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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
Nummer 79
Zreitag, den \1. Oktober
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Schulbank und schätzen einander. Aber ich gestehe Ihnen, daß
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jungen Mädchen von
gefeiert sein, im Geld
Geld reden. Wer mag
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Obers aus.
Die chand tastete zum Schalter. Das Licht erlosch.
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„Stein", sagte Luztus, Bellmann scheidet aus, dessen Fußzeug habe ich angesehen. Aber Wingart Reutzner, da werfen Sie einen Namen auf, den ..." Er beendete seinen Satz nicht. Brendel, der sonst so Beherrschte, sprang auf. „Was ist das?!" ries er; seine Eisschale klirrte; Leute am Nebentisch blickten auf, sahen ihn an Luzius drückte ihn wieder aus den Sitz nieder. „Was ist denn los, Brendel, hat Sie eine Wespe gestochen?"
„Sind Sie dessen sicher?"
„Ich kenne meinen Onkel und meine Tante", versicherte Brendel ohne weiteren Zusatz.
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auch mir dieser Verdacht auftauchte. Dann jedoch verwies ich mir das. Warum mußte Zurrhelm der Täter sein? Weil er in steter Geldnot lebt? Wie häßlich, da eine Verbindung zu knüpfen. Weil seine Schuhe spitz waren, die er gestern abend trug? Ja, es mochte ein Verdachtsmoment sein. Aber, Luzius, wissen wir, wer alles noch spitze Schuhe trug aus der kleinen Gesellschaft gestern? Nur um die Namen aufzuzählen, um zu zeigen, wie völlig unser Verdacht in der Luft hängt: Frau Iustizrat Reußner trug spitze Schuhe, Barbara Zurrhelm natürlich; bann ber Wingart Reußner, vielleicht auch ber Hauslehrer Doktor Bellmann."
Luzius schaute auf unb nickte bann.
. Brendel fuhr fort: Diese Fußspur ba im Schlahimmer ^st eine Teuf l l«Ke. Zurrhelm ist mein Freunb, will sagen, wir kennen uns leit
Luzius sah ihm auf ben Mund. „Und neben der Mita läuft als einziger Vertrauter der Primaner her..."
Ein Unbehagen beschlich sie beide. Es war nichts ausgesprochen, als ~ re Tatsachen; keiner hatte eine Mutmaßung gewagt: aber ber Gebanke
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L Jahrgang 1934
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klare Tatsache — -------- „ „ , „ ,
lag in ber Luft. Wingart Reußner trug gestern abend spitze Schuhe! Ob sie in die Puderspur paßten, hatte man nicht feststellen können. Justizrat Reußner, sie kannten ihn ja beide gut, war ein netter alter Herr; er hatte nur einen Fehler, die jungen Leute jedenfalls sprachen diese Eigenschaft als Fehler an, er war genau, um nicht zu sagen knauserig oder geizig in Geldsachen. Er hielt feinen Sohn knapp. Luzius hatte oftmals an feine eigne Jugend gedacht. Er hatte nie etwas vermißt; so waren Versuchungen nicht an ihn herangetreten. Charakter, nun ja Charakter — mit achtzehn ober neunzehn unterliegt man ben Impulsen eher, schon weil man bie Tragweite ber Dinge nicht übersieht. — Er sah Brenbel an. „Wir wollen ben beiben nachgehen", schlug er vor. Brenbel nickte.
Sie zahlten rasch unb stanben auf. Brenbel sagte erklärungslos: „Halten Sie bas auch nur für möglich?"
Luzius zuckte bie Achseln. „Mita ist hübsch; er ist noch ein junger Dachs. Ich Dachte das gerabe alles."
Rascher schritt Brenbel aus. „Wenn es so war", sagte er, „baß meine Kusine bas Gelb für bie Reise von Dem Jungen verlangt hat, bann ist sie ein ganz herzloses Geschöpf!"
Aber nein", oerteibigte Luzius bas Mäbchen, „w'e bürfen Sie bas so sägen. Mita ist vielleicht ganz ahnungslos, bas arme Mäbchen. Was
Die Sonne schien, unb es war warm. Das Kaffeehaus am Marktplatz Ifttte Tische unb Stühle auf bie Straße vorgebaut unb t dieser Maß. Mjme Erfolg gehabt. Mancher Vorübergehenbe, bem ^ nuHt eingefallen wäre, in bas Haus zu. gehen, blieb für ein paar Minuten bei einer Er- l>> lchung sitzen.
In grüngestrichenen Kübeln wuchsen Oleanberbäumchen unb fäatteten nicht. Brendel löffelte sein schon flüffifl ‘ ^"b fab babet
Nus an. Kam eine Erklärung? Aber ber MHeHor SRertmurtrtg
Nus. Vermutlich hatten ober haben Sie Regmalb Zurrhelm B-rbacht?"
Luzius schaute über bie Straße, unb er erschrak. Jenseits bes Fahr- bammes überschritten ben Marktplatz nebeneinanber, beeilt scheinbar, das Fräulein Mita Finkenbey unb ber Herr Wingart Reußner aus ber Prima bes Heinrich-Hertz-Realgymnasiums. Wingart trug ben Koffer. Das Gepäckstück mußte schwer sein, benn er ging schief geneigt. Mita aber schritt strahlenb wie ber Mittag einher. Ihr Trenchcoat umflatterte sie, ber Filzhelm saß schräg auf bem Kopf. Wer bas Paar sah, war sofort im Silbe, baß nicht ber junge Mann, säubern bas liebreizenbe Fräulein bie Person war, bie auf Reisen zu gehen sich anschickte.
