Augen rollten" (Lersch). Der Bergmann spricht: »Erde, wie Ian« ick mich in deinen innersten Anfang hinein ... tWohlgemuth), und der Soldat im Schützengraben sucht m der mütterlichen Erde Schutz. „Doch will der Tod auf uns Soldaten halten, kriechen wir, Erde, in deine Winkel und Falten, dürfen enggepretzt an deinem Herzen liegen, Kindern gleich, die sich in Mutter» Rock ver- fchmiegen. Ueberall hast du uns gedeckt Deine Gute ,st nicht mit Grenzen abgestecki" (Bröger). Aber diese Erde ist nicht nur da» offene Ackerland und nicht nur das blutgetränkte Erdreich des Schützengrabens, sie lebt auch in jedem Meter Boden, der riesige Mietshäuser trügt und nur in kleinen Gartenstucken noch in ferner Reinheit zu erkennen ist. „Mütterliche Erde der großen Stadt ... spärlich nur recken sich Baum und Blume ins Llcht uns zu kunden die Kräfte, die du liebend deinen Geschöpfen verströmst (Luijen»). Zugleich aber ist sie heiliges Land, in dem Gott sich oftenbart.
Laßt uns der Erde Wundermeer durchwühlen, denn dort steiget Gott gewaltig an das Land" (Wieprechi), und dem seinem Gebot Gehorsamen wird die Erde geschenkt: „Aber wird dir auch nie Vollendung, von Stufe zu Stufe reißt dich dein Wille, bis du erkennend fühlst, daß du Erde, und nur in ihr dich vollenden kannst (Kläber). Und eine stille Scheu befällt den Frommen vor der Größe dieser Erde. „Wie fremd wir noch der reinen Erde sind, wie stoßen wir uns noch an Nacht und Wind' (Lersch).
Nicht nach Sehnsucht nach einem verlorenen Land nimmt so der Arbeiter von der Erde Besitz, sondern er ergreift sie vorurteilslos und ohne rückwärtsgewandten Blick als das Land seiner Zukunft. Ihre Dichter entfliehen nicht auf eine romantische „Insel der Seligen" und täuschen sich nicht über die Schwere von Tag und Not hinweg. Auch die hundertfältigen Widerstände, Spannungen und Lasten ihrer mechanisierten Arbeitswelt können sie m dieser Grundhaltung nicht wankend machen. Der einzelne konnte sich zur Flucht wenden, das Arbeitertum als eine Einheit aber, das mutz sich diesen gigantischen Kräften stellen und sie nicht Herr über sich werden lassen, sondern sie in den Dienst des Ntenschen zwingen. Im Krieg, in dem nach Brögers schlichtem Wort, Deutschlands ärmster Sohn auch sein getreuester war, wird dieses Gemeinschaft»- gefühl vertieft und mit einem neuen Sinn erfüllt. Der Krieg ist der große Gleichmacher. „Es hat ein jeder Tote des Bruders Angesicht" (Lersch). In ihm entsteht die große Kameradschaft, die nicht mehr vergessen werden soll. Was der Arbeiter verteidigte, erscheint ihm bei seiner Rückkehr aus dem Krieg wie ein Geschenk von neuem gewährt. „O wie lächelt das Land? ivft das diesel >e Erde noch wie einst? ... Deutschland, nimm auf mich Armen, umschmiege mich, der da lächelt mit weinender Seele. Jeder, der heimkehrt vom Kriege, der ist im Meere der trauernden Menschheit eine leuchtende Insel vom Glück" (Lersch). Und es ,st ein einfaches Begegnen und Wiedererkcnnen und neues Besitznehmen von Land' und Freund. „Menschen gehn vorüber, einer gibt dem gnderen die Hand, spricht voller Freude. Sieh, mein Guter, Lieber, wie so fruchtbar unser Land" (Petzold). Aber d,e Nachkriegswelt stützt die Heimkehrenden von sich ab, verhöhnt „die armen, unerhörten Beter", die „ihrer armen Wünsche Leichen wie tote Kindlein in des Glaubens Grund" senken (Petzold). Aber durch alles, was geschieht, fühlen sich die Ilrbeiterdichter nur tiefer „hinabgestoßen zu dir, Urgrund des Volkes!" (Lersch). „Volk, Volk, noch weht ein Flammenring um deine Leiber: die Ahnung und der Wille deiner Söhne, Töchter und der vielen Brüder schon lätzt die Musiken einer Hellen Zukunft uns erhören. Du Volk: wieder die große Fahne!" (Oschilewski). Und iiibelnd verkünden sie: „Die alten Götter sind tot. In diesen Tagen haben wir I ihre Bilder zerschlagen und künden laut ein neues Gebot: Volk, I du bist groß und unbegreiflich in deinem Tun, Volk, dein Schoß I läßt die Kinder der Zukunft los!" (Bröger).
