Ausgabe 
10.9.1934
 
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Columbus betritt den |ungfräulld;en Boden Amerika» unter dem Schutze bayrischer und fläml|d;er STriener, und die «nermeßlicheu Länder der neuen Welt wurden von gerrnanifchen Landsknechten dem spanischen König zu Filmen gelegt. Bartholomäus Diaz und Basco de Tama erobern Indiens Schätze mit deutschen Artednslerv und Pikenieren. Bon den svanischen Fort» aus Panama weht die Fahne bajnvnrischer Söldner. De» wilden Cortez buntzusainmengewiirselte Streitmacht besteht zu drei Fiinsteln an» deutschen Söldnern, und der grimme Pizarro ringt da» riesengroße Reich der Inka» mir mit Hilse seiner getreuenAlemanos" nleK

.merika wird von deutschen Soldaten Englands erobert, und den großen Kampf, ob der nördliche Kontinent 'Amerika» Frankreich oder den Stuart» zinsen soll, fechten wieder deutsche Söldner aus. De» Sonnen­könig» Schweizer-Regimenter sterben bi» ans den letzten Mann aus dem Blutseld von Malplaquet; den heranrasselnden ölfenreliern Oliver Crom­wells tönt bei Marston-Moore da» letzteEs lebe der König Karl von Stuart!" deutsch entgegen. Für und gegen die Freiheit der Union» stauten von Nordamerika streiten deutsche Regimenter. De» großen George Washington» erster Armeechef ist der preußische General v. Steuden, der die wilden, unbändigen Grenzerscharen mit Hilse seiner altbewährten Unterosfizlere nach sriderizianischem Reglement drillt. Man kann heute ruhig behaupten, daß nur deutsche» Blut und deutsche Mannevkrast der jungen Republik zum Endsiege verhalfen. Aber auch aus der Gegenseite sterben die griinrörkigen Hessen todesmutig unter dem linionjack bei iErenton, und ungebeugt ziehen die deutschen Fremdregimenter Groß' britannien» vor den deutschen Bataillonen Washington» vorbei.

Ain Kap der guten Hofsnung und tief In den Urwäldern Ceglono erklingen altvertraute Volksweisen au» Württemberg nnd Franken, wo da» berühmteKap-Regiment" der holläudsich-oslindischen Kompanie die Fahne Oranten» l>nchhält und illuftre Namen, wie einen V) ort, zu seinen Bntnillonvsührern zählt. Rur ein kleiner Bruchteil jener auf­rechten Söhne Schwaben» fleht jemals die heimatlichen Fluren wieder, im aufreibenden Kolonialkriege gegen Mahratten und Singhntesen geht diese» stolze Fremdenregiment völlig zugrunde.

Uber den Horizont ragt visionär die Gestalt de» kleinen Korsen.Vive lempereurl" schallt e» au» bayrischem, sächsischem, hessischem und bergl« schein Mund. Frankfurter Grenadiere schlagen sich in Sizilien, und die Besatzung der damals sranzösischen Ionischen Inseln stellt ein Chevau­leger-Regiment mio Köln und Düfseldors. Für und gegen Napoleon kämpfen Deutsche. Mestsälische Lnnzier» und badensische Dragoner attackieren in Spanien mit wilder Todesverachtung die deutsche Legion Großbritannien», die unter dem Braunschweiger Herzog kämpft: sa selbst aus dem säst völlig vergessenen und unbekannten Kriegsschauplatz aus der Negerinsei San Domingo sinden wir Elsässer .Husaren und Schweizer Voltigeurs. Preußische Osslziere rümpfen zu Hunderten in der russischen Armee de» Jahre» 1812. Da» Westfalen Korps wird ans dem Schiacht- seide van Borodino bi» auf den letzten Manu vernichtet, in der Eiswüste der Beresina verdirbt die fächsische Gardediöision.

