„Wir übergehen die sterbliche Hülle unseres lieben Kameraden der ewigen See. Er fiel durch Betriebsunfall im Dienst der Kriegsflotte. Sergeant Mechaniker James Theodor Nelson, leb wohl ..."
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„Sarratoga", Flugzeugmutterschiff der USA. Navy, dreht wieder in den Kurs: Alle Maschinen große Fahrt voraus auf San Diego, Kalifornien.
Germanen und Kelten als Lehrmeister der Römer.
Von Friedrich von Oppeln-Vronikowski.
Der Titel scheint paradox, und doch bestätigt ihn heute die Altertumswissenschaft. Früher galten unbedingt die Römer als Lehrmeister der von ihnen unterworfenen oder bekriegten Völker, und in der Tat haben sie ihnen unzählige Kulturgüter vermittelt, die sich noch heute in den Lehnwörtern unserer Sprache ausdrücken: den Mauerbau aus Stein, Ziegeln und Kalk, den Wein-, Obst- und Gemüsebau und die feinere Kochkunst, den Marktverkehr und das Schreibwesen, ganz zu schweigen von den zahllosen Begriffen und Einrichtungen, die das römische Christentum den Nordländern gebracht hat. Aber schon in heidnischer Zeit haben die Römer den Einheimischen die Baumeister und Bildhauer für ihre eigenen Tempel und Kultbilder gestellt, wie es die sensationelle Ausgrabung des römisch-nordischen Götterbezirks im Altbachtal bei Trier aufs neue gezeigt hat. Vollends die vorgeschichtliche Altertumswissenschaft stand bis vor kurzem derart im Banne dieser klassischen Auffassung, daß noch ihre beiden großen nordischen Begründer, der Däne Sophus Müller und der Schwede Monte l l i u s, die vorgeschichtlichen Kulturen des Nordens aus denen des Südens ableiteten.
Erst die neuere nordische Bodenforschung, die von der Erforschung des römischen Grenzwalles (Limes) an der Rhein- und Donanfront entscheidende Anregungen empfangen hat, führte den umgekehrten Nachweis, baß zahlreiche Elemente der klassischen Kulturen im Norden wurzeln und von den nordischen Wanöer- pölkern, die jene Kulturen schufen, nach dem Süden verpflanzt worden sind. Das gilt besonders von dem homerisch-mykenischen Haustyp, der aus dem nordischen Holzbau entstanden ist und sich im Norden bis in die jüngere Steinzeit zurückverfolgen läßt. Dieser Haustyp, der uns z. B. in der sog. Römerschanze bei Potsdam und auf dem Vaalshebbel bei Guben entgegentritt, hat sich dann, in Stein übersetzt, in den mykenischen Herrenhäusern von Troja, Mykene und Tiryns fortgesetzt, aus dem später der griechische Tempel entstand.
Ein besonderes Verdienst um die Aufhellung dieser Zusammenhänge hat sich der Altmeister der Vorgeschichte Carl Schuch- Hardt durch seine zahlreichen Ausgrabungen wie durch seine gelehrten Bücher erworben. Jetzt hat er auch den Nachweis geführt, daß die Römer sich in ihrem Befestigungswesen vieles von den Germanen und Galliern angeignet haben. Sein vor einiger Zeit in der Preußischen Akademie der Wissenschaften gehaltener Vortrag „Die Römer als Nachahmer im Landwehr- und Lagerbau" liegt gedruckt im Buchhandel vor.
Schuchhardts Untersuchungen beginnen mit den römischen Grenzwällen in der Dobrudscha zwischen Constanza am Schwarzen Meer und Cernawoda an der unteren Donau, die einen älteren, nach Süden gerichteten, also vor den ihrigen erbauten und gegen sie gerichteten Grenzwall durchschneiden. Dieser älteste Wall stammt wahrscheinlich von den dort wohnenden germanischen Bastarnern und hat den großen römischen Erdwall des Kaisers Domitian und den späteren steinernen des 4. Jahrhunderts zum Vorbild gedient. Der des Domitian ist das älteste Beispiel eines römischen Grenzwallbaus, wogegen die Anlage von Landwehren bei den Germanen von altersher üblich war und sich noch durch das ganze Mittelalter erhalten hat. Am Grenzwall der Angrivaren (Engern) an der unteren Weser, den Schuchhardt vor einigen Jahren wieder entdeckt hat, schlug Germaniens seine letzte Schlacht (16. n. Chr.) gegen Arminius.
