Ausgabe 
10.12.1934
 
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Wille warf ihm einen verwunderten Blick was Sie wollen, aber sagen Sie mir endlich, spielt wird."

nächst zu sondieren.;

Der Professor hat mir auch kein Wort davon gesagt", fiel ihm Wille ins Wort.

Weil er die gleichen Bedenken hatte. Deshalb hat man den alten Schmidt vorgsschickt, der sich von seinem hochverehrten Chef gern ein paar Dutzend Grobheiten an den Kopf werfen läßt, wenn es ihm nur gelingt, ihn für die große neue Sache zu gewinnen. Mein lieber Herr Dr. Wille, geben Sie mir bitte keinen Korb."

Er streckte Wille langsam die Rechte hin.

Schlagen Sie ein, versprechen Sie mir, daß Sie den Vorschlag der Regierung annehmen werden."

Langsam griff Wille nach Schmidts Hand.

Mein lieber alter Schmidt, ich habe Ihnen unrecht getan. Ich glaubte. Sie wollten mich verlassen. Ich will Ihnen versprechen, das Angebot nach bestem Wissen und Gewissen zu prüfen, sobald es mir offiziell gemacht wird."

Auch anzunehmen, Herr Wille? Das ist mir die Hauptsache. Soviel ich weiß, beabsichtigt man. Ihnen den Titel und Rang eines Reichs­kommissars zu geben."

Dr. Wille fuhr sich wie träumend über die Stirn.Titel und Rang eines Reichskommissars, merkwürdig, Schmidt, merkwürdig ... wenn ich mich recht erinnern kann, waren Wihmann und Peters einmal

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Mein sehr verehrter Herr Dr. Wille, man

in Berlin und man möchte sich dort keiner Ablehnung von Ihrer Seite aussetzen. Sie begreifen, daß eine Ablehnung, von Ihnen vielleicht in einer ersten Aufwallung gegeben, die Verhandlung sofort auf einen toten Punkt bringen würde. Man bat deshalb Professor Eggerth, zu-

Der Schein eines Lächelns huschte über die faltigen Züge Schmidts. Darf ich ganz offen zu Ihnen sprechen, als arbeiter ... und Freund, Herr Dr. Wille?"

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Reichskommissare. Das erinnert sa beinahe an die Erwerbung unserer ersten Kolonien."

Dr. Schmidt versuchte zu lachen.

Hier in der Antarktis dürfte es kaum etwas zu kolonisieren geben, Herr Wille. Der Titel wurde wohl gewählt, um Ihnen die notwendige Stellung gegenüber dem Ministerialrat Schmidt zu geben, den die Herren in Berlin aus mir machen wollen."

Dr. Schmidt stand auf.

Darf ich an Professor Eggerth fünfen, daß Sie bereit sind, das Angebot der Regierung anzunehmen?"

Es kommt zu schnell, lieber Schmidt. Lassen Sie mir noch em paar Stunden Bedenkzeit. Sagen wir heute abend. Rach dem Essen werde ich Ihnen meine Entscheidung mitteilen."

Und bann war Dr. Wille allein. In der Gesellschaft von tausend Gedanken und Ueberlegungen, die auf ihn einftürmten.

Schweigend hatte Dr. Schmidt den Raum verlassen. Mit langen Stechschritten stelzte er durch den Schnee zur Funkerbude hin. Lorenzen ah ihn mißtrauisch herankommen. .Wahrscheinlich bringt der wieder einen halben Zentner irrsinniger Zahlen, die nach Potsdam zu funken mb', buchte er, als ber Doktor bei ihm eintrat, aber biesmal brachte ber Doktor keine seiner enblosen Tabellen zum Vorschein. Rach kurzem Gruß griff er sich einen von ben Schreibblöcken, warf ein Dutzenb Worte barauf unb schob ihn Lorenzen hin.

An Professor Eggerth persönlich. Bitte sofort fenben."

Mechanisch griff Lorenzen nach bem Papier. Dr. Schmibt blieb neben ihm sitzen, bis ber Funkspruch abgegangen unb sein Empfang aus Bitterfelb bestätigt worben war. Dann ging er zur Station zuruck.--

Um bie gleiche Zeit hielt Professor Eggerth eine Depesche aus ber Antarktis in ben Hänben.

,Das Eis ist gebrochen. Heute ahenb soll es sich entscheiben. Schmibt.

Der Abend kam herauf, aber er brachte die Entscheidung noch nicht; nur einen zweiten Funkspruch an Professor Eggerth: ,48 Stunden Be­denkzeit erbeten, Dr. Wille'.