„Verflixt nett sieht bas Mäbchen aus", stellte Luzius fest. Aber unter Brenbels vorwurfsvollem Blick erschrak er neuerlich. „Sie haben recht, nicht bas steht zur Debatte."
„Wo will sie hin?" meinte Brenbel fragenben Tons.
(Fortsetzung.)
Luzius schritt bie Straße entlang, ben Weg ging er, ben Zurrhelm rot Minuten gekommen war. Eine Vielfalt von Empsindungen wogte in ihm. Hatte er etwas verpaßt, wußte bieses sentimentale Herz ihm einen Sreich zu spielen? Weshalb meinte Zurrhelm? Es war nicht komisch; Hch ein Mann darf meinen, nachts, allein. Wußte jener, baß er Bar- bira verlor? War es Scham? Selbstbesinnung nach ber Tat? Erkannte ei, daß ber Weg verschüttet mar, unb verfluchte er bie unselige Minute jenes Diebstahls? Ober hatte Zurrhelm bie Perlen verkauft, trug bas Gld — enblich nun Gelb! — in ber Tasche, unb es versagten jetzt msach die Nerven, rissen, und die Tränen flössen, ohne daß er es recht mßte ...
Luzius dachte: roenn er den Schmuck verkauft hat, diesen Weg kam N Wo kann er gernesen sein? Er schritt bie Straße zu Enbe. Bürger- lihe Wohnhäuser, ein Restaurant, ein paar Gäben. Keine Gegenb, um gestohlenes Gut an ben Mann zu bringen. Aber brüben vielleicht, bort, m es buntel ist? Ah, ein Park. Ein höchst ungeeigneter Platz,
Luzius roollte umkehren, aber es staub ba gerabe eine Bank. Er nur ben ganzen Tag schon untermegs: plötzlich spürte er bie Mübigkeit i» ben Beinen; er ließ sich einen Augenblick nieber.
Der Monb schien noch immer. Die Luft mar marm. Späte Grillen ziepten auf bem Rasen. In ber Ferne mar bas Brausen ber großen Stabt. Er sah vor sich hin. Monbnacht, buchte er, Lyrik. Unb bann: aber dies Licht genügt nicht, es hellt biefe Nacht nicht auf. Kein zartes Gebicht i weit. Es ist ein Perlenhalsbanb gestohlen worben, unb mir finb bem i lieb auf ber Fährte. Lassen mir uns nicht von Gefühlen verwirren, »der alles ist verloren. Da stutzte er. Stanb bort im Sanb nicht eine i Schrift? Er beugte sich vor. Jemanb hatte mit bem Spazierstock einen flamen geschrieben.
„Aber Mann, Luzius, sehen Sie benn nicht!?" flüsterte Brenbel ein- ichbem er eben noch überlaut gerufen, wisperte er jetzt förm= üben bas Mäbchen, ber Jüngling mit bem Hanbkoffer!"
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„A propos", warf Brenbel ein, „ba Sie vom Mita bas Gelb für biefe Reise gegeben haben? Vater unb Mutter sicherlich nicht. Der Konsul ist in ber Opposition, roas seiner Tochter Filmpläne anbelangt, unb Frau Olga wagt nichts ohne ihn."
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„Nach Berlin", antwortete Luzius, ohne zu zögern. „Ich habe ihr einen Brief an meine Schwester geschrieben; nun versucht sie wohl prompt ihr Heil." Er senkte ben Kops ein bißchen. „Also hat meine Warnung boch nichts genützt. Früher träumten bie jungen Mäbchen von Liebe. Ober haben wir uns bas nur eingebilbet? Heute ist es ber Film, der ihre Sehnsüchte ausfüllt. Berühmt werden, gefeiert fein, im Gelb
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geringer Mühe entzifferte er bas Wort, las bas große B, em ||..., unb es stieg ihm heiß in bie Kehle. Barbara stanb ba. Hier also bitte Reginalb Zurrhelm gesessen. Nicht Perlen hatte er zu einem Hehler g.tragen, fonbern auf einer Bank im Park war er niebergejeffen unb bitte wie ein verliebter junger Mann ben Namen ber Erwählten m ben Eanb geschrieben. Also boch noch Lyrik ..
Assessor Luzius erhob sich mit einem Ruck. Er zerstampfte ben Namen. ?f) bin auf falscher Fährte, dachte er; ein Mensch, ber sich nachts auf ehe Bank setzt unb weint unb an bie Liebe denkt, stiehlt keine Perlen.
muß irgenbroo ein Denkfehler unb ein Trugschluß vorgekommen se,m vf) glaube nicht mehr an Zurrhelms Schuld. Es ist nichts geändert, ich «iß, aber mein Gefühl sagt mir: biefe Spur ftt falsch. 3cb grub bie obere Tragöbie auf. Barbara. Schön, gefährlich unb immer geliebt Nährend er hier ihren Namen in den Sand malte, verabredete sie mel- .A i lucht mit Jan Strombeck bie Flucht. So ist bas Leben. Ist es fo? Das ”wlW falsch gefragt. Muh es so fern?!
1 Er ging nach Hause. Alles noch einmal. Portier, Schlussel, Fahrstuhl, kann bas Bett bas große breite Bett. Unb nicht mehr denken. Schlafen.
’ ~ ■ Vielleicht sieht morgen früh bie Welt