Die ersten Jahrzehnte de» 19. Jahrhundert» kann man nl» neue Blütezeit de» modernen Landsknechtsiiun» bezeichnen. England erkämpft feine» anßereuropälfchen Kolonialbesitz fast ausschließlich mit deutschen Söldnern, die wieder hergestellten bourbonischen Königreiche in Frank­reich und Italien stützen Ihren stet» wankenden Thron nur mit deutschen Soldnern. In Neapel, Rom, Sizilien, Tovkcina, Madrid ist die Dienst­sprache der königlichen .Hausregimenler deutsch In Frankreich wird die Fremdenlegion nach der Iulirevolulion von 1830 ausgestellt, der allso» flleld, Zehntausende zuströmen, welcher Andrang bl» ans unsere Tage nie mehr abnimmt. In Rnrdasrlka und Marokko, Indochina und Mada­gaskar, am Senegal und Niger weht die Trikolore der Fremdenlegion.

Die Reaktion nad; 1848 treibt neuerlich Zehntnusende besten deutschen Blates ins Ausland unter die fremben Fahnen. Eine benlich englische Brigade kämpft Im Krimkrieg vor Sebastapol: hannöverische Reiter (Idjern englischen Besitz im Zululande und an den Duellen de» Baal- siusse». Im großen indischen Ausstand de» Jahre» 1854 bluten rein­deutsche Britenregimenter, und weit hinein in» wilde Afghanistan mar­schieren deutschstämmige Soldaten her Königin Viktoria. In Amerika ent brennt 1802 der große Kamps zwischen Nord und Süd um die Sklaven- frage Wieder stehen sich Brüder, Bellern und engere Volksgenossen gegen­über. Die Deulschamerikaner de» Norden» formieren eigene Armeekorps, hie berühmten Reiterschwadronen Dirgimen», die dem Süden zuge schworen, bestehen ausschließlich aus elngewanderten Deutschen

Maximilian von Defterreid) geht seinen Todesweg nach Mexiko. Eine vslereichsich-betgische Legion blutet vor Puebla und Oueretnro. Flämische und steirische Osslziere sind die letzten Stützen he» unglücklichen Kaisers.

Wilde, blutige Urmalbkämpfe aus Sumatra und Borneo werden von deutsd).holländischen Legionären auogesöchten, die ">ederland>sd)e Frem­denlegion rekrutiert sich bl» heute ausschließlich aus Deutschen. Die süd- nmerlkanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Chile, Peru. Bolivien, Paraguay bekriegen sich unter wahnwitzigen Opfern b « zum 'Weiß­bluten. Deutsche Ansiedler kämpfen für ihr neue» Vaterland auf feder Seite Don Pedro» brnfililnnifdier Königsthron wird durch deutsche Regt- meuter errichtet, die treu zu ihrem Herrscher stehen. Die letzten Kämpfe um feinen abfallenden Kolonialbesitz von Kuba und ans den Plsilippinen sicht Spanien mit geworbenen deutschen Fremdl-nreglmentern. 1 äpstliche Znaven unter Züricher nnd Luzerner Ossizieren bluten vergeblich 187 an her Porta Pia um die Selbständigkeit des Kirchenstaate« gegen den Anlturm de» geeinten Italiens. , , . . ..,

In romantischer 'Begeisterung eilen mleher oufenbe deutscher Iüng linde unb Männer ben Buren-Republtken zu .kK sie, Oberst Schiel nb bir deutsche Legion verbluten ans den fübasrika^schen Kopjes und-Drifte Mehr als zweitnuseiid Deutsche sterben in den Gefangenen lagern an St. Helena, da» letzte Aufgebot de» General« ® f io et befteht 3 3' Dritteln an« Deutschen. Aber and) unter englischer Fahne kampsl und stirbt deutschstämmige Mannfchast au« Natal und dem Kapland: wieder ^Wsi^sind b'ctz'der ^Gegenwart angelangt: der nuffeimenbe Nationa­

lismus hat In den letzten Jahren vor dem Weltkriege die Sucht nach frembem Kriegsdienst zurückgedämmt. Doch sogar hn größten Kriege der Menschheit standen beutsihsprachige Nordamerikaner an der Westfront gegen il>r alte» Heimatland, starben vor den Toren Konstantinopel» brt« tische Soldaten an» Australien und der südafrikanischen Union, bereu Muttersprache brutsch gewesen, hetzten beutschstämmige Bnrensöhne die letzten Helden Leklow» durch den asrikonifcheu Busch...

löotf Volk wacht auf.