Der obergermanische Limes zum Schutze der römischen Rheinfront ist erst späterhin zur Landwehr ausgebaut worden. Er bestand ursprünglich nur aus einer Kette von Kastellen und vorgeschobenen hölzernen Warttürmen, die durch eine Grenzstraße miteinander verbunden waren. Erst 121 n. Chr. wurde er von Hadrian mit einer durchlaufenden Palisade versehen, die Antonius Pius durch Wall und Graben verstärkte. Römisch waren daran nur die Türme, alles übrige Nachahmung germanischer Befestigungskunst, insbesondere der Pfostenbau dieser Befestigungen, wie er uns schon in der oben genannten, von Schuchhardt ausqegrabenen Römerschanze bei Potsdam entgegentritt. Auch die Befestigung des ältesten Römerlagers auf dem Anna- berge bei Haltern folgt dem Muster der altgermanischen Volksburgen, sogar in der Anlage der Tore.
In der nichtgermanischen Welt des Ostens und Westens, bet den Dakern in Siebenbürgen wie bei den Galliern und später bei den Slawen herrscht im Gegensatz zu dem germanischen Pfostenbau der Blockbau aus liegenden Hölzern, und so finden wir ihn auch bet den dakischen und römischen Befestigungen, die auf der Trajanssäule in Rom abgebildet sind, wie bei den keltischen und slawischen Burgen: Bibracte nach Caesars Beschreibung, Mittenwalde in der Mark nach Direktor Kiekebuschs Ausgrabung, merkwürdigerweise auch bei den Nordgermanen (Wikingern) Skandinaviens. Im Spreewald wie in Rußland und Skandinavien trifft man ihn noch heute an. Auch Karl der Große folgte dem gallorömischen Vorbild bei der Anlage seines ebenfalls von
Schuchhardt ausgegrabenen Kastells tn Lenzen an der Unterelbe gegen die Wenden.
Von den Kelten übernahmen die Römer, besonders bei ihren Befestigungen in England die eigenartigen Torverschlüsse (Clavi- culae) sowie die Annäherungshindernisse aus spitzen Steinen und angespitzten Pfahlreihen in der Sohle der Gräben, so Caesar bei Alesia und die Legionen am Schottischen Grenzwall.
Ueberall also haben die Römer sich die Befestigungsweise ihrer Gegner zu eigen gemacht, und sie haben sich dessen nicht geschämt. Was ihnen nützlich erschien, übernahmen sie, und bald wuchsen sie ihren Lehrmeistern über den Kopf. Darauf beruht zum Teil das Geheimnis ihrer Weltherrschaft.
Bismarck als Briefschreiber.
Von Dr. Georg Böse.
Die Dichter sind die berufenen Hüter der Sprache. So wie das Volk dem Strom ihrer Entwicklung immer neue Kräfte zuführt, so verleihen sie ihr auf den Höhen der Dichtkunst Adel und Würde, Glanz und kristallene Klarheit. Die Dichter lassen ahnen, wie weit die Sprache ewig fließender, geistiger Schöpfungsprozeß ist, und sie bewahrheiten durch ihr Wirken den alten Satz: „Am Anfang war das Wort". Glücklich aber ist die Nation zu schätzen, in der Männer des öffentlichen Lebens auch auf Gebieten, die dem Musischen ferner sind, sich den Sinn für die feinen Schwingungen der Sprache erhalten haben und sie weiterbilden, wenn ihre Gedanken aus der Sache heraus, die sie in nüchterner Leidenschaftlichkeit vertreten, schönen und echten Ausdruck finden.
Ein solcher Mann, Reiniger und schöpferischer Bildner des Wortes ohne eigentliche Absicht, war der Schöffe Eike von R e p g o w, der mit seinem „Sachsenspiegel" nicht nur eine großzügige Zusammenfassung des deutschen Volksrechts vornahm, sondern der auch mit der Uebertragung dieses ursprünglich lateinisch geschriebenen Werkes ins Deutsche ein gewaltiges Sprachöenknml errichtete. Ueber zwei Jahrhunderte später wurde Martin Luther, aus dem heißen Drang des Reformators, dem Religion Volkes Sache war, durch seine Bibelübersetzung und seine Streitschriften zum großen Gestalter der deutschen Sprache. In diese Reihe gehört auch Bismarck: auch er verwaltet das wertvolle Gut der Sprache mit starkem Verantwortungsgefühl, ohne vorgefaßten Plan, einfach aus dem selbstverständlichen Gefühl des Genius, der sich ihm dankbar verpflichtet fühlt.
Die sprachliche Zielsicherheit und kraftvolle Geschmeidigkeit hat seinen öffentlichen Reden gewiß nicht zuletzt den Widerhall verschafft, der Bismarck für einige Jahrzehnte zum ungekrönten Herrscher der europäischen Staatskunft machte. Selbst in seinen amtlichen Schriftstücken und in den diplomatischen Akten kann die zwangsläufig übernommene Form des Kanzleistils und der Höflichkeitsfloskeln die leidenschaftliche Gebärde des Tatmenschen nicht überwuchern. Um so eindrucksvoller wirkt in vielen dieser Dokumente die gebändigte Form, die fast immer knappster Ausdruck ist. Im privaten Schriftwechsel wird das Bild sofort bunter: wir stoßen auf eine Fülle von Stimmungen von einer behutsamen Zärtlichkeit, wie in den Briefen an die Braut und Gattin, bis zum Titanengrollen, vom eleganten Wortgefecht bis zum eiskalt und erfolgsicher ausgeteilten Hieb. Bismarcks Gestalt wird in ihrem ganzen Reichtum vor uns lebendig. Viele Menschen scheinen vor unseren Augen aufzustehen: liebende, hassende, nüchtern planende und leidenschaftlich erregte. Wir können kaum glauben, daß soviel Kraft, Vielgestaltigkeit und Weite, so viel Schatten und Licht in einem irdischen Wesen Raum fanden. Bismarcks Privat-Briefe gewähren uns den Anblick solchen Menschentums und schenken uns Farbe und Klang einer Sprache, die geschmeidig und kraftvoll zugleich allen Regungen, Gefühlswallungen und Gedanken treffenden Ausdruck verleiht und die das Märchen von der Sprödigkeit und Unbeholfenheit des Deutschen endgültig zerstreut.
Die bei der Deutschen Verlags-Gesellschaft, Berlin, erscheinende und von Wolfgang Windelband und Werner Frauendienst gemeinsam herausgegebenen Briefe Bismarcks in zwei Bänden umsasien sämtliche Privatbriefe des großen Kanzlers: sie enthalten 290 bisher ungedruckte Bismarck-Briese, vor allem Briefe an Karl Friedrich von Savigny, Rudolph von Delbrück, Hermann Wagen er und viele andere. Diese neuveröffentlichten Zeugnisse aus Bismarcks Leben, besonders bis in die sechziger Jahre hinein, bieten inhaltlich zwar keine Sensationen, sie sind aber ein reizvoller Beitrag, mit dessen Hilfe wir gern noch einmal das Leben des Reichshegründers verfolgen.
Mit Karl Friedrich von Savigny, dem Sohn des berühmten Staatsmannes und Rechtsgclehrten, war Bismarck seit seiner Aachener Zeit in warmer Freundschaft verbunden: erst später wurde er als einer der Führer der Zentrumspartei zu seinem heftigsten Gegner. Aus den ersten Briefen aus den Jahren 1837 und 1838 erhalten wir einen Einblick in die Seele des tollen, ungebändigten und überschäumenden Bismarck, der mit seinen Aachener Vorgesetzten in Streit liegt, der sich eigenwillig einen Urlaub nimmt, sich in ein Liebesabenteuer stürzt und aus dem Schuldenmachen nicht herauskommt. An Savigny schreibt er im August 1837: „Sobald ich meine Gläubiger zufrieöcngestellt haben werde, was hinnen einigen Wochen erfolgen wird, soll es mir gleichgültig sein, was man von mir glaubt." Und einige Tage später: „Den Urlaub möchte ich schriftlich haben, und zwar wie etwaige andere Schreiben unter der Adresse meines Vryders, der meine Angelegenheiten während meiner Abwesenheit besorgen und auch meine Aachener Finanzen in Ordnung bringen wird... Ich habe