Nachdenklich wog der Professor die Depesche in der Hand.

Irgendwelche neuen Hemmungen mußten eingetreten fein. Anders war die Bitte um eine so lange Bedenkzeit nicht zu erklären, und Pro­fessor Eggerth war selbst genügend Psychologe, um die Gesahr, die darin lag, sofort zu erkennen. Der tote Punkt mußte überwunden werden und er glaubte, die Mittel dafür zu besitzen.--

Ein Reichsinstitut in der Antarktis.

Man war im Werk gerade dabei, die ersten Schiffe von Typ ,St 11* aus ber Neufabrikation für bie Pazificlinien einzufliegen. ,St 11a' hatte bie ersten 10 000 Kilometer bereits hinter sich, als es um bie achte Abend- ftunbe auf bem Werkhof nieberging. Hein Eggerth kletterte aus bem Rumpf, Berkoff unb Hansen folgten ihm.

Der Kahn ist großartig", rief Hansen vergnügt unb schwenkte dabei das Logbuch von ,St 11a' in der Rechten.

In der Hoffnung auf ein gutes Abendessen schlugen die drei Piloten zusammen den Weg zum Kasino ein, als der Professor Urnen in den Weg trat. Eine kurze Begrüßung, ein kurzer Bericht über den letzten Flug, und der Professor ging zusammen mit ihnen weiter.

Die Herren wollen sich restaurieren. Ist recht so! Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen."

Zu viert nahmen sie auf Einladung des Professors an dem runden Stammtisch im Prokuristenzimmer des Kasinos Platz und bald duftete es angenehm aus vollen Schüsseln. Professor Eggerth saß neben seinem Sohn und studierte aufmerksam das Logbuch des neuen Stratosphären­schiffes, während die anderen sich über die aufgetragenen Gerichte her­machten. Eine Weile ließ er sie gewähren, dann zog er Hein beiseite unb begann mit ihm zu sprechen. Üeise, fast flüfternb zuerst, halb banach lauter, so baß auch bie anbern hören konnten, um was es sich hanbelte unb was ihnen beoorftanb. In einer halben Stunbe sollten sie mit ,St 11a' zur Antarktis starten.Pfui Deibel", sagte Hansen, aber vor­sichtigerweise so leise, baß es ber Professor nicht hören konnte.

Ich hätte mich eigentlich aufs Bett gefreut", flüsterte Berkoff ihm zu.

Cs ist von Wichtigkeit für unser Werk unb für noch mehr, meine Herren", sagte Professor Eggerth, und da waren Müdigkeit und Ab­spannung im Augenblick abgeschüttelt.

Was sollen wir mitnehmen?" fragte Hein.

Keine Sorge für dich, mein Junge. Draußen wird schon alles eingeladen. Zwanzig Minuten könnt ihr hier noch gemütlich fitzen, bann wirb gestartet."

Zur festgesetzten Zeit schvaudte fich ,St lla in bie Höhe unb stürmte nach Silben bavon.

Professor Eggerth hatte mit seiner Vermutung recht, baß eine Hem­mung eingetreten sei. Währenb Dr. Wille in langen Stunben sein bis­heriges Lebenswerk durchdachte, währenb er fich oorzustellen versuchte, wie er es zukünftig unter anbern vielleicht günstigeren Bebingungen weiterführen sollte, geriet er immer wieber an einen Punkt, über ben er nicht hinwegkam. Sein ureigenstes Werk war diese ganze antarktische Station, wenn er auch bte tatkräftige Hilfe der Cggerth-Werke nicht unterschätzte. Von ihm war die Idee ausgegangen, unb fein ganzes nicht unbebeutenbes Vermögen hatte er in ihren Dienst gestellt.

Eine Fülle neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse war im Lause biefes letzten Jahres gewonnen worben. In ben gelehrten Zeitschriften aller Kulturvölker waren Berichte barüber erschienen unb hatten seinen Namen in ber ganzen Welt bekannt und berühmt gemacht.

Nun sollte das plötzlich anders werden. Nicht mehr nach feinen eigenen Ideen, sondern nach denen der deutschen Regierung ... eines Ministeriums der Regierung ... irgendeines unbekannten ... vielleicht unbedeutenden Dezernenten dieses Ministeriums sollte zukünftig gearbei­tet werden. Er kam nicht darüber hinweg, sooft er in seinen Gedanken bis an diesen Punkt gelangt war.

(Fortsetzung folgt.)

Dr. Wille pfiff durch die Zähne.