Roman von W alter von M o 1 o.

iFortfelziingl

Nie sahen die Wertvollen unter uno den Zweck beo Dasein» in ben Gütern dieser Erde erfüllt! Nie hat der Deutsche von der Ausnutzung fremder Völker gelebt! Wir find in die Welt gesandt, um da» Unver­gängliche im Zeitlichen auszupslanzen! Wir tragen die Ewigkeit in uno, mehr al» jede» andere Volk! Was ist unsere nationale Einheit? Tiefster Glaube an die llnenblld)feit Ist sie, an die göttliche .Kraft unserer Seelen In der Jrdsichkeit! Wir find da» Herz der Welt. Versinken wir, jo ver­sinkt die Menschheit mit uno. Darüber seien Sie |id) klar!"

Fichte hält inne. Fragende Unruhe flutet unter ihm auf. Fichte fixiert einen Herrn, her eifrig auf dem Eckplatz zunächst der Türe init|d)relbt; her Mann sieht erschrocken auf; alle» starrt aus ihn unb auf Fichte; ber Mann verfärbt sich: er erhebt sich, Fichte zeigt zur Türe.

Hinaus, Monsieur!"

Al» zöge ihn Fichte« gebieteube Fingerrichtung mit sich, fchleicht der Mann zur Türe.

Hinaus ben Spion!" schreit eine Stimme Im ©aal. Zwei, brel, das ganze Auditorium brüllt auf. Der Mann Ist verfchwunden.

Fichte läßt den Arm sinken. Sein Antlitz erstarrt zu neuem, zu drohenderem Ernst.

Wenn hie Erdrosselung und Nichtachtung eine» jeden Volke» per« brecherisch 1(1", fährt Fichte fort,|o ist e» die Unterdrückung nufere» Volke» erst recht! Sie ift Mord an der Gesamtmenschheit! Dagegen rufe id) Sie aus! Deswegen stehe id) hier! Sie haben um bei Menschheit nullen national zu sein! Wenn Sie um ber Menschheit willen, wie eo Ihnen schurkisch geraten wird, Ihre Nationalität |e(;t ausgäben, so wäre do» soviel, al» wolle ein Menfch beten, baburd), das; er Gott lästert! Deut|d)lanb ist von Gott! Wenn die Mensd)heil weiter bestehen soll, müssen wir Deutschen weiter bestehent Nennen Sie mir", spricht Fichte bei sicherem, hellem Blick,nennen Eie mir doch die Dichter unb die Denker, be Gesetzgeber der anderen Völker, die so wie die unseren jede Regung der Zeit unb ber Völker nur in Hinsicht ans ben Gesamt- sorsichritt ber Menschheit prüften unb werteten!" Dem Üluolanb geht eo um spießbürgerlich nivellierende Gleichheit, um ßiitmacheuben Inneren Frieden, um hohlen äußerlichen Nationalruhm, um häusliche verschim-. melte, sogenannte Glückseligkeit, um Phrasen! Uno geht eo um ber Menschheit Sittlichkeit! Um ber Menschheit Emporentwicklung, uno geht eo um Gott!"

Glänzend sind bie Augen zu Fichte emporgerichtet; Fäuste haben | sich geballt, ergriffen gesenkt find die Köpfe, heiß, inbrünstig zustimmend nicken C8efld)ter. Fichte atmet hoch auf.