I Aus diesem Geist führen die Dichter nun den Kampf mit der I Maschinenwelt, die sie seelenlos machen will, den Kamps um den I Sinn der Arbeit. Der Glaube an die Bestimmung des Menschen und das Bewußtsein, nicht allein zu stehen, sondern in einer großen Kameradschaft, die auch hier, an diesem Platz, ,n der Maschinenwelt, frei und tätig sein will, gibt dem Arbeiter die Kraft sich die Maschine dienstbar zu machen. An seine Waffe, das Arbeitsgerät, verschenkt er seine Liebe, den Rhythmus der Maschinen überwindet er durch den Rhythmus seines eigenen Lebens und dem Werkstück gilt seine Freude und sein Stolz. Nicht die gegen die Zeit wütende Aufsässigkeit der Maschinenstürmer gewinnt Macht über seine Seele. Die in Pflua und Maschine gebändigte Erdenkraft wird bejaht, da der Mensch sie zu beherrschen vermag. „Wir, die den Hammer schwingen, wir, die das Eisen hämmern, nur sind die Kraft! der Erde Herzen! ... Der Amboß Erde erdröhne von I unserem Werde!" Der Arbeitsvorgang wird zum Sinnbild der Gestaltung der neuen Welt: „Wir sckmicden,' daß die Funken grellen, um alle Geister zu erhellen. Wir drehen, daß die Spane sliegcn, um eine neue Form zu kriegen. Nehmen größer, kreischend, jeden Span: enthülln den Kern von mgrschem Plan ... Wir Schmiede, wir Former des Neuen!"
Aber der tiefste Sinn der Arbeit liegt in ihrer Bestimmung für die Gemeinschaft. Der gleiche Arbeitsvorgang wird schöpferische göttliche Arbeit genannt, wenn er der Gemeinschaft dient, wider- göttlich dagegen und ein „Molochs- und Baalsdienst", wenn diese Bestimmung fehlt. Aus der Erde, die mit all ihren Kräften nach göttlicher Bestimmung dem Menschen gegeben ist, erwachst als eine lebendige Kraft das Volk, das in jedem einzelnen wirkt und ihn in die Gemeinschaft führt. Darum mutz die Arbeit, mit der von der göttlichen Erde Besitz ergriffen wird, dem Volk und der Gemeinschaft geweiht sein. Dann erst vermag sich der Ring zu schließen, der Gott und Merckch verbindet und durch Erde und Volk hindurckfließt, dann erst erfüllt sich Brögers Wort: „Die Arbeit ist ein Keim zu Gott."
Auch der Volksredner kaufte eins, sah es sich genau an und . erklärte: „Mein lieber Titulesku — mein Wort! 500 ©tuet nrnröe ich dir von dem Zeugs sofort abkaufem wenn du sie hier hattest. Aber du bist ja viel zu dumm dazu! Drei Lei! Für fünf Lei... was sage ich — für zehn Lei läßt sich so et« Ding ohne weitere» I roC2)ei Chinese lächelte, stand geruhsam auf, nahm seinen Koffer I vom Brett öffnete ihn... er war bis zum Rand mit diesem Spielzeug vollgestopft! Immer 50 Stuck zu einem ^ofet ge- bündelt. Zehn solcher Pakete nahm der Chinese heraus und überreichte sie lächelnd dem Volksredner. ,
Der stutzte einen Augenblick, sah sich mißtrauisch um, dann griff er in feine Brieftasche, zückte 1500 Lei, zählte und erklärte, $auf den Dörfern ein Bombengeschäft mit dem -Beug»>3« •
Un& da er ein „gebildeter Mann war, glaubte ihm jeder und | ie6et f“ ufte ,pentru copii", „für die Kinder daheim" ein oder mehrere Stücke... ich selbst nahm deren vier und konnte mich I über die Unsumme von Arbeit nicht genug wundern, die darin steckte und die der Chinese Stück für Stuck für 3 Lei oder 7,5 Wie "er das^mache?" wollte der ganze Wagen wissen. Der läch'Le Chinese gab lächelnd Auskunft: man Nimmt buntes tlinnier leat es zusammen, schneidet es, klebt e» uno matyi... dsooo":' und der Sohn des Himmels räuberte wiederum einen neuen Blumenstrauß aus dem Nichts in das Nicht». Mit seiner singenden Stimme erklärte er, schon seit geraumer Zeit in I Rumänien zu leben, jetzt führe er zum f/°^n^ahrmartt nach Liatea vielleicht könne er dort den Rest seiner Ware losweroen.
In diesem Augenblick hielt der Zug... „Sarnnsegethusa riefen 6ie Schaffner, ich stieg eilig aus, um mich bei den Nachfahren des Königs Dezebal etwas umzusehen und überließ den Sohn des Himmels feinem Schicksal. *
Hier könnte ich von Rechts wegen eigentlich den Schlußpunkt hinter mein schlichtes Eisenbahnerlebnis setzen, wenn e» eben nickt nock eine Fortsetzung gehabt hätte. Arn gleichen Abend kam ! ich 'nänilich spät aüends mit dem Auto in Hateg an um von hort mit her Kleinbahn nach Deva weiterzu?ahren. Der T^arte I foul des Bahnhofes war von Marktbesuchern aus der ganjen I Umgebung überfüllt wie ein Etappenbahnhof im Kriege nach dem Eintreffen des Räumungsbefehls. Kopf an Kops eme graue, müde Masie Mensch — aber: jebe Frau und jeöer Mann und ieoe» Kind _ all diese abgehetzten Lebewesen hatten ein chinesisches Wunderstübchen in der Hand und zauberten damit aus dem Nichts Blumen, Würfel und bunte Kugeln ins Nichts. Und o^e sahen dabei lächelnd und sinnend auf das Sp.elzeng und der Geist des lächelnden Chinesen schwebte über dem Ganzen...
Und als ich das gesehen hatte, da ging mir zum ersten Male ein Licht über das eigentliche Wesen der „G e 16 en G e f ah r auf! Gewiß, sie hatte sich hier, mitten im gottverlassenen rumänischen Gebirge nur von ihrer harmlos-liebenswurdig-spwle- rischen Seite her offenbart, das konnte aber nicht "ber die -^at- sache hinweqtäuschen, daß sich dieses gelbe Spielzeug, dessen fpoft- billiger Preis schlechthin nicht mehr zu unterbieten war, im . Qnufc »ines Nachmittages in des Wortes verwegenster Bedeutung einen .großen Markt" erobert hatte: harmloses Spielzeug — I aeroiü. Aber noch von jeher ist aus einem „Spiel in den meisten Bällen Bitterer Ernst geworden. Wie lange wird es noch dauern und es tauchen auch in Rumänien, dem südöstlichen Emfallstor Europas „gelbe" Fahrräder für 12 Mark und elektrische Birnen für 5 Pfennige auf? Das ist die große Frage!
Und dann???
Deutsche Arbeite? dichtung.
Von vr. PaulJunghans.
Alle echte Dichtung ist in ihrem Urgrund einfach und fromm. Wer sie erschließen will, um an ihr teilzuhaben, darf darum nicht an ihrer Oberfläche haften bleiben und sich nicht damit begnügen, ihre mannigfaltigen Formen, ihre Rhythmen und ihre Sprache zu erkennen und zu ordnen: dieser Weg führt notwendig in die Irre und entfremdet in feiner Unzulänglichkeit den mit redlicher Bemühung Suchenden von den Dichtwerken, denen er nahe kommen wollte. Wer Dichtung als Gestalt begreifen will, der muß in die Tiefe ihrer Bilder und Klänge hinabsteigen, um jene einfachen und frommen Empfindungen aufzudecken, in denen die dichterischen Gesichte und Worte ihren Ursprung haben und rote ein Traum über einem schlafenden Antlitz wehen.
So können wir bis in die Zellen der .Dichtung ein- dringen. Darum soll versucht werden, die Arbeiterdichtung, die aus jahrhundertelanger Stummheit aus den Tiefen de» Volkes heraufklingt, als Gestalt zu begreifen und ihren Urgrund und ihre Höhe, ihren Gehalt und ihre Weite zu erschließen.
Die Erde ist unsere wahre Mutter, sie hat uns geboren und hat uns genährt ... unser eigenes Leben hat in ihr seine Herberge, und einmal auch wird sie unsere Gebeine beherbergen. D,e Erde ist die Mutter des Menschen in alle Ewigkeit. Au» der Erkenntnis dieses Lebensgesetzes und aus dem Gehorsam, ihm zu folgen, kommt die Einfalt und Lebenskraft der Arbeiterdichtung. Und es ist die wirkliche Erde, auf der der Mensch steht, aus der ihm die Nahrung aufwächft. Sie ist ihm auch der ^stoff, öen er durch feine Arbeit zum Werk des Menschen formt. Er naht sich der Erde in Ehrfurcht und Anbetung: sie ist ihm Arbeit und das Brot, nach dem er greift, wenn ihn hungert. „Da mich hungerte ... brach ich eine Scholle Erde und biß und kaute, atz: und steckte Krume auf Krume in den Mund, indes die Tränen aus den