Das Kultusministerium hat bis jetzt keinen Pfennig zu meiner Ex­pedition beigefteuert, und da berufen Sie sich mir gegenüber auf diese Behörde. Ich begreife Sie nicht mehr."

Sie werben mich vielleicht besser verstehen, Herr Dr. Wille, wenn ich Ihnen sage, daß bas Kultusministerium jetzt bereit ist, die Expedition finanziell zu unterstützen."

Dr. Wille ließ sich in einen Sessel fallen. Er brauchte Zett, um die unerwartete Nachrichte zu erfassen.

Davon hätte ich als Leiter der Expedition doch zuerst etwas er­fahren müssen", fuhr er nach einer Weile fort,vorläufig ist mir nichts davon bekannt. Ich würde es mir auch noch sehr überlegen, ob ich eine solche Unterstützung annehme. Sie wird wahrscheinlich nicht sehr bedeu­tend sein, unb bas Ministerium wirb mir bafür in unerträglicher Weise in meine Arbeiten fjineinreben."

Schmibt schüttelte ben Kops.

Das würben Sie kaum zu befürchten haben. Das Ministerium wünscht nur, baß wir mit ben Transportmitteln, bie es uns zur Ver­fügung stellen will, einen Teil ber Station motorisieren unb Forschungs­reisen in süblicher Richtung unternehmen, bis wir bie besten Bebingun- gen für unsere Arbeiten gefunben haben..."

Dr. Wille hatte einen Bleistift ergriffen unb spielte nervös damit. Stockend, oft lange Pausen machend, sprach er:Herr Dr. Schmidt ... ich muß Sie daran erinnern ... daß Sie mein Assistent sind und bei mir in Brot und Lohn stehen. In Ihrem Anstellungsvertrag befindet sich ein Passus, daß die Arbeiten der Expedition nach meinen An­weisungen zu erfolgen..." , ..

Verzeihung, Herr Wille", unterbrach ihn Schmidt,hier wurde m Zukunft eine Aenderung eintreten. Das Kultusministerium beabsichtigt, mich mit Beamteneigenschaft in den Staatsdienst zu übernehmen. Sie werden es begreiflich finden, daß ich eine solche Ehanee nicht vorbei­gehen lassen kann." ..

Der Bleistift in Willes Händen zerbrach in zwei Stucke.Großartig, Herr Dr. Schmidt", rief er, während er sie achtlos beiseite warf,Sie werden also Staatsbeamter, wahrscheinlich Ministerialrat, werden mir hier womöglich vor die Nase gesetzt ... und ich habe keine Ahnung von alledem, was sich da bereits hinter den Kulissen abgespielt haben mutz. Pfui Teufel, Herr Schmidt, das hätte ich von meinem lang­jährigen Mitarbeiter nicht erwartet."

Der lange Schmidt machte eine verzweifelte Abwehrbewegung.

Nicht doch, Herr Dr. Wille. Sie verkennen bie Situation voll­kommen, man benft gar nicht baran, hinter Ihren Rücken vorzugehen. Es besteht im Ministerium bie Absicht, unsere ganze Expebition zu ver­staatlichen unb auch Sie in ben Staatsbienft zu übernehmen ... wenn Sie bazu bereit sind, Herr Wille ..."

Und wenn ich nicht dazu bereit bin?"

Schmidt zuckte die Achseln.

Dann würden wir uns trennen müssen, wollen Sie sagen, Herr Schmibt? So ist es boch!" schrie ihm Wille ins Gesicht.

Minuten vergingen, in benen keiner ber beiben ein Wort sprach. Dann begann Schmibt von neuem.

Wir wollen versuchen, Herr Wille, biese Unterrebung unter Bei­seitelassung aller Nebensächlichkeiten zu Ende zu bringen. Die Regierung erkennt Ihre großen wissenschaftlichen Verbienste voll an. Sie will bie antarktische Expebition, bie Sie bisher aus Ihrem Privatvermögen finan­zierten, zu einer bauernben Institution bes Deutschen Reiches machen, und sie will Ihnen babei burchaus diejenige Stellung geben, die Ihnen nach Ihrer ganzen Vergangenheit zukommt. Es wäre ein schwerer Verlust für die deutsche Wissenschaft, wenn Sie dieses Angebot nicht annehmen."

Dr. Wille sprang erregt auf.Sie sprechen von einem Angebot, Schmidt. Aber man hat mir ja noch gar kein Angebot gemacht. Von allen diesen Dingen höre ich zum erstenmal aus Ihrem Mund"