Viel Ungemach muß der Bauherr erleiden", sprld)t Fichte,der trachtet, die Zinnen dem Himmel zu zu erhöhen. Id; preise diesen Bau­herrn! Er läßt uns hilflos flehen, wenn wir abirren. Wir werden uns erheben", ruft Fichte,nufer Unglück hat uns gemahnt! Höher ! beim je!" Fichte dreht ben Kopf zum Fenster. Es ist jäh totenstill: Spielerische sranzöslfche Blechmusik hallt dünn von ber Straße in ben Saal empor.Laßt bie an ben Sieg glauben, bie nur bao Heute sehen", spricht Fichte.Wir sehen da» MorgenI Wir wissen, daß d>o> Heut«, biv> mir erleben, fein O nbe ist, e» ist nur ein 'Anfang! Die Ewigkeit trat einen Schritt zurück, um neue, um hoppelte Kraft zum Sprung vorwärts unb aufwärts zu gewinnen! *Dlad;l biejen Schritt! Sie werden diesen Saal als neue, al» bessere Menschen, al» einige Deutsche verlassen!" befiehlt Fichte. Fassen Sie sofort diesen Entschluß! Rur der, ber jeben Deutschen Bruder nennt, ist deutsd;, nur ber, ber alle» bafür aufgibt, ber entschlossen ist, für blefe Gesamtheit zu sterben, besitzt die wahre, die al(inäd;tlge Vaterlands­liebe Seien Sie bereit! Frei will jeder Mensch sein, ber Deutsche voranI Die Freiheit zu lieben, Ist bao Leben! E» bar, nicht bahln kommen", schreit Fichte in ben Saal,baß boo Wart deutsch zur Legende wirb! Wehrt euch! Umarmt end;, verbrüdert euch, sosort! Rust die Erinnerung an da« alte deutsche Reich In end; wach! Ich beschwöre euch! Ihr Jüng­linge", |;>rid;t Fichte,ihr steht noch ber Unschuld unb ber Natur nahe. Wollt ihr nicht Verbesserung? Id; besd)wöre end; Alte, beratet bie Iugenb! Stärkt Ihr ben Mut burd; eure Erfahrung. Stärkt Ihr bno Gefühl ber Scham, daß sie sieht: selbst bao Alter will mehr alo wir. Dao Vaterlanb beo Deutschen ist", spricht Fichte,bao Hau» jede» ßanbmannco, bat Heim |cbeo Bürger«, bie Hijsie jede« Arbeiters! Von unten auf wächst die Straft! Uno umschweben die Geister unserer Vorfahren! Sie flehen mit gerungenen Händen: .lieberliefert unbescholten unser Andenken ber rich­tigen Nachwelt! Nicht oergeblid; wallen wir mit unserem Blute bie Frei­heit ber deutschen Berge unb Ebenen erkämpft haben!' OEud; drohen die UngeborenenI Sie molien nicht, baß ihr die Stelle abreißen laßt, bie sie an bie große Vergangenheit ber Menschheit anblnben soll! Da« Auslaut) bc|d;mört euch! Wir kämpfen für alle, hie blind und geknechtet sind! Sollen bie Besten ber Menschheit umsonst an die erhabene Verheißung be» göttlichen Redste« geglaubt unb dastir gelitten hoben? Sollten sie vergeblich dasür mlllionenfndjen Tob gestorben sein? Sie sieben euch an, meine Brüder unb Schwestern, au» ihren Gräbern: .Rasit euch aus!' Fühlt ihr bie stehenden Arme, bie uno umhegen? Höri ihr bie flagenben Stimmen der Zermarterten um uno? Uno Deutsche beschwört ber göttliche Weltplan! Die @nt,d;elbung fällt 1 Durch un»! Wir haben zu entscheiden, ob ber Mensch ein sinnlose«, unfreie« Tier ist, ein Vieh, ob boo Fühlen unserer gepreßten Seelen berechtigt ift, ob nicht, ob eo Höhere« gibt, nl» ba« schmachvolle Dafein, bno wir jetzt führent Die Enlfcheibung dar­über ist in eure Hnub gegeben!"