand, flehte Sintgund den: Dorn- bufck an Aber er durste sich nicht öffnen. Da berührte sie seine Zweige, um sie zu erheben, und es ging solch eine süße Stärke von ihr aus: wo ihre ickneeweißen Hände die Dornen berührten, wuchsen melblattrige Rosen daran, weich wie ein Daunenlager. Als Sintgund das sah, sang fie leife überstreifte alle Zweige mit den Händen und üeß sie voll weißer Blüten' wachsen, daß sie wie in einem Pfühl kniete. Was unter und über und neben ihr war, alle Zweige wurden von großen, springenden, huftenben Blumen überbrängt; wie ein taftenbes Kind tonnte bie ®lau« big? uSefäKt unb ohne Leid, Schritt um Schritt, sich burch den ^°Unb"si^kam"die" Hände noch voll von Rosen, am hellen Tag leiblich zu dem an der Esse und reichte ihm ihren Mantel für seine Schwingern 3 Da wurde aus Welands Zagen ein Sturmiauchzen; er schne in a , Wetter hinaus, das von Westen gegen den roten Osten fuhr, er spannte bas feste Tuch in alle Oesen und Gelenks, bie dafür bereit waren Sint- aunb half ihm sie ließ ihn nicht aus den Augen m ihrer Hellen Liebe. 9 Schwerer ging ber Wind unb wehte in Kleidern und Haaren. Als sie fertig roaren, tarn eine Bö, heftiger als die Morgenwinde. Der Hunm-l wurde von fliegenden Wolken bedeckt, unb bte Schwingen nffen an ben Setten Welanb fürchtete sich vor ben Böen, er wollte den Riefenvogel halten unb trat in das Gestänge, aus dem heraus er die F^gel fchwm- aen machen wollte. Sintgund fchlüpfte zu ihm, umschlang und küßte ihn. 9 3n dem Augenblick fuhr ein Sturmstoß von Westen auf und zer ß eine der haltenden Ketten, fo daß bie Schwingen sich ^rah9 hoben und am Fels zu zerschellen drohten. Da stemmte ber Gewaltige sich jäh mit seinen Knien gegen ben Stein, baß auch bte andere Kette mittendurch riß und er vom Wind hochgetragen mürbe Er glitt schräg ™b bann hob er bie Flügel mit seinen Armen unb schlug damit gegen den Westwind. Und obschon Sintgund ihn umklammerte, schwang er sich mit jener Kraft auf, mit der er die gelsblocfe batte tanzen lass , h?b sich, unirdisch schier, mit den Sturmro.rbetn hoher und flog, nue ein ungeheures Wunder, mit faufenden Schwingenhieben zu den Wolke hinein. Hindurch und hinüber trieb er, rote em Bogel, den die Bo pack, atemlos rang er sich aufwärts, schräg stürzend wieder aufgertchtet allem aus der ungeheuren Gewalt feiner Sehnen. Da wurde der Rebel ube ihm licht, ein ungeheures brausendes Morgengluhen kam und uberta die weiße Tiefe des Gewölks wie auch des Vogels goldene Flügel. Lau rief Weland die Götter zu Zeugen, raste mit feinen Kräften und r e fierrn Wodan selbst vor feine Burg. Und es geschah, daß der Gottervater stürmisch kam und, unter Weland fahrend, aufblicfte unb erstaunt ben gbtwnben Wgd E?Weland, &af) er ausruf)cn mußte: bie Gewalt der Flügel wurde müder, die Sehnen feiner Brust schmerzten vom Werk^ Und die Götter sahen es, fie fingen ihn und Smtgunb m ihren Mänteln auf Zwischen zwei Berggipfeln, dicht vor ber Holle ber Gotter, straudele ber Schmied, einem sturmgeblendeten Vogel gleich, ber wieder auffteige m°6?e halfen ihm alle, auch Herr Fro unb Dimnar, fein Vater
Weland war dankbar, er wollte aber nur Atem ühopfen unb gieiffl noch einmal zu ben Schwingen greifen, voll Furcht fern Werk ei nach nicht zu Ende Die Himmlilchen lohen tedoch, daß er vor Mudigie blutete, unb boten ihm für bieten Tag Rast.
Unb sie berieten sich unb entästeten Weland weil er sich über Herr Wodans Sturmwolken erhoben hatte; ber große Landrichter heute b ©ötterfSmieb vom Leib seines Erbenwegs unb oom Fluch, ben er über bie Welt getragen hatte. Da knüpfte Sintgunb ihre SSurze out un° schüttelte weiße Rosen, wie fie zuvor nie gesehen waren, ben GoMiSen vor bie Füße. Unb bie Blumen schlugen Wurzeln und rankten sich aiy unb umkränzten Burg unb Pfosten zu einem Hochzeitsfest hoch unterm Himmel. ___
S. ! di- «n. If«. w.
und fanb nur geringes Getier. Keine großen Schwanenzuge w,e am Meer flogen über bies Eilanb. m
Aber Sintgunbs Wünsche, bie ihn geleiteten, brauchen so f°m- We- lanb sah bie Magd schlummern, während ihr Traum um ihnwar.Seine Lippen bebten vor halblauten Worten unb riefen unb flehten, baß sie mack werben unb zu ihm kommen möchte.
Sintgunb lächelte aber sie schlug bie Liber nicht auf. Rur ber Dorn
Buße der Einsamkeit noch lange wahren sollte.
Als die Magd im Rosendorn nun fein Verlangen spurte, wurde auch ihre Trauer unb auch bie Ungebulb ihres Traumes fo stark, baß sich her Kauber über ihrem Schlummer ein wenig hob unb fie bte Augen auffchlu? Unb Sintgunb fanb sich in einer Klipphütte, von Dornen ^Da "ickloß"fie bie Liber, fühlte sich im Traum wieder Weland nahe x t c :un Dor hxn leeren Schwingen hocken unb, ben Kopf gestiitztz berbejn?n,^a” no% an ben g^gelnWe. Ihr und maß die Breite des Mantels, in dem sie eingefchlummert war, es schien ihr, als ob fie beide Flügel damit würde befpannen können
Darüber erwachte Sintgunb zum anbern Male, tastete sich hblaf* trunken vor bie Tür ihrer Hütte unb fragte aus ihrem verwundenen Schlummer den Wind und alles winzige Getier, wie sie zu WAanb föme ^nur einen Augenblick. Aber die Dornen drohten ihr unb hoben